Unter den annähernd 270 Ausstellern auf der diesjährigen renommierten Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF, vom 16. bis zum 24. März 2019 in Maastricht, befinden sich 'nur' 8 Galerien mit Tribal Art. Fallen sie in diesem breiten und erstklassigen Umfeld überhaupt auf? Ja! Zum einen sind sie dieses Mal bei Galerien angesiedelt, die modernes Design anbieten. Diese Platzierung führt dazu, dass sie sich vom Umfeld deutlich abheben - zumindest mehr, als wenn sie sich das Areal mit alten Skulpturen teilen müssten. Das Miteinander mit dem modernen Design führt auch dazu, dass im Kopf beim Betrachter Wohnwelten entstehen und deutlich wird, wie gut traditionelle indigene Arbeiten zu einem gradlinigen Ambiente passt. Für den Gutbetuchten werden Anregungen gegeben, wie er seine Wohnräume gestalten kann. Und zum anderen, weil die Tribal-Art-Aussteller ein sehr hohes Niveau bieten. Der Ausflug nach Maastricht lohnt sich deswegen allein schon wegen der 'Stammeskunst', aber natürlich wird jeder Besucher auch sonst Spannendes finden.

Bei meinem Besuch am inoffiziellen 2. Tag der Messe (der erste und der zweite Tag sind für die Vorabbesichtigung für eine ausgewählte Sammlerklientel und für die Presse reserviert) zeigte sich zumindest, dass die Tribal Art beim Verkauf Akzente setzen konnte: Davon zeugen einige rote Punkte - auch bei teuren Objekten -  und die Zufriedenheit mancher Aussteller.

Welche Trends zu erkennen sind? Klassisches überwiegt, so ist kein Ostafrika zu sehen. Und dazu gibt es recht häufig die Lieblinge der vorletzten Tribal-.Saison: Arbeiten der Kota. Von den Ausstellern machten die ‚Jungen‘ den frischesten Eindruck, sei es Claes, Ratton, Doustar oder auch die Galerie Monbrison, die ja von den ‚Juniors‘ geleitet wird. Dass dieses Jahr Entwistle gefehlt hat, ließ den Generationenwechsel umso deutlicher werden

 

Didier Claes gehörte zu den Galeristen, die wie ein Honigpferd strahlten, so gut hatte er schon am ersten Tag verkauft. Sein Angebot, geschmackvoll im nicht überfüllten Stand präsentiert, hatte aber auch einiges zu bieten. Ich fand vor allem seinen Senufo-Stampfer (Foto 1), seine Songe (Foto 2 und 3) und die Fang (Foto 4) sehr gut, oder auch das Kongo-Kraftbündel (Foto 6) und der Kongo-Fetisc voller Nägel (Foto 8). Einen roten Punkt sah ich aber an einer Kota. Claes scheint sein Vorinterview für die TEAFAF zu bestätigen: Da sagte er nämlich, dass er die Restitutionsdebatte durchaus als förderlich ansehe, weil dadurch die Tribal Art in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt wird.Claes 1 DPP 0126.JPG70

Claes 1, Senufo

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Claes 2, Songe

Claes 3 Songe hinten DPP 0120.JPG72

Claes 3, Songe

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Claes 4, Fang

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Claes 5, Vanuatu

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Claes 6, Kongo

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Claes 7, Kota

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Claes 8, Kongo

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Claes 9, Kota

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Claes 10, Hemba

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Claes 11, Baule

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Claes 12, Baule

De Grunne setzte dieses Jahr auf Reduktion, sein Stand war fast etwas zu leer. Im Vordergrund war seine mit einem Katalog unterstützte Sammlung von Fang-Löffeln. Eine gute Reihung, aber, sorry wenn ich unfair bin, schwächer als die Kamm-Armada, die Claes auf der letzten BRAFA gezeigt hat. Die Mambila (Foto 2) gehörte zum Schrägsten, was dieses Jahr angeboten wurde (aber gibt es dafür auf der TEFAF einen Markt?), die Toma (Foto 3) war sehr schön, aber irgendwie kamen mir die 'Jungen' elanvoller vor. Ich gebe aber zu, dass das der Schnupftabak-Stab der Nguni (Foto 8) mit dem skurrilen Gesicht zu den schönsten Fotomotiven gehörte.

Nachklapp: Wir mir ein Freund mitteite, hat De Grunne wohl die meisten der Löffel und auch das Dogon-Objekt im Vordergrund verkauft.

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De Grunne 1

De Grunne 2 Mambila DPP 0052.JPG83

De Grunne 2, Mambila

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De Grunne 3, Toma

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De Grunne 4, Toma

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De Grunne 5, Dan

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De Grunne 6

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De Grunne 7, Fang

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De Grunne 8, Nguni

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De Grunne 9

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De Grunne 10, Salomonen

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De Grunne 11

Martin Doustar nahm dieses Jahr zum ersten Mal an der TEFAF teil, und zwar im Rahmen der Showcase-Abteilung. Hier dürfen 'junge Galerien' sich in einer recht kleinen Koje dem internationalen Sammlerpublikum präsentieren und darauf hoffen, irgendwann ein 'vollwertiger' Aussteller zu werden. Doustar scheint seine Chance auf alle Fälle genutzt zu haben: Sein Stand hatte viele kleine Preziosen, sah gut aus und: lockte Käufer an. Neben Claes war er bei meinem Besuch das zweite Honigkuchenpferd. Auf alle Fälle war zumindest sein perlenbeschmückter Bamileke-Kopf schnell verkauft (Foto 6). Ich mag besonders seinen Kraftzwerg aus Papua Neuguinea (Foto 5).

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Doustar 1

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Doustar 2

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Doustar 3

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Doustar 4

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Doustar 5, PNG

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Doustar 6, Kamerun

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Doustar 7, Kongo

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Doustar 8

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Doustar 9

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Doustar 10

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Doustar 11, Bactria

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Doustar 12, Tolai

Bernard Dulon hat große Qualität zu bieten, wie die Gbaya (Foto 3), aber irgendwie fand ich sein Angebot etwas unausgewogen. So habe ich nicht  verstanden, was die Stühle und Hocker beim Entree des Standes sollen (Foto 1). Seine Maske der Fang (Foto 11) ist natürlich großartig, aber er hatte sie halt auch schon auf dem Parcours 2018 dabei.

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Dulon 1

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Dulon 2

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Dulon 3, Gbaya

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Dulon 4, Baule

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Dulon 5, Baule

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Dulon 6, Hemba

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Dulon 7

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Dulon 8, Benin

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Dulon 9, Senufo

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Dulon 10, Yaka

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Dulon 11, Fang

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Dulon 12

Anthony Meyer, der bei meinem Besuch wegen einer Erkältung kaum sprechen konnte, hatte sich in einem dpa-Interview vor der Messe dafür umso lauter zum Restitutionsthema geäußert: "Wir haben sie gekauft. Okay? Wir haben sie gekauft." Meyer zeigt an seinem Stand ein breites Spektrum erstklassiger Kunst, die von Ozeanien bis zur Kunst der Inuit reicht. Fantastisch der kleine Torso der Okvik-Kultur (Foto 15), imposant die majestätische Skulptur aus Papua-Neuguinea (Foto 11).

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Meyer 1

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Meyer 2, Admiralitätsinseln

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Meyer 3, Salomonen

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Meyer 4, Neuirland

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Meyer 5

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Meyer 6, PNG

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Meyer 7

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Meyer 8, Asmat

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Meyer 9, Asmat

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Meyer 10, Asmat

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Meyer 11, PNG

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Meyer 12, Kanak

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Meyer 13, PNG

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Meyer 14, Cape Nome

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Meyer 15, Okvik

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Meyer 16, Inuit

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Meyer 17, Inuit

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Meyer 18, Inuit

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Meyer 19, Yiman

Die Galerie Monbrison hat mich zum Teil wirklich geflasht. Man schaue sich nur die Bewegung der großen Mumuye (Foto 6) an, deren Preis im 6-stelligen Bereich liegt oder die geradezu ikonische Songe (Foto 7). Und zumindest ich habe noch nie einen Hocker der Luba gesehen, die hinten einen zusätzlichen Kopf besitzt (Foto 15).

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Monbrison 1, Yaure

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Monbrison 2, Sakalava

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Monbrison 3 Kongo

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Monbrison 4

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Monbrison 5, PNG

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Monbrison 6, Mumuye

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Monbrison 7, Songe

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Monbrison 8

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Monbrison 9, Huon

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Monbrison 10, Tellem,

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Monbrison 11

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Monbrison 12, Baule

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Monbrison 13, Chokwe

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Monbrison 14, Lualwa

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Monbrison 15, Luba

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Monbrison 16, Luba

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Monbrison 17, Luba

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Monbrison 18, Hemba, Dan

Polak Works of Art aus Amsterdam versteht sich als Generalist und hat demenstsprechend auch Tribal Art im Gepäck.

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Polak 1

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Polak 2, Canada

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Polak 3

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Polak 4

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Polak 5

Lucas Ratton schließlich startet ja schon seit einiger Zeit durch und ist auf dem Weg zur Spitze der Tribal Art Anbieter. Ich war geblättet von der tollen Maske der We (Foto 10), staunte aufgrund des Fellbesatzes der Maske der Tetela (Foto 2), der spannungsvollen Schönheit der Guro vom Meister von Buaflé und der kubistischen Skulptur der Fang (Foto 7).

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Ratton 1, Bwa

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Ratton 2, Tetela

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Ratton 3, Fang

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Ratton 4, Baule

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Ratton 5, Ligbi

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Ratton 6, Guro

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Ratton 7, Fang

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Ratton 8

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Ratton 9, Senufo, Guro

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Ratton 10, We

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Raton 11, Dogon

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Ratton 12, Luba

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Ratton 13

Vielen Dank an die TEFAF, das ich fotografieren und die Fotos auf about africa stellen durfte.

Fotos: Ingo Barlovic

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Tribal Art auf der Messe TEFAF 2019 - eigener Bericht mit Fotos; Ingo Barlovic; 2019; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1089-tribal-art-auf-der-messe-tefaf-2019-eigener-bericht-mit-fotos

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