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Humboldt Forum öffnet am 23.9.2021 die Ausstellungsräumen mit Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien

Termin: 23.09.2021

Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst eröffnen ihre Räume im Westflügel des Humboldt Forums 

Schätze der Weltkulturen aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien sind ab 23. September in der zweiten und dritten Etage des Humboldt Forums zu sehen – Parzinger: Die Museumsinsel erfährt eine wunderbare Erweiterung – Eissenhauer: Verbund der Museen endlich wieder in universeller Breite zugänglich ­– Koch: Kritische Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte wird unsere Arbeit prägen.

Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin eröffnen am 23. September ihre ersten Ausstellungsräume im Humboldt Forum. Im zweiten und dritten Obergeschoss des Westflügels werden bedeutende Bestände der beiden Museen zu sehen sein, die bis vor vier Jahren in Berlin-Dahlem ausgestellt waren, Etliches wird aber auch erstmals gezeigt werden. Auf mehr als 8.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche und in mehr als 30 Ausstellungsmodulen werden rund 10.000 Exponate gezeigt und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Mit den Sammlungen Afrikas, Asiens Ozeaniens und Amerikas im Humboldt Forum und jenen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und des Nahen Ostens auf der Museumsinsel wird die Mitte Berlins zu einem wahren Ort der Weltkulturen.

Zu den Highlights gehören u.a. besondere Objekte wie ein 50 Quadratmeter großes chinesisches Bild einer Buddhapredigt aus dem 18. Jahrhundert, ein Thron aus dem Königreich Bamum (Kamerun) aus dem 19. Jahrhundert, Boote aus verschiedenen Regionen Ozeaniens, die teilrekonstruierten Höhlen der Seidenstraße, die Kunstschätze des Hinduismus, japanische Stellschirme und vieles mehr. In die Ausstellungen integriert sind auch zeitgenössische künstlerische Interventionen, die sich unmittelbar auf die Sammlungen beziehen oder in Auseinandersetzung mit ihnen entstanden sind, etwa die raumgreifende „Township Wall“ des angolanischen Künstlers António Ole oder ein als Kunstwerk gestaltetes Kleid der namibischen Modekünstlerin Cynthia Schimming. Spektakulär sind auch die Raumgestaltungen wie etwa der elliptische Hörraum der Musikethnologie vom chinesischen Architekten und Pritzker-Preisträger Wang Shu gestaltete Raum im Museum für Asiatische Kunst.

Die Sammlungen und die gezeigten Objekte werden aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert oder kommentiert. Von Beginn an war es ein Anliegen der Kuratorinnen und Kuratoren, dem multiperspektivischen Blick zu folgen. Das bedeutet, dass die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Mitgliedern von Herkunftsgesellschaften integraler Bestandteil des Ausstellungskonzeptes war. Dabei präsentieren die Museen nicht nur aktuelle, kooperative Forschung zu den Objekten und neue Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte, sondern stellen sich auch der eigenen Sammlungsgeschichte und aktuellen postkolonialen Fragen. Die kritische Aufarbeitung der Provenienzen und Erwerbungskontexte ebenso wie deren Einbettung in die Kolonialgeschichte sind Teil der Erzählung im Humboldt Forum und werden die Arbeit an unseren Sammlungen auch zukünftig prägen.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Das ist ein großer Tag für die Stiftung und ihre Staatlichen Museen zu Berlin, aber auch für mich persönlich, bin ich mit dem Projekt Humboldt Forum doch seit dem Architektenwettbewerb 2007 so eng verbunden wie mit kaum einem anderen Großvorhaben der SPK. Endlich sprechen die Objekte, endlich sind wir in der Lage, den Besucherinnen und Besuchern zu zeigen, wie wir Weltkultur ausstellen wollen, was mir mit dem multiperspektivischen Blick auf unsere Sammlungen meinen, und wie wir mit den Herkunftsländern und Ursprungsgesellschaften zusammenarbeiten. Es war der Ursprungsgedanke des Humboldt Forums, hier einen Ort zu schaffen, um im Humboldtschen Sinne mehr über die Welt zu erfahren und gleichzeitig sich selbst zu reflektieren; hierin liegt auch die eigentliche Kraft und Botschaft der Objekte. Dabei haben wir Verantwortung für die Sammlungsgeschichte und ihre Einbettung in den Kolonialismus zu übernehmen, indem die Wege der Objekte offengelegt werden. Von zentraler Bedeutung aber ist die immer weiter wachsende Zahl von Kooperationen mit Partnern in aller Welt, die hier mitarbeiten, kuratorische Mitverantwortung übernehmen, und von denen wir lernen. Das Humboldt Forum muss ein kontinuierlicher Prozess des Miteinanders sein, nur so kann es die große Chance nutzen, hier über die Kraft der Kultur ein grundlegend neues Verhältnis zum globalen Süden zu entwickeln.“

Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, ergänzt: „Ich freue mich sehr, nach langjähriger, umzugsbedingter Abstinenz, die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst im Humboldt Forum wieder für unsere Besucherinnen und Besuchern eröffnen zu können. Damit ist auch der einzigartige kulturelle Verbund der Staatlichen Museen endlich wieder in seiner universellen Vielfalt und Breite öffentlich zugänglich. Anders als am ehemaligen Museumsstandort Dahlem ist nun in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Sammlungen der Museumsinsel Berlin die historische Möglichkeit gegeben, Kunst und Archäologie aus den verschiedensten Regionen und Kulturen der Welt in Einklang zu bringen und in Dialog miteinander zu setzen. Dies unterstreicht nicht nur international die herausragende Bedeutung des Verbundes der Staatlichen Museen zu Berlin, sondern wird ab sofort und künftig auch für das Publikum hier im Herzen der Stadt Berlin in spannenden wie überraschenden Ausstellungen und Konstellationen sichtbar sein.“

Ziel der Ausstellung im Humboldt Forum ist es, die Multiperspektivität auf die Objekte und die Geschichten sichtbar und hörbar zu machen, und dies so partizipativ und inklusiv wie nur möglich. Im Rahmen der Neu-Präsentation der beiden Museen wird daher sehr vermittlungsorientiert gearbeitet – etwa mit einem durchgängigen Einsatz von Grafik, digitalen Medien und deutlich ausgewiesenen Flächen für Familien, Kinder und Jugendliche.

Die Inhalte der von Ralph Appelbaum Associates in Zusammenarbeit mit den Kurator*innen konzipierten und gestalteten Dauerausstellungen sollten möglichst flexibel und „beweglich“ gehandhabt werden. Durchgesetzt hat sich dadurch eine sehr modulare Struktur der Ausstellung. Einerseits gibt es geräumige, hohe Säle mit gewichtigen Großobjekten. Daneben werden „klassische“ objektzentrierte Ausstellungsbereiche mit Vitrinen und Podesten eingerichtet (z.B. im Fall der „Sakralen Kunst in China und Japan“ oder der Religiösen Kunst Südasiens, „Kunst des Buddhismus in Südasien“).

In den Schaumagazinen und Studiensammlungen beider Museen mit ihren jeweils verdichteten Objektpräsentationen in großen Vitrinen-Konstruktionen werden die Sammlungsbestände nach unterschiedlichen Themenschwerpunkten in einer ästhetischen Magazin-Anmutung gezeigt. Sie unterstreichen dabei die Bedeutung von Sammlungen als Grundlage eines jeden Museums, aus der Ausstellungen und andere Projekte immer wieder neu entwickelt werden können. In allen werden unter anderem das Sammeln und die Sammlungsgeschichte und damit auch die Provenienz der gezeigten Exponate thematisiert.

Lars-Christian Koch, Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst: „Wir sind zurück auf der Insel! Nirgendwo auf der Welt gibt es einen solchen Rundgang durch die Geschichte der Weltkulturen. Für uns spielen dabei die Gegenwartsbezüge der Sammlungen eine herausragende Rolle. Die Ausstellungsgestaltung ist spektakulär, viele unserer Objekte wurden schon lange nicht mehr oder noch nie gezeigt. Wir wissen wohl, welche Verantwortung wir gegenüber unserer Sammlungsgeschichte haben. Aber: Wir werden und wir müssen mit den Widersprüchen im Humboldt Forum leben. Wir müssen sie produktiv werden lassen. Ein großes Anliegen ist uns die Bildungs- und Vermittlungsarbeit. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien wird mit über den Erfolg unserer Ausstellungen entscheiden.“

Vier große Familienflächen richten sich an Familien, Kinder und Jugendliche. In Aktionsräumen und Meetingpoints finden zudem verschiedene Gruppenaktivitäten oder kleinere Veranstaltungen für bis zu jeweils max. 50 Personen statt. Erste Wechselausstellungsflächen werden eröffnet: Diese zusammen mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss realisierten Ausstellungen ermöglichen durch ihren wechselnden Charakter eine raschere und flexiblere Bezugnahme auf aktuelle Themen, Fragen, Entwicklungen und Herausforderungen im globalen Kontext. Die Wechselausstellungsflächen sind mit Eröffnung des Ostflügels Mitte 2022 auf 15 Räume im  2. und 3. Geschoss verteilt. Vier dieser Räume sind Introräume und geben eine allgemeine Einführung in die Themen der Geschosse.

Zahlreiche Angebote widmen sich der Vermittlung der Herkunft der Objekte in den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst und den damit verbundenen Fragestellungen und möglichen Problematiken: So führt etwa ein Begleitheft anhand ausgewählter Sammlungskontexte und Objekte in die Vielfalt und Herausforderungen der Provenienzforschung ein und erklärt, warum es wichtig ist, die Herkunft der Stücke in kulturellen Kontexten zu erforschen und wie man dabei vorgeht. In Führungen werden die Besucher*innen in persona von den Provenienzforscher*innen durch das Haus geführt und haben die Gelegenheit, in ein direktes Gespräch zu möglichen problematischen Provenienzen zu treten.

Auf die Geschichte des Berliner Schlosses, das auf vielfältige Weise mit den Museen und Sammlungen nicht nur über die Keimzelle der historischen Kunstkammer verbunden ist, verweisen verschiedene Objekte im Rahmen der gemeinsam mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss gestalteten „Spuren“. Schließlich wird das Raumprogramm der Dauerausstellung um interdisziplinäre, naturwissenschaftliche „Blickfenster“ in Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Berlin und dem Botanischen Garten, Botanisches Museum, ergänzt.

Ein Highlight dürfte ganz sicher der von Wang Shu gestaltete Saal zur chinesischen Hofkunst sein. Er beleuchtet die gegenseitigen künstlerischen Einflüsse zwischen China und Europa. Die Arbeit wurde großzügig vom Kuratorium Preußischer Kulturbesitz unterstützt. „Für uns war es wichtig, das Werk dieses bedeutenden Architekten zu unterstützen. Das ist ein Beispiel für shared heritage im besten Sinne. Kulturgüter tragen etwas Verbindendes in sich, das aktiviert werden muss, um seine Wirkung zu entfalten. Genau darum geht es uns“, sagt Helen Müller, die Vorsitzende des Kuratoriums Preußischer Kulturbesitz.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei einem Festakt am 22. September die Präsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst eröffnen. Die Festrede hält die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie.

Quelle: Pressemitteilung des Humboldt Forums

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  • Quellen-Nennung: Humboldt Forum öffnet am 23.9.2021 die Ausstellungsräumen mit Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien; Humboldt Forum; 2021; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/1410-humboldt-forum-oeffnet-am-23-9-2021-die-ausstellungsraeumen-mit-afrika-asien-amerika-und-ozeanien
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