Die derzeitige Finanzkrise und die vor allem in den USA immer noch vorhandene Wirtschaftskrise führen zu unterschiedlichen Finanzstrategien des Privatmannes:

Wer noch viel Geld hat, überlegt sich, wie er sicher anlegen und dem Finanzkollaps ausweichen kann. Demensprechend boomt z.B. in Deutschland der Markt für Immobilien. Wer weniger Geld hat, überlegt sich dagegen genau, für was er das Geld ausgibt.

Diese beiden Strategien zeigen sich im Moment auch auf dem Markt für Tribal Art. Demnach verkaufen sich die Stücke richtig gut, die scheinbar als Investition taugen oder zumindest keinen Wertverlust befürchten lassen. Es sind entweder Stücke, die als Qualitätsspitze gelten und vor allem von Sotheby's und Christie's und den berühmten Galerien angeboten werden. Oder es sind Stücke von sehr hoher Qualität, die erstaunlich günstig verkauft werden, weil der Verkäufer Liquiditätsprobleme hat, alte Sammlungen aufgelöst werden und es nur eine begrenzte Käuferzahl gibt.

Andererseits ist der Absatz von 'nur' guter oder mittlerer Ware eher problematisch - eben weil man sich genau überlegt, ob man das Stück wirklich braucht. Und weil es ein Überangebot solcher Stücke auf dem Markt gibt. Es existiert ein Käufermarkt. Für diese Angebote gilt: Sie müssen außergewöhnlich sein, mehr bieten als das, was der Sammler eh schon zu Hause hat. Hier ist Vielfalt und Originalität gefragt.

Dementsprechend gab es auf den letzten großen Tribal Art-Messen, der Parcours des mondes und der Bruneaf, durchaus lachende Galeristen, weil sie überragende Qualität anbieten und verkaufen konnten. Es haben aber nicht alle gelacht: Viele blieben auf ihrem 'nur' guten Angebot sitzen und müssen nun um ihre Existenz kämpfen. Und verkaufen jetzt ihre besten Stücke sehr günstig und haben kein Geld, neue Ware zu kaufen.

Diese Rahmenbedingungen hatten ihre Auswirkungen auch auf die Winter-Tribal Art Auktionen der großen deutschsprachigen Auktionshäusern Neumeister, Zemanek und Koller.

Neumeister, Moderne / Design, Afrika und Aussereuropäische Kunst, shape - Skulpturen der Moderne, 10.11.2011, M50

Als erster trat am 10.November 2011 Neumeister in den Ring. Mit kaum mehr als 100 Angeboten versuchte der Experte des Hauses, Dieter Maria Scheppach, die Käufer für Neumeister einzunehmen. Verkauft wurden schließlich ca. 40%, der Umsatz betrug ohne Zuschlag ca. 100.000,-- Euro - zum Leben wohl zu wenig, zum Sterben zu viel?

Das Angebot war alles in allem von einer geradezu betulichen Ehrbarkeit gekennzeichnet. Sehr seriös, durchaus von hoher Qualität, aber eben kaum mehr: Kaum Stücke, über die man (im Positiven oder im Negativen) diskutieren konnte, nichts wirklich Außergewöhnliches, nichts Schräges, keine größeren Überraschungen.

Neumeister funktioniert dann am besten, wenn eine Auktion ein Event ist. Derzeit fehlt es an diesem Eventcharakter. Es fehlt an einem Wow.

Den höchsten Zuschlag erzielte mit 20.000,-- Euro eine Figur der Nyamwezi aus Tansania.

Neumeister_Katalog_Los601_2011-11-10.pdf

Zemanek-Münster, 67. Tribal Art Auktion, 26. November 2011, Afrikanische, ozeanische und präkolumbische Stammeskunst aus europäischen Privat-Sammlungen - sowie Sonderauktion 'Wunderkammer'

Das Auktionshaus Zemanek-Münster tat sich bei der Auktion am 26. November 2011 ebenfalls sehr schwer, schaffte es dann aber mit Hilfe des Nachverkaufs doch, über 300.000.-- Euro umzusetzen - womit der Break Even wohl erreicht wurde.

Die Zemaneks gehen vollkommen anders vor als Neumeister: Sie bieten eine große Vielfalt, bei der letzten Auktion waren es über 500 Lots, wovon etwas mehr als 30% zugeschlagen wurden. Damit kann jedes Sammlersegment etwas finden, was ihn interessiert. So kommen Colon-Sammler genauso auf ihre Kosten wie Ostafrika-Aficionados und die Anhänger des klassischen Kanons. Und bei so vielem Holz gibt es eben immer wieder auch originelle Stücke.

Zusätzlich finden sich Stücke von sehr hoher Qualität für einen relativ günstigen Preis, Ware, die verspricht, als Investition oder zumindest als sicherer Geldhafen zu taugen. In der letzten Auktion waren dies u.a. eine Guro-Maske mit Provenienz Himmelheber (http://www.tribal-art-auktion.de/highres/5541-017.jpg), die für 29.000,-- Euro einen Abnehmer fand, eine für 3.500,-- Euro geradezu verschenkte Tiv (http://www.tribal-art-auktion.de/highres/5570-010.jpg) und vor allem eine ikenga-Figur mit Provenienz Kegel-Konietzko, die für nur 15.000,-- Euro zugeschlagen wurde (http://www.tribal-art-auktion.de/highres/5541-019.jpg). Sie ist fast zu schön, um wahr zu sein. Aber sie ist wohl wahr.

Den höchsten Preis, 34.000,-- Euro erzielte eine Figur der Mende (http://www.tribal-art-auktion.de/highres/5570-001.jpg)

Koller, Auktion 5. Dezember 2011, Afrikanische Kunst, AFRIK15

Das Angebot des Züricher Auktionshauses Koller mit seinem Experten Jean David (Galerie Walu) erschien spannend. Dementsprechend fanden sich an die 50 Interessenten am regenreichen 5. Dezember im Auktionsraum ein. Versteigert wurde u.a. die in ihrer Zusammenstellung sehr abwechslungsreiche und originelle Sammlung Baumann. Diese Sammlung umfasste Stücke höchst unterschiedlicher Stilart.

Vom Ashanti-Hocker mit Flugzeugdarstellung http://www.kollerauktionen.ch//full//070/450070.jpg (Details: http://www.kollerauktionen.ch/de/asp/fullCatalogue.asp?salelot=AFRIK15++211+&refno=++450070&saletype=), der für 2.400 CHF zugeschlagen wurde, über Komaland-Figuren, die Absatzschwierigkeiten hatten, bis zu einer klassischen Sikasingo Figur http://www.kollerauktionen.ch//full//752/450752.jpg (Details: http://www.kollerauktionen.ch/de/asp/fullCatalogue.asp?salelot=AFRIK15++328+&refno=++450752&saletype=), die 18.000,-- CHF erzielte und zu einer Kaeka-Figur http://www.kollerauktionen.ch//full//738/450738.jpg, die für 19.000 CHF einen Käufer fand (Details: http://www.kollerauktionen.ch/de/asp/fullCatalogue.asp?salelot=AFRIK15++309+&refno=++450738&saletype=).

Star war allerdings eine echte Entdeckung: Eine Songye-Figur mit der Provenienz Klaus Clausmeyer http://www.kollerauktionen.ch//full//533/448533.jpg (Details: http://www.kollerauktionen.ch/de/asp/fullCatalogue.asp?salelot=AFRIK15++349+&refno=++448533&saletype=) . Sie wurde nach einem Bieterduell (3 Telefone und ein Saalbieter) für 130.000,-- CHF (=108.000,-- Euro) verkauft. Hier war sie, die vom Markt geforderte Qualitätsspitze, die dazu auch noch markfrisch war.

Das außergewöhnliche Angebot führte zu Erfolg: 46% zugeschlagene Stücke, eine Gesamtergebnis (ohne Käufergeld) von ca. 360.000 CHF, also 290.000 Euro.

Kataloge, nachsehen, anschauen, schmökern

Neumeister

Zemanek-Münster

Koller Auktionen

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Im Zeichen der Finanzkrise - Tribal-Art-Auktionen deutschsprachiger Auktionshäuser Ende 2011; Ingo Barlovic; 2011; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/276-finanzkrise-deutschsprachige-tribal-art-auktionen-2011

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