Ich gebe zu: Ich habe das Forum Würth, den musealen Bereich im Würth Haus Rorschach, noch nicht gekannt. Und dies, obwohl es in der Nähe von St. Gallen liegt, leicht errreichbar, wenn man von München aus Richtung Zürich unterwegs ist oder nach Freiburg die Schweizer Seite des Bodensees entlang fährt.

Bei meinem Besuch am 30.8.2020 war ich beeindruckt: Der moderne Bau liegt direkt am Bodensee (das Café erlaubt einen tollen Blick, Foto 1), bietet eine günstige Tiefgarage und vor allem rund 800 m2 Ausstellungsfläche, auf der regelmässig wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden. Basis der Aktivitäten ist die 18.200 Werke umfassende Sammlung Würth. Der Eintritt ist gratis.

1 Wrth.jpg

1

Zu sehen gab es zum einen die erstklassige Ausstellung Von Kopf bis Fuss - Menschenbilder im Fokus der Sammlung Würth u.a. mit Werken von Picasso, Munch oder auch Anselm Kiefer (bis zum 21.2.2021). Und zum anderen José de Guimarães: Vom Künstler zum Anthropologen, eine Ausstellung, die noch bis zum 25. April 2021 geht.

2 Wrth 2.jpg1

2

De Guimarães setzt sich in seinen farbenprächtigen, expressiven Gemälden, die laut Begleittext "ein Ausdruck unbändiger Lebenskraft sind", mit Leben und Tod auseinander. Dabei hat er einen "anthropologischen Ansatz" und wird inspiriert von 'fremden' Kulturen wie der afrikanischen. Dementsprechend ist die Formensprache der traditionellen afrikanischen Kunst eine wichtige Insprationsquelle. Seit den 1960er/1970er Jahren hat der Künstler eine Sammlung von afrikanischen Skulpturen aufgebaut, von denen ein Teil in der Ausstellung den Gemälden gegenübergestellt wird.

3 Wrth.jpg2

3

De Guimarães hat die Objekte wohl in Afrika selber auf dem Kunstmarkt gekauft. Es sind daher keine 'authentischen' Werke in dem Sinne, wie sie der Connaissuer traditioneller afrikanischer Kunst schätzt, da sie nicht für den Gebrauch sondern für den Verkauf angefertigt wurden. Andererseits wollen sie nicht mehr darstellen, als sie sind: Es sind keine Fakes im klassichen Sinne, da sie keine künstlichen Gebrauchsspuren zeigen.

Und damit beginnt ein Zwiespalt in mir, wie ich diesen Teil der Ausstellung bewerten soll:

  • Ist es legitim, dass man die Skulpturen ausstellt, weil sie und ihre kühnen Formen Inspirationsquelle für den Künstler waren und sind und aus seinem Besitz stammen? Dazu sind es eher keine Fälschungen, sondern Schnitzwerke im traditionellen Stil oder Kopien. Und weil der Erwerb mit Sicherheit redlich war, es also keine Restitutionsprobleme geben wird.
  • Oder soll ich auf mein Sammlerherz hören und es schade finden, dass keine aus Sicht des klassischen Sammlers authentische Kunst gezeigt wird? Wobei die Mehrheit der Besucher den Unterschied wohl nicht merken würden.

Eine einfache Antwort gibt es nicht, tendenziell fnde ich es aber in Ordnung, dass diese afrikanischen Skulpturen ausgestellt werden, weil sie etwas wichtiges über den Künstler erzählen. (Picasso hatte ja auch nicht nur 'authentische' Objekte in seiner Sammlung, ganz im Gegenteil). Allerdings sollte das Museum  klar kommunizieren, dass es sich um keinen "... Teil seiner bedeutenden Sammlung afrikanischer Skulpturen" (Begleittext) handelt, der da gezeigt wird, sondern um für den Kunstmarkt erschaffene, und eben keine 'bedeutenden' Stücke.

4 wrth.JPG3

4

5 Wrth.JPG4

5

6 Wrth.JPG5

6

8 Wrth.JPG7

7

7 Wrth

8

9 Wrth.JPG8

9

10 Wrth.JPG9

10

11

11 Wrth.JPG10

12

12 Wrth.JPG11

13

13 Wrth.JPG12

14

14 Wrth.JPG13

15

Vielen Dank für das Forum Würth Rorschach, das ich fotografieren durfte.

Fotos: I. Barlovic

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Afrikanische Skulpturen in der Ausstellung José de Guimarães im Forum Würth Rorschach; Ingo Barlovic; 2020; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1261-afrikanische-skulpturen-in-der-ausstellung-jose-de-guimaraes-im-forum-wuerth-rorschach

Nutzungsrechte / Urheberrechte

Beachten Sie die Rechte des / der Urheber! Wenn Sie Artikel übernehmen wollen, fragen Sie nach! About Africa leitet Ihre Anfrage dann gerne an die/den Urheber weiter.

Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren TEXT-Ausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bilder und andere multimediale Inhalte bedürfen immer der Freigabe durch den/die Urheber.

Disclaimer

Viele Autoren, viele Meinungen! about-africa.de ist nicht verantwortlich für Richtigkeit der angezeigten Inhalte. Wir entfernen natürlich Falsches oder kommentieren im Text, wenn etwas zu hinterfragen ist, jedoch nur soweit wir es beurteilen können oder uns widersprüchliche Ansichten bekannt sind. Wir sind keine Fachleute und sind nicht in der Lage, Fachwissen im Detail auf Richtigkeit zu prüfen. Wir sind jederzeit bereit, Gegenreden zu veröffentlichen.