Neumeister: Doch dann kam die Kifwebe

Wenig Sonne und viel Regen bei Neumeisters Auktion für Afrikanische und Außereuropäische Kunst in München am 10. Juni 2010, Moderne M 47, Barer Str. 37

Mit Spannung erwartet wurde die erste Neumeister-Auktion, für die Dieter Maria Scheppach als Nachfolger des Reich-Ranickis der afrikanischen Kunst, Karl-Ferdinand Schädler, zuständig war.

Scheppach versuchte eine duale Angebotsstrategie: Er bot dem ‚typischen’ deutschen Sammler, der spätestens bei einem Preis von 2.000,-- Euro aussteigt, niedrig taxierte, aber zum Teil recht ästhetische Objekte. Für eine betuchte und an Provenienz ausgerichtete Klientel nahm er höherpreisige Stücke vor allem aus der Sammlung des Ehepaars Rolf und Christina Miehler ins Programm. Die Miehlers versteigerten vor kurzem erfolgreich bei Sotheby’s.

Die Auktion im spärlich besetzten Saal lief äußerst schleppend: Nur ca. 30% der Objekte wurden zugeschlagen – vor allem die Miehler-Stücke konnten kaum Käufer finden (Eine der Ausnahmen: ein sehr schöner Webrollenhalter für 3.000,- Euro).

Dass die Auktion nicht vollends enttäuschte, lag vor allem an drei Aufrufen: Neben einer Teke, die mit 13.500,-- Euro deutlich über dem Limit von 8.000,-- Euro blieb, schaffte eine dynamische Kifwebe mit der Provenienz Jo Christiaens 42.000,-- Euro (Limit 40.000,-- Euro, Lot 246). Diese Maske hatte damit maßgeblichen Anteil an den ca. 100.000,-- Euro, die Neumeister mit der Auktion (ohne Aufpreis, vor Nachverkauf) umsetzen konnte. Ein drittes Highlight waren Ogboni-Stäbe, die es in einem Bieterduell auf 7.600,-- Euro brachten.

Recht gut liefen ‚Schnäppchen für den Spezialisten’ wie niedrig angesetzte Goldgewicht-, Kamm- und Venavi-Konvolute (je 10 Figuren für 350,-- bis 380,-- Euro + Aufgeld – bei ebay wäre es teurer). Ebenfalls angesagt war Keramik.

Ein Grund für die Zurückhaltung der Bieter war sicherlich der Zeitpunkt für die Auktion. Nicht nur, dass parallel in Brüssel die Bruneaf stattfand, die bedeutende Messe für außereuropäische Kunst. Zusätzlich gab es in der darauffolgenden Woche Afrika-Auktionen in Paris bei Sotheby’s, Christie’s und Pierre Bergé und in Würzburg bei Zemanek - eine Art Auction-Overload. Eine Rolle mag auch die letzte „Schädler-Auktion’ gespielt haben, die für Neumeister eher unglücklich verlaufen ist – die Stücke waren sehr hoch taxiert. Ganz zu schweigen von der Wirtschaftskrise. Aber vielleicht gab es auch ‚nur’ ein Preis-Qualitätsproblem...

Neumeister bleibt die Hoffnung auf den Nachverkauf (bis 3.Juli 2010). Es gab viele Untergebote - wie so häufig bei diesem Auktionshaus.

Und jetzt: Schnell auf nach Brüssel zur Bruneaf (Brussels Non European Art Fair arts premiers primitifs tribal africain océanien).

siehe auch Beobachtungen zur Bruneaf 2010 - Früher haben sie auf die Schuhe geschaut

Zum Nachschauen

Neumeister Online-Katalog mit den Ergebnissen

http://www.neumeister.com/auktionen/onlinekatalogext.html (Dort auf "ONLINEKATALOG" im oberen Menü klicken. Ein direkter Zugang zum Katalog über unseren Link ist nicht immer möglich.)

  • Um den Auktions-Katalog inklusive Bildern und inklusive der erzielten Preise (in rot) anzusehen: Klicken Sie in der 1. Spalte der tabellarischen Auktionsübersicht auf die Nummer "47". Auf der nun folgenden Seite sehen Sie oben rechts einen Link "[online Katalog]", den Sie anklicken. Tipp: Die Funktion [suchen] im Menü oben rechts könnte hifreich sein. Alle nicht rot ausgezeichneten Objekte sind im Nachverkauf.
  • Um das Ergebnis der Versteigerung anzusehen: Klicken Sie in der letzten Spalte der Auktionsübersicht auf "abrufen" (der Auktion "47"). Sie sehen eine tabellarische Übersicht Lotnummer vs. erzielter Versteigerungspreis in Euro.

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Neumeister: Doch dann kam die Kifwebe - Besuch einer Versteigerung im Neumeister Kunstauktionshaus, München; Ingo Barlovic; 2010; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/11-auktionshaus-neumeister-kifwebe-versteigerung-muenchen

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Autor
Ingo Barlovic

Geschäftsführer eines Meinungsforschungsinstituts (iconkids & youth). Sammelt seit über 15 Jahren ‚Tribal Art‘, wobei er unkonventionellen Stücken besondere Aufmerksamkeit schenkt. Mitglied der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Verantwortlich für www.about-africa.de. Redaktionelle Mitarbeit bei "Kunst und Kontext". Autor für Tribal Art in der Kunstmarktzeitung "Kunst und Auktionen".  Wohnt in Eching/Ammersee. i.barlovic@gmail.com