Es ist ein offenes Geheimnis, dass es vielen Tribal Art Galerien vor allem an den Hotspots in Brüssel und Paris finanziell nicht gut geht, was mehrere Ursachen hat:

  • Der Markt entwickelte sich bei dem mittleren Preis- und Qualitätsniveau zu einem Käufermarkt. Es suchen immer mehr Objekte einen Käufer, da es sehr viele Anbieter gibt und häufig alte Sammlungen mit guter (aber seltener überragender) Qualität auf den Markt kommen. Dieses Angebot wird vor allem durch das Internet transparent. Andererseits bleibt aber die Zahl der Kaufwilligen höchstens konstant bzw. nimmt sogar ab. Ihre Häuser sind mit solcher Ware voll und eine neue Käufergeneration kommt erst langsam nach.
  • Wie fast im gesamten Antiquitäten- und Kunstmarkt wird die Preisschere immer größer: die wenigen als Spitzenstück angesehenen Werke werden, angetrieben vor allem von den großen Aukionshäusern, immer teurer, die nur guten behalten ihren Wert oder verlieren ihn sogar. Damit verkaufen Galerien nicht nur weniger und blieben teilweise auf ihrer Ware sitzen, sondern sie müssen auch zu günstigeren Preisen anbieten. Ihr Verdienst geht zurück
  • Dagegen fehlt es vielen Galerien an hochwertigen Stücken, weil die Sammler eher über  Sotheby's oder Christie's verkaufen möchten.
  • Es wird immer zu wichtiger, das Objekt zu inszenieren und dem-Verkauf einen Event-Charakter zu geben. Dies ist beispielsweise Sotheby's und Christie's mit ihren marketinggetriebenen Proveninenz-Auktionen gelungen. Tribal Art-Messen wie die Bruneaf/Cultures, die Parcours des Mondes oder auch die San Francisco Tribal haben es dagegen immer schwerer, sich Gehör zu verschaffen. Sie sind Routine geworden, locken zu wenig (neue) Käufer an, zeigen zu viel Durchschnitt und zu wenig Glanzstücke und werden in ihrer Bedeutung von Spitzen-Antiquitätenmessen wie der TEFAF oder der BRAFA bedrängt. Kein Wunder, dass sich auf letzteren trotz der hohen Standpreise immer mehr Galerien für Stammeskunst tummeln.
  • Die alte Erfolgsstrategie, dass eine Galerie sich durch wenige, aber äußerst finanzkräftige Stammkunden finanziert und man sonstigen Kunden-Beifang eher passiv mitnimmt, funktioniert immer weniger, da einige dieser alten Kunden weggefallen sind. Weil sie kaum noch sammeln, oft ein Alter erreicht haben, in dem sie sich eher Gedanken darüber machen, wie sie Ihre Sammlung verkaufen, das Geld z.B. im arabischen Raum nicht mehr so locker sitzt, oder sie gar gestorben sind. Neue reiche Sammler orientieren sich eher an den Verkaufsevents oder an unabhängig wirkenden Beratern.

Welche Lösungen sehen die Galerien aus ihrem Dilemma? Ein Ansatz ist der Versuch, den Bestand mittels eigener Auktionen zu monetarisieren. Dabei geht es vor allem um die Stücke, die keine Spitzenqualität sind. Dies soll durch diese Auktionen zum einen dadurch gelingen, dass neue Käuferschichten angesprochen werden, die eine Hemmung davor haben, Galerien zu besuchen, der vielzitierte junge Sammler und Einsteiger. Denen man auch ohne Galerie-Beratung die Sicherheit geben möchte, gut zu kaufen. Und zum anderen wird gehofft, dass eine Auktion auffällt, das Angebot ins Gespräch kommt, der Verkauf zu einem Event wird.

Damit sind bereits die wesentlichen Anforderungen an solche Auktionen festgeschrieben:

  • Der Käufer benötigt Sicherheit, dass er gut kauft
  • Die Auktion muss sich am Markt durchsetzen, muss auffallen. Laut schreien um gehört zu werden, lautete eine Forderung an erfolgreiche Werbung.

Wie werden diese Anforderungen von den aktuellen 'Galerien-Auktionen' erfüllt?

Nukoro heißt ein neu gegründetes Online-Auktionshaus, das laut Website nur Objekte von namhaften Brüsseler und Pariser Galeristen wie Claes, Pecci oder Schlag anbietet und authentische Werke zu einem bestmöglichen Preis verspricht.

Die konkrete Umsetzung macht zumindest mich aber eher ratlos.

  • Angeboten werden bei Start des Hauses (Stand 17.7.2016) nur 8 Objekte mit Aufrufpreisen von 600 bis 2.300 Euro. D.h. wenig Objekte, und dann noch, wenn man dem Preis vertraut, von eher schwacher Qualität.
  • Zu den Objekten wird teilweise keine Provenienz erwähnt, es bleibt z.B. unklar, welcher Händler das Stück einliefert. Und auch sonst gibt es wenig weitere Objektinformationen.
  • Dazu fehlt es an Schätzpreisen. Der nicht so kundige Interessent erhält also kein Gefühl, ob der Aufrufpreis günstig ist.
  • Es wird angezeigt, wie viele Gebote es bereits gab. Dass bis zum 17.7.2016 niemand (!) geboten hat, verunsichert noch mehr und zieht die angebotenen Stücke herunter.
  • Schließlich gibt es anscheinend keinen festen Zeitpunkt, wann die online-Auktionen stattfinden, sondern es werden immer mal wieder Objekte eingestellt. Dadurch fehlt es am Eventcharakter und man fragt sich, warum dafür eine Auktion gebraucht wird. Die Stücke mit Festpreis einzustellen, hätte es wohl genauso getan.

Damit erscheint Nukoro als unüberlegter Schnellschuss, der keine Hemmschwelle herabsetzt, dem Interessierten nicht das Gefühl gibt, er könne etwas Günstiges oder Aufregendes erwerben. Der in keinster Weise ein Event ist bzw. sein Angebot inszeniert. Und als Versuch, sich von Dingen zu trennen, die der der Galerist eh nicht gut findet. Sonst würde er mit seinem Namen dahinter stehen.

Nur mal einen auf Auktionshaus zu machen, ist einfach zu wenig. Man kann nur hoffen, dass sich die Anbieter etwas überlegen, denn sonst könnte diese Hilflosigkeit negativ auf Claes, Pecci und Co zurückfallen. Es bleibt einzig die Hoffnung, dass das Auktionshaus noch am Üben ist und es schon bald Optimierungen gibt.

Zumindest einen einprägsameren Namen bietet ein Auktionshaus, hinter dem der bekannte Brüsseler Galerist Jo de Buck steht: World Arts Auctions. Das WAA veranstaltet  5 Online-Auktionen im Jahr. Die Website selber liefert aber erstaunlich wenige Informationen. Zwar gibt es einen Terminplan, man erfährt aber nichts über die vergangenen Auktionen: Nichts über die angebotenen und verkauften Stücke, oder gar über die erzielten Preise. Es fehlt an einem Archiv und an Ergebnislisten. Dies macht mich persönlich hellhörig: Wenn ein Auktionshaus nichts über seine abgelaufenen Auktionen preisgibt, könnte es heißen, dass sie schlecht gelaufen sind?

Aus meiner Erinnerung zumindest war das Angebot von WAA nicht wirklich berauschend: Ehrbar, im 3- bis unteren 4-stelligen Bereich, aber eher langweilig und ohne Wow-Angebote. Und damit auch meilenweit davon entfernt, aufzufallen und sich im Kopf zu verankern. Es wird wohl nur von denen beachtet, die sich sowieso permanent über den Markt informieren.

Dazu stellt sich die Frage, ob es sich um ein Auktionshaus mit unterschiedlichen Einlieferern handelt, oder nur um den Versuch von Jo de Buck, seinen Lagerbestand zu Geld zu machen.

Wesentlich interessanter erscheint mir die Vorgehensweise der renommierten Berz Gallery of African Art. Andrew Berz hat der Versuchung widerstanden, ein Auktionshaus zu gründen, sondern er nutzt die Plattform The Curator's Eye, die laut ihrer Website mit den führenden Händlern aus der ganzen Welt zusammenarbeitet. In einer vom 28. bis zum 31. Juli 2016 stattfindenden Auktion bietet Berz 146 (!) Lots an, die manchmal kurios sind (mich würde eine CT der Nok (Lot 143) mit Penis interessieren), zumeist von 'nur' guter Qualität, es finden sich aber auch Stücke mit Wow-Charakter, wie eine Baule Figur des Asher Masters (Lot 19). Bereits durch diese spannende Auswahl gelingt es ihm, sich von den vorher genannten Auktionen erfolgreich abzusetzen.

Aber Berz hat noch mehr verstanden: Er bietet die Stücke zum Teil deutlich unter durchaus realistischen Schätzpreisen an und hofft dadurch, dass die Auktion zu einem Ereignis wird, bei dem intensiv mitgeboten wird, da Käufer auf der Jagd nach Schnäppchen sind. Kurz: Berz' Auktion verspricht lebendig zu werden und aufzufallen. Dazu sind keine Aufpreise zu zahlen

Das Konzept, Tribal Art auf The Curator's Eye anzubieten, kann auf die Dauer natürlich nur aufgehen, wenn peinlich genau auf die Authentizität der Objekte geachtet wird. Sonst wäre diese Plattform für die ernsthafte afrikanische Kunst schon bald verloren. Wozu mangelnde Qualitätskontrolle führen kann, zeigt beispielsweise Catawiki, die am Anfang an ernst genommen werden wollte, sich mittlerweile aber auf einem ebay-Niveau befindet - nur viel mehr Schein bietet. The Curator's Eye versteht sich nicht nur als Auktionsplattform, sondern bietet dem Anbieter auch Werbe- und Marketingunterstützung ab.

Am Schluss noch ein Auktionshaus, das zumindest bei seiner ersten Auktion alles richtig gemacht hat: Hammer Auktionen aus Zürich. Jean David (Galerie Walu) hat begriffen, wie Auktion funktionieren kann: Befeuert durch ein richtig gutes Angebot aus 2 bekannten Sammlungen, hat er die erste Auktion als Event inszeniert. Mit  Drinks, Häppchen, gutaussenden jungen Szenebedienungen, eine Bar, die dem Auktionssaal einen Lounge-Charakter gab. Dazu hatte David bei kaum einem Objekt Angst davor, es mit einem niedrigen Preis aufzurufen und in sehr kleinen Schritten hochzusteigern. Diese Aufrufstrategie bedarf zwar einiges an Mut, hat aber den Vorteil, dass es während der Auktion kaum Leerlauf gibt, weil schließlich fast jedes Objekt zumindest einen Interessenten findet, die Auktion also lebt und viele Bieter auf günstige Occasionen hofften.

Und falls wirklich mal ein Stück viel zu günstig verkauft wurde, macht dies in der Gesamtschau wenig aus bzw. wird ausgeglichen: Denn was gefällt und angesagt ist, wird auch hoch gesteigert - auch wenn der Ausgangspunkt niedrig ist. Die Auktion als Event

Seine darauf folgende Auktion mit Voodoo-Fotografien des bekannten Schweizer Fotografen und Filmemachers Alberto Venzago war schon wesentlich bescheidener (50% der Objekte wurden für knapp über 30.000 CHF verkauft), hatte aber einen anderen Fokus: David hatte die Züricher im Blickpunkt, und es ging in erster Linie um das gesellschaftliche Ereignis (so gab es eine Podiumsdiskussion mit Venzago und Spenden aus den Verkaufserlösen). Immerhin 60 Personen erschienen am Auktionstag, fast noch wichtiger war aber die breite Berichterstattung in Züricher Medien. Die Auktion zum Event.

Zweifelsohne bringt Hammer Auktionen frischen Wind in die zum Teil etwas angestaubt wirkende Auktionsszene und ist eben auch physisch präsent, ist nicht nur ein Online-Auktionshaus. Es bleibt aber die Frage: Wird es Hammer Auktionen schaffen, den Erfolg der ersten Auktion zu wiederholen und sich wirklich als bedeutende Kraft im Tribal Art Markt zu etablieren? Als nächstes wird Hammer Auktionen am 13.8.2016 eine große Sammlung der Ekoi anbieten, ein Nischenthema, das aber alleine dadurch punktet, weil es auffallen wird, da selten so viele solcher Objekte auf einmal zu sehen und zu kaufen sind.

Die Zukunft dieses Auktionshauses wird sich aber wohl eher bei der nächsten großen Tribal Art-Auktion erweisen, die für Herbst dieses Jahres geplant ist.

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Tribal Art-Galerien in der Krise. Sind eigene Auktionen eine Lösung? ; Ingo Barlovic; 2016; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/728-tribal-art-galerien-in-der-krise-sind-eigene-auktionen-eine-loesung

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Autor
Ingo Barlovic

Geschäftsführer eines Meinungsforschungsinstituts (iconkids & youth). Sammelt seit über 15 Jahren ‚Tribal Art‘, wobei er unkonventionellen Stücken besondere Aufmerksamkeit schenkt. Mitglied der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. Verantwortlich für www.about-africa.de. Redaktionelle Mitarbeit bei "Kunst und Kontext". Schreibt für "Kunst und Auktionen" und "Weltkunst".  Wohnt in Eching/Ammersee. i.barlovic@gmail.com