Nanette Snoep, ab dem 1. Januar 2019 die neue Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museums, war seit Januar 2015 Leiterin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens.

Clash of Cultures

Typisch für diese 4 Jahre scheint mir eine kolportierte Episode von Beginn ihrer Amtszeit: Angeblich habe Frau Snoep der Belegschaft auf Englisch gesagt, sie könne noch nicht so gut Deutsch, man könnte daher mit ihr Englisch sprechen. Und die Antwort: „Und wir können nicht so gut Englisch, sie können aber russisch mit uns sprechen.“ Kurz: Von Beginn an gab es ‚Verständigungsschwierigkeiten‘, es prallten unterschiedliche Welten aufeinander, Paris (Nanette Snoep war vorher im Quai Branly) auf langjährig gewachsene Strukturen in Sachsen.

Für mich als Außenstehenden scheint dann etwas passiert zu sein, was ich als Trend aus der Wirtschaft kenne: Es kommt jemand von außen mit dem Auftrag, alles zu erneuern und geht dann kompromisslos seinen Weg. Langjährigen Mitarbeiter wird dabei bewusst oder unbewusst der Eindruck vermittelt, ihre Arbeit der letzten Jahre sei nichts wert und sie selbst der ‚neuen Zeit‘ nicht mehr gewachsen. Dies führt  häufig dazu, dass die Mitarbeiter kündigen oder gekündigt werden, manchmal erkranken oder in eine Art innere Immigration flüchten. Dabei kann der neue Chef nur dann seine kompromisslose Strategie der Erneuerung durchziehen, wenn seine Vorgesetzten ihn  unterstützen

Dass Nanette Snoep nach 4 Jahren bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen aufhört, könnte viele Ursachen haben. Hat beispielsweise bei ihren Vorgesetzten am Ende die Unterstützung gefehlt, ihren Weg weiterzugehen?

Das Grassi Museum im September 2018

Weg vom Spekulativen, hin zum Sichtbaren. Frau Snoep sollte die Museen in Dresden, Leipzig und Herrnhut entschlacken und wohl bis 2022/2023 eine neue Ausstellungskonzeption erarbeiten und umsetzen, wobei sie vor allem auf ‚Interaktion‘ setzen wollte. Dafür wurde beispielsweise die Afrika-Abteilung im Leipziger Grassi Museum abgebaut und die Zeit bis zur Umsetzung der neuen Konzeption mit Ausstellungsexperimenten überbrückt, die unter dem Namen Prolog vor allem von Studenten entworfen wurden. Laut Presseberichten führte dies zumindest zu Beginn zu einem Zuwachs an jungen Besuchern, ich konnte aber nicht in Erfahrung bringen, ob dieser Zuwachs angehalten hat.

Bei meinem kurzen Besuch im Grassi Museum am 20.11.2018 konnte ich die unterschiedlichen Ausstellungsansätze anschauen und mit dem Handy fotografieren:

  • Die zum größten Teil immer noch präsente ‚alte‘ Ausstellung (z.B. Ozeanien),
  • die Prolog-Experimente und
  • eine neue Sonderausstellung mit dem Titel ‚Made in Africa‘.

Nichts zu sehen gibt es allerdings davon, wie sich Anette Snoep tatsächlich die Zukunft der Museen vorgestellt hat, da Ihre Konzeption anscheinend noch nicht stand. So wurde mir im November 2017 von der Museumsseite aus mitgeteilt, es bestehe „z.B. die Möglichkeit, mit der Direktorin über das in Entwicklung begriffene Konzept für das VKM DD im Kontext eines Gesamtkonzeptes für das Jap. Palais zu sprechen. Selbiges wird im Rahmen der Jahres-PK in Kürze vorgestellt.“ Leider fand diese Vorstellung dieses Gesamtkonzeptes anscheinend aber nicht statt.

Immerhin bleibt etwas Positives: Die neue Direktion hat Spielraum, um eigene Ideen umzusetzen. Sie muss nicht bereits von der Vorgängerin beschlossene Aktivitäten verwalten, sondern kann quasi die Reset-Tasse drücken und eigene Ideen umsetzen.

Zu den Fotos

Die 'alten' Dauerausstellungen beindrucken immer noch durch spannende Objekte, z.B. der Nanai aus Sibirien oder vom Amazonas. Großartig ist nach wie vor Ozeanien, wobei u.a. 2 Figuren von den Nukuori-Inseln herausstechen der ein großes Tiki. Unverändert ist auch noch der Neubritannien-Raum mit einigen von Volker Schneider in den 1980er Jahren gesammelten Werken. Für den Sammler ist dies alles großartig, allerdings kann man verstehen, warum diese Ausstellungen überarbeitet werden sollten. So könnte man verdeutlichen, dass es sich nicht um Völkerkunde sondern eher um die Darstellung von Vergangenem geht, womit natürlich auch der zeitliche Kontext und die Auswirkungen der Kolonialzeit deutlicher herausgearbeitet werden könnten. Zusätzlich würde ich mir für die Zukunft eine noch klarere Farb- und Lichtgebung erhoffen, weniger spiegelnde Vitrinen und etwas mehr Raum für die Skulpturen, es wirkt doch recht vollgestellt. Und ob wirkich ein lebensgroßer Aborigine-Krieger zu sehen sein muss? Anette Snoep wollte im Museum mit Inseln arbeiten, z.B. zum Thema Buddhismus etc. Sicherlich keine schlechte Idee.

Dauerausstellung: Sibirien

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Sibirien 1

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Sibirien 2

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Sibirien 3

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Sibirien 4

Dauerausstellung: Amazonas

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Amazonas 1

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Amazonas 2

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Amazonas 3

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Amazonas 4

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Amazonas 5

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Amazonas 6

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Amazonas/Americas 7

Dauerausstellung Ozeanien

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Ozeanien 1

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Ozeanien 2 _ Nukuoro

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Ozeanien 3 _ Papua-Neuguinea

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Ozeanien 4 Tiki

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Ozeanien 5  _ Osterinsel

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Ozeanien 6 _ Neuseeland

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Ozeanien 9 _ Baining/Neubritannien

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Ozeanien 10_Baining

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Ozeanien 11_Neuirland

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Ozeanien 12_Neuirland

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Ozeanien 13_Neuirland

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Ozeanien 14

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Ozeanien 15_Australien

Die Prologe haben mich nicht so wirklich überzeugt. Es beginnt mit einigen Objekten aus verschiedenen Regionen, deren Auswahlkriterien ich nicht so ganz verstande habe - außer dass es sich zumindest aus Sammlersicht um meisterliche Schnitzwerke handelt, die allerdings wieder mal in dunklem Ambiente in Vitrinen stehen müssen.

Danach folgt der Prolog "Kistengeflüster" mit Transportboxen - eine ähnliche, aber wie ich finde überzeugender ausgeführte Idee gab es in der Austellung "Migration der Dinge" im Schloss Belvedere in Weimar.

"Fremd" ist mir beim zweiten Blick etwas negativ aufgestoßen. Da werden skulpturale Blicke indigener Völker auf die Westler gezeigt, und geradezu gleichberechtigt europäische 'Negerpuppen'. Für mich ist dies nicht das Gleiche: Der Blick auf die - oftmals- Besatzer auf der einen Seite und Objekte, die den westlichen Rassismus wiedergespiegelt und verstärkt haben, auf der anderen. 

Schließlich gibt es ein vollgestelltes Schaudepot mit Objekten aus dem Königreich Benin. Es erinnert an Bilder, die zeigen, wie die britischen Truppen nach ihrer Strafexpedition die Objekte vor Ort präsentierten. Wer wie ich manche dieser Bronzen und Elfenbeinarbeiten als Weltkunst ansieht, der empfindet diese wenig kunstvolle Inszenierung als etwas respektlos. Aber dies ist natürlich mein westlich geprägter Blick.

Prolog

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Prolog 1

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Prolog 2

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Prolog 3 _ Nias

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Prolog 4

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Prolog 5 _ Neuirland

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Prolog 6 _ Kongo

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Prolog 7 : Bidjogo

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Prolog 8 Osterinsel

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Prolog 9 _ Osterinsel

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Prolog 10

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Prolog 11

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Prolog 12 Papua-Neuguinea

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Prolog 13

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Prolog 14 _ Maori

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Prolog 15 _ Tau-Tau Sulawesi

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Prolog 16

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Prolog 17

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Prolog 18 Kisten-Geflüster

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Prolog 19

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Prolog 20

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Prolog 21_ Kongo

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Prolog 22

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Prolog 23

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Prolog 24

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Prolog 25

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Prolog 26

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Prolog 27 _ Benin

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Prolog 28 BeninGr p29.jpg55

Prolog 29 Benin

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Prolog 30 Benin

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Prolog 31 _ Fremd?

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Prolog 32 _ Fremd _ Benin

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Prolog 33 _ Fremd

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Prolog 34 _ Fremd

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Prolog 35 _ Fremd

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Prolog 36

In der Sonderausstellung Made in Africa lernt man durch Alltagsgegenstände, zum Teil aber auch durch berühmte Werke wie einem Hocker des Meisters von Buli, dass manche Gegenstände in Afrika aus Holz sind, manche aus Kürbis, manche zum Schlafen dienen, manche fürs Essen und Trinken etc. Na ja. Immerhin erhält man einen Eindruck von der Vielfalt der materiellen Kultur in Afrika.

Sonderausstellung 'Made in Africa'

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Made in Africa 1

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Made in Africa 2

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Made in Africa 3

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Made in Africa 4

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Made in Africa 7

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Made in Africa 8

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Made in Africa 9

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Made in Africa 10

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Bericht und eigene Fotos zur außereuropäischen Kunst im Leipziger Grassi Museum September 2018 - ; Ingo Barlovic; 2018; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1042-bericht-und-eigene-fotos-zur-aussereuropaeischen-kunst-im-leipziger-grassi-museum-september-2018

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