In der Rubrik "Porträt" werden Wissenschaftlerinnen, Museumsmitarbeiter, Auktionatoren, Galeristen, Händler und Sammler vorgestellt. Bei meiner Arbeit mit Museumssammlungen bin ich auf hunderte Sammlernamen gestossen und musste mir meist mühsamst Informationen zu diesen beschaffen. Der Anspruch dieser Porträts ist daher Informationen zu sammeln und weiterzugeben, nicht aber zu kritisieren. Einfühlen, dem Porträtierten Raum geben zur eigenen Darstellung. Neutralität zum Befragten, nicht Beurteilung durch den Interviewer. Nur die Fakten werden von mir geprüft, soweit dies möglich ist. Grundlage ist ein mehrstündiges Gespräch mit einer Fragenliste, die eher anregt und führt, als strukturiert.

JANINE HEERS


     JANINE HEERS

JANINE HEERS

Janine Heers, Jahrgang 1985, ist die jüngste Afrika-Sammlerin die ich kenne: Ihre Schwerpunkte sind die Ethnien der Fon, Nago und Urhobo. Geboren in Baden (Schweiz) studierte sie an der Hochschule Design und Kunst, Luzern Illustration Non Fiction (wissenschaftliche Illustration) und beendete ihr Studium im Sommer 2010 mit dem Bachelor-Abschluss. Gleich anschliessend konnte sie zusammen mit anderen Künstlern und Illustratoren an der Ausstellung "Der Natur" der ETH Zürich mitwirken. Seit September 2011 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin, zuerst für das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen, wo sie ein Illustrationskonzept zur Neukonzeption der Dauerausstellung Afrika erarbeitete. Daran anschliessend folgte ein Auftrag für die ETH Zürich im Rahmen des Projekts Future Cities Laboratory in Singapore. Seit Mitte März ist sie als Illustratorin für ein Buchprojekt des Kopfwehzentrums der Hirslanden-Klinik tätig.

In ihrer Bachelor-Arbeit "Hybrid Sculptures – Crossbreeding African Art" entwickelte sie aus dem Vergleich typisch er Merkmale optische Stildefi nitionen für Figuren der Baule, Dan, Urhobo, Yombe, Fang, Songye, Kongo und Fon, so dass jeder Sammler diese Idealtypen auf den ersten Blick erkennt. Sie skizzierte die Figuren mit jenen Merkmalen, die bei der entsprechenden Ethnie grundsätzlich immer vorhanden sind respektive mögliche Variationen dazu. Atypische Formsprachen wurden bewusst weggelassen. Würde sie dreidimensional arbeiten, könnte man sie als perfekte Fälscherin bezeichnen: sie kopiert nicht, sondern erfi ndet neu, indem sie optimiert, verdichtet, bewusst weglässt, sie arbeitet also aus der eigenen Vorstellung. Aus mehreren bekannten Stücken wird so ein neues Stück, das wesentliche Merkmale der jeweiligen Stilregion in sich vereint. Es sind Prototypen mit optimierter Form, ohne Schnitzfehler, die in der Realität nicht existieren. Die Auswahl der Ethnien erfolgte nach persönlicher Vorliebe für bestimmte Formsprachen.

Die Stilprototypen entstanden in vier Schritten:

  • Studieren von Bildmaterial in Büchern und Museumskatalogen, in Ausstellungen und Museumsmagazinen; Gespräche mit Experten
  • Anfertigungen eines Studienhefts mit Bleistiftskizzen, um typische Merkmale zu fi ltern (z.B. Darstellungen von Nase, Mund, Kopfform, Farbe des Holzes, Patina, Verwitterung)
  • Zeichnen des Prototyps mit Farbstiften. Dabei legte sie grossen Wert auf den Ausdruck, die Wiedergabe der Materialität und die volumenerzeugende Lichtrefl exion.
  • Anfertigung linearer Zeichnungen mit Variationen oder Gemeinsamkeiten (auch typische Haltungen oder Gesten) real existierender Figuren. Wichtige Eigenschaften wurden farbig hervorgehoben

So entstand ein kleiner Katalog der Merkmale und Besonderheiten afrikanischer Kunst, begleitet von einem selbst verfassten theoretischen Text. Die Farbstiftzeichnungen sind sehr plastisch, die Lichtrefl exe genormt, die Beleuchtung fi ktiv und gewollt übertrieben. Die Analyse der Oberfl äche und der Gebrauchspatina ist Teil der Bilder, nicht jedoch die Analyse des Materials. Es ist keine wissenschaftliche Auswertung, sondern eine künstlerische Umsetzung, die jedoch im optischen Ergebnis eine Menge sinnloser wissenschaftlicher Formulierungen ersetzt.

www.janineheers.ch

Seite 26

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer und JANINE HEERS.

Autoren
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

JANINE HEERS; Dr. Andreas Schlothauer, JANINE HEERS; 2011; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-01-2011/232-illustratorin-janine-heers

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