Facebook war in seinen Anfangszeiten ein Medium für Jüngere, um sich ihrer Existenz bewusst zu werden, zu kommunizieren und andere zu stalken. Während sich diese Zielgruppe langsam Richtung Whats App oder Instagram verabschiedet, wurde dieses soziale Medium mittlerweile von Älteren okkupiert. So haben sich bestimmte Interessensgruppen gegründet, die Facebook zum Austausch nutzen: Es geht äußerst schnell und bequem, anderen Interessierten Informationen oder auch Bilder zukommen zu lassen, Feedback zu erhalten und Diskussionen anzuregen.

Durch diese Anwendungsmöglichkeit ist Facebook seit einiger Zeit auch in der Tribal Art Szene angekommen. Dabei sind es nicht nur Einzelpersonen oder Galerien, die auf Follower hoffen, sondern es existieren zu bestimmten Themenbereichen eigens gegründete Gruppen mit Hunderten von Mitgliedern.

Solche Gruppen können offen oder geschlossen sein: Offen heißt, dass jeder mitmachen, etwas veröffentlichen oder kommentieren und auch lesen kann, geschlossen, dass man vorher seine Mitgliedschaft ‚beantragen‘ muss, die dann aber zumeist sehr schnell von einem Gruppenmitglied bestätigt wird. Ein weiterer Unterschied bei den Facebook-Gruppen: Bei manchen kann jedes Gruppenmitglied sofort etwas posten, bei anderen überwacht dies ein Administrator. Und der kann Beiträge auch ablehnen.

great or fake

Die meines Erachtens spannendste, aufregendste, lebendigste, aber auch manchmal frustrierendste -  kurz: die emotionalste - Gruppe – heißt Great or Fake. Discovering African Art. Gegründet von dem Tribal Art-Aficionado Roberto Domingos, hat sie mittlerweile (Stand 26.11.2016) 655 Mitglieder.

Bei der geschlossenen Gruppe Great or Fake kann man Objektfotos einstellen, die andere Gruppenmitglieder insbesondere danach beurteilen, ob es sich um authentische Stücke (‚Great‘) oder Fälschungen („Fake") handelt. Diese Gruppe bietet einen handfesten Benefit: Wo kann man sonst seine Werke einfach mal ehrlich begutachten lassen und wo kann man zu Hause am Computer seinen Blick schulen? Dabei sind viele der Kommentare kompetent und manche sogar richtig lehrreich: In seinen besten Beiträgen gelingt es Autoren, die Echtheit eines Objektes nachvollziehbar zu analysieren und wichtigen Background zu geben, z.B. zu dem Stamm, der es wohl erschaffen hat. Und es zeigt sich manchmal, dass das Wissen von vielen eben doch das des Einzelnen überlegen sein kann..

Wie mir Roberto Domingos mitgeteilt hat, haben Diskussionen auf dieser Site sogar schon dazu geführt, dass Mitglieder gekaufte Fakes zurückgeben konnten oder vor dem Kauf auf die Unechtheit des Objektes aufmerksam gemacht wurden. Während andererseits z.B. Verkäufer auf ebay erst durch die Gruppe erfahren haben, welche gute Qualität sie da eigentlich anbieten - dies hat sich dann bei der Auktion beim Endverkaufspreis bestätigt.

Diese Gruppe hat natürlich auch Einschränkungen:

  • Jedes Gruppenmitglied kann die Stücke beurteilen und seinen Kommentar veröffentlichen, auch wenn er beispielsweise bei dem Stil, um den es geht, kein ausgesprochener Experte ist.
  • Nicht immer gibt es am Ende eine einheitliche Meinung. So ergaben die Kommentare zu einem von mir eingestellten Objekt, es sei ein Kamerun Fake, ein authentisches Werk der Nkanu aus dem Kongo, es käme von der Humboldt Bay, sei im Gegensatz dazu nicht aus Papua Neuguinea oder wäre eine Fantasy-Stück…
  • Die Stücke werden anhand von Fotos beurteilt, was nicht immer den Blick auf das Stück in realiter ersetzen kann.
  • Oft werden Objekte mit allgemeinen Phrasen ohne weitere Beweisführung wie „falsche Patina, falscher Stil, falsches Holz“ niedergemacht, oder es findet sich einfach ein „Next please“, wenn sich z.B. der Besitzer eines als Fake angesehenen Stückes nicht einsichtig zeigt.
  • Schließlich lassen sich nicht alle Objekte auf das Schwarz/Weiß-Schema Echt oder Falsch reduzieren.

Von den über 600 Mitgliedern sind eher wenige wirklich aktiv. Am prägnantesten sind neben Domingos dabei Robert van der Heijden, ein holländischer Händler, der Brüsseler Galerist Pierre Loos oder auch der finnische Händler Jyrki Lammi mit seinen Querdenker-Einschüben. Weitere Mitglieder, die sich eher sporadisch zu Wort melden sind, u.a. David Zemanek oder Jean David. Die Gruppe ist eine Mischung aus Händlern und Sammlern.

Eine Besonderheit, die sehr gut funktioniert, d.h. zu einer großen Beteiligung führt, sind von Domingos initiierte Themenwochen. Da geht es dann eine Woche intensiv (aber nicht ausschließlich) um Dogon oder um Colons oder gerade jetzt um Rückseiten von authentischen Masken.

Great or Fake. Discovering African Art ist alles in allem eine Site, die man  - oder zumindest ich – immer wieder ansteuert: Man kann etwas lernen, man kann sich amüsieren, kann sein Urteil mit dem von anderen abgleichen, auch Posts zur Gruppe beitragen, ein gutes Gefühl bekommen, wenn ein eigenes Objekt für gut befunden wurde – aber sich auch frustriert und verärgert fühlen, wenn ein eigenes Stück verrissen wird. Da bleibt einem manchmal nur die Hoffnung (oft auch Selbsttäuschung), dass es keine unfehlbare Gruppe ist, sondern eine, die sich auch mal irren kann, auch wenn manche Mitglieder sehr bestimmt auftreten.

Problematisch: Manchmal werden nicht nur Bilder von eigenen Objekten gepostet und beurteilt, sondern auch Bilder von Auktionsofferten. Inwieweit dies erlaubt ist, müssten wohl Anwälte klären.

authentic tribal art

Ebenfalls um eine geschlossene Gruppe handelt es sich bei Authentic Tribal Art, mit derzeit 1278 (!) Mitgliedern. Hier begutachtet der Administrator Robert van der Heijden jeden Beitrag sorgfältig, bevor er auf dieser Facebook-Seite erscheinen darf. So versucht van der Heijden sicher zu stellen, dass keine Fälschungen oder Kopien veröffentlicht werden. Dabei ist es durchaus möglich, das Stücke von Gruppenmitgliedern zum Verkauf angeboten  werden – sie müssen halt ‚echt‘ sein.

Diese Seite ist breiter angelegt als Great or Fake: Sie handelt nicht nur von Afrika, sondern auch von Tribal Art aus anderen Erdteilen. Zusätzlich steht eben nicht die Diskussion der Authentizität im Vordergrund, sondern es geht eher darum, von authentischen Objekten mehr zu erfahren. Und manchmal darf man Objekte auch einfach nur toll finden. Es geht etwas ruhiger zu als bei der Domingos-Gruppe. Aber auch hier kann man etwas lernen.

the ethno collector

The Ethno Collector mit 1037 Mitgliedern ist eine öffentliche Gruppe, die von Erich Vonck geleitet wird. Darin kann eigentlich alles gepostet werden, was mit Tribal Art zu tun hat – und von jedem, da es eine öffentliche Gruppe ist. Eine Ausnahme sind Angebote kommerzieller Verkäufer, verkauft werden dürfen aber Objekte aus Sammlungen – diese rigorose Politik wird aber nicht immer eingehalten.

Und so finden sich authentische Werke, Fälschungen, Ausstellungshinweise, Hinweise auf Galerien, unterschiedliche Tribal Art Regionen wie Afrika, Indonesien, Nepal etc. ziemlich wild nebeneinander, wobei es relativ selten Kommentare zu einzelnen Posts gibt.

Es ist eine Gruppe, die sicherlich das eine oder andere Interessante entdecken lässt, mir persönlich ist es aber zu mühsam bzw. zu zeitaufwändig, dem heterogenen Durcheinander regelmäßig zu folgen.

great authentic finds

Great Authentic Tribal Art Finds schließlich ist eine von Jan Kusters gegründete Gruppe, bei der es vor allem darum geht, neu erworbene authentische Objekte zu zeigen. Im Vergleich zu den anderen Gruppen gibt es recht wenige Posts, dafür ist der Sinn der Gruppe auch etwas zu schwammig, diese wenigen werden aber durchaus beachtet und kommentiert.

Ein Fazit:

Die aktive oder passive Teilnahme an Facebook-Gruppen kann einen wirklichen Mehrwert bieten und im besten Fall dazu führen, dass Expertenwissen demokratisiert und entmystifiziert wird. Vorbei die alten Zeiten, dass alte, aber bekannte Männer aus Brüssel oder Paris unkonkret und unwidersprochen als Hauptargumentation raunen konnten: „Das sieht man doch!“

Andererseits beteiligen sich immer noch zu wenige an den Diskussionen, die etwas zu einem Gebiet zu sagen haben. So tauchen recht häufig bei mehreren Gruppen die gleichen Namen wie van der Heijden, Pierre Loos, Jan Kusters etc. auf. Nicht dass deren Urteile falsch wären, aber es gibt halt mehr Personen mit Spezialwissen, das sie einbringen könnten, damit die angesprochene Demokratisierung von Wissen noch stärker stattfindet.

PS

In diesem Beitrag bin ich nicht auf Gruppen mit noch spezielleren Tribal Art Interessen eingegangen, wie Schmuck oder Waffen, die auf Facebook ebenfalls viele Mitglieder haben. Wird vielleicht noch nachgeliefert.

Lieben Dank an Roberto Domingos für seine Ergänzungen zu einer ersten Fassung dieses Beitrags

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Tribal Art Gruppen auf Facebook; Ingo Barlovic; 2016; https://www.about-africa.de/diverses-unsortiertes/806-tribal-art-gruppen-auf-facebook

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