Einleitung

Seit jeher weckte afrikanisches Elfenbein Begehrlichkeiten - innerhalb und außerhalb Afrikas. Doch erst im 19. Jahrhundert, als sich die wirtschaftliche Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch die westlichen Nationen intensivierte, kulminierte der Elfenbeinhandel in nie da gewesenem Ausmaß. Der Beitrag beleuchtet vorrangig die Entwicklung des Elfenbeinhandels in diesem Zeitraum, zeigt dessen Hintergründe, Abläufe und Folgen auf, wobei ein Schwerpunkt auf dem ost- und zentralafrikanischen Bereich liegt.

Startbild; edit by G@HService Berlin, V.Schlothauer
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Bildquelle: k.A.; edit by G@HService Berlin, V.Schlothauer

Felsbilder der Jungsteinzeit

Gravur aus dem Wadi Mathenduch (Messak Sattafet u. Messak Mellet), Libyen, frühe Periode, 7.Jahrtausend v. Chr.
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Elefanten gehörten bereits im Neolithicum, also in der Zeit zwischen 10.000 und 3.000 v. Chr., zum Jagdwild. Dies wissen wir von Felsbildern aus der Sahara (Libyen) und aus Simbabwe. Eine ganze Reihe dieser Felsmalereien und -gravuren zeigen Szenen, bei denen Elefanten von Jägern mit Lanzen, Speeren oder Pfeil und Bogen gejagt werden.

Nachzeichnung einer Felsmalerei aus Zombepata, Simbabwe, 6. Jahrtausend v. Chr.
Bild "Nachzeichnung einer Felsmalerei aus Zombepata, Simbabwe, 6. Jahrtausend v. Chr."
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Phönizier

Zur begehrten Handelsware wurde afrikanisches Elfenbein spätestens im 2. Jahrtausend v. Chr., und zwar durch die Phönizier, deren Kerngebiet im heutigen Libanon und Syrien lag. Die Phönizier waren das bekannteste und erfolgreichste Handelsvolk der Antike. Darüber hinaus waren sie auch als ausgezeichnete Elfenbeinschnitzer bekannt und belieferten mit ihren Produkten bereits im 16. Jahrhundert v. Chr. den ägyptischen und später auch den israelitischen Hof.

Intarsie aus dem Palast des König Ahab, Samaria, 9. Jahrhundert v. Chr.
Bild "Intarsie aus dem Palast des König Ahab, Samaria, 9. Jahrhundert v. Chr."
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Phönizische Elfenbeinplakette mit Gold belegt, Nimrud, Irak, 9.-8. Jahrhundert v. Chr.
Bild "Phönizische Elfenbeinplakette mit Gold belegt, Nimrud, Irak, 9.-8. Jahrhundert v. Chr."
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Elefanten

Das Rohmaterial für die phönizischen Elfenbeinschnitzereien stammte zum einen aus Syrien, zum anderen aber auch aus dem legendären Land Punt, das am Roten Meer vermutet wird. Außerdem hatten die Phönizier von Karthago aus (Gründung: Ende des 9. Jahrhundert v. Chr.) Zugriff auf den Atlaselefanten. Es handelte sich dabei um eine kleinwüchsige Elefantenart, die zum einen zu Kriegszwecken abgerichtet wurde und die zum anderen auch wegen der Stoßzähne gejagt wurde. Die permanente Verfolgung dieser Elefantenart führte dazu, dass sie Ende des 4. Jahrhundert n. Chr. ausgerottet war.

Größenvergleich Elefanten
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Zu dem Zeitpunkt waren jedoch bereits andere Quellen für afrikanisches Elfenbein aufgetan. So unternahmen die Phönizier Handelsfahrten entlang der westafrikanischen Küste. Bekanntlich erreichte der karthagische Herrscher Hanno, auch „der Seefahrer“ genannt, im 5. Jahrhundert v. Chr. Kamerun. Auf diesen Handelsfahrten dürften die Phönizier auch Elfenbein erworben haben, das zum einen vom Savannen- oder Großohrelefanten, zum andern von dem etwas kleineren Wald- oder Rundohrelefanten stammte.

Ptolemäer

Die ersten gesicherten Informationen über den Handel mit afrikanischem Elfenbein stammen aus ptolemäischer Zeit, und zwar aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., als Ptolemäus II. Pharao von Ägypten war. Unter seiner Herrschaft wurden am Roten Meer bis zum Kap Guardafui (heute: Ras Asir; Nord-Ostspitze der Somalia-Halbinsel im Bundesstaat Bari) zahlreiche Niederlassungen gegründet, die zum einen als Handelshäfen dienten und zum anderen als Ausgangsbasen für Jagdexpeditionen im Küstenbereich genutzt wurden.

Afrikakarte mit rot markiertem Somalia an der Ostküste
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Ostafrikanische Küste

Aus frühen nachchristlichen Quellen wissen wir, dass sich der Elfenbeinhandel in den folgenden Jahrhunderten weiter entlang der Küste nach Süden verlagerte. Die wichtigste Quelle ist der "Periplus des Erythräischen Meeres" (Periplus Maris Erythraei), der von einem erfahrenen Kaufmann zwischen 40 und 70 n.Chr. verfasst wurde und ganz offensichtlich auf eigenen Erfahrungen dieses Autors beruhte. Demnach steuerten arabische Kaufleute verschiedene ostafrikanischen Handelshäfen an, um dort Waren einzutauschen. Zu den gängigen afrikanischen Exportartikeln gehörten neben Rhinozeros-Hörnern, Schildkrötenpanzern und Kokosöl vor allem Stoßzähne, die in späterer Zeit über Oman und Indien bis nach China gelangten. Dies geht aus den Schriften von Al-Masudi, einem arabischen Reisenden und Gelehrten, aus dem 10. nachchristlichen Jahrhundert hervor. Im Übrigen hörte auch Marco Polo vom schwunghaften Elfenbeinhandel an der ostafrikanischen Küste, obwohl er selbst nie dort war.

Von dieser Intensivierung des Handels profitierten die unabhängigen ostafrikanischen Küstenstädte wie Mombasa, Malindi, Lamu, Pate und Kilwa. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg dieser Städte verbunden war ein kultureller Aufschwung in den folgenden Jahrhunderten. Zwischen 1200 und 1500 entfaltete sich hier die Swahili-Kultur, die von afrikanischen und arabisch-islamischen Elementen geprägt war. Die wirtschaftlichen Verbindungen dieser Niederlassungen waren allerdings auf das unmittelbare Hinterland der Küste beschränkt. Lediglich Sofala an der Küste des heutigen Mozambique, das gleichzeitig die südlichste Stadt war, die von arabischen Händlern angesteuert wurde, bezog Elfenbein sowie Kupfer und Gold auch aus dem Inland, und zwar aus dem Zambezi-Gebiet und dem Zimbabwe-Plateau.

Karte Kenias mit den Städten Mombasa, Malindi, Lamu, Pate an der Ostküste. Weiter südlich liegt Kilwa (Tansania)
Bild "Karte Kenias mit den Städten Mombasa, Malindi, Lamu, Pate an der Ostküste. Weiter südlich liegt Kilwa (Tansania)"
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Ostafrika um Beira, Mosambik, Provinz Sofala
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Europäer

Im 15. Jahrhundert beginnt die Geschichte der europäischen Expeditionen nach Afrika, mit dem Ziel neue Handelswege zu entdecken und neue Handelsbeziehungen aufzubauen. Die ersten, denen in Etappen die Umrundung Afrikas gelang, waren die Portugiesen, die von ihren Handelsfahrten Elfenbein aus Westafrika sowie Gold und Kupfer von der afrikanischen Ostküste nach Europa brachten. Die Portugiesen blieben nicht die einzige Handelsmacht in Afrika. Spätestens im 16. Jahrhundert tauchten als wichtigste Konkurrenten im Kampf um die afrikanischen Ressourcen die Engländer und Holländer auf.

Holländisches Elfenbeinauslieferlager am Golf von Guinea 17. Jahrhundert
Bild "Holländisches Elfenbeinauslieferlager am Golf von Guinea 17. Jahrhundert"
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Bildquelle: "Elefant in Natur und Kulturgeschichte", Karl Gröning, Martin Saller, Könemann-Verlag, 1998, amazon.de: ISBN 3829004486

Westafrikanische Küste

Die wichtigsten Ausfuhrhäfen Westafrikas lagen zunächst an der Elfenbeinküste, außerdem in der heutigen Republik Benin (der ehemaligen Sklavenküste) und an der Küste von Kamerun bis Angola.

Karte Westafrika, Sierra Leone (orange), Elfenbeinküste (rot), "Sklavenküste" (blau)
Bild "Karte Westafrika, Sierra Leone (orange), Elfenbeinküste (rot), "Sklavenküste" (blau)"
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Bildquelle: www.welt-atlas.de, RB-Deskkart Kartographie, Hamburg

Karte Südliches West-Afrika, Kamerun bis Angola
Bild "Karte Südliches West-Afrika, Kamerun bis Angola"
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Bildquelle: Wikipedia

Sierra Leone und Delagoa Bucht

Doch auch andere Gebiete, wie Sierra Leone oder die Delagoa Bucht im südlichen Mozambique, lieferten im 17. und 18. Jahrhundert erhebliche Mengen an Elfenbein.

Karte Mozambique (Laurenco Marques = Maputo)
Bild "Karte Mozambique (Laurenco Marques = Maputo)"
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Bildquelle: Courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin

Karte von Sierra Leone, 1732
Bild "Karte von Sierra Leone, 1732"
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Inland

In dieser ersten Phase der Handelsbeziehungen und noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten die europäischen Kaufleute nur selten im Landesinnern Fuß fassen. Allenfalls entlang einiger großer Flüsse, wie am Senegal- und Gambiafluss hatten sie erfolgreich eine Kette von Handelsstationen errichtet. Im östlichen Afrika waren die Portugiesen bereits in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts am Zambezi vorgedrungen, hatten Sena und Tete gegründet und konnten von hier aus in den inländischen Elfenbeinhandel eingreifen. Anfang des 18. Jahrhunderts folgte am Zufluss des Luangwa eine weitere Siedlung, Zumbo. Der Ort entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem wichtigen Warenumschlagplatz, wo Elfenbein aus dem heutigen zentralen Zimbabwe und von den zambeziaufwärts siedelnden Tonga in den Verkauf kam. (siehe Karte)

Karte Tete, Sena, Zumbo am Zambezi River in Mosambik
Bild "Karte Tete, Sena, Zumbo am Zambezi River in Mosambik"
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Bildquelle: Courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin

Vili und Ronga

Die meisten Händler blieben jedoch an der Küste, wo sie von befestigten Forts aus ihre Geschäfte abwickelten. Handelspartner waren die Völker, die im Küstenbereich siedelten und zunächst Elfenbein aus küstennahen Gebieten zum Kauf anboten. Die steigende Nachfrage stimulierte schon bald den inländischen Fernhandel, in dem sich viele der Küstenvölker als Zwischenhändler betätigten. So waren an der Loango-Küste (heutige Republik Kongo und die angolanische Exklave Cabinda) diese Mittelsmänner die Vili.

Die Vili handelten bereits Mitte des 17. Jahrhunderts mit Stoßzähnen vom Stanley-Pool (seenartige Erweiterung des Kongo - hier liegen Kinshasa und Brazzaville). Wenig später galt Bukkameale als Hauptliefergebiet für Elfenbein. Diese Region war auch unter der Bezeichnung „Elfenbeinberge“ bekannt und in einer etwa 50tägigen, beschwerlichen Reise zu erreichen.

Karte Cabinda/Republik Kongo
Bild "Karte Cabinda/Republik Kongo"
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Bildquelle: k.A.

Ein anderes Beispiel sind die Ronga, die im südöstlichen Afrika den Zwischenhandel beherrschten. Nachdem sie aus den eigenen Elefantenbeständen die Nachfrage nach Elfenbein nicht mehr befriedigen konnten, lieferten sie Stoßzähne aus dem mehrere hundert Meilen entfernten Natal. Im 18. Jahrhundert ergänzte Elfenbein vom Olifants-Fluss und aus dem nordöstlichen und westlichen Transvaal das Angebot.

Karte von Natal und Transvaal
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Bildquelle: k.A.

Yao

Weiter nördlich beherrschten die Yao, die östlich des Nyasasees ihr Siedlungsgebiet hatten, den inländischen Handel.

Mosambik-Karte mit Ethnien in Mozambique
Bild "Mosambik-Karte mit Ethnien in Mozambique"
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Bildquelle: Courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin

Um 1700 galten die Yao als die führenden Zwischenhändler im Elfenbeinhandel, die die beiden zu jener Zeit wichtigsten ostafrikanischen Handelshäfen, Kilwa und Mozambique, mit Stoßzähnen versorgten. Sie dominierten noch während des gesamten 18. Jahrhunderts die Fernhandelsrouten, die in diesem Zeitraum bereits bis zu den Lunda im Luapula-Tal reichten.

Karte Mosambik und angrenzende Gebiete. Ethnie Lunda südlich vom Bangweolo See (rot). Kilwa (gelb), Mozambique (grün), Luapula River (blau)
Bild "Karte Mosambik und angrenzende Gebiete. Ethnie Lunda südlich vom Bangweolo See (rot). Kilwa (gelb), Mozambique (grün), Luapula River (blau)"
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Bildquelle: Courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin

Europäischer Elfenbein-Boom

Diese Organisation des Handels blieb auch erhalten, als seit der zweiten Hälfte des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts der Sklavenhandel an der gesamten westafrikanischen Küste immer mehr an Bedeutung gewann und Elfenbein als Handelsware nur noch eine untergeordnete Rolle spielte.

Erst als Anfang des 19. Jahrhunderts auf Initiative von Großbritannien das Verbot von Sklavenhandel und Sklavenhaltung sich allmählich durchsetzte, wurde Elfenbein wieder zur gefragtesten Handelsware. Dies umso mehr, als sich die europäischen Unternehmer in Afrika neue Handelsmärkte für ihre industriell gefertigten Produkte erschlossen und im Gegenzug als wertvollsten Tauschartikel Elfenbein erhielten. Zu Luxusobjekten weiterverarbeitet, fand dieses Material beim aufstrebenden bürgerlichen Publikum reißenden Absatz. (Billardkugeln, Klaviertastaturen, Fächer, Besteckgriffe, Schirm- und Stockknäufe, Gebisse, Marmelade). Der Konsum dieses Rohstoffes erhöhte sich innerhalb weniger Jahre um ein Vielfaches. Allein in Großbritannien verdoppelte sich zwischen 1820 und 1840 der Elfenbeinimport von 140 auf 275 Tonnen und stieg danach weiter an. (weitere Zahlen: um 1880: GB: 290 t, D: 137 t, Frankreich: 108 t, USA 112 t, Indien 123 t, weltweit: 838 t)

Elfenbeinlager, London 1884
Bild "Elfenbeinlager, London 1884"
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Bildquelle: Art of Being an Elephant, C. + M. Denis-Huot, Barnes & Noble Publishing, 2003, Amazon.de: ISBN 0760743002

Kommerzielle Elefantenjagd

Die Folgen für die afrikanischen Elefantenbestände und die Handelssituation in Afrika waren gravierend. Nach einem ersten Anstieg der Elfenbeinexporte im westlichen Afrika in den frühen 20er Jahren des 19. Jahrhunderts sanken die Ausfuhren in den späten 30er Jahren dramatisch ab. Dieser Rückgang war auf den radikalen Abschuss der einst großen Elefantenbestände nicht nur im Hinterland der Küste, sondern auch zunehmend im afrikanischen Inland zurückzuführen.

Dazu beigetragen hatte im Wesentlichen die Einführung von Schusswaffen. Die Verbreitung von Gewehren wurde nicht nur durch die technologische Entwicklung in Europa beschleunigt, sondern auch durch die zunehmende Konkurrenz unter den westlichen Nationen. Die besten Chancen beim Erwerb von Elfenbein hatte derjenige, der bereit war, Gewehre und Pulver zu liefern. 1885 gehörten in Kamerun zu einem „Elfenbeinbündel“ ( Waren, die im Tauschhandel von den afrikanischen Handelspartnern akzeptiert wurden) im Gegenwert eines 50 Pfund schweren Stoßzahns u.a. 8 Steinschlossgewehre und 8 Fässchen Pulver mit insgesamt 44 Pfund. Dazu kamen Stoffe, Rum, Messer, Töpfe, Feilen, Scheren, Salz, Feuersteine, Taschentücher, Seife, Nähnadeln, Hemden, Tonpfeifen, Teller, Tabak und Spiegel.

Elefantenjäger; aus Burton 1860
Bild "Elefantenjäger; aus Burton 1860"
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Bildquelle: nach Richard Francis Burton, 1860 (direkte Quelle unbekannt)

An dieser Stelle soll ein Blick auf die Methoden der Elefantenjagd in Afrika geworfen werden. Die Großwildjagd war nicht bei allen afrikanischen Völkern verbreitet. Erst als die Nachfrage nach Elfenbein stieg, entstanden bei vielen Ethnien spezialisierte Jägergruppen. Die angesehensten Elefantenjäger waren die Makua in Ostafrika und die Cokwe, deren Kerngebiet im Osten Angolas lag. Bekannt waren aber auch die Kamba- und Nyamwezijäger in Tanzania und Kenia. Diese Jäger waren auch außerhalb ihres angestammten Lebensraumes tätig. In vielen afrikanischen Königtümern standen außerdem professionelle Elefantenjäger in den Diensten der Herrscher.

Speerfallen (Speere wurden über den Fährten aufgehängt, die durch einen simplen Mechanismus ausgelöst wurden, wenn ein Elefant darunter herging)
Bild "Speerfallen (Speere wurden über den Fährten aufgehängt, die durch einen simplen Mechanismus ausgelöst wurden, wenn ein Elefant darunter herging)"
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Bildquelle: Sture Lagercrantz: Drop Harpoons and drop spears, Occasional Papers VIII-Varia Uppsala university, 1979, S. 5-37

Fallgruben (abgedeckt, manche mit Pfahlrosten am Boden)
Bild "Fallgruben (abgedeckt, manche mit Pfahlrosten am Boden)"
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Bildquelle: "Elefant in Natur und Kulturgeschichte", Karl Gröning, Martin Saller, Könemann-Verlag, 1998, amazon.de: ISBN 3829004486

Elefantenjagd mit Plattform, Pirschjagd (Verfolgung der Fährte, Angriff mit Speeren, Lanzen, vergifteten Pfeilen)
Bild "Elefantenjagd mit Plattform, Pirschjagd (Verfolgung der Fährte, Angriff mit Speeren, Lanzen, vergifteten Pfeilen)"
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Bildquelle: Sture Lagercrantz: Drop Harpoons and drop spears, Occasional Papers VIII-Varia Uppsala university, 1979, S. 5-37

Treibjagd (mehrere Dutzend Männer treiben die Tiere, in Fluss, See oder Sumpf - Abschlachten von vielen Tieren möglich)
Bild "Treibjagd (mehrere Dutzend Männer treiben die Tiere, in Fluss, See oder Sumpf - Abschlachten von vielen Tieren möglich)"
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Bildquelle: D. Schäfer, W. Stein, Katalog "Mensch und Elefant", Staatliches Museum für Völkerkunde, München 1994, S.98-109, amazon.de: ISBN 3927270091

Ausrottung der Elefanten

Die Einführung europäischer Schusswaffen - zunächst Perkussions- und Feuersteinschlossgewehre, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Hinterlader - machte eine effizientere Jagd möglich, auch wenn statt mit Schießpulver und Kugeln die Gewehre mit vergifteten Pfeilen oder dünnen Eisenstäben geladen wurden. Nach der Einführung von Gewehren kamen kleinere Jagdgruppen mit einer Stärke von 3 oder 4 bis zu einem Dutzend Mann auf, die ähnliche Erfolge hatten wie die ehemaligen großen Jagdtrupps. Da die Anzahl der Jäger zudem noch anstieg, die Gruppen gleichzeitig aber kleiner wurden, konnten die Elefanten flächendeckender gejagt werden, was zu einer systematischen Ausrottung führte.

Besonders betroffen waren die Gebiete westlich des Volta-Flusses, also Senegambien, die Oberguinea-, Elfenbein- und Goldküste. Etwas weiter östlich in Nigeria und Kamerun fand ein erbitterter Kampf um bereits existierende Handelsbeziehungen und -routen statt. Die Ausfuhrquote von Elfenbein aus den Küstenregionen dieser Gebiete sank in der ersten Hälfte des 19. Jhdts. dramatisch. In den 20er Jahren waren noch durchschnittlich 60 t Elfenbein exportiert worden; Mitte des Jahrhunderts waren es nur noch sechs bis zehn Tonnen. Ursache hierfür war die Verlagerung der inländischen Handelsbeziehungen. Anstatt zur Küste lieferten die Zwischenhändler die Stoßzähne an die Hausa, die den Elfenbeinhandel im Niger-Benue-Gebiet und in Adamawa fest im Griff hatten und das Elfenbein über Kano in den Trans-Sahara-Handel einschleusten.

Handelsrouten

Die transsaharischen Routen bestanden bereits seit der klassischen Zeit, als die Garamanten, die im Fezzan ansässig waren, diese Routen kontrollierten. Über Jahrhunderte hinweg waren Gold und Sklaven die Haupthandelsgüter im Transsaharahandel; Elfenbein wurde als Handelsware erst im 19.Jahrhundert interessant, als sein Wert in der westlichen Welt enorm anstieg.

Auch weiter südlich, an der Küste von Gabun, dem Kongo und Angola waren die Elefantenbestände seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend ausgerottet. Doch wurden von diesen Gebieten aus unerschlossene Ressourcen im Landesinnern angezapft oder bestehende Handelsrouten umgelenkt. Eine der Ethnien, die vom Elfenbeinboom profitierte, waren die Cokwe, die als großartige Elefantenjäger galten und erst seit den 30er Jahren im großen Stil in den Elfenbeinhandel eingestiegen waren. Nachdem sie die Elefantenherden in ihrem Siedlungsgebiet dezimiert hatten, zogen sie südöstlich zum Zambezi, nach Norden in das Reich des Mwata Yamvo und schließlich nach Osten, wo sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorübergehend die politische Kontrolle im Lundareich übernahmen.

Transafrikanische Handelsrouten, hier speziell Transsahara-Routen
Bild "Transafrikanische Handelsrouten, hier speziell Transsahara-Routen"
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Bildquelle: Katalog "Mensch und Elefant", Staatliches Museum für Völkerkunde, München 1994, S.98-109, amazon.de: ISBN 3927270091

Größte Nutznießer dieser Entwicklung waren jedoch die Handelsstädte nördlich von Cap Delgado, d.h. an der heutigen tanzanischen und kenianischen Küste, und hier in besonderem Maße Zanzibar, der wichtigste Warenumschlagplatz des 19. Jahrhunderts im östlichen Afrika.

Zeitgenössische Sansibar-Darstellung
Bild "Zeitgenössische Sansibar-Darstellung"
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Bildquelle: François Renault, Tippo-Tip. Un Potentat arabe en Afrique Centrale au XIXème siècle, Société Française d'Histoire d'Outre-Mer, 1987, amazon.de: ISBN 2859700102

Internationale Unternehmer

Die Bedeutung des Elfenbeinhandels für Ostafrika lässt sich daran erkennen, dass der Tribut, den die ostafrikanischen Handelsstädte an den Herrscher von Oman entrichten mussten, in Form von Elfenbein beglichen werden konnte.

Auch in diesen Küstenregionen hatten sich die Portugiesen nach 1500 festgesetzt. Sie waren jedoch auf den erbitterten Widerstand der ansässigen swahili-arabischen Kaufleute gestoßen, die von hier aus ihre Handelsgeschäfte mit Arabien und Indien tätigten. Ende des 17. Jahrhunderts gelang es den Küstenstädten mit omanischer Unterstützung, die Portugiesen auf die Gebiete südlich von Cap Delgado, d.h. auf mozambiquanisches Gebiet zurückzudrängen.

Der kontinuierliche Handel mit Arabien und Indien gewann danach erneut an Schwung. Der florierende Handel lockte Kaufleute unterschiedlichster Nationalität an: omanische Händler, die sich zunächst als Mittelsmänner zwischen den Lieferanten und Exporteuren in den Küstenstädten betätigten; indische Bankiers und Schiffseigner, die als Financiers der ansässigen Kaufleute fungierten und sich ebenfalls in den Zwischenhandel einschalteten, und schließlich europäische Unternehmer, die sich hier neue Absatzmärkte für ihre industriell gefertigten Produkte erschlossen und gleichzeitig am Elfenbeinboom partizipierten.

Europäische Elfenbeinhändler, Zanzibar, 1880-1900
Bild "Europäische Elfenbeinhändler, Zanzibar, 1880-1900"
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Bildquelle: "Elefant in Natur und Kulturgeschichte", Karl Gröning, Martin Saller, Könemann-Verlag, 1998, amazon.de: ISBN 3829004486

Ostafrikanische Handelsrouten

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts liefen die Handelskontakte ähnlich wie im westlichen Afrika über afrikanische Zwischenhändler und Mittelsmänner, wie den Yao, Nyika, Nyamwezi oder Kamba, die die Waren aus dem Inland zur Küste brachten. Steigende Preise für Elfenbein und die zu erwartende hohe Rendite brachten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits etablierte Kaufleute ebenso wie Abenteurer dazu, auf der Suche nach dem begehrten Rohstoff in das bislang unbekannte Inland vorstoßen. Die ersten Handelskarawanen, die von ihnen ausgestattet worden waren, erreichten um 1825 Unyamwezi. Hier entstand als vorläufiger Endpunkt der Karawanenroute Tabora, das sich in kürzester Zeit zu einem bedeutenden inländischen Handelszentrum entwickelte.

Nur wenige Jahre später hatten die Händler das Land bis zum Tanganyikasee in alle Richtungen durchquert. Mitte des 19. Jahrhunderts führten drei Hauptrouten von Tabora aus in weiter entfernt liegende Regionen: nach Norden zum Victoriasee und in die Königtümer des Zwischenseengebiets, Buganda, Bunyoro, Ruanda, Burundi; an das Südende des Tanganyikasees; und nach Ujiji (bekannt durch Begegnung zwischen Stanley und Livingstone), einem Ort am nordöstlichen Ufer des Tanganyikasees, der ein Einfallstor nach Burundi und in die Gebiete jenseits des Sees war.

Westlich des Tanganyikasees taten sich für die Küstenhändler die wichtigsten Elfenbeinquellen auf. Livingstone, der sich Ende der 1860er Jahre in diesem Gebiet aufhielt, verglich die Handelssituation mit dem Goldrausch in den USA. Hier hatten die ersten swahili-arabischen Kaufleute nur wenige Jahre vor Livingstones Aufenthalt Fuß gefasst und am Lualaba zwei Stützpunkte, nämlich Nyangwe und Kasongo, gegründet. Von hier aus drangen sie im Westen über den Lomami hinaus und im Norden bis in die Urwaldgebiete am Aruwimi und Ituri vor.

Ostafrikanische Handelsrouten, Tabora (rot), Tanganjikasee (dunkelblau), Viktoriasee (dunkelgrün), Ujiji (gelb), Sansibar (grün)
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Bildquelle: Katalog "Mensch und Elefant", Staatliches Museum für Völkerkunde, München 1994, S.98-109, amazon.de: ISBN 3927270091

Transport

Als eines der größten Probleme bei der wirtschaftlichen Erschließung des ostafrikanischen Inlands erwies sich der Warentransport: Aufgrund der ungünstigen klimatischen und topographischen Bedingungen konnte die Beförderung der Lasten in diesen Gebieten ausschließlich mit Hilfe von Trägern erfolgen. Diese Transportmethode war überaus kostspielig, da die Männer verpflegt und entlohnt werden mussten und dabei nur eine begrenzte Last (bis zu 32 kg) tragen konnten. Außerdem war die Reiseart für alle Beteiligten strapaziös, langwierig und, solange die inländischen Völker sich ihre Eigenständigkeit erhalten konnten, auch unsicher und gefährlich. Da alternative Transportmöglichkeiten fehlten, bestimmten während des gesamten 19. Jahrhunderts auf den Inlandrouten Karawanen mit Hunderten von Trägern das Bild.

Elfenbeinträger
Bild "Elfenbeinträger"
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Bildquelle: Art of Being an Elephant, C. + M. Denis-Huot, Barnes & Noble Publishing , 2003, amazon.de: ISBN 0760743002

Elfenbeinkarawane
Bild "Elfenbeinkarawane"
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Bildquelle: Art of Being an Elephant, C. + M. Denis-Huot, Barnes & Noble Publishing , 2003, amazon.de: ISBN 0760743002

In europäischen Berichten ist in diesem Zusammenhang immer wieder von „schwarzem und weißem Elfenbein“ die Rede. Gemeint ist damit, dass für den Verkauf an der Küste bestimmte Sklaven zum Transport von Stoßzähnen eingesetzt wurden, wodurch sich der Karawanenbesitzer einen doppelten Profit verschaffen konnte. Diese weit verbreitete Meinung bedarf jedoch in gewisser Hinsicht einer Revision, denn andere Quellen machen deutlich, dass in Ostafrika bezahlte Träger und speziell ausgebildete Gefolgsleute der Händler für den Transport der wertvollen Stoßzähne eingesetzt wurden. Die Gefolgsleute waren zwar in der Regel Sklaven, sie waren jedoch nicht für den Verkauf an der Küste bestimmt, sondern wurden zum Rücktransport von Handelswaren - Stoffe, Perlen, Waffen und Munition - sowie von Luxusgütern für die inländischen Haushalte der Händler benötigt.

Träger von Elfenbein, Lasten, Waffen
Bild "Träger von Elfenbein, Lasten, Waffen"
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Bildquelle: www.rolfs-reisen.de aus: In Darkest Africa, Or the Quest, Rescue, and Retreat of Emin, Governor of Equatoria, Henry Morton Stanley, Charles Scribner's Sons, 1890

Tippu Tip

Die Haltung, nicht der Verkauf von Sklaven war für die Küstenhändler auch aus einem anderen Grund von größtem wirtschaftlichen Interesse: Der Kampf um die Elfenbeinressourcen wurde ständig härter, weil immer mehr Konkurrenten auftauchten und gleichzeitig die Elefantenbestände zurückgingen. Daher änderten die Kaufleute ihre Handelstaktik. Anfangs hatten sie darauf gesetzt, mit ihren inländischen Handelspartnern reguläre Tauschbeziehungen einzugehen. Dies bedeutete zeitraubende Verhandlungen mit oft ungewissem Ausgang, die sich zunehmend als wirtschaftliches Handicap erwiesen. Spätestens seit den 70er Jahren wurden daher Raubüberfälle und Geiselnahmen als Druckmittel, um die gewünschten Handelswaren zu bekommen, als angemessene Vorgehensweisen angesehen. Vor allem die Ethnien westlich des Tanganyika-Sees, die in kleinste politische Segmente aufgespalten waren und den Eindringlingen kaum Widerstand entgegensetzen konnten, hatten unter dem gewaltsamen Vorgehen der Küstenhändler zu leiden. Doch nicht nur der momentane Profit interessierte Männer wie Tippu Tip, um nur einen der bekanntesten und einflussreichsten Händler zu nennen. Für sie war auch die Sicherung der einmal erreichten, ökonomisch vorteilhaften Position von größtem Interesse. Und dies erreichten sie durch den Aufbau eines effizienten Verwaltungsapparates

Tippu Tip in Zanzibar
Bild "Tippu Tip in Zanzibar"
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Bildquelle: François Renault, Tippo-Tip. Un Potentat arabe en Afrique Centrale au XIXème siècle, Société Française d'Histoire d'Outre-Mer, 1987, amazon.de: ISBN 2859700102

Krieger aus Tippu Tips Gefolge
Bild "Krieger aus Tippu Tips Gefolge"
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Bildquelle: François Renault, Tippo-Tip. Un Potentat arabe en Afrique Centrale au XIXème siècle, Société Française d'Histoire d'Outre-Mer, 1987, amazon.de: ISBN 2859700102

Dabei stützten sie sich auf einen Stab von Vertrauensleuten aus den eigenen Reihen und auf Gefolgsleute, mit deren Hilfe sie Einfluss erlangen und aufrecht erhalten konnten. Allein Mwinyi Mohara, neben Tippu Tip einer der wichtigsten Händler westlich des Tanganyika-Sees, soll 10.000 Gefolgsleute beschäftigt haben, und über Tippu Tips Gefolgschaft verlautete, dass sie sich aus "innombrables esclaves et des milliers d'hommes armés de fusils" zusammensetzte.

Lager von Tippu Tip bei Tabora
Bild "Lager von Tippu Tip bei Tabora"
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Bildquelle: François Renault, Tippo-Tip. Un Potentat arabe en Afrique Centrale au XIXème siècle, Société Française d'Histoire d'Outre-Mer, 1987, amazon.de: ISBN 2859700102

Diese Gefolgsleute der Küstenhändler wurden Wangwana genannt. Zunächst waren damit die unabhängigen, bezahlten Küstenbewohner gemeint, die mit den Kaufleuten ins Inland reisten. Im Laufe der Zeit und mit steigendem Bedarf wurden in ihre Reihen auch Angehörige inländischer Ethnien inkorporiert. Dies waren zum einen lokale Herrscher, die durch gewaltsame, aber auch friedliche Mittel, wie Blutsbrüderschaft, Heirat oder die Aussicht auf politische oder wirtschaftliche Vorteile zur Kollaboration bewegt wurden. Der größte Teil der Gefolgsleute bestand jedoch aus Sklaven, die in jungen Jahren geraubt oder mit dem Versprechen geködert worden waren, ein Gewehr zu bekommen. Die jungen männlichen Gefangenen erhielten eine Ausbildung, die auf alle Bereiche des täglichen Lebens und des Handels hin angelegt war, angefangen bei der Hausarbeit über die Bestellung der Plantagen, die der Versorgung mit Nahrungsmitteln dienten, bis hin zum Einsatz als Krieger oder Jäger. In ihrer Funktion als Träger erreichten einige der Gefolgsleute, sofern sie die Strapazen der Reise überstanden, auch die ostafrikanische Küste. Da sie aufgrund ihrer Erziehung und Ergebenheit zu wertvoll waren, um hier verkauft zu werden, kehrten die Sklaven im Normalfall mit ihrem Besitzer anschließend wieder ins Inland zurück.

Ende des swahili-arabischen Elfenbeinhandels

Das Ende für die swahili-arabischen Kaufleute und ihre fragile Handels- und Verwaltungsorganisation im Lualaba-Lomami-Gebiet war abzusehen, als Agenten und Beauftragte des belgischen Kongo-Freistaats auftauchten. Diese waren mit der kommerziellen und politischen Erschließung des afrikanischen Inlands beauftragt worden und nach 1880 entlang des Kongo-Flusses bis zum Lualaba und Lomami, die den Oberlauf des Kongos bilden, vorgestoßen, wo sie auf die swahili-arabischen Kaufleute trafen. Kurzfristig kam es zu einer wirtschaftlichen Kooperation, d.h. die islamischen Händler verkauften ihre Elfenbeinvorräte vor Ort an europäische Agenten, die die Stoßzähne über den Kongo per Schiff zur Westküste transportierten. Das Ende dieser eher unfreiwilligen Zusammenarbeit erfolgte nur wenige Jahre später. Zwischen 1892 und 1895 kam es zu einer bewaffneten Konfrontation zwischen den beiden Parteien, die die Truppen des Kongo-Freistaats für sich entscheiden konnten.

Der ökonomische Vormachtstellung der swahili-arabischen Händler war damit beendet, denn das tansanische Gebiet war in der Zwischenzeit als Kolonie dem deutschen Reich einverleibt worden.

Ökonomie-und-Artenschutz-Paradoxon

Ende des 19. Jahrhunderts war der afrikanische Handel, und dieser beinhaltete auch die Vermarktung von Elfenbein, fest in europäischer Hand. Inzwischen hatten auch die Kolonialmächte erkannt, dass durch die unkontrollierte Jagd die afrikanischen Elefanten vom Aussterben bedroht waren. Erste gesetzliche Maßnahmen zur Regulierung der Abschussquoten wurden ergriffen. Diese waren ebenso wenig fruchtbar wie Gesetze, die im Laufe des 20. Jahrhunderts erlassen wurden, oder Aktionen, die mit dem Ziel durchgeführt wurden, den Abschuss der Elefanten zu stoppen.

Verbrennung von Elfenbein
Bild "Verbrennung von Elfenbein"
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Bildquelle: Art of Being an Elephant, C. + M. Denis-Huot, Barnes & Noble Publishing , 2003, amazon.de: ISBN 0760743002

Dies lässt sich daran erkennen, dass der Elefantenbestand in Afrika von 4,5 Mio. Tieren im Jahr 1960 auf 600.000 im Jahr 1990 zurückging. Gleichzeitig sank das durchschnittliche Gewicht der Stoßzähne, die in den Handel kamen. 1979 waren es noch 10,7 kg, zehn Jahre später nur noch 4,4 kg. Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass die Stoßzähne ausgewachsener afrikanischer Elefantenbullen 50 bis 90 kg schwer werden können; der Durchschnitt bei erwachsenen Tieren liegt zwischen 30 und 50 kg und einer Länge von 1-1,20 m. Im 19.Jahrhundert kamen aus Ostafrika sogar einige überdurchschnittlich schwere und lange Stoßzähne in den Handel, die über 100 kg wogen.

Stoßzähne 101,9 u. 96,3 kg. 1899 am Kilimanjaro erlegt. 1900 für 5000$ in Sansibar verkauft
Bild "Stoßzähne 101,9 u. 96,3 kg. 1899 am Kilimanjaro erlegt. 1900 für 5000$ in Sansibar verkauft"
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Bildquelle: "Elefant in Natur und Kulturgeschichte", Karl Gröning, Martin Saller, Könemann-Verlag, 1998, amazon.de: ISBN 3829004486

EPILOG

Verändert haben sich im 20.Jahrhundert aber auch die Haupthandelsplätze für Elfenbein sowie der Kreis der Abnehmer. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren die Hauptabnehmer für Elfenbein die westlichen Länder sowie Indien. Entsprechend lagen die Börsen für Elfenbein in Europa, und zwar in erster Linie in London, daneben aber auch in Antwerpen und Hamburg. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Handelsplatz für Elfenbein nach Hongkong. Die asiatischen Länder avancierten zu den wichtigsten Abnehmern, allen voran Japan, das etwa 40 % des gesamten weltweit gehandelten Elfenbeins abnahm. Danach folgen China und Taiwan, während die Importe der europäischen Länder und Indiens auf unbedeutende Mengen zurückgingen. Ein Großteil der nach Japan importierten Stoßzähne wird zu Siegeln (Hanko) weiterverarbeitet, das Elfenbein also im Land selbst konsumiert. In China hingegen werden aus Elfenbein Schmuckstücke, Plastiken und andere kunstgewerbliche Objekte angefertigt, die wiederum in den Export gehen.

Über Jahrzehnte waren die weltweit konsumierten Mengen an Elfenbein mit etwa 600 t jährlich kaum geringer als in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts.

Erst der Beschluss der internationalen Artenschutzkonferenz im Jahr 1989, den Handel mit Elfenbein zu verbieten, zeigte Resultate und führte zu einem Rückgang der auf dem Weltmarkt angebotenen Elfenbeinmengen. Dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden, denn der afrikanische Elefantenbestand von derzeit 500.000 Tieren ist nach wie vor gefährdet und der illegale Abschuss von Elefanten sowie der Schmuggel von Elfenbein ist nach wie vor ein hochbrisantes Thema.

Vielen Dank an Dr. Iris Hahner.

Autor
Dr. Iris Hahner
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Eine kurze Geschichte des Afrikanischen Elfenbeinhandels (und des Sklavenhandels); Dr. Iris Hahner; 2007; https://www.about-africa.de/elfenbein-weisses-gold-afrikas/48-afrikanischer-elfenbeinhandel-sklavenhandel

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