(redigierte Fassung, 02/2008)
Dieses Gespräch wurde im Rahmen der Herbsttagung 2007 der Vereinigung der Freunde der Afrikanischen Kultur im Elfenbeinmuseum Erbach geführt und nachträglich von Bernd Muhlack selbst redigiert und gekürzt.
Seit wann sammelst Du und wie kam es dazu?
Tja, wie kam es dazu ... Ich kam damals als junger Holzkaufmann für eine norddeutsche Firma nach Afrika zum Einkauf und der Verschiffung tropischen Rund- und Schnittholzes. Nach dem Besuch fast aller west- und zentralafrikanischen Regenwaldländer entschied ich mich für den festen Standort Duala in Kamerun. Von dort aus bereiste ich in regelmäßigen Abständen die Holzländer Nigeria, Ghana, die Elfeinbeinküste, und in der anderen Richtung, Gabun und den Congo-Brazzaville. Ich war zunächst nur vom Fremdländischen, von der Andersartigkeit des afrikanischen Kunstgewerbes fasziniert, von der Existenz alter afrikanischer Kunst für kultische Zwecke, also von Stammeskunst, wußte ich noch nichts. Erst durch den Besuch von sog. 'chefferien', der Teilnahme an Festen, und durch die Bekanntschaft eines Händlers, der später sehr wichtig für mich werden sollte, wurden mir die Augen geöffnet. Übrigens gründete ich mit meiner, aus Deutschland nachkommenden Verlobten, eine Familie, unser Sohn wurde in Duala geboren.
Was war das erste Stück?
Mein erster Erwerb war noch ein kunstgewerbliches Objekt, eine kitschige sog. 'Elefantenbrücke', wie wir sie heute auch hier im Museum gesehen haben. Von der trennte ich mich schon bald wieder und konzentrierte mich nur noch auf traditionelle Stammeskunst. Das erste echte Stück war eine wunderschöne Maske der Bamilike, die noch heute einen besonderen Platz in der Wohnung hat. Ich kannte das Stück schon von einem Foto, dann kam die Nachricht, daß es nun vom Dorf den Weg in die Stadt gefunden hatte, und ich erwarb das Objekt. Aus heutiger Sicht war es sehr preisgünstig, jedoch darf man die Inflation nicht vergessen, der Wert des Geldes war ja um ein Mehrfaches höher.
Und was sammelst Du, bestimmte Regionen oder Länder??
"Ich beschränke mich auf Alles". Das ist ein Zitat von keinem Geringeren als von Johann Wolfgang von Goethe, der ja ein leidenschaftlicher Sammler gewesen ist, sehr breit gestreut. Es hat sich so ergeben, wohl auch durch meine sehr intensive Reisetätigkeit in den vielen Jahren, daß ich aus fast allen Regionen West- und Zentralafrikas etwas habe. Also gibt es weder Länder, noch Stämme, die ich ausgeschlossen habe, wenngleich ich zugeben muß, daß ich sowohl stilistisch, als auch von der Provenienz einige Vorlieben habe.
Und das seit 1959/60?
Ehrlich gesagt: 1959 noch nicht, in dem Jahr traf ich in Afrika ein, aber das Jahr 1960 kann ich wohl als den Beginn meiner Sammlertätigkeit bezeichnen.
Also fast 50 Jahre.
Ja, so ist es, wer es nicht glaubt, dem sage ich: "die weißen Haare sind nicht gefärbt."
Und warum sammelst Du immer noch?
Nicht, weil ich schon genug habe. Nein, wohl nur deshalb, weil es mir immer noch sehr viel Spaß macht. Es ist eine wunderbare Bereicherung des Lebens. Zwar habe ich auch schon mehrfach übers Aufhören nachgedacht, aber mit negativem Ergebnis.
Und ein Lieblings-Stück? Gibt es so was überhaupt? Oder mehrere?
Ständig wechselnd. Nein, ein Lieblings-Stück in der Sammlung gibt es nicht. Darüber bin ich eigentlich sogar ganz froh, daß ich insofern nicht festgelegt bin. Es gibt zwar ein paar Objekte in der Sammlung zu denen ich ein besonderes Verhältnis habe. Dies ist jedoch eher deswegen, weil mit ihnen eine 'story', also eine Geschichte verbunden ist, an die ich mich gern erinnere.
Die Stücke wurden dann überwiegend in Afrika erworben, oder?
Zunächst mal ja. Die ersten 20 bis 30 Jahre habe ich ausschliesslich in Afrika gekauft. Als es dann mit dem 'Nachschub' weniger wurde, begann ich, mich auch für Galerien in Europa zu interessieren. Ich kaufte Objekte in London, Paris und Brüssel, ein paar Stücke auch in der Schweiz. Ich schätze, daß 70 bis 80 Prozent der heutigen Sammlung direkt in Afrika gekauft wurde.
Und wer ist Dir in Afrika begegnet in dieser Zeit?
Viele, alle kann ich gar nicht so schnell nennen. Legendäre Namen sind unter ihnen, z.B. Pierre Harter, den ich sehr häufig traf. In Kamerun auch Philippe Guimiot, dem ich traumhafte Stücke verdanke. Ein sehr wichtiger Händler war, in Duala bzw Foumban, Amadou Moumie El Hadj, von den Afrikanern in dieser Zeit wohl der beste Mann. An der Elfenbeinküste gab es damals Samir Borro oder Ferrari de La Salle, unter den Afrikanern dort wäre als wichtigster Händler Gaston Dieu zu nennen. Und es begegneten mir immer wieder Europäer, die damals mit ihren Galerien meist noch neu auf dem Markt waren, die heute einen bekannten Namen haben. Einige von ihnen gibt es schon nicht mehr. Viele neue sind dazugekommen.
Was ist Dir beim Kauf der Stücke wichtig gewesen, oder ist Dir wichtig?
Qualität, Qualität, Qualität.
Und Ergänzungen zu schon vorhandenen Stücken?
Nein, überhaupt nicht. Ich war und bin kein Sammler der auf 'Vollständigkeit' bedacht ist. Die Vielfältigkeit meiner Sammlung hat sich wohl eher zufällig ergeben, direkt oder bewußt angestrebt habe ich sie nicht. Qualität allein war mir wichtig.
Wie oft warst Du in Afrika?
Nach meiner Rückkehr aus Kamerun mußte ich beruflich mehrmals järlich in die verschiedenen Holzländer reisen. Ich hatte gemäß Absprache mit der Firma völlig freie Hand, und so kamen, ich habe sie nicht gezählt, weit mehr als 100 Reisen zusammen.
Was hat Deine Frau zu Deiner zweiten Leidenschaft gesagt?
Sie hat sie zunächst als Manie bezeichnet, als Besessenheit, als übertrieben Leidenschaft. Sie hat die Sammlung auch gern als meine 'Zweit-Frau' bezeichnet. Manchmal kam auch richtige Kritik mit dem Hinweis auf unseren Konsumverzicht, den die Sammelei uns aufzwang. Die Wende brachte eine Baule-Figur, die ich von einer Reise im Handgepäck mitbrachte. Sie war von großer Qualität und großem 'Liebreiz'. Sie begehrte sie und ich schenkte sie ihr. Das war nun ihr erstes Stück, und ich hatte nie wieder Probleme.
Das war ein schöner Abschluss. Vielen Dank - es war nur sehr kurz, aber jetzt weiß auch jeder, was er Bernd Muhlack noch im Einzelnen fragen kann...
Vielen Dank an Dr. Bernd Muhlack



