Termin: 15.11.2014 bis 07.02.2015

Ausstellung in der Galerie Lutze in Friedrichshafen vom 15. November 2014 bis zum 7. Februar 2015

Nach einer altindianischen Sage kamen die Kachina einst aus der Unterwelt auf die Erde. Als den Menschen wohlgesinnte Geister bringen sie Regen und Fruchtbarkeit, tragen Gebete zu den Gottheiten und schützen vor Krankheiten, strafen aber auch schuldig Gewordene der Dorfgemeinschaft. Selbst unsichtbar, finden diese mythischen Wesen bei den Pueblo-Indianern im südwestlichen Nordamerika ihre Verkörperung in jenen maskierten und verkleideten Tänzern, die - ebenfalls Kachina genannt und zu Kachina geworden- zwischen der Winter- und Sommer- Sonnenwende bei tagelang dauernden kultischen Festen rituelle Tänze aufführen. Darüber hinaus unterhalten sie die Menschen mit ihren Liedern und Tänzen, bringen den Kindern Dinge zum Essen und andere Geschenke.

Nach altem Brauch werden in den Tanzpausen an die Mädchen kleine geschnitzte und bemalte Holzfiguren verteilt, die ein getreues Abbild der einzelnen Tänzer sind. An den Objekten - ebenfalls Kachina genannt - sollen sie die verschiedenen Typen - insgesamt sind heute rund 350 unterschiedliche Kachina bekannt - kennenlernen und an ihren charakteristischen Merkmalen und Attributen identifizieren können. Auch soll das Geschenk gewährleisten, dass das Mädchen gesund aufwächst und später selbst gesunde Kinder haben wird. 

Die eigentliche Entdeckung dieser indianischen Kultur kam durch den Kulturhistoriker Aby Warburg, der 1895/96 die Pueblobewohner besuchte. 27 Jahre später fasste er seine Erlebnisse in einem Vortrag "Schlangenritual. Ein Reisebericht" zusammen, den er mit einer Auswahl seines reichen Fotomaterials illustrieren konnte, aus heutiger Sicht absolute Raritäten, da die Hopi seit Jahrzehnten der Dokumentation ihrer Kultur durch die Weißen mit allergrößter Skepsis gegenüber stehen. Warburg, der die von seiner Reise mitgebrachten Objekte der Hopi und Zuni dem Hamburger Museum für Völkerkunde überließ, interessierten die anthropologischen Aspekte der indianischen Rituale, weniger die Kachina-Figuren, die die Pariser Surrealisten seit Mitte der 20er Jahre für sich vereinnahmten.

Kachina-Figur Hilili, Foto: Galerie B. Lutze

Katchina-Figur Hemis Katsina, Foto: Galerie B. Lutze

Vor allem André Breton als der führende Theoretiker des Surrealismus wie auch sein Freund, der Dichter Paul Eluar, stellten eine Identität des indianischen Denkens mit surrealistischen Vorstellungen fest. Mehr mit Geheimnis ausgestattet, dafür weniger formalästhetisch relevant wie die bisher die Künstler faszinierende Afrikanische Plastik, sah er die Objekte der Indianerstämme Nordamerikas als richtungsweisend an. Kachina-Figuren wurden von da an in Pariser Ausstellungen gezeigt und in surrealistischen Zeitschriften abgebildet. Auch Künstler wie Marcel Duchamp und Max Ernst sammelten die Figuren, gerade auch durch den z.T. direkten Kontakt mit den Indianern und der Teilnahme an ihren Ritualen in der Zeit ihres Exils in den 40er Jahren in den USA. Das Interesse an den Kachina blieb auch in der Nachkriegszeit wach: So hat der Intellektuelle und spätere französische Kulturminister Andre Malraux sie ebenso gesammelt wie der der Gruppe Cobra zugehörige Maler Karel Appel.

Kachina-Figur Shalakotaka, Foto: Galerie B. Lutze

In Deutschland gelangten Anfang des 20. Jahrhunderts Zuni-Kachina durch eine Schenkung in das Stuttgarter Linden-Museum, und in Emil Noldes Bildern tauchten 1911/12 Kachina auf, die er im Berliner Völkerkundemuseum für sich entdeckte. Als die größte europäische Kachina-Sammlung mit über 700 Exemplaren ist die Studienstiftung Horst Antes anzusehen, die er seit den 60er Jahren zusammengetragen hat. Sie wurde in 2 Sonderausstellungen in europäischen Museen 1981/82 und 2000/2003 gezeigt.

Katchina-Figur Sa'lakwmana, Foto: Galerie B. Lutze

Noch nie sind Hopi Kachina-Figuren in einer deutschen Galerie gezeigt worden. Die Ausstellung in der Galerie Lutze mit ca. 60 Figuren ist deshalb ein Novum und damit ein außergewöhnlicher Abschluss des Ausstellungsjahrs 2014. Eröffnungsredner am Freitag, den 14. November, um 20 Uhr ist der Sammler Volker Volkers, der wiederholt bei den Hopis war und aus dessen Besitz ein Teil der Stücke stammt.

 

Die Galerie Bernd Lutze befindet sich in der Zeppelinstr. 7. 88o45 Friedrichshafen. Telefon 07541/22713. Sie betreibt keine eigene Homepage. Eine kurze Information zur Galerie gibt es hier 

Vielen Dank an Bernd Lutze.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Kachina-Figuren der Hopi-Indianer (Arizona); Bernd Lutze; 2014; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/385-kachina-figuren-der-hopi-indianer-arizona

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Autor
Bernd Lutze

Galerie Bernd Lutze
Zeppelinstr. 7
88045 Friedrichshafen
Tel.: 07541 22713