Einleitung

Das Königreich Benin hat bis heute viele seiner Traditionen erhalten können. Vor allem der König bzw. Oba von Benin war im 20. Jahrhundert der Garant dafür, dass trotz der Eroberung und Zerstörung der alten Königsstadt durch die Britten 1897 die Kultur Benins weitergelebt hat. So haben die Rituale, in denen unter anderem auch Elfenbein heute noch eine Rolle spielt, alle ihren Ursprung weit vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bedeutung des Elfenbeins

Elfenbein hat spätestens seit dem 18. Jahrhundert im Königreich Benin eine wichtige Rolle gespielt. Als wertvolle Handelsware für Britische und Holländische Händler, und natürlich auch als ein Material, welches gerade am Königshof vielfältige Verwendung fand, auch um den Reichtum und die Macht des Obas zu untermauern. Bestes Beispiel sind die berühmten beschnitzten Stoßzähne, welche auf den Ahnenaltaren des Königs zu finden waren und auch heute noch sind.

Ahnenaltar mit zahlreichen beschnitzten Elefantenstoßzähnen
Ahnenaltar, Benin
Bildquelle: Stefan Eisenhofer

Herkunft des Elfenbeins

Da sich das Königreich Benin geographisch betrachtet ausschließlich im Regenwaldgürtel Nigerias befindet, muss man sich die Frage stellen, woher Benin die großen Stoßzähne des Savannenelefanten bezog. Denn nur der relativ kleine Waldelefant lebt auf dem Gebiet des Königreiches. Nach Aussage eines Mitgliedes der Schnitzergilde aus Benin durften die Jäger des Königs in den nördlichen Gebieten Elefanten jagen, und das vor allem im Königreich der Igala, mit dem Benin im 18. und 19. Jahrhundert freundschaftlich verbunden war. Da die Elefantenvorkommen in Nigeria in den letzten 100 Jahren kontinuierlich abgenommen haben (1), wurde Elfenbein aus anderen Regionen Afrikas immer wichtiger. Noch heute wird Elfenbein über Kamerun nach Nigeria geschmuggelt.

Die Briten fanden bei der Eroberung Benins im Königspalast unzählige unbehandelte Stoßzähne. Es ist überliefert, dass die Stoßzähne eines jeden durch die Jäger des Königs erlegten Elefanten dem König gebracht werden mussten. Auch heute noch soll der König über einen großen Bestand von Stoßzähnen verfügen….

Die Schnitzer-Gilde

Im 20. Jahrhundert wurde noch relativ viel Elfenbein von der Gilde der Schnitzer verarbeitet. Nicht nur der Oba, sondern auch viele wohlhabende Chiefs wollten mit Objekten aus Elfenbein Ihren Wohlstand demonstrieren. So findet man heute noch Stoßzähne, Behälter zum Reichen von Kolanüssen, Hüftmasken usw. in vielen Höfen Benins.

Allerdings hat die Nachfrage nach solchen Objekten in den letzten 10 Jahren stark nachgelassen. Außerhalb des Königspalastes hat Elfenbein in der Tradition Benins praktisch keine Bedeutung mehr. Die Würdenträger und Chiefs, die sich noch der alten Kultur verpflichtet fühlten, sterben aus. Und die Nachkommen verkaufen die übrig gebliebenen Kult- und Prestigeobjekte, weil das moderne Leben ( Auto, Fernseher usw. ) viel Geld erfordert.

So gab es im Jahr 2001 noch 3 Elfenbeinschnitzer in Benin City, heute ist es nur noch Einer. Und dieser Übriggebliebene schnitzt vorwiegend Holz. Auch durch die Herstellung von Kopien oder Fälschungen ( wie Mancher sagen würde ) konnten sich die Schnitzer nicht über Wasser halten. Denn in Nigeria gibt es praktisch keinen Tourismus, so dass es auch kaum Abnehmer gibt. Die grüne Grenze zum Nachbarland Benin wird seit einigen Jahren für afrikanische Verhältnisse sehr gut überwacht. Das liegt daran, dass Nigeria ein großes Problem mit gefälschten Medikamenten hat, die aus Asien kommend über Benin nach Nigeria geschmuggelt wurden. Umgekehrt ist es dadurch aber auch schwieriger geworden, Kunstobjekte in die Kunstzentren nach Cotonou bzw. Lome zu bringen. Und gerade Elfenbein wird von den Polizisten gerne konfisziert….

Videos

An Hand von 3 Beispielen möchte ich zeigen, wie heute noch Elfenbein am Hof des Königs von Benin Verwendung findet.

Beispiel 1: Blashörner

Die wichtigste Zeremonie am Königshof in Benin-City findet jährlich in der dritten Woche des Dezember statt. Am ersten Tag des so genannten Igue-Fest werden mit Blashörnern die Geister und Hexen (Azen ) gerufen, damit sie der Zeremonie beiwohnen können. Nach dem Glauben der Bini existiert eine Parallelwelt zur menschlichen Gesellschaft, in der die Geister und Hexen leben. Die Azen leben in den Bäumen und sind nachtaktiv. Des Nachts schicken die Azen ihre Boten in Form von Fledermäusen aus, welche die Schlafplätze derjenigen Menschen aufsuchen, die vorher bei der Versammlung der Azen als Opfer ausgewählt wurden. Die Fledermäuse haben die magische Kraft, die schlafenden und damit wehrlosen Menschen in willenlose Tiere zu verwandeln. Diese führen die Fledermäuse dann in den Wald, wo sie den wilden Tieren zum Fraß dienen. Osun-Priester kennen die Geheimnisse der Kraft spezieller Waldpflanzen, mit deren Hilfe sie magische Substanzen herstellen um die Waldgeister abzuwehren. Daher müssen es auch die Osun-Priester sein, die mit ihren lauten Blashörnern die Azen rufen. Zu einer richtigen Feier gehören halt Alle dazu, auch die Bösen…… ( Siehe Film 1 )

Edos mit Elfenbeinblashörnern
Edos mit Elfenbeinblashörnern 1
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Edos mit Elfenbeinblashörnern
Edos mit Elfenbeinblashörnern 2
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Edos mit Elfenbeinblashörnern
Edos mit Elfenbeinblashörnern 3
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Beispiel 2: Gongs

Am letzten Tag des Igue-Fest (Es dauert 6 Tage lang ) findet die Abschlusszeremonie statt, Emobo genannt. Bei diesem Anlass tanzt der König von Benin mit einem Elfenbeingong auf den Straßen der Stadt, um die bösen Kräfte, und damit die Azen wieder zu vertreiben. Er schlägt dabei symbolisch mit einem Stab auf den Elfenbeingong, wobei weitere Osun-Priester das Gleiche mit Bronzegongs tun. Die letzten resistenten Geister werden am Schluss der Zeremonie nach Udo geschickt, dem großen Rivalen von Benin City über viele Jahrhunderte. Der Elfenbeingong wird übrigens vor jedem Emobo-Fest gereinigt bis er fast weiß ist. Weiß steht bei den Bini für Reinheit. (Siehe Film 2)

Oba Erediauwa I, vorne Elfenbeingong
Oba Erediauwa I, vorne Elfenbeingong vor Übergabe
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Oba Erediauwa I mit Elfenbeingong
Oba Erediauwa I mit Elfenbeingong 1
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Edos mit Elfenbeinblashörnern
Oba Erediauwa I mit Elfenbeingong 2
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Edos mit Elfenbeinblashörnern
Oba Erediauwa I mit Elfenbeingong 3
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Beispiel 3: Armreifen

Daher sind auch die Armreifen aus Elfenbein möglichst hell bzw. rein gehalten. Der König von Benin trägt bei bestimmten Zeremonien sein berühmtes rotes Korallengewand. Um die übernatürlichen Kräfte, welche sich in den Korallen befinden, von schlechten Einflüssen von außen zu schützen, trägt der Oba zum Korallengewand immer auch breite Armreifen aus Elfenbein. ( Siehe Film 3 )

Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen
Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen 1
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen
Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen
Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen 3
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen
Oba Erediauwa I mit rotem Korallengwand und Elfenbeinarmreifen 4
Bildquelle: © 2002, Arnd Klinge

Epilog

Der aktuelle Oba von Benin ist 86 alt. Es wird also der Tag kommen, wenn sein ältester Sohn die Nachfolge antritt. Nach dem Tod eines Obas muss ein Elfenbeinstoßzahn geschnitzt werden, der dann auf dessen Ahnenaltar aufgestellt wird. Dafür wird der letzte verbleibende Elfenbeinschnitzer noch einmal sein ganzes Können aufbringen müssen. Es ist zu befürchten, dass danach diese alte Tradition ein Ende findet.

Wer hat gefilmt?

Antwort von Arnd Klinge, 21.02.08 13:35:57: "Hier ein paar Infos zu meinem Filmmaterial aus Benin:

Als ich im Jahr 2002 den Oba von Benin zum zweiten Mal besuchte, gab er mir am Schluss unseres Treffens 4 VHS Bänder als Geschenk mit auf den Weg. Ich hatte ihm erzählt, dass ich einen Vortrag über die Kultur Benins im 20. Jahrhundert halten wollte. Das war mein Vortrag im Offenbacher Ledermuseum.

Die 4 Bänder enthalten Mitschnitte des Egue Festes, welches jedes Jahr im Dezember stattfindet und über 6 Tage geht. Insgesamt befindet sich über 5 Stunden Filmmaterial auf den Bändern.

Aufgenommen wurden sie von einem nigerianischen Kameramann, der im Auftrag des Obas selbst gefilmt hat."

Fundsachen im Internet:

LINK im NET zum Igue-Fest der Edo: www.edo-nation.net

Es handelt sich um eine aus den USA betriebene Website, also vermutlich um keine offizielle Seite der Edos/Bini.

Weitere Links über Suchmaschinen, die jedoch nicht geprüft wurden

EDO FESTIVALS AND CEREMONIES
EDO NATION Table of Contents Page
EDO WORDS/LANGUAGE - PHONOLOGY
ORAL TRADITION OF BENIN KINGSHIP
EDO TRADITIONAL FESTIVALS AND CE
EDO NATION - Edo influence before British rule
BENIN
The correct history of edo
COLONIAL STATE AND EDUCATION IN BENIN
EDO NATION - 3RD EGHAREVBA'S LECTURE
THE YORUBA WEB PAGE

Vielen Dank an Arnd Klinge.

Autor
Arnd Klinge
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Die Verwendung von Elfenbein am Hof von Benin im 21. Jahrhundert und das Igue-Festival; Arnd Klinge; 2007; https://www.about-africa.de/elfenbein-weisses-gold-afrikas/54-elfenbein-hof-von-benin-igue-festival

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