Sotheby’s kämpft mit zwei bzw. drei kurz hintereinander stattfindenden Auktionen um die Vorherrschaft auf dem Tribal Art Markt. Am 25. Juni 2020 kommen in Paris bei der Auktion Arts d’Afrique, d’Océanie, d’Indonésie et des Amériques 88 Lose unter den Hammer. Am 30. Juni 2020 gelangen in New York 32 Lose in der Auktion African Art from the Collection of Sidney and Bernice Clyman zum Aufruf. Das beste Objekt dieser Sammlung wurde aber in die Contemporary Art Evening Auction am gleichen Abend geschoben.

Ich gebe zu, dass es für mich persönlich bei der Pariser Auktion an Highlights fehlt. Natürlich ist das Toplos, die auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzte Turamurabe-Figur aus Papua Neuguinea (Los 13) sehr gut. Und natürlich ist auch das übrige Angebot, darunter  mal wieder einige Kotas und ein überbordend geschnitzter Stuhl der Chokwe (Los 49, 70.000 Euro), äußerst solide. Es fehlt aber halt an Material, das einen flasht.

Los 13

Los 13. Foto: Sotheby's

Los 49

Los 49. Foto: Sotheby's

Immerhin ist auch eine gute Bekannte unter den Losen: Die Büste der Yoruba (Los 54, 40.000 Euro) habe ich mehrfach bei Ausstellungen von Serge Schoffel gesehen und auch fotografiert, z.B. für meinen Bericht zum Parcours 2019 (Foto Schoffel 4).

Abgesehen  von meinem subjektiven Eindruck der Qualität erstaunt ganz objektiv, dass nur 3 Lose 6-stellige (untere) Schätzpreise haben. Viele liegen in dem gefährlichen 5-stelligen Bereich, der den einen zu günstig und den anderen zu teuer ist.

Stellt sich die Frage, warum es in Paris an Sensationen fehlt? Will man die Corona-Krise abwarten, weil geglaubt wird, die Leute hätten Dringenderes zu tun als Tribal Art zu kaufen? Hat Corona die Reisefreiheit zu sehr eingeschränkt und die Suche nach Objekten für die Auktion? Fehlt es allgemein an Material auf dem Markt, um zwei fast gleichzeitig stattfindende Auktionen bestücken? Oder?

Die Sammlung Clyman in New York ist da schon ein etwas anderes Kaliber. Die beiden Toplose (Los 15 und 17), deren unterer Schätzwerte jeweils 5000.000 USD beträgt, sind zwar ‚nur‘ Kota bzw. Mahongwe Kupferarbeiten - wie oft geschrieben bin ich da kein Fanboy -, aber sie sind wirklich gut und vielfach ausgestellt und in wichtigen Werken publiziert.

Los 50

Los 17. Foto: Sotheby's

Das gute Auge der Sammler zeigt sich ebenso bei anderen Objekten, wie beispielsweise dem großartigen Figurenpaar der Senufo (Los 5, untere Taxe 100.000 USD).

Los 5

Los 5. Foto: Sotheby's

In der Offerte gibt es einige wenige Objekte im vierstelligen Bereich, also für den ‚normalen’ Sammler. Dabei habe ich wohl eine Marktentwicklung in den letzten Jahren verschlafen: Für mich waren sehr gute Masken der Dan immer sehr gesucht, was sich im Preis niederschlug. Sie erreichten dementsprechend häufig mindestens 5-stellige Verkaufspreise. Los 4 ist meines Erachtens solch eine sehr gute, ausgestellte und publizierte Dan-Maske. Dass sie nun nur auf 7.000 USD geschätzt wird und man bereits für 4.800 USD auf sie bieten kann, macht mich daher etwas ratlos. Ich glaube, ich muss mal meine Hausaufgaben machen und mir Verkaufsergebnisse dieses Maskentyps der letzten Zeit etwas genauer anschauen. Aber vielleicht ist es ja nur ein Lockangebot.

Los 4

Los 4. Foto: Sotheby's

Übrigens kann man bei den Objekten der Tribal Art Auktionen auch Online bieten. Die 'Einstiegspreise' liegen zumeist unter der unteren Taxe.

Das mit Abstand überragende Objekte aus der Clyman-Sammlung hat Sotheby's ihrer Contemporary Art Evening Auction in New York am 30. Juni zugeordnet. Es geht um die Gewinnung neuer Käuferschichten und darum, zumindest manche Tribal Art gleichberechtigt mit der bedeutenden zeitgenössischen Kunst zu behandeln. Es handelt sich um einen ikonisches, bereits 1931 veröffentlichter Kopf der Fang (Los 116). Die untere Taxe von 2.5 Millionen Euro hört sich nach viel Geld ab, ist m. E. aber nicht zu teuer für eines der großartigen Werke der Tribal Art überhaupt. Mal schauen, ob die reichen Sammler und Investoren der zeitgenössischen Kunst Geld für das Nebengebiet übrig haben.

Los 116

Los 116. Foto: Sotheby's

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Tribal Art bei Sotheby's Juni 2020 - Vorbericht; Ingo Barlovic; 2020; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1239-tribal-art-bei-sotheby-s-juni-2020-vorbericht

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