Für Tribal Art-Interessierte gibt es mindestens vier Gründe, Ende Januar 2019 die belgische Hauptstadt Brüssel zu besuchen. Vom 23. bis zum 27. Januar findet die 9. Winter BRUNEAF, die kleine Schwester der Cultures/BRUNEAF, statt. Bei Native gibt es am 26. Januar eine sehr spannende Auktion. Nicht weniger als 12 Aussteller der renommieren Kunst- und Antiquitätenmesse BRAFA (26. Januer bis 3. Februar) offerieren Tribal Art. Schließlich scheint ein Abstecher zum neugestaltete Afrikamuseum mit seiner faszinierenden Sammlung vor allem von Werken aus dem Kongo im Nachbarort Tervuren Pflicht, das Dezember 2018 wiedereröffnet wurde 

Die Winter Bruneaf hat dieses Jahr 20 Teilnehmer - 4 weniger als vor einem Jahr. Da darunter ein Auktionshaus (Native), ein Teilnehmer ohne eigene Galerie (Patrick Claes) und eine Buchhandlung (Vasco & Co) sind, gibt es nur noch 17 teilnehmende Galerien - also kaum mehr als bei der BRAFA.

Höhepunkt wird bestimmt erneut die gemeinsame Verkaufs-Ausstellung von 5 Galeristen auf zwei Etagen der neoklassizistischen „Ancienne Nonciature“ sein, in der außergewöhnliche Kunstwerke eindrucksvoll präsentiert werden. Dabei wird Adrian Schlag wohl den Vogel abschießen, indem er erneut erstklassige afrikanische Objekte, darunter eine klassische Dan-Maske mit der Provenienz Helmut Zake, mittelalterlichen Skulpturen gegenüberstellt. Ein seltenes Bamana Maskenpaar aus der ehemaligen Sammlung von Allan Stone ist kaum schwächer. Olivier Castellano hat eine reduzierte Maske der Dogon im Gepäck, Bruce Frank setzt der afrikanischen Übermacht Kunst aus Ozeanien entgegen, darunter eine Korwar-Skulptur aus dem 19. Jhd. Zu den 5 Musketieren gehören dann noch Renaud Vanuxem und Joaquin Pecci.

schlag dan

1. Maske der Dan, Liberia, H. 23cm, angeboten von Adrian Schlag. Foto: Frédéric Dehaen, Studio Asselberghs

Zuvor sollte man sich allerdings die Galerie von Didier Claes anschauen, die außerhalb des Gebietes um den Place du Grand Sablon liegt. Er wird Neuerwerbungen insbesondere aus Zentralafrika präsentieren..

Unter den übrigen Ausstellern fällt dieses Jahr Ambre Congo von Piere Loos und Thomas Bayet heraus: Sie ist die einzige, die eine monothematische Ausstellung wagt (aber natürlich auch andere Objekte anbietet): Gemälde des 1999 verstorbenen Kongolesischen Malers Mwenze Kibwanga. Kibwanga schuf ab den 1950ern stilistisch eigenständige Bilder vor allem des ländlichen Lebens. Das Bruneaf-Urgestein Loos kann der Messe sehr entspannt entgegenschauen, weil er im letzten September bei einer Auktion von PIASA für mehr als eine Million Euro seine Lager geleert hat.

Das Auktionshaus Native hat für seine Auktion Tribal Art, Modern Art and 20th Century Furniture wieder Erstaunliches zusammengetragen. Ein Schwerpunkt liegt auf 22 Losen mit der Provenienz Helmut Zake, dem Mitbegründer des 'Heidelberger Gesprächskreis von Sammlern und Ethnologen', aus dem die Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur hervorging.  Die von Native angebotenen, moderat geschätzten Stücke weisen ihn als jemand aus, der einerseits klassisch sammelte, andererseits einen Blick hatte für spannende Abweichungen.

Die übrigen Tribal Art-Objekte sind ebenfalls äußerst qualitätsvoll, so eine sehr ästhetische u’u-Kriegskeule von den Marquesas-Inseln mit einem Schätzpreis von 20000 Euro (Los 74) oder eine Rindenbox der Mangbetu aus dem Kongogebiet mit einer aufsehenerregenden Frisur. Dazu hat eine Pfeife der Bamileke für mich etwas Ägyptisches. Kurz: eine klasse Auktion, die beweist, welche hohe Qualität im Moment jenseits von Sotheby's oder Christie's angeboten wird - sei es in Brüssel (Lempertz!), in Wien oder auch in Würzburg.

native mangbetu box

2 Mangbetu, Native

Bleibt last but weiß Gott nicht least die BRAFA, deren Stargäste dieses Jahr Gilbert & George sind. Die BRAFA hat sich immer mehr neben dem Parcours und der BRUNEAF zu der Tribal Art-Pflichtveranstaltung auf dem Kontinent entwickelt. Unter den 12 Anbietern von Tribal Art fallen zwei Newcomer auf, die belegen, wie sorgfältig neue Galerien ausgewählt werden: Martin Doustar hat zwar erst 2016 in Brüssel seine Galerie eröffnet - er war aber schon vorher als Kunsthändler tätig -, die Szene aber mit außergewöhnlichen Objekten und Ausstellungen aufgemischt. Seine Sibirien-Ausstellung auf dem letzten Parcours gehörte zu meinen Favoriten.

Der junge Charles-Wesley Hourdé gilt einigen Insidern als der kommende Mann bzw. bereits jetzt schon als äußerst einflussreich. Er ist für die Pariser Szene ungefähr das, was Didier Claes für die Brüsseler ist: Der Hoffnungsträger. Wobei aber beide natürlich weltweit agieren.

Ich gestehe allerdings: Am meisten freue ich mich auf die verrückten Italiener von Theatrum Mundi, die in ihrer Wunderkammer letztes Jahr neben ozeanischen Objekte auch Filmkostüme und ein Saurierskelett dabei hatten. Dieses Jahr präsentieren sie Teile eines Originalkostüms, dass Val Kilmer in Batman forever trug.

Theatrum Batman

3 Originalkostüm Batman, angeboten von Theatrum Mundi

Autor

  • Ingo Barlovic

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  • Nennung der Quelle: Vorankündigung: Tribal Art im Brüssel Januar 2019; Ingo Barlovic; 2019; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1075-vorankuendigung-tribal-art-im-bruessel-januar-2019
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