Henning Christoph über Voodoo – in Wort und Bild

Seit Menschengedenken geht von Mysterien besondere Faszination aus. Und besonders in Gesellschaftsformen, die sich in nahezu vollkommener Aufklärung wähnen, wächst das Interesse an Phänomenalem rapide. Fast schon darf von einer „spirituellen Renaissance“ gesprochen werden. In schweren Zeiten, die derzeit alle Industrienationen überschatten, ist die Suche nach Seelenfrieden nur allzu verständlich. Was leider zwangsläufi g zahllosen Sekten und Scharlatanen in die Karten spielt. Mit unseriösen Machenschaften bringen sie den Begriff Spiritualität im Verruf. Vorurteile gegenüber Unbekannten ist die logische Konsequenz, wofür Voodoo ein nahezu perfektes Beispiel abgibt.

Voodoo - unwillkürlich spuken den meisten Zeitgenossen Horrorvisionen durch den Kopf: mit Nadeln gespickte Puppen, die Menschen Höllenqualen bereiten und Tote, die des Nachts Gräbern entsteigen und ihr Unwesen treiben. Geschichten, die uns kalte Schauer über den Rücken jagen. Und genau dies hatten pfi ffi ge Filmemacher im Sinn, als sie vor 80 Jahren in Hollywood dieses Genre erfanden. Von der Realität enthalten die Gruselstreifen nur ein kleines Fünkchen Wahrheit. Sicherlich, Magie und Hexerei spielen im tatsächlichen Voodoo-Kult durchaus eine Rolle und beides kann zu ähnlichen Ergebnissen führen. Und dennoch handelt es sich um grundverschiedene Dinge.

Zumindest darüber herrscht in wissenschaftlichen Kreisen Einigkeit: Die Fähikeit zur Hexerei wird Menschen praktisch in die Wiege gelegt und ausschließlich zum Schaden Dritter angewendet. Magie hingegen ist eine Technik, die prinzipiell jeder erlernen und Gutes wie Böses bewirken kann. Damit ist zumeist das fundierte Wissen über Voodoo bereits erschöpft. Nicht wenige Ethnologen, die afrikanische Kulturen als ihr Fachgebiet ausweisen, setzen den Begriff Voodoo mit „Schadensmagie“ gleich. Faktisch bedeutet er aus den Fon (Landessprache in Benin/Westafrika) ins Deutsche übersetzt bichts anderes als „Gott“ oder „Götter“.

Götter und Magie sind jedoch zwei elementare Säulen der komplexen westafrikanischen Lebensphilosophie, deren Wiege im kleinen Staat Benin zu suchen ist, gelegen im Dreiländereck von Nigeria, Niger und Togo. Als dritter Aspekt, nicht minder wichtig, kommt die Heilung hinzu. Die Voodoo-Heiler Benins praktiziern mit einer Kombination aus hypnotischen, psychosomatischen und pharmako-therapeutischen Ansätzen. Diese sind zweifellos deshalb so intensiv und erfolgreich, weil die Naturmedizin tief im Glauben der dortigen Völker verwurzelt ist. Dennoch birgt der schwarze Kontinent mit über 2.000 Präparaten auf Pfl anzenbasis, welche verabreicht werden, einen auch medizinischen überaus wertvollen Schatz.

Nicht minder faszinierend sind die unglaublich präzisen diagnostischen Fähigkeiten der Voodoo-Heiler, die Schulmedizin immer wieder unlösbare Rätsel aufgeben. Ohne den Patienten auch nur zu berühren, spüren sie physische wie psychische Probleme auf. Und entlarven gleichzeitig noch den Ursprung der Erkrankung, der nicht selten auf gestörte Spiritualität zurückführt. Rationale Erklärungen nach europäischen Muster sind in diesem Zusammenhang zum Scheitern verurteilt. Was bleibt, ist die unglaubliche Magie des Voodoo zu akzeptieren und zu dokumentieren.

Zwei junge Mami Wata-Adepten, eine mit Zwillingspuppen, in Dogbo.

Eine junge Frau wird in Cotonou, neben einem heiligen Iroko-Baum, von Hexerei gereinigt.

Ein junges Mädchen wird in einem kleinen Fluss in der Nähe von Abomey von Hexerei gereinigt

Bocios, Bos und Zauberfl aschen, als Schutz gegen Hexen, während einer Atigali-Zeremonie

Ein Holi-Zauberer (Azeto) aktiviert ein Bocio um eine Person zu sperren.

Atigali Adepten tanzen in Trance um ihrem Gott zu gefallen und sich gegen Hexerei zu schützen

Ein „Geisteskind“ in Trance wird zu einer Gandbada-Zeremonie getragen um Hexen auf zu decken

Ein Vodon Adept empfängt Macht vom Gott Ganbada um sich gegen Hexerei zu schützen.

Henning Christoph

Vielen Dank an Henning Christoph.

Autor
Henning Christoph
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

MISSVERSTANDENE MAGIE; Henning Christoph; 2011; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-01-2011/230-missverstandene-magie

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