Eine dreijährige Zusammenarbeit mit den Yudja-Indianern aus Brasilien trug im Herbst 2006 erste Früchte. Tinini, NhãNhã, Yasenaku und Karin Juruna, reisten im September in Begleitung der Ethnobotanikerin Simone Athayde nach Basel und übergaben dem Museum der Kulturen eine Sammlung Musikinstrumente. Eine solche Zusammenarbeit ist eine langfristige Angelegenheit, die ohne die Mitarbeit verschiedener Akteure nicht möglich ist.

2001 gründeten die Yudja einen eigenen Verein, Associação Yarikayu - povo Yudja (Parque Indígena Xingu), um innerhalb der brasilianischen Gesellschaft eine Rechtsvertretung zu schaffen und ihre Kultur zu bewahren und vergessene Traditionen wiederzubeleben.

Wie viele indigene Gruppen mussten die Yudja, die in der Literatur als Juruna bekannt sind, immer weiter ins Landesinnere den Xingú flussaufwärts ausweichen. Verbunden war dies nicht nur mit einer demographischen Katastrophe – von ehemals 2000 Personen überlebten um 1950 nur 37 Yudja - sondern auch mit einem enormen Wissensverlust, da traditionelle Kenntnisse nicht mehr an die jüngeren Generationen weitergeben wurden. Zudem existieren Pflanzen und Tiere, die aufgrund ihrer mythischen Bedeutung eine wichtige Rolle in der Kultur der Yudja spielen, in ihrem heutigen Lebensraum, dem nördlichen Teil des Xingú-Parks nicht mehr.

Eng verbunden mit der Mythologie sind Feste und Musikinstrumente, deren Bewahrung und Wiederbelebung zentral für das Weiterbestehen der Yudja als eigenständige Kultur ist. Vor allem einige Flöten haben sakrale Bedeutung.

Zusammen mit der brasilianischen Nichtregierungsorganisation Instituto Socioambiental (ISA) im Rahmen des von André Villas Boas geleiteten Xingú-Projekts begannen die Yudjá ihre Musik - eine ihrer Melodien wurde übrigens zuvor von dem brasilianischen Musiker Caetano Veloso für seinen Hit "Asa" verwendet – zu dokumentieren. Erste Forschungen betrieben Joana Camejo Rodrigues aus Portugal und Simone Athayde, die letztendlich den Kontakt zwischen den Yudja und dem Museum der Kulturen herstellte.

Ziel der Zusammenarbeit war der Erwerb einer kompletten und dokumentierten Sammlung Musikinstrumente durch das Museum der Kulturen Basel. Durch den Ankauf finanzierten die Yudja eine Expedition in ihr Ursprungsgebiet, um dort Pflanzen zu sammeln und Workshops, um den Jugendlichen den Bau und die Bedeutung der Musikinstrumente zu vermitteln.

Das brasilianische Kulturministerium (MINC) unterstützt die Aufnahme der Musikstücke seit 2006, wobei Paulo Junqueira und Paula Menezes (ISA) diese Arbeiten koordinieren.

Der Ankauf der Objekte für Basel und der Besuch der Yudja wurde durch die Stiftung des Museums der Kulturen ermöglicht, um dem Basler Publikum die Instrumente vorstellen zu können.

In Basel selbst wurden die Yudja von Michael Köchlin, Leiter des Ressorts Kultur begrüßt. Zusammen mit Regina Mathez und Alexander Brust gaben die Yudjá Workshops an der Orientierungsschule Drei Rosen und vermittelten in einem Workshop für Kinder im Museum der Kulturen einen Einblick in ihre Lebenswelt und ihre musikalischen Traditionen.

In einer feierlichen Zeremonie in der Aula des Museums der Kulturen überreichten sie die für das Basler Museum angefertigte Sammlung Musikinstrumente, wobei sie auch über die Situation der indigenen Gruppen im brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso berichteten.

Am Informationsstand von Incomindios Schweiz (Internationales Komitee für die Indianer Amerikas) konnten sich die Besucherinnen und Besucher zudem weiter über die Situation der Indigenen in Südamerika informieren.

Ergänzende Links

Auf der Hompage von ISA (Instituto Socioambiental) finden sich weitere Texte von Simone Athayde

Vielen Dank an Gaby Fierz und Alexander Brust.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

2006: Yudja-Indianer zu Gast in Basel; Gaby Fierz, Alexander Brust; 2010; https://www.about-africa.de/guapore-projekt-2009/guapore-vorgeschichten/564-2006-yudja-indianer-zu-gast-in-basel

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