Zeichnung von Johannes Glaser: Kleiner Januskopf für Almuth Baron zum 50sten, 1998
Foto: Zeichnung von Johannes Glaser: Kleiner Januskopf für Almuth Baron zum 50sten, 1998

Der Afrikaforscher Johannes Glaser, stehend, Nord-Ghana, 2007
Foto: Der Afrikaforscher Johannes Glaser, stehend, Nord-Ghana, 2007

Am 7. Dezember 2011 verstarb im Alter von 50 Jahren der Afrika-Forscher Johannes Glaser, ein Mann wie aus einer anderen Zeit. Ein Universaltalent. Einerseits äußerst kunstsinnig als Kunstethnologe, als Maler und Grafiker. Andererseits aber auch jemand, der anpacken konnte, selbst 20 Ster Holz im Wald schlug und sich in Westafrika von widrigsten Gegebenheiten nicht abschrecken ließ. Ein Mann, der in zwei Welten lebte: Zu Hause in Rohrbach bei Bad Brambach bei seiner Frau Barbara und wochenlang in Afrika, vor allem im Gebiet um Bolgatanga in Nord-Ghana.

Glaser war seit nahezu 20 Jahren Entdecker und penibler Dokumentarist der materiellen Kulturen westafrikanischer Ethnien. So veröffentlichte er ein Buch über den westafrikanischen Gelbguss ("Cire-Perdue - Geheimnis und Faszination des westafrikanischen Gelbgusses") und publizierte in der Eucoprimo-Zeitschrift "Der Primitivgeldsammler" über "Baretule - das "Hexengeld" der Frafra und Nankani in Nord-Ghana".

Sein Hauptwerk, an dem er bis zuletzt gearbeitet hat, sein Fachbuch über die in Nord-Ghana lebenden Völker wie die Frafra und die Nabdam, konnte er jedoch nicht mehr beenden.

Dieses Buch hat ihn über Jahre beschäftigt, Johannes Glaser war da Perfektionist, es wäre unzweifelhaft zu dem Standardwerk über dieses Volk geworden und hätte nachhaltig mit so manchen Halbwahrheiten aufgeräumt. So wird ein bestimmter Armreif der Frafra in der Literatur als Schwiegermutterreif bezeichnet, ein Geschenk an die Schwiegermutter. Nach Glaser war das barer Unsinn: 'Wer würde in Afrika seiner Schwiegermutter so etwas schenken?' Es würde sich viel eher um gumatia niho Armreife handeln, mit dem Auge des Chamäleons, die mit Schweigermüttern nichts zu tun hätten, sondern als Schutzamulett oder auch als Zahlungsmittel fungierten. Die weite geografische Verbreitung dieses Reifentypes gäbe zudem Auskunft über die Wanderwege der Alt-Frafra.

Aber: Afrika war für ihn weit mehr als ein Forschungsgebiet. So unterstütze er insbesondere Menschen vor Ort, die versuchten, ihre Traditionen zu bewahren und nicht die alte Welt für die neue Welt der Pfingstkirchen einzutauschen, wie z.B.:

  • Einen Wahrsager, der ihm noch ein halbes Jahr vor seinem Tod bei seinem letzen Aufenthalt in Ghana sagte, er würde lange leben - es scheint, dass Wahrsager auch gute Psychologen sind, denen es unter Umständen wichtiger ist, Mut zu machen, als die Wahrheit zu erzählen.
  • Den Gelbgießer Anaho, in Bolgatanga einer der letzten seines Fachs. Nach dessen Tod 2010 sollte der Sohn die Arbeit des Vaters übernehmen - dieser verschwand nach kurzer Zeit, wohl nach Kumasi, den Versprechungen der Stadt nach.
  • Die Reste eines der südlichsten Sultanate, in der Nähe von Bolgatanga, ein wichtiges Kulturdenkmal.
  • Oder auch eine Nankanse-Familie, die in den prächtigen bemalten Lehmbauten in Sirigu wohnt und einen ewigen Kampf gegen den Regen kämpft.

Johannes Glaser lebte in Afrika aber auch seinen persönlichen Traum: Schon als Kind war er von der Natur, von der Archäologie und vom schwarzen Kontinent fasziniert und von den Entdeckern. Durch das Land reisen, Dinge herausfinden, Freundschaften schließen, ja, auch jemand sein. Er lebte dort sein ganz eigenes freies Leben, ohne Zwänge, aber dennoch anerkannter Teil der dortigen Gesellschaft, nicht nur Beobachter.

Auch ein Leben mit Männerriten: Abends in Bolga im Next Door zu sitzen, Bier zu trinken und Fleischspieße zu essen und sich mit Freunden und dem Besitzer dieser Kneipe zu unterhalten, gehörte zu seinem Verständnis von Afrika einfach dazu - wie auch seine Cowboystiefel und sein Cowboyhut.

An diesem Traum ließ er auch andere teilhaben: Er hielt Vorträge und war Vorsitzender des Museumsvereins Bad Brambach, wo er auch Ausstellungen mit Afrikanischen Werken kuratierte. Vor allem aber konnte man ihn auf seinen Reisen begleiten und dadurch eine Kultur tiefer kennen lernen - und eben nicht nur bunte Tourismus-Inszenierungen erleben.

Johannes Glaser auf dem Markt von Bolgatanga, Nord-Ghana, 2007
Foto: Johannes Glaser auf dem Markt von Bolgatanga, Nord-Ghana, 2007

Johannes Glaser und Freund Michael, dem Fahrer, Nord-Ghana, 2007
Foto: Johannes Glaser und Freund Michael, dem Fahrer, Nord-Ghana, 2007

johannesglaser-ethnologie.de [Nicht mehr erreichbar (Mai 2012)]

Vielen Dank an Ingo Barlovic und Almuth Baron.

Autoren
Ingo Barlovic
Almuth Baron
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Ein großer Junge und seine Sehnsucht nach Afrika - ein Nachruf auf Johannes Glaser.; Ingo Barlovic, Almuth Baron; 2011; https://www.about-africa.de/diverses-unsortiertes/305-nachruf-johannes-glaser

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