Kunst&Kontext - Ausgabe 01 2011
18 FOTOESSAY KUNST&KONTEXT 1/2011 - MISSVERSTANDENE MAGIE
Verpflichtende Zitierweise/UrherberrechtAutorbeschreibung
Henning Christoph über Voodoo – in Wort und Bild
Seit Menschengedenken geht von Mysterien besondere Faszination aus. Und besonders in Gesellschaftsformen, die sich in nahezu vollkommener Aufklärung wähnen, wächst das Interesse an Phänomenalem rapide. Fast schon darf von einer „spirituellen Renaissance“ gesprochen werden. In schweren Zeiten, die derzeit alle Industrienationen überschatten, ist die Suche nach Seelenfrieden nur allzu verständlich. Was leider zwangsläufi g zahllosen Sekten und Scharlatanen in die Karten spielt. Mit unseriösen Machenschaften bringen sie den Begriff Spiritualität im Verruf. Vorurteile gegenüber Unbekannten ist die logische Konsequenz, wofür Voodoo ein nahezu perfektes Beispiel abgibt.
Voodoo - unwillkürlich spuken den meisten Zeitgenossen Horrorvisionen durch den Kopf: mit Nadeln gespickte Puppen, die Menschen Höllenqualen bereiten und Tote, die des Nachts Gräbern entsteigen und ihr Unwesen treiben. Geschichten, die uns kalte Schauer über den Rücken jagen. Und genau dies hatten pfi ffi ge Filmemacher im Sinn, als sie vor 80 Jahren in Hollywood dieses Genre erfanden. Von der Realität enthalten die Gruselstreifen nur ein kleines Fünkchen Wahrheit. Sicherlich, Magie und Hexerei spielen im tatsächlichen Voodoo-Kult durchaus eine Rolle und beides kann zu ähnlichen Ergebnissen führen. Und dennoch handelt es sich um grundverschiedene Dinge.
Zumindest darüber herrscht in wissenschaftlichen Kreisen Einigkeit: Die Fähikeit zur Hexerei wird Menschen praktisch in die Wiege gelegt und ausschließlich zum Schaden Dritter angewendet. Magie hingegen ist eine Technik, die prinzipiell jeder erlernen und Gutes wie Böses bewirken kann. Damit ist zumeist das fundierte Wissen über Voodoo bereits erschöpft. Nicht wenige Ethnologen, die afrikanische Kulturen als ihr Fachgebiet ausweisen, setzen den Begriff Voodoo mit „Schadensmagie“ gleich. Faktisch bedeutet er aus den Fon (Landessprache in Benin/Westafrika) ins Deutsche übersetzt bichts anderes als „Gott“ oder „Götter“.
Götter und Magie sind jedoch zwei elementare Säulen der komplexen westafrikanischen Lebensphilosophie, deren Wiege im kleinen Staat Benin zu suchen ist, gelegen im Dreiländereck von Nigeria, Niger und Togo. Als dritter Aspekt, nicht minder wichtig, kommt die Heilung hinzu. Die Voodoo-Heiler Benins praktiziern mit einer Kombination aus hypnotischen, psychosomatischen und pharmako-therapeutischen Ansätzen. Diese sind zweifellos deshalb so intensiv und erfolgreich, weil die Naturmedizin tief im Glauben der dortigen Völker verwurzelt ist. Dennoch birgt der schwarze Kontinent mit über 2.000 Präparaten auf Pfl anzenbasis, welche verabreicht werden, einen auch medizinischen überaus wertvollen Schatz.
Nicht minder faszinierend sind die unglaublich präzisen diagnostischen Fähigkeiten der Voodoo-Heiler, die Schulmedizin immer wieder unlösbare Rätsel aufgeben. Ohne den Patienten auch nur zu berühren, spüren sie physische wie psychische Probleme auf. Und entlarven gleichzeitig noch den Ursprung der Erkrankung, der nicht selten auf gestörte Spiritualität zurückführt. Rationale Erklärungen nach europäischen Muster sind in diesem Zusammenhang zum Scheitern verurteilt. Was bleibt, ist die unglaubliche Magie des Voodoo zu akzeptieren und zu dokumentieren.
Zwei junge Mami Wata-Adepten, eine mit Zwillingspuppen, in Dogbo.
Eine junge Frau wird in Cotonou, neben einem heiligen Iroko-Baum, von Hexerei gereinigt.
Ein junges Mädchen wird in einem kleinen Fluss in der Nähe von Abomey von Hexerei gereinigt
Bocios, Bos und Zauberfl aschen, als Schutz gegen Hexen, während einer Atigali-Zeremonie
Ein Holi-Zauberer (Azeto) aktiviert ein Bocio um eine Person zu sperren.
Atigali Adepten tanzen in Trance um ihrem Gott zu gefallen und sich gegen Hexerei zu schützen
Ein „Geisteskind“ in Trance wird zu einer Gandbada-Zeremonie getragen um Hexen auf zu decken
Ein Vodon Adept empfängt Macht vom Gott Ganbada um sich gegen Hexerei zu schützen.
Henning Christoph
Vielen Dank an Henning Christoph ! ! !
Verpflichtende Zitierweise zu diesem Artikel
- Zitierweise:http://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-01-2011/230-18-fotoessay-kunstkontext-12011; 18 FOTOESSAY KUNST&KONTEXT 1/2011 - MISSVERSTANDENE MAGIE; Henning Christoph; 2011
- Beachten Sie die Rechte des/der Urheber! Wenn Sie Artikel übernehmen wollen, fragen Sie nach! Wir leiten Ihre Anfrage gerne weiter.
- Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren TEXT-Ausschnitten ohne Rückfrage erlaubt. Bilder und andere multimediale Inhalte bedürfen immer der Freigabe durch den/die Urheber.
Autor
Henning Christoph

Henning Christoph wurde 1944 in Grimma bei Leipzig geboren, wanderte aber bereits 1950 mit seiner Familie in die USA aus.
An der University of Maryland studierte er Etnologie und Journalistik. Seit 1969 ist er als freischaffender Fotojournalist, Filmemacher, Buchautor und Museumskurator tätig.
Seit fast 40 Jahren bereist Chistoph Afrika und dokumentiert Kult, Spirituelles Leben, Magie und Heilzeremonien in Westund Zentralafrika.
Christoph arbeitete für namhafte Zeitschriften wie Life, National Geographic, Geo Time, Newsweek, New York Times, Figaro und Stern. Er drehte drei Dokumentarfi lme über Voodoo in Benin. In 2009 kommt der grosse Voodoo Kino-Film „Vodou Spirits“ heraus. Christoph ist Autor von zwei Bildbänden über Afrika: „Voodoo-Geheime Macht in Afrika“, Taschen Verlag und „Soul of Africa-Magie eines Kontinents“, Könemann Verlag.
Inzwischen betreibt Henning Christoph, der zeitweilig auch in Afrika lebt, ein Privatmuseum zu „Vodun und Heilung“ das Soul of Africa Museum in Essen, und bereitet zu diesem Thema internationale Ausstellungen vor.
Für seine Reportagen erhielt er als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie zahlreiche Preise, darunter sechs mal den „World Press Award“.
(http://www.soul-of-africa.com)

