Buchbesprechung: Afrika und die Kunst - Einblicke in die Sammlung Angela und Günter Kawik

2010 hatte Günter Kawik zusammen mit Dorina Hecht ein äußerst ambitioniertes Buch vorgestellt: ‚Afrika und die Kunst-Einblicke in deutsche Privatsammlungen‘ mit blauem Einband war ein großformatiges, dickes Werk mit ca. 500 Seiten und großen Farbabbildungen. Gezeigt und beschrieben wurden Werke aus verschiedenen Sammlungen, deren Provenienzen aber nicht erwähnt wurden. Ein recht neuer Ansatz war damals, dass neben traditioneller auch zeitgenössische Werke gezeigt wurden.

2022, also über 10 Jahre später, haben die Herausgeber Dorena Hecht und Günter Kawilk einen Nachverfolger veröffentlicht: ‚Afrika und die Kunst - Einblicke in die Sammlung Angela und Günter Kawik‘ hat nicht nur einen ähnlichen Namen, sondern auch das gleiche Format wie der Vorgänger und ebenfalls um die 500 Seiten und ungefähr so viele Abbildungen. Äußerlich unterscheidet er sich dadurch, dass er einen roten Einband besitzt. Und im Inneren?

Inhalt

Im Gegensatz zum ‚blauen Buch‘ werden dieses Mal ausschließlich Objekte aus Sammlung Kawik gezeigt, zusätzlich sind nun zumeist detaillierte Provenienzen angegeben. Die Gestaltung ist aber ähnlich: Großformatige Fotos mit recht ausführlichen Objektbeschreibungen, insbesondere des kulturellen Hintergrundes.

Am meisten Platz wird mit 300 Seiten der traditionellen Kunst aus Afrika eingeräumt. Dabei überwiegen Stücke aus Westafrika und dem Kongo, das südliche oder Ostafrika kommen nicht vor. Es sind auch recht viele ‚Benin-Bronzen‘ zu sehen. Einige Stücke sind bereits im Vorgänger publiziert.

Unter den Provenienzen finden sich recht häufig die Namen von Karl-Heinz Krieg, dem verstorbenen Westafrika-Experten und Kunsthändler, und von Bernd Schulz. Der Galerist und Konsul von Mali verstarb 2020. Im Gegensatz zu diesen beiden Händlern und Händlern/Sammlern wie Werner Fischer wird eine weitere Kaufquelle nicht mit Namen sondern als „Vorbesitzer“ bezeichnet. Immerhin ist aufgeführt, wo dieser „Vorbesitzer“ seine Stücke erworben hat.  

Ungefähr 100 Seiten, und damit 1/5 des Gesamtumfangs, nehmen zeitgenössische Werke ein. Es sind afrikanische Künstler bzw. Künstler mit afrikanischen Wurzeln. In Deutschland sind z.B. Owosu-Ankkomah und Ransom Stanley tätig. Stanley setzt sich ironisch mit kolonial geprägten Klischeebildern auseinander. Ein ausdrucksvolles Gemälde von ihm hängt vor dem Eingang der Dauerausstellung Afrika des Museum Fünf Kontinente in München. Ebenfalls in diesem Museum befindet sich ein Werk von Amouzou Glikpa, das Karin Guggeis in ihrer Dissertation 'Star oder Loser' als ‚Publikumsliebling‘ bezeichnet. Im Kawik-Buch gibt es zwei Werke des Künstlers aus Togo.

In Kinshasa und Paris lebt Chérie Samba, ein Liebling des Kunstmarktes, von dem ein Gemälde in die Sammlung von Angela und Günter Kawik Einzug genommen hat. Seit einigen Jahren geht ja zeitgenössische Black Art in Auktionshäusern preislich durch die Decke. In Benin und Marseille ist Dominique Zinkpe zu Hause, von dem 4 Werke im ‚Roten Buch‘ enthalten sind. Seine Ausstellung im Museum der Völker in Schwaz hatte mich vor Jahren begeistert.

Ergänzt wird der Katalogteil durch ein Interview mit Günter Kawik und Texten von Dorina Hecht zum Spannungsfeld von traditioneller und zeitgenössischer Kunst, von Kawik zu den Handelswegen in Westafrika, Andreas Schlothauer und Günter Kawik zur Restitution von Benin-Bronzen und von letzterem zur Altersbestimmung von Bronze-Objekten aus Benin und Ife.

Bewertung

‚Afrika und die Kunst - Einblicke in die Sammlung Angela und Günter Kawik‘ zeigt so transparent wie möglich die umfangreiche Kollektion eines deutschen Sammlers afrikanischer Kunst. Diese Kollektion wird nicht anhand von 'Künstlerfotografien' abgebildet, sondern fast dokumentarisch. So fehlt es an besonders  künstlerischen Perspektiven bzw. Ausschnitten oder effektvollen Beleuchtungen, mit denen die Werke als Kunst inszeniert werden. Allerdings hätte ich mir manchmal gewünscht, man könnte die Oberflächen, die Patina der Stücke besser sehen. Die Beschreibungen sind die eher nüchternen Beschreibungen von Kunsthistorikern. Dazu sind zumeist die Provenienzen angegeben. Damit kann sich der Leser selber ein Bild von den Werken machen und sie unvoreingenommen für sich bewerten – außer er lässt sich in seinem Urteil von den Provenienzen beeinflussen.

Eine Stärke des Buchs ist schließlich der Teil zur zeitgenössischen Kunst, weil Künstler wie Stanley oder auch Zinkpe noch mehr Aufmerksamkein verdient haben, als man ihnen bereits widmet.

HECHT, Dorina/ KAWIK, Günter (Hg.):
Afrika und die Kunst. Einblicke in die Sammlung Angela und Günter Kawik,
Bottrop 2022.
503 Seiten, fast 500 farbige Abbildungen,
31 × 25 cm, Leinengebunden
mit Schutzumschlag, deutsch
ISBN 978-3-00-071798-7

132,00 € (zzgl. 8,00 Euro Versand in Deutschland)

Bestellung:
Kawik Verlag, Hünefeldstr. 27, 46236 Bottrop,
Telefon 02041 20334, www.kawik-verlag.de

Autor

  • Ingo Barlovic

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  • Quellen-Nennung: Buchbesprechung: Afrika und die Kunst - Einblicke in die Sammlung Angela und Günter Kawik; Ingo Barlovic; 2022; https://www.about-africa.de/buch-publikation-internet/1511-buchbesprechung-afrika-und-die-kunst-einblicke-in-die-sammlung-angela-und-guenter-kawik
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