Etwas überraschend kam die Nachricht schon, dass der komplette Vorstand des Freundes- und Förderkreises des Staatlichen Museums für Völkerkunde München e.V. um Clara Wilpert und Helga Becker-Bickerich "aus Altersgründen" für die am 29. Juni 2015 stattgefundene Mitgliederversammlung nicht mehr kandidieren würde - mit Ausnahme von Christine Kron, der Direktorin des Museums. War er doch erst vor 3 Jahren nach einer äußerst turbulenten Sitzung gewählt worden. (siehe der Bericht auf about africa)

Die Verabschiedung des bisherigen Vorstands und die Wahl der neuen Vorstandsmitglieder verlief dieses Mal sehr harmonisch. Ohne größere Diskussionen wurden von den Mitgliedern als neue Vorstandsmitglieder gewählt: Günther Kronenbitter, Lehrstuhlinhaber für Europäische Ethnologie an der Universität Augsburg, Andras E. Mach (Geschäftsführender Gesellschafter der 2962 Geiger & Mach Group), Verena von Mitschke-Collande (Gesellschafterin der Giesecke & Devien Gruppe), Josef Möst, Leiter der Münchner Niederlassung des Bankhauses Metzler und der Rechtsanwalt Marcus Pilla. Wer von ihnen 1. Vorsitzender wird, entscheidet sich demnächst nach internen Beratungen (Ich tippe auf Günther Kronenbitter).

Dabei fielen dem Betrachter bei der Vorstellung der Kandidaten und damit des neuen Vorstandes auf, dass sie zwar offenbar dem Museum schon länger verbunden waren, bis auf Günther Kronenbitter aber anscheinend keiner einen ethnologischen Hintergrund besitzt - nicht einmal als Sammler. Und dass sich in hohem Maße anerkannte Wirtschaftsführer und Personen des gesellschaftlichen Lebens darunter befinden.

Vor allem dieser letzte Aspekt lässt aufhorchen: Christine Kron gab bei ihrem Rückblick auf das letzte Jahr an, es hätte sie bei ihrem Wechsel nach München überrascht, dass das Museum in der Münchner Gesellschaft nicht so verankert gewesen sei, wie sie es gedacht habe. Solch eine mangelnde Verankerung lässt sich auch deuten als: mangelnde Anerkennung und mangelnde finanzielle Unterstützung durch die Wirtschaft. Ein Völkerkundemuseum zu sponsern, erschien wohl nicht gerade sexy. Dies könnte sich bei den neu gewählten Hochkarätern mit ihrem Einfluss und ihren Netzwerken ändern.

Es bleibt aber ein kleiner Nachgeschmack: In seinen Dankesworten bezeichnete Marcus Pilla den neuen Vorstand als "nette Truppe, die das unterstützt, was die Museumsleitung unternimmt." Natürlich ist es gut, wenn das Verhältnis des Freundeskreisvorstandes zur Direktorin problemloser ist als noch 2012, als ein offener Konflikt eskalierte. Allerdings sollte der Freundeskreis mehr sein als ein willfähriger Gehilfe, der einfach immer nur abnickt, was die Museumsdirektion vorschlägt. Er muss ein starker Partner sein, jemand, der seine Eigenständigkeit nicht aufgibt. Das Potential dazu hätten die im neuen Vorstand vertretenen Persönlichkeiten auf alle Fälle. 

Eine weitere Entscheidung fiel auf der Tagung nach durchaus hitziger Diskussion mit einer denkbar knappen Zweidrittelmehrheit, die für den Entschluss notwendig war: Der Freundeskreis erhält einen neuen Namen und wird demnächst 'Freundeskreis Museum Fünf Kontinente e.V.' heißen. Hätte es statt der abgegebenen 39 nur 38 Pro-Stimmen gegeben, wäre die Umbenennung des Freundeskreises geplatzt. Gegenstimmen gab es 9, Enthaltungen 6.

Josef Moest Verena von Mitschke Collande

Josef Moest, Verena von Mitschke-Collande

Gunther Kronenbitter

Günther Kronenbitter

Andreas E. Mach links

Andreas E. Mach (links)

 

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Eine nette Truppe? Vorstandswahl des Freundeskreises Museum Fünf Kontinente; Ingo Barlovic; 2015; https://www.about-africa.de/diverses-unsortiertes/566-eine-nette-truppe-vorstandswahl-des-freundeskreises-museum-fuenf-kontinente

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