Auf seiner Madagaskar-Reise im September 2017 hat Walter Egeter im Südwesten Gräber und Grabbauten fotografiert, die vor allem von den an der Südspitze des Landes lebenden Vezo, Mahafaly und Antandroy, zum Teil auch der Bara errichtet wurden und werden. 

Er scheibt dazu:

Die Grabbauten stehen mitten in den Trockenwäldern, meist weit entfernt von den Siedlungen, manchmal einsam, manchmal in Gruppen. Sie sind oft nur 10 x 10 Meter groß, manchmal aber auch 30 x 30 Meter. Die Standplätze werden von den Schamanen des Dorfes bestimmt, in dem der/die Verstorbene gewohnt hat.

Die Grabstätten werden nicht bewacht, man vertraut auf die strengen Bräuche: so darf z.B. von Fremden der große Sockel weder betreten noch berührt werden. Bei manchen Gräbern ist sogar die Annäherung verboten, wie bei den Fotos mit den rot-weißen Stelen.Wie man dieses Verbot erkennen soll, ist ein Rätsel, das mir unser einheimischer Reisebegleiter auch nicht erklären konnte.

Während im nördlichen Bereich der Grabstätten noch ganze Familienclans in den Gräbern oberirdisch übereinander bestattet werden, befindet sich bei den großflächigen Anlagen im Süden jeweils nur 1 Person, ob männlich oder weiblich, in der Erde unter den Aufbauten. Die oberirdischen Häuschen auf den bis zu 2 Meter hohen Umfassungsmauern sind nicht für die Toten gebaut, sondern für deren Seelen, deren Verehrung viel wichtiger ist als die Toten selbst. In den Seelenhäusern findet man oft sogar Glasscheiben, damit die „Seelen einen freien Blick in die Umgebung haben“. Die Plattformen unter den Seelenhäusern werden als „Wohnzimmer“ der Toten bezeichnet.

Der Bau der Gräber dauert oft viele Jahre, je nachdem, wieviel Geld den Hinterbliebenen zur Verfügung steht. Beim Tod eines/einer Mahafaly verlangt es der Brauch, dass sein gesamtes Vermögen vernichtet, das Haus verbrannt, alle seine Zebu-Rinder gegessen werden. Das heißt, wenn so ein reicher Rinder-Besitzer an die hundert Zebus hat, müssen diese alle vor der Bestattung von den Trauernden gegessen sein, das dauert oft Monate. Bis dahin wird der/die Tote in einem Erdgrab in der Nähe seiner Hütte zwischenbestattet. Von den gegessenen Zebus werden dann die Hörner auf dem Grab platziert, um den Reichtum zu demonstrieren.

Die Darstellungen auf den Gräbern, gemalt oder in Gips geformt, sollen an das Leben des/der Toten erinnern, also an das Erlebte oder an seine Wünsche, die sich nicht erfüfllen ließen. Die Grabsäulen – Ayo-Ayo-Säulen (sprich: Aju-Aju) - werden von einem Schnitzer der Gegend hergestellt, den man aber niemanden nennen will. Wir hatten einen gefunden, der aber leider am Besuchstag zu einer der Ess-Orgien bei einer Beerdigung unterwegs war.

Es gab bei meinen Besuchen im Land keine Originale zu kaufen. Der Handel damit ist strengstens verboten und kein Einheimischer würde jemals so eine Säule von den Gräbern wegnehmen, es sei denn, er würde sie stehlen, so wie es mit den Stelen an den berühmten Königsgräbern der Sakalava, westlich von Antananarivo bei Salunanata geschehen ist. Ein Franzose, der ein Strandhotel betreibt, besitzt 2 der Stelen, aber nur deshalb, weil er seit 20 Jahren mit einer Einheimischen verheiratet ist und sie deshalb vom Dorf-Chef, wahrscheinlich, ohne dass die Stelen jemals auf einem Grab standen, als große Ehre geschenkt bekam. Er hütet sie wie seinen Augapfel

Selbst die Einheimischen aus der Hauptstadt stauenen immer wieder, dass die Menschen des Südens diese oft riesigen Grabstätten bauen und selber in mit Stroh bedeckten Holzhäuschen von meist nur 10 m² wohnen. Die Grabzugänge sind nach Himmelsrichtung ausgerichtet. Ist so eine Grabstädte fertig gebaut, wird der Leichnam aus dem Erdgrab zuerst in sein eigenes Haus gebracht, dann dort durch eine Tür nach Südosten getragen. Diese Tür darf nur dazu benützt werden. (So ähnlich ist es auch bei der Bestattung des Mogho Naba der Mossi in Burkina). Sollte so eine Tür noch nicht existieren, wird dafür extra ein Loch in die Hauswand geschlagen. Würde der Tote durch die normale Eingangstür getragen, könnte möglicherweise sein Geist durch diese ins Haus zurückkehren, was ein großes Unglück wäre.

Im Leichenzug wird der/die Tote dann unter Begleitung der Dorfgemeinschaft und aller Verwandten zur Gruft getragen. Man umrundet die Grabstätte einige Male, denn der/die Tote soll sehen, was für ein prächtiges Grabmal die Familie für ihn/sie errichtet hat. Danach werden die Rinder geopfert und es beginnt ein fröhliches, alkoholreiches Fest, das Wochen dauern kann, eben bis alle Rinder verzehrt sind.

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Fotogalerie Madagaskar 2017 Egeter

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Vielen Dank an Walter Egeter.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Grabbauten in Madagaskar-Fotos von Walter Egeter; Walter Egeter; 2017; https://www.about-africa.de/diverses-unsortiertes/935-grabbauten-in-madagaskar-fotos-von-walter-egeter

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Autor
Walter Egeter

Walter Egeter

Stand 2012: Geb. 1947 in Weiden(Oberpfalz). Seit 1970 München. Im Ruhestand. Seit 1982 leidenschaftlicher Afrikareisender.

"In bisher 35 Reisen habe ich die Hälfte der Länder Afrikas besucht und dabei ca. 130 000 Kilometer mit Fahrzeugen aller Art und etwa 3000 Kilometer zu Fuß in der Sahara mit Kamel- und Eselkarawanen zurückgelegt ... Ich fördere privat Projekte in Afrika, insbesondere die Grundschule von Koussiri/Nouna  in Burkina Faso sowie die Optische Station der Augenklinik in Nouna..."

Referenten-Tätigkeit an Projekttagen an Schulen, Thema „Kinder in Afrika“:

"Herr Egeter bietet an, an bayerischen Schulen mittels persönlicher Berichte zum Thema zu referieren und dabei auch entsprechende Gegenstände (Spielzeug aus Abfall, Gebrauchsgegenstände aus dem Lebensbereich afrikanischer Kinder) zu präsentieren. Daneben werden von ihm auch Großfotos und Info-Tafeln sowie Reisegeschichten, Expeditionsberichte und Dia-Geschichten angeboten." (Kontaktbrief Geographie 2008 - Langfassung, Seite 11; ISB - Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München; http://www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=59014fbf41d7155bc688f583654d4783)

Mehr: ANGEBOT_Schulen_Projekttage_Kinder-in-Afrika_Walter-Egeter_2015.pdf