Eine Kollage aus Klimmt und einer afrikanischen Maske. Beide übereinandergelegt.

Schulte-Bahrenberg and more im Auktionshaus Zemanek-Münster - Tribal Art Auktion 62, 4. September 2010 in Würzburg

Die traditionelle Afrikanische Kunst besitzt nicht umsonst den Ruf eines schwierigen Sammelgebietes: Da der Markt seit langem von Kopien oder gar Fälschungen überschwemmt wird, besteht eine große Unsicherheit über die Authentizität von Stücken, d.h., ob sie im Kult verwendet wurden. Um dieser Unsicherheit Herr zu werden, flüchten sich viele Sammler in die sogenannte Provenienz: Je bedeutsamer die Sammlungsgeschichte eines Stückes, desto eher glauben sie an dessen Echtheit – zum Teil eine fragwürdige Ansicht. Provenienz kann ein prominenter Vorbesitzer sein oder ein Auktionshaus wie Sotheby's oder in Deutschland eine Galerie wie Simonis in Düsseldorf. Zur Provenienz zählt auch, wenn das Kunstwerk in einer Ausstellung oder einem Buch gezeigt wird. Das Problem für den potenziellen Käufer: Solch eine Provenienz steigert den Wert eines Stückes.

Auf dem Markt gibt es eine preisliche Zweiteilung: Auf der einen Seite die Renommierstücke und Spekulationsobjekte, die mit 50.000,-- Euro beginnen, zum Teil die Millionengrenze überschreiten, versehen mit einer berühmten Provenienz – typische Sotheby's-Stücke.

Auf der anderen Seite Kunstwerke bis zu einem Preis von 2.000,-- Euro. Einem Teil dieser Werke fehlt es an der großen Qualität. Ein anderer Teil sind Stücke aus Gebieten, die im Moment nicht 'in' sind. Ein letzter Teil schließlich erscheint zwar qualitativ hochwertig, jedoch besteht bei Sammlern die Unsicherheit, ob sie authentisch sind – sie besitzen eben keine anerkannte Provenienz. 2.000,-- Euro sind auch eine Art Preisobergrenze für den 'typischen' deutschen Sammler (natürlich gibt es Ausnahmen).

Werke zwischen diesen Preisextremen befinden sich in einer Art preislichem Niemandsland (für die einen zu teuer, für die anderen zu günstig), besitzen zum Teil aber eine hohe ästhetische Qualität.

Das auf Tribal Art spezialisierte Auktionshaus Zemanek-Münster bot nun in seiner Septemberauktion in Würzburg einen Ausweg aus diesem Dilemma: Kunstwerke mit einer Taxierung, die zum größten Teil in einem Bereich bis 2.000,-- Euro lag, häufig deutlich darunter, die aber dennoch eine gute Provenienz besaßen. Sie stammten aus dem Nachlass von Ralf Schulte-Bahrenberg, Konzertveranstalter zahlreicher inländischer Jazztage und Festivals sowie Mitveranstalter der Deutschlandkonzerte der Rolling Stones und Beatles. Diese Stücke lassen kaum Zweifel an ihrer Authentizität zu: Sie wurden mehrmals ausgestellt, finden sich in einem Buch des Sammlers abgebildet und vor allem: Sie wurden von Marc Felix begutachtet, einem anerkannten Experten und Galeristen aus Brüssel. Insgesamt wurden bei Zemanek-Münster über 500 Lose aus Afrika, Ozeanien, Amerika und Asien offeriert, wovon die Schulte-Bahrenberg-Stücke, die mehrheitlich auch in dem Buch abgebildet waren, ca. die Hälfte ausmachten.

Stellt sich die Frage, warum die Stücke so moderat taxiert wurden.

Dies lag zum einen sicherlich daran, dass die Stücke eine gute Qualität hatten, es aber eher wenige absolute Spitzenstücke gab.

Noch wichtiger aber: Sie stammen aus Tansania. Ostafrika fristet auf dem internationalen Markt immer noch ein Mauerblümchendasein: Die führenden Galeristen, die in Paris und Brüssel sitzen, haben ihr Hauptaugenmerk immer schon auf West- und Zentralafrika gerichtet. Frankreich und Belgien hatten dort einst ihre Kolonien. Immerhin gibt es Anzeichen, dass sich diese Situation in der nächste Zeit ändert. So waren auf der Bruneaf recht viele Stücke aus Ostafrika zu sehen (vergleiche dazu den Beitrag AMG-2010IB-3, Beobachtungen zur Bruneaf 2010). Des Weiteren wird es im nächsten Jahr eine große Ostafrikaausstellung in den USA geben. Schließlich haben ostafrikanische Stücke aus der Sammlung Bareiss auch bei Sotheby's für Furore gesorgt.

Daneben sind Stücke aus West- und Zentralafrika häufig ästhetischer/gefälliger und kunstfertiger, während Werke aus Ostafrika eher eine Art primitive Expressivität auszeichnen.

Dementsprechend gilt Ostafrika als ein typisch deutsches Sammelgebiet: Nicht wirklich angesagt, ohne große Provenienz, aber (noch) bezahlbar und expressiv im Ausdruck.

So erschien es nur folgerichtig, dass die Auktion von Zemanek-Münster in Würzburg mit ca. 50 Personen sehr gut besucht war.

Die Versteigerung der Schulte-Bahrenberg-Sammlung erschien dann aber trotz dieses großen Zuspruchs als nur halb erfolgreich: Zwar wurde annähernd die Hälfte der Stücke zugeschlagen, zu einem großen Teil aber nur in einem 3-stellligen Bereich: Günstige, authentische und qualitätsvolle Kalebassen (die schönste, eine Mutter-Kind-Figur [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-179.jpg], erzielte nach einem Bieterduell immerhin 1.100,-- Euro ohne Aufpreis), Mwana Hiti Fruchtbarkeitspuppen oder auch kleinere Holzfiguren fanden ihre Abnehmer.

(Die in meinen Auge originellste der kleinen Figuren war eine tanzende, wie befreit wirkende Echse im LSD-Rausch für 550,-- Euro [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-212.jpg]. Hier kann ich aber nicht objektiv sein, da mir diese Figur im Moment gegenüber steht...)

Nur schleppend ging dagegen der Verkauf von teurer taxierten Kunstwerken von statten, den große Figuren und den Masken.

Zu den wenigen Ausnahmen gehörten eine seltene Miniaturmaske der Makonde in Form eines Hasen [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-081.jpg] (Zuschlag bei 5.500,-- Euro), zwei große Pfosten der Kaguru (Zuschlag für 4.000,-- Euro [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-079.jpg] und 2.600,-- Euro [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-078.jpg]) und eine ausdrucksstarke weibliche Figur der Nyamwesi mit einem melancholisch-schmollenden Gesichtsausdruck für 2.600,-- Euro [www.tribal-art-auktion.de/highres/5217-119.jpg] (auch hier bin ich sehr subjektiv, gleicher Grund wie bei der Echse).

Der Verkauf der Schulte-Bahrenberg-Sammlung war zwar interessant, konnte aber alles in allem nur ca. ein Fünftel am Gesamterlös der Auktion beitragen. Insgesamt wurden fast 300.000,-- Euro (ohne Aufpreis) erlöst.(Zum Vergleich: die letzte Neumeister-Versteigerung erbrachte ca. 100.000,-- Euro, wovon fast die Hälfte auf eine Kifwebe fiel (s. Beitrag AMG-2010IB-1.php, Neumeister: Doch dann kam die Kifwebe - Besuch einer Versteigerung im Neumeister Kunstauktionshaus, München).

Star der Auktion war ein Malagan-Fries aus Neu-Irland aus den 20er Jahren, der am Telefon nach einem heftigen Duell gegen einen Saalbieter für 23.000,-- Euro zugeschlagen wurde [www.tribal-art-auktion.de/highres/5265-001.jpg]. Dieser hohe Preis konnte aber nicht vollständig überdecken, dass Ozeanien und Asien dieses Mal nicht gut lief.

Für den Afrikasammler aber von noch höherem Interesse: Zemanek bot äußerst qualitätsvolle, sehr ästhetische Stücke an im 'preislichen Niemandsland' zwischen 2.000,-- und 20.000,-- Euro, die ihre Käufer fanden: Ging eine seltene Ahnenfigur der Basikasingo aus dem Kongo [www.tribal-art-auktion.de/highres/5245-001.jpg] für 18.000,-- Euro noch an einen telefonischen Bieter, wurden andere Spitzenstücke von einem Sammlerpaar aus den USA gekauft. Darunter eine wunderschöne Miniaturmaske im Federkranz der Nyundu [www.tribal-art-auktion.de/highres/5260-002.jpg] mit einer der besten deutschen Provenienzen, Marc Felix/Fred Jahn (17.000,-- Euro), eine sehr schöne weibliche Figur der Kuba aus dem Kongo, ehemals Werner Fischer, für 6.500,-- Euro [www.tribal-art-auktion.de/highres/5028-017.jpg] oder auch ein Ibibio-Tanzaufsatz [www.tribal-art-auktion.de/highres/5249-009.jpg]. Dieser Tanzaufsatz wurde von Experten auf Ende des 19. Jahrhunderts geschätzt, trug aber bei näherem Hinsehen eine Armbanduhr. Dies weist auf eine Entstehungszeit nach 1920 hin – ein früher Colon also.

Zum Ende noch einige Sorgenkinder: Recht wenig erfolgreich waren Stücke aus Kamerun, der Yoruba, der Dogon (wie schon öfters) und der Lobi. Lobi-Kunst von durchschnittlicher Qualität scheint es im Moment wirklich schwer zu haben: Es gibt zu viel davon auf dem Markt. Eine Art Lobi-Overkill.

Alles in allem wurde ca. ein Drittel der Objekte zugeschlagen. Und jetzt schnell auf zur Parcours des Mondes, der großen Messe für außereuropäische Kunst in Paris...

Vielen Dank an Ingo Barlovic!

Fundsachen der Redaktion
  • Nachverkauf 62. Tribal Art Auktion 2010, Zemanek-Münster
    www.tribal-art-auktion.de/de/aftersale/d10_1/
  • Auktionskatalog 62. Tribal Art Auktion 2010, Zemanek-Münster
    www.tribal-art-auktion.de/downloads/catalogue170.pdf [NICHT MEHR VERFÜGBAR. MAI 2012]
    Tipp: Machen sie aus den im Text genannten Bildnamen (am Beispiel "5249-009.jpg") "5249/009". Damit finden Sie im PDF-Katalog die Details zum Ausstellungsstück.
  • Onlinekatalog mit Bildern 62. Tribal Art Auktion 2010, Zemanek-Münster
    www.tribal-art-auktion.de/de/catalogue170/d10_1/

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Zemanek: Schulte-Bahrenberg and more im Auktionshaus Zemanek-Münster; Ingo Barlovic; 2010; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/12-auktionshaus-zemanek-schulte-bahrenberg-and-more

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Autor
Ingo Barlovic

Geschäftsführer eines Meinungsforschungsinstituts (iconkids & youth). Sammelt seit über 15 Jahren ‚Tribal Art‘, wobei er unkonventionellen Stücken besondere Aufmerksamkeit schenkt. Mitglied der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Verantwortlich für www.about-africa.de. Redaktionelle Mitarbeit bei "Kunst und Kontext". Autor für Tribal Art in der Kunstmarktzeitung "Kunst und Auktionen".  Wohnt in Eching/Ammersee. i.barlovic@gmail.com