Eine wegweisende Auktion für den Tribal Art Markt und den Provenienzbegriff?

Die Sotheby's-Auktion der Myron Kunin Collection ist sicherlich die spannendste Tribal Art-Auktion des Jahres. Dies liegt vor allem an dem Sammler selber und an seiner Vermarktung durch das Auktionshaus Sotheby's. Myron Kunin hat zwar seit einigen Jahrzehnten traditionelle afrikanische Kunst gesammelt. Er ist aber keine Provenienz-Ikone, sondern jemand, der viele seine besten Stücke erst in den letzten 20 Jahren erworben hat. Eben 'nur' ein erfolgreicher Unternehmer mit einem exquisiten Geschmack und dem nötigen Kleingeld.

Damit unterscheidet er sich grundlegend von Provenienz-Legenden wie den Händlern Pierre und Claude Vérité, deren Sammlung über Jahrzehnte, beginnend in den 30er Jahren, zusammengetragen und 2006 erfolgreich bei Sotheby' versteigert wurde. Oder von Helena Rubenstein, von Picasso oder anderen Künstlern. Diese sammelten zu einer Zeit afrikanische Kunst, die die meisten Sammler noch nicht aktiv erlebt haben und die deshalb zur Legendenbildung taugt. Und bei denen der frühe Sammlungszeitraum, gepaart mit dem guten Geschmack und dem bekannten Namen, allein schon als Beleg für Qualität und Echtheit und für einen hohen Preis erscheinen.

Somit stellt sich die Frage: Gelingt es Sotheby's, einen Sammler, der viele Stücke sogar erst nach dem Jahr 2000 gekauft hat, wirkungsvoll als besondere Provenienz zu inszenieren? Wird sich ein Hype entwickeln, in dessen Zug sich Weltklasse richtig teuer verkauft und auch 'nur' gute Qualität zu neuen Ufern aufbricht? Dies war beispielsweise bei der Vérité-Auktion der Fall. Oder wird es in erster Linie auf die Qualität jedes einzelnen Stückes ankommen - gleich ob der Sammler Kunin heißt oder nicht - ganz ohne einen Halo-Effekt.

Erreicht beispielsweise die berühmte Figur der Kamba (Lot 154) aus der Sammlung Bareiss, die Kunin 2008 von Sotheby's für 61.000 $ erworben hat, ihren diesmaligen Schätzpreis von 40- bis 60.000 $ oder ist sie Käufern gar noch mehr Wert als 2008? Letzteres würde einen Kunin-Hype belegen.

Die New Yorker Auktion wird aber aus einem weiteren Grund spannend: Das Angebot ist richtig gut. Davon konnte man sich bei einer während der Parcours des Mondes in Paris gezeigten kleinen Auswahl bereits vorab überzeugen. Kunin hat viele Stücke in der Sammlung, die vom klassischen Kanon leicht abweichen und eine ganz spezielle, leicht chromatische Ästhetik besitzen. Der Mann hatte einen Blick für das Außergewöhnliche!

Klassiker gibt es aber auch: Insider rechnen damit, dass bei einer ursprünglich von Emil Storrer stammenden Stampfer-Figur (deble) der Senufo (Lot 48) die 10 Millionen $ Grenze fallen wird. Dies wäre ein neuer Rekord für Tribal Art.

Katalog zu der Auktion

2 von Sotheby's produzierte Videos

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Die Versteigerung der Myron Kunin Collection of African Art bei Sotheby's am 11. November 2014 in New York; Ingo Barlovic; 2014; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/399-versteigerung-myron-kunin-collection-of-african-art-sotheby-2014-new-york

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Autor
Ingo Barlovic

Geschäftsführer eines Meinungsforschungsinstituts (iconkids & youth). Sammelt seit über 15 Jahren ‚Tribal Art‘, wobei er unkonventionellen Stücken besondere Aufmerksamkeit schenkt. Mitglied der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Verantwortlich für www.about-africa.de. Redaktionelle Mitarbeit bei "Kunst und Kontext". Schreibt für "Kunst und Auktionen" und "Weltkunst".  Wohnt in Eching/Ammersee. i.barlovic@gmail.com