Ende Januar 2018 ist Brüssel der wichtigste Hot Spot für Tribal Art: Nicht nur dass diese Kunst ein Schwerpunkt der BRAFA ist und parallel dazu die Winter Bruneaf stattfindet, zusätzlich gibt es Tribal Art Auktionen am 27 Januar bei Native und am 31. Januar von Lempertz.

BRAFA vom 27.1 bis zum 4.2.2018

Die wichtige Kunst- und Antiquitätenmesse BRAFA hat dieses Jahr den Schwerpunkt Tribal Art sogar noch erweitert. Mittlerweile nehmen 13 auf  Stammeskunst spezialisierte Galerien mit ihren besten Objekten teil, darunter Schwergewichte wie Didier Claes, Serge Schoffel, Schoffel de Fabry, de Grunne, Ferrandin oder auch Monbrison. Zum ersten Mal dabei sind Philippe und Lucas Ratton. 

Ferrandin Kanak ritual female figure

Ferrandin Kanak ritual female figure

Claes Lwalwa Maske

Claes Lwalwa Maske

Außergewöhnlich wird die Wunderkammer vom Theatrum Mundi.

Theatrum Leonardo ninja turtle costume display 1990 Jim Henson

Theatrum Leonardo Ninja turtle costume display, 1990, Jim Henson

Es wird spannend, wie hoch dieses Jahr das Niveau sein und ob Didier Claes wieder so viele rote Verkaufspunkte sammeln wird. Die BRAFA hat sich mittlerweile neben den beiden Spezialmessen, der Pariser Parcours des Mondes und der Brüsseler Cultures, zur dritten Pflichtveranstaltung für den Tribal Art Aficionado gemausert – auch wenn es aufgrund der Höhe der Preise für die meisten wohl eher ums Schauen als ums Kaufen geht.

Schoffel de Fabry Armour from the Kiribati islands

Schoffel de Fabry Armour from the Kiribati islands

Zum Katalog der BRAFA

Winter Bruneaf vom 24. bis zum 28. Januar 2018

Die Winter Bruneaf kriselt. So nehmen dieses Jahr nur noch 24 Aussteller teil – 9 weniger als zu ihrem Start, und manche von ihnen fahren zweigleisig und präsentieren ihre besonderen Objekte auf der BRAFA. Zudem muss man abwarten, inwieweit es wie 2017 recht viele Galeristen gibt, die müde und etwas frustriert wirken.

Dass sich die Winter Bruneaf dennoch lohnt, liegt zum einen an Händlern wie H. Kellim Brown mit seinem ehrlichem Enthusiasmus und Arie Vos. Vos zeigt zwar in seiner Galerie Kitsune ebenfalls Tribal Art, sein Schwerpunkt liegt aber auf traditioneller und moderner japanischer Kunst, vor allem Keramik. Beiden Galeristen gelingt es den Besucher für sich und die Kunst einzunehmen und auch für kleineres Geld Beachtliches zu bieten. Anders ausgedrückt: Es macht Spaß dort zu sein – auch einem Einsteiger.

Kitsune hashi ichi II vase

Galeire Kitsune Hashi ichi II Vase

Zum anderen liegt es daran, dass dieses Jahr erneut 5 Galeristen um Joaquin Pecci mit ihrer gemeinsamen, toll  präsentierten Verkaufs-Ausstellung „Ancienne Nonciature“ in dem neoklassizistischen Ambiente der ehemaligen diplomatischen Vertretung des Vatikans Objekte von höchster Qualität ausstellen. Diese haben natürlich ihren Preis. Tribal als Event. Bruce Frank bietet unter dem Titel Indo-Pacific-Art 22 zumeist früh gesammelte Werke aus Indonesien und Papua-Neuguinea zum Verkauf, Olivier Castellano konnte vor kurzem eine alte französische Sammlung ethnografischer Objekte wie Nackenstützen oder Stühle erwerben. Die Bandbreite der Tribal Art demonstriert Renaud Vanuxem mit Werken aus Ozeanien, Nepal und Afrika. Der deutsche Adrian Schlag schließlich hat eine vorzügliche Maske der Guro von der Elfenbeinküste dabei, die dem Meister von Gohitafla zugeschrieben wird.

Schlag baule

Schlag Baule

Aber wer weiß: Vielleicht können ja dieses Jahr auch andere Galeristen überraschen und begeistern.

Zum Katalog der Winter Bruneaf

Zum Katalog Ancienne Nonciature

Zum Katalog von Bruce Frank

Auktion Tribal Art, Modern Art and 20th Century furniture bei native am 27.1.2018.

Native fährt nach seiner erfolgreichen Auktion von Juni 2017 erneut mehrgleisig und offeriert sowohl Tribal Art als auch moderne Kunst und Design. Im Tribal Art-Bereich wird u.a. eine Sammlung von 20 Objekten der Lega, die der im Kongo tätige Ingenieur Alexandre Saffinnikoff zwischen 1937 und 1967 vor Ort erworben hat, angeboten. Keine High End-Stücke, aber wohl ehrliche/authentische Arbeiten.

Unter den Objekten aus der Sammlung des niederländischen Künstlers fällt vor allem ein für 60,000 Euro offerierter Ahnenschädel aus Neuirland (Lot 24) auf. Vielleicht ergeht es ihm besser als den vom Dorotheum im letzten Jahr angebotenen Schädeln, die das Wiener Auktionshaus auf Druck von Teilen der Öffentlichkeit vor Beginn der Auktion zurückgezogen hatte.

Schädel neuirland native 24

native Ahnenschädel Neuirland

Das imposanteste Los bei Native ist aber ein zwei Skelette im Schwerterkampf zeigendes, marktfrisches Gemälde des Belgischen Malers Paul Delvaux aus den Jahr 1934, das für 100.000 Euro aufgerufen wird.

Native delvaux 54

native Delvaux

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Auktion Art of Africa, the Pacific and the Americas bei Lempertz am 31.1.2017

Unter den  362 Losen bei Lempertz gibt es einige, die marktfrisch sind oder sich zumindest seit längerer Zeit in Sammlungen befanden. Zu diesen Entdeckungen gehören für mich vor allem die11 Masken von der Elfenbeinküste, die der 1979 verstorbene Schweizer Künstler Charles Hug Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre in Paris erworben hatte. Der größte Teil seiner bereits 1933 ausgestellten Sammlung landete als Schenkung im Züricher Rietberg Museum, andere Masken wurden 2006 bei Sotheby‘s auktioniert. Aufgrund der Provenienz, der Qualität und den eher niedrigen Aufrufpreisen werden sich nicht nur Schweizer Verehrer des Künstlers dafür interessieren.

Lempertz 1103 102 Art of Africa the Pacific and the Americas DAN MASK

Lempertz Dan Lot 102

Eine kleine Sensation  ist, dass Lempertz 6 ‚federlose‘ Masken, die der Ethnologen Harald Schultz in den 1960er Jahren in situ Gebiet des Xingu-Flusses im Amazonas  gesammelt hat, anbietet. Aus diesem Gebieten kennt der Markt in erster Linie Federarbeiten. Ihre Schätzungen liegen mit 600 bis 3.000 Euro eher niedrig: Es fehlt an Vergleichsobjekten auf dem Markt und Lempertz ist sich wohl im Unklaren, ob überhaupt eine Sammlerschaft existiert.

Aus Neuirland stammt ein alter Tanzstab der Tolai (Lot 305), deren Objekte in Auktionen sehr selten auftauchen. Als Provenienz werden die Herz-Jesu-Mission und Mia und Loed van Bussel ausgewiesen. Die Herz Jesu Missionare lösten in den 1960/70/8oer Jahren ihre umfangreiche, aus frühen Ozeanien-Objekten bestehende Sammlung auf. Einen Teil konnte legal Loed van Bussel erwerben. Ein wohl größerer Teil ging nach Auskunft der Mission an einen deutschen Ethnologen, der versprach, die Sammlung zu erhalten und auszustellen. Dieses Versprechen wurde gebrochen, die Objekte veräußert, wie man mir seitens der Ordensgemeinschaft mitteilte. Da bei diesem und anderen von Lempertz angebotenen Herz-Jesu-Objekten auch der Name van Bussel als Vorbesitzer auftaucht, können diese Lose mit gutem Gewissen gekauft werden.

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Lempertz TOLAI-DANCE-WAND

Schließlich gibt es neben einer bemerkenswerten, vor 1914 erworbenen knienden Skulptur vom Sepik eine vorzügliche Schmucksammlung, darunter eventuell als Liebeszauber verwendete Federarbeiten (Lot 327, 328), die von dem 1909 verstorbenen Südseeforscher Richard Parkinson erworben wurden. Teuerstes Objekt dieser Sammlung ist allerdings der mit 15.000 Euro nicht zu hoch taxierte Hawaiianische Lei Niho Palaoa Brustschmuck mit Walzahn (Lot 362). Um seine Authentizität wird es wohl weniger Diskussionen geben als um eine im November bei Christie‘s für über 6 Millionen Euro (incl. Premium) zugeschlagene Hawaii-Figur, die im Moment von manchen  Experten öffentlich angezweifelt wird.

Lempertz 1103 362 Art of Africa the Pacific and the Americas HAWAII NECKLACE LEI NIHO

Lempertz HAWAII NECKLACE LEINIHO

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Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Vorbericht: Tribal Art in Brüssel Ende Januar 2018; Ingo Barlovic; 2018; https://www.about-africa.de/auktion-messe-galerie-ausstellung/948-vorbericht-tribal-art-in-bruessel-ende-januar-2018

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