Dada, diese einflussreiche Antikunstbewegung, wird dieses Jahr 100: 1916 hatte Hugo Ball in seinem legendären Auftritt im Züricher Cabaret Voltaire, gekleidet mit einem Zylinderkostüm, zum ersten Mal seine Lautgedichte rezitierte und mystisch-ekstatische Momente erlebt. Wie sehr die Dada-Bewegung  von außereuropäischer Kunst beeinflusst wurde - und eben nicht nur der Expressionismus und Picasso und sein Umfeld -, lässt sich ab Februar/März 2016 in zwei Ausstellungen in Zürich nachvollziehen.

  • Vom 8. März – 17. Juli 2016 im Rietberg Museum in der Ausstellung DADA Afrika
  • und vom 5. Februar bis zum 28.März 2016 im Schweizerischen Nationalmuseum in der Ausstellung Dada Universal.
DADA Afrika

Die Ausstellung «DADA Afrika» des Rietberg Museums zeigt im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums des Dadaismus zum ersten Mal ein bisher kaum erforschtes Thema: die Auseinandersetzung der Dadaisten mit außereuropäischer Kunst und Kultur. Die sinngewaltigen, spartenübergreifenden Inszenierungen der «Soirées Nègres» im Cabaret Voltaire attackierten den gängigen Kunstbegriff und die bis dahin geltenden künstlerischen Wertvorstellungen. Die Darbietung von «Negermusik», «Negertanz» und «Negergedichten» – spontan, vital und wild – folgte dem dadaistischen Selbstverständnis, grenzenlos zu agieren. Beim Publikum Befremden auszulösen, war intendiert. Die Masken von Marcel Janco aber auch die Kostüme von Sophie Taeuber oder die Collagen von Hannah Höch waren von der Suche nach einer neuen Formensprache und elementaren Lebenswelt geprägt. Materialien, Formen, Texte und Musik aus Afrika, Ozeanien, Asien und Amerika dienten als Inspirationsquelle und Referenz für Abstraktion und Ursprünglichkeit.

Dialog 2 Hannah Hoch

Hannah Höch. Ohne Titel (Aus einem ethnographischen Museum) 1930 Collage 48,6 × 32,2 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Dialog 2 Uma Gottin

Torso der Göttin Uma. Spätes 9. / frühes 10. Jh., Kambodscha, Khmer-Reich. Sandstein 123 × 39 × 26 cm ohne Sockel. Museum Rietberg Zürich, Geschenk Eduard von der Heydt, vorher C. T. Loo, Paris

Dada fungierte dabei als Katalysator bei der Rezeption der außereuropäischen Kunst und Kultur. Die Ausstellung geht der Frage nach, wie die Dadaisten, aber auch Kunsthändler und Sammler in ihrem Umkreis mit dem kulturell Fremden in den verschiedenen künstlerischen Bereichen – von bildender Kunst, Literatur über Musik und Tanz – in Dialog traten und welche Umdeutungen beim Wechsel der Kontexte erfolgten.

Dialog 3 Marcel Janco Plakat

Marcel Janco - Entwurf für Dada-Plakat zur Veranstaltung « Le Chant Nègre » vom 31. März 1916. Kohle, gewischt auf dünnem Skizzenpapier, auf dünnes Velin und Karton aufgezogen, 73 × 55 cm. Kunsthaus Zürich, Vereinigung Zürcher Kunstfreunde © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Dialog 3 Bangwa Figur 1

Bangwa Figur. Männliche Figur, lefem. Anfang 20. Jh., Bangwa-Region, Kameruner Grasland. Holz. 84 × 22,5 × 20 cm. Völkerkundemuseum Zürich, Sammlung Han Coray

Das Museum Rietberg besitzt einen umfangreichen und sehr bedeutenden Bestand des Sammlers Han Coray. Coray war nicht nur der erste Schweizer Privatsammler afrikanischer Kunst, sondern auch ein wichtiger Mäzen, Kunsthändler und Förderer der Dadaisten. In seiner Galerie fanden 1917 die wichtigsten Dada-Ausstellungen statt. Erstmals wurde hier die sogenannte «Art Nègre» in einem gleichwertigen Dialog mit dadaistischen Arbeiten präsentiert. Han Coray gilt deshalb als «Geburtshelfer des Dada» und Wegbereiter des Primitivismus in der Schweiz.

Dialog 4 Lotschentaler Maske

Lötschentaler Maske. Hämisch grinsende Fratze, Fastnachtsmaske. 1.Hälfte 20. Jahrhundert, Schweiz, Lötschental. Bemaltes Holz, Fell, Tierzähne. Museum Rietberg Zürich, Sammlung Eduard von der Heydt

Aus internationalen Museumssammlungen werden hochkarätige Kunstwerke von Künstlerinnen und Künstlern wie Hans Arp, Hugo Ball, George Grosz, Raoul Hausmann, John Heartfield, Hannah Höch, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco, Man Ray, Hans Richter, Sophie Taeuber oder Tristan Tzara mit Objekten aus Afrika, aber auch Ozeanien, Asien und Amerika gezeigt. Daneben beleuchten Texte der Protagonisten, historische Fotografien, Plakate und Tondokumente den performativen und transkulturellen Charakter der Dada-Bewegung.

Dialog 6 Hannah Hoch

Hannah Höch - Ohne Titel (Aus einem ethnographischen Museum) 1929. Collage. 48,3 × 32,1 cm. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Dialog 6 Pende Maske

Pende Maske. Anhänger, ikhoko. Frühes 20. Jh., Dem. Rep. Kongo, Östliche Pende-Region. Elfenbein. 7 × 2,3 × 4,2 cm. Museum Rietberg Zürich, Sammlung Eduard von der Heydt. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Museums Rietberg Zürich und der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur.

Dialog 7 Raoul Hausmann

Fotograf unbekannt - Ohne Titel (Mechanischer Kopf, 1919, von Raoul Hausmann). Neuabzug vom Original-Glasnegativ durch Floris Neusüss. 29,8 × 20,4 cm- Berlinische Galerie, Edition Griffelkunst, Hamburg, 2002. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Dialog 7 Kraftfigur

Kraftfigur, nkisi n’kondi. Vor 1892, Vili, Loango, Kongo, Holz, Metall, Glas, Textilien, Pflanzenfasern, Farbpigmente, Harz. 63,5 × 38 × 34 cm. Musée du quai Branly, gesammelt von Joseph Cholet 1892 in Kongo

Zur Ausstellung wird ein reich bebilderter Katalog herausgegeben.  Die Ausstellung wird nach Berlin wandern, wo sie vom 5. August – 7. November 2016 in der Berlinischen Galerie gezeigt werden wird.

Dialog 5 Katsina Figur

Bergschaf-Katsina (pangwu). Um 1900, Katsina, Hopi. Pappelholz, Hörner, Samenkeim, Federn, Fell,Wollfaden. 28 × 8,5 × 7 cm. Nordamerika Native Museum (NONAM) Zürich, Sammlung Gottfried Hotz; davor Northern Arizona Museum, Flagstaff, Sammlung Percival

Dada Universal

In der Ausstellung Dada Universal erkundet das Landesmuseum Zürich mit ausgewählten Exponaten den kreativen, revolutionären und universellen «Esprit Dada». Sie ist Teil des groß angelegten Dada-Jubiläums des Jahres 2016.

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Sophie Taeuber-Arp, Kostüm «Hopi-Indianer», um 1922, verschiedene Stoffe. Aargauer Kunsthaus Aarau / Depositum aus Privatbesitz. Foto: Stefan Altenburger

Für Dada Universal kommen von überall her Schätze ins Landesmuseum Zürich, so etwa Marcel Duchamps «Fountain» aus der weltberühmten Sammlung des Israel Museum: Eine zum Kunstwerk erhobene Pissoirschüssel, die als «Mona Lisa» des Dadaismus gilt. Daneben ist auch Dodo präsent, der Vogel, der nicht fliegen konnte und als Inbegriff des Natur-Nonsens schon von Alice im Wunderland gefeiert wurde. Sophie Taeuber-Arps selten gezeigtes Hopi-Kostüm aus einer privaten Sammlung trifft auf afrikanische Masken aus dem Museum Rietberg und auf die «Dada-Mühle» von Hannah Höch, die eher wie eine Stange Dynamit mit Zündmechanismus aussieht und wirkt.

Nationalmuseum 10

Die «Neger»-Kunst wurde 1908 bereits von den Kubisten entdeckt. Aber im Cabaret Voltaire eroberte sie bei den Dada-Tänzen auf der Bühne auch den dreidimensionalen Raum. Eine Anlehnung an Schweizer Fasnachtsbräuche? © Schweizerisches Nationalmuseum.

 

Vielen Dank an Ingo Barlovic und Museum Rietberg Zürich und Schweizerisches Nationalmuseum.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Dada und außereuropäische Kunst in Zürich; Ingo Barlovic, Museum Rietberg Zürich, Schweizerisches Nationalmuseum; 2016; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/670-dada-und-aussereuropaeische-kunst-in-zuerich

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Autoren, Macher, Organisatoren, Unterstützer
Ingo Barlovic

Geschäftsführer eines Meinungsforschungsinstituts (iconkids & youth). Sammelt seit über 15 Jahren ‚Tribal Art‘, wobei er unkonventionellen Stücken besondere Aufmerksamkeit schenkt. Mitglied der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Verantwortlich für www.about-africa.de. Redaktionelle Mitarbeit bei "Kunst und Kontext". Schreibt für "Kunst und Auktionen" und "Weltkunst".  Wohnt in Eching/Ammersee. i.barlovic@gmail.com

Schweizerisches Nationalmuseum

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