Birma (Myanmar) ist ein Land, das auf eine bewegte Geschichte und eine reiche Kultur zurückblicken kann. Zu seinen bekanntesten Kulturgütern gehört zweifelsohne die Kunst des Puppenspiels. Während in anderen südostasiatischen Ländern Handschuh-, Stab- und vor allem Schattenpuppen dominieren, sind in Birma Schnurpuppen (Marionetten) anzutreffen. Bei diesen handelt es sich nicht etwa um eine von den Nachbarländern übernommene Variante, sie haben sich nahezu selbständig und unabhängig von den kulturellen Einflüssen anderer Länder dieser Region entwickelt. Die birmanische Marionette unterscheidet sich sowohl in Kleidung, Mechanik und Verbindung ihrer Bestandteile als auch hinsichtlich Stil und Tanzform gänzlich von den Puppen der Nachbarländer.

Der Ursprung der birmanischen Marionette kann bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden. In der Htupayon-Pagode in Sagaing findet sich der älteste Hinweis hierzu. Auf einer Steintafel des Jahres 1444 sind die Namen von Sklaven vermerkt, die der Pagode geopfert wurden, sowie die Bereiche, in denen sie tätig waren. Unter diesen Tätigkeiten findet sich auch die der Puppenspieler. Ihre Aufgabe war es, für die Unterhaltung der Pagodenbesucher zu sorgen.

Seine Blütezeit erreichte das Marionettentheater während der Konbaung-Dynastie (1752- 1885). Zu dieser Zeit erfreute es sich größter Beliebtheit sowohl beim einfachen Volk als auch am königlichen Hof, von dem es großzügig gefördert wurde. Allein am Königshof gab es vier Marionettenbühnen. Der Grund für die große Beliebtheit lag zum einen daran, dass die Darstellung von religiösen und erotischen Szenen durch menschliche Darsteller in jener Zeit Anstoß erregt hätte, während die kleinen Holzfi- guren von diesen Vorbehalten frei waren. Zum anderen stellten die meist konservativ gesinnten Puppenspieler für den Königshof ein willkommenes Medium zur Stützung seines Führungsanspruchs und seiner Macht dar. Zwar wurden die Puppenspieler der höfischen Bühne nicht bezahlt, sondern von ihren Gönnern mit Geschenken belohnt, was dieses Manko bei weitem wett machte. Die hohe Wertschätzung, die den Puppenspielern entgegengebracht wurde, zeigt sich auch darin, dass König Bagyidaw den Puppenspieler U Thaw um 1821 zum Theaterminister ernannte. Ein Umstand, der oft zu der irrigen Annahme führte, U Thaw sei der Erfinder des Marionettentheaters gewesen (Abb.01).

Mit dem Ende der Königszeit nach dem Dritten Anglo-Burmesischen Krieg begann der Niedergang des Marionettentheaters. Mangels höfischer Gönner wanderten viele Sänger und Puppenspieler zum zatpwe-Tanztheater ab, das sich den modernen Einflüssen besser öffnete und bei dem sie auch weit mehr verdienen konnten.

Ursprünglich waren die Puppenspieler allesamt männlich. Frauen durften die Bühne nicht betreten, da sie sich sonst in eine "erhöhte Position" gegenüber den Männern und Älteren unter den Zuschauern gebracht hätten. Dies wäre eine grobe Verletzung des diesen Personen gebührenden Respekts gewesen. Weibliche Figuren wurden daher von Männern gespielt, die ein besonders hohes Ansehen in der Bevölkerung genossen. Erst nachdem zahlreiche Tänzer und Sänger zum zatpwe-Tanztheater abgewandert waren, durfte 1912 erstmals eine Frau als Sängerin und Puppenspielerin in Mandalay eine Marionettenbühne betreten.

Seit dem Ende der Königszeit verlor das Marionettentheater immer mehr an Bedeutung. Nach der Unabhängigkeit Birmas 1948 wurde es als Medium zur Stärkung des Nationalgefühls eingesetzt und seit dem Militärputsch von 1988 zur spielerischen Übermittlung politischer Grundsätze an die Bevölkerung. Heute führt es in Konkurrenz zu Kino und Videofilmen nur mehr ein Schattendasein. Im Rahmen von Dinner-Shows für Touristen wird in jüngerer Zeit versucht, den Zulauf zum Puppenspiel wieder zu verstärken. Derzeit gibt es in Birma etwa zehn Marionettenbühnen, davon jeweils eine in Yangon, Bagan und Mandalay, die einen regelmäßigen Spielbetrieb aufweisen.

Während Marionettentheaterdarbietungen früher alle größeren Amtshandlungen der birmanischen Könige begleiteten, werden sie heute anlässlich von Hochzeiten, Beerdigungen, des Klostereintritts eines Sohnes oder anderer Familienfeiern aufgeführt.

Keinesfalls sollte das Marionettentheater mit in Europa bekannten Formen des "Kasperletheaters" verwechselt werden, da es nicht der Belustigung von Kindern dient, sondern ein Medium zur Vermittlung buddhistischer Ethik für ein erwachsenes Publikum darstellt (Abb. 02).

Die Marionettenbühnen sind traditionell Wanderbühnen. Ein Ensemble setzt sich aus vier Puppenspielern, drei Sängern, sieben Musikern und einem Techniker zusammen. Zu einem traditionellen Marionettentheater gehören 28 Figuren. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die Tiergruppe ( bestehend aus Pferd, Affe, Tiger und schwarzem Elefanten) und die 24 Figuren umfassende Menschengruppe. Die wichtigsten Figuren werden von den besten Spielern bewegt, die dazu aber nicht sprechen und singen. Nur die untergeordneten Puppen werden von einer einzigen Person gespielt, die auch gleichzeitig singt (Abb.03).

Die Hauptfiguren sind:

Die Natkadaw:

Sie stellt ein Medium zur Geisterwelt dar und erfleht von dieser den Segen für die Vorstellung. Sie trägt ein rotes Stirnband und eine Schärpe. Oft hat sie auch eine Opferschale dabei. (Abb. 04)

Das Pferd (mjin:):

Diese große Figur wird meist von zwei Spielern bedient. Es springt von links auf die Bühne und galoppiert dreimal hin und her. Es ist stets weiß und symbolisiert das Betreten der Erde nach der Schöpfung. (Abb. 05)

Der Affe (mjou'):

Er läuft vor seinem eigenen Schwanz davon und vollbringt einen Freudentanz, wenn er erkennt, dass dieser zu seinem eigenen Körper gehört. (Abb. 06)

Der Dämon / Menschenfresser (balu:):

Meist treten sie zu zweit auf. Jeder trägt ein kurzes Schwert und führt wilde Kämpfe und Tänze auf. Sie haben vor ihrem eigenen Schatten Angst. Ihr Gesicht ist furchterregend mit großen Hauern und roten Augen. Sie sind grün bemalt und tragen auch überwiegend grüne Kleidung (Abb. 07)

Der Elefant (hsin):

Er ist schwarz und kann nur den Rüssel bewegen. Er tritt zusammen mit dem Tiger auf. (Abb. 08)

Der Tiger (kja:):

Er kämpft mit dem Elefanten und bedroht die alte Frau, die im Wald Holz sucht.

Der Zauberer (zawgyi):

Er sucht den Stein der Weisen, kann fliegen und wird durch Meditation mehrere Millionen Jahre alt. Er trägt einen Schnurrbart, seine Kleider sind rot, und in den Händen hält er einen Zauberstab. (Abb. 09)

Die Minister (wun gji: le:ba:):

Üblich sind vier Minister. Sie tragen rote oder grüne Umhänge, ihre Gesichter sind rosa oder weiß. Sie bewegen sich besonders würdevoll. Sie tragen die traditionelle Kopfbedeckung, den gaungbaung. Sie beraten zusammen mit dem König die Staatsangelegenheiten. (Abb. 10)

Der Prinz (min:dha:) und die Prinzessin (min:dhami:):

Sie treffen sich im Wald und sind die Stars der Vorstellung. Sie unterscheiden sich durch ihre besonders prachtvolle Kleidung von den übrigen Marionetten. (Abb. 11, Abb. 12)

Der Eremit (jathei.):

Er trägt ein braunes Gewand, dessen oberer Teil über die Schulter geschlagen wird, und einen Hut. Er kann als einziger mit den Tieren reden.

Der ältere Prinz (min:dha gji:):

Bei dieser Figur ist zwischen dem rotgesichtigen (bösen) und dem weißgesichtigen (guten) Prinzen zu unterscheiden.

 

Die Clowns (lu bje'):

Sie sorgen mit ihren Scherzen für Erheiterung und sind daher die beliebteste Figur beim Publikum. Clowns verfügen über bewegliche Unterkiefer und Augen und haben gelegentlich auch einen schiefen Mund. Die Sprecher des Clowns erlangen dank ihrer Spitzzüngigkeit oft nationalen Ruhm. (Abb. 13)

Die alten Leute (apo oh und ame oh):

Ihre Kleidung ist zerrissen und sie tanzen in gebeugter Haltung.

 

Die Themen des Marionettentheaters sind stets Episoden aus den früheren Leben Buddhas (Jatakas), Pagodenlegenden und Dramen aus der nationalen Geschichte. Eine traditionelle Aufführung beginnt mit Einbruch der Dunkelheit und dauert üblicherweise eine ganze Nacht. Der stets gleiche Handlungsstrang beginnt mit der Entstehung der Welt über die Schaffung der Tiere und Menschen und reicht bis zur Gründung des ersten Königreichs. Da die Handlung also vorgegeben ist, besteht die Leistung der Puppenspieler nicht in der Erfindung innovativer Geschichten, sondern darin, für das Publikum Altbekanntes durch geschickte Handhabung der Marionetten möglichst kunstvoll zu präsentieren.

Von einem tiefer gelegenen Bühnenraum wird das Puppenspiel während der ganzen Vorstellung von einem Orchester begleitet. Hauptinstrumente sind die kreisförmig angeordneten und zylindrisch geformten Trommeln, ein großer Gong sowie ein Xylophon. Weitere Instrumente sind Oboe, Messingzimbel, Bambusklapper und Becken. Mit der musikalischen Ouvertüre des Orchesters beginnt das Marionettentheater. Die Ouvertüre steht als Symbol dafür, wie die Welt gemäß der buddhistischen Lehre durch die drei "unheilbaren Leiden" Habgier, Hass und Verblendung in regelmäßigen Zyklen zerstört wird. Je nach Art der Zerstörung durch die Naturgewalten Feuer, Wasser oder Wind schlägt dabei ein siebenköpfiges Orchester Zimbeln, Gongs oder die große Trommel. Das Ende der Ouvertüre zeigt an, dass die bisherige Welt zerstört ist und eine neue geschaffen werden muss.

Der Ouvertüre folgen der Tanz der Natkadaw- Figur und daran anschließend die Himawunta- Szene, der Aufritt der Tiere. Die Welt der Tiere, Himawunta, entstand buddhistischem Glauben zufolge nach der Geisterwelt und vor der Erschaffung des Menschen. Die Bezeichnung stammt aus dem Pali und bezeichnet das Himalaya-Gebirge. Dass in der Vorstellung zuerst die Tierfiguren auftreten, liegt nicht nur in dem Glauben begründet, dass in der Schöpfungsgeschichte die Tiere vor den Menschen entstanden, sondern auch darin, dass zu diesem frühen Zeitpunkt der Aufführung die Kinder, bei denen diese Figuren besonders beliebt sind, noch wach sind.

Als erstes kommt das Pferd auf die Bühne, ihm folgen Affe, Elefant, Tiger, Naga (Schlange) und der Göttervogel Garuda. Neben den Tieren treten in dieser Szene auch übernatürliche Wesen auf: zawgyi, der Zauberer und Alchemist, sowie balu, der Dämon und Menschenfresser. Menschen kommen im Urwald des Himawunta noch nicht vor.

Die nächste Szene zeigt die Gründung des Königreichs. In ihr treten der Page, die Minister und schließlich der König und die Königin auf. Die Minister erstatten dem König Bericht über die Lage der Nation, und im Verlauf der Szene wird das Gespräch spielerisch auf die nun folgende Geschichte gelenkt, die dem Publikum aus Legenden bereits hinlänglich bekannt ist.

Die Geschichte beginnt mit der Rückkehr des Prinzen von einer Universität in Indien, wo er eine schöne Prinzessin kennengelernt hat. Die beiden tanzen im Wald und schwören sich ewige Liebe. Danach folgt eine Reihe dramatischer Legenden aus der birmanischen Mythologie, die erst im Morgengrauen endet.

 

Die birmanischen Marionetten werden aus gut abgelagertem und getrocknetem Holz geschnitzt und sind etwa 45 – 70 cm groß. Die Proportionen der einzelnen Körperteile sind dabei vorgegeben. Für bestimmte Figuren werden genau festgelegte Holzarten verwendet. Wurden die Figuren früher generell aus dem Yamane-Holz (Gmelina arborea) gefertigt, so benutzt man dies heute nur noch für die beiden Hauptfiguren Prinz und Prinzessin. Das Holz des Jasmin-Baums ist König, Minister und Einsiedler vorbehalten. Ansonsten herrschen heute das preiswertere Teakholz (Tectona grandis) oder gar noch billigere Hölzer vor, die jedoch wenig Schutz gegen Schädlingsbefall bieten. Ganz allgemein steigen die Beweglichkeit und damit auch die Qualität einer Marionette mit der Anzahl ihrer Körperteile. Bei Figuren solider Qualität besteht der Rumpf aus zwei Teilen, das Bein aus drei Gliedern, und manchmal kann man sogar die Augenbrauen oder den Mund bewegen.

Die fertig geschnitzte Figur wird bemalt. Der Gestaltung des Gesichts kommt dabei die größte Bedeutung bei. Den birmanischen Marionetten sagt man einen etwas starren Gesichtsausdruck nach, was insoweit zutrifft, als fast alle Figuren einen einheitlichen Gesichtsausdruck aufweisen, den man als "mild lächelnd" beschreiben kann.

Für die Bemalung benutzt man traditionell nur drei Farben:

  • Weiß bildet die Grundfarbe. Sie wird aus zu Puder zerriebenem Talk hergestellt. Als Bindemittel wird fein gemahlener und gerösteter Tamarindensamen verwendet. Nachdem man die Flüssigkeit durch ein Tuch geseiht und so von Verunreinigungen befreit hat, trägt man sie mit einer Hühnerfeder in bis zu acht Schichten auf. Dabei darf die nächste Schicht erst aufgetragen werden, wenn die vorherige vollkommen getrocknet ist.
  • Schwarz verwendet man für Augen und Augenbrauen. Die Farbe wurde früher aus Lampenruß gewonnen, dem man Wasser beigemischt hatte. Stattdessen verwendet man heute fast nur noch schwarze Tusche.
  • Rot ist die Farbe für Lippen, Lider und Nasenlöcher und verschiedene Gesichtslinien. Als Grundstoff dient Zinnober (Abb. 15, Abb. 16).

Die Marionetten werden mit Hilfe von Fäden bewegt, deren Anzahl ganz unterschiedlich sein kann. Eine Figur guter Qualität sollte wenigstens elf, kann aber auch bis zu sechzehn Fäden aufweisen. Eine höhere Anzahl an Fäden bedingt jedoch nicht zwangsläufig eine höhere Qualität. Während zur Blütezeit des Puppentheaters in der Konbaung-Dynastie eine Marionette sogar bis zu 60 Fäden aufweisen konnte, fällt es heute schwer, überhaupt noch einen erfahrenen Puppenspieler zu finden, der mehr als 16 Fäden bedienen kann. Der Puppenspieler führt die Puppe, indem er eine oder mehrere Schnüre am "losen" Ende zieht, die an einem Holzkreuz festgemacht sind. Die Fäden sind an Kopf, Nacken, Rücken, Ellenbogen, Knien, Händen und anderen beweglichen Teilen befestigt. Die flexiblen Gelenke der Puppen und ein ausgeklügeltes Griffsystem erlauben es einem erfahrenen Puppenspieler, tanzartige Bewegungen auszuführen, die menschlichen Bewegungen ähneln.

 

Marionetten werden vor allem in den Touristenhochburgen Yangon, Mandalay und Bagan angeboten. Die Figuren aus Yangon zeichnen sich dabei durch bessere Schnitzarbeit und eine höhere Beweglichkeit aus. Figuren aus Mandalay sind dafür meist besonders aufwendig gekleidet, was aber ihre Beweglichkeit einschränkt. Die größte Auswahl (aber leider selten eine größere Qualität) erhält man an den Verkaufsständen der Pagoden. Die Preisspannen reichen dabei von einigen wenigen Dollar für touristische Ramschware bis etwa 500 Dollar für absolute Spitzenprodukte.

Das birmanische Marionettentheater verfügt traditionell nicht über feste Bauten, sondern ist ein Wandertheater, das seine Figuren, Requisiten und meist auch sein Orchester mitführt. Die klassische Marionettenbühne besteht meist vollständig aus Bambus und Holz. Der Bühnenboden ist trapezförmig mit einer mindestens 12 Meter langen Längsseite. Er ruht in einer Höhe von etwa 90 cm auf einer Reihe von Pfählen und ist zur Vorderseite hin leicht geneigt. In einem Abstand von ca. 75 cm zur Bühnenfront sind parallel zum Bühnenboden zwei Spielbalkone montiert, die beide jeweils etwa ein Drittel der Länge der Bühnenfront ausmachen. Die gesamte Aufführung spielt sich im Vorderraum zwischen Bühnenfront und Spielbalkon ab. Nur der Teil der Bühne ist überdacht, auf dem die Puppenspieler mit ihren Marionetten agieren. Zur Bedachung verwendet man Stroh- oder Bambusmatten. Das Orchester wird traditionell vor der Bühne platziert. Jede Bühne führt in ihrem Fundus eine Reihe von Requisiten mit. Es handelt sich dabei um Modelle aus Holz oder Papier, wie eine Pagode, ein Palasttor, einen Thron, ein Haus und ein Boot. Bemalte oder reich bestickte Tücher liefern die Kulisse für Wald, Gebirge und den Königspalast.

Im Laufe seiner Geschichte musste sich das Marionettentheater oft dem Wandel der Zeit anpassen. An Stelle der ehedem als Lichtquelle dienenden Öllämpchen ist längst die elektrische Beleuchtung getreten. Während früher bei einem Szenewechsel die Bühne leer blieb, wird heute einfach der Vorhang gezogen. Auch werden die sieben Orchestermusiker vermehrt durch Musikkonserven verdrängt, die oftmals von mäßiger Qualität sind.

Alle Veränderungen sind auch Ausdruck der finanziellen Misere des Marionettentheaters: Sinkende Zuschauerzahlen haben weniger Einnahmen zur Folge, die wiederum die Bühnenleiter zur Verkleinerung ihres Ensembles zwingen. Und diese bewirkt eben einen spürbaren Qualitätsverlust. So wurden zum Auffangen des Zuschauerschwunds, die früher dominierenden Jataka-Erzählungen von modernen Dramen in den Hintergrund gedrängt. In jüngerer Zeit kommen daher auch beispielsweise Marionetten im Fußballtrikot und Europäerinnen mit Schoßhündchen zum Einsatz. Während zur Blütezeit des Marionettentheaters eine Vorstellung stets die ganze Nacht über dauerte, müssen sich viele Ensembles mit Kurzvorstellungen in Marionetten- Dinner-Shows finanziell über Wasser halten. Angesichts des nur geringen Verdiensts eines Puppenspielers und fehlender Sponsoren haben die Ensembles auch mit starken Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Jedoch scheint sich bei den politischen Machthabern endlich die Erkenntnis durchzusetzen, dass das Marionettentheater als nationales Kulturgut unbedingt bewahrt werden muss und die Anzahl der Marionettenbühnen somit nach langer Zeit sogar wieder leicht ansteigt.

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Verfasser: Ni Ni Yin Pleyer

Vielen Dank an Ni Ni Yin-Pleyer.

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

DAS BIRMANISCHE MARIONETTENTHEATER; Ni Ni Yin-Pleyer; 2011; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-02-2011/300-birmanisches-marionettentheater

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Autor
Ni Ni Yin-Pleyer

Ni Ni Yin-Pleyer

Geboren 1962 in Thantwe, studierte Ni Ni Yin-Pleyer in Birma Agrarwissenschaft und arbeitete anschließend im dortigen Landwirtschaftsministerium als Managerin. Nebenberuflich war sie Reiseleiterin für deutsche Reisegruppen.

Seit 1999 lebt sie in München, wo sie am Völkerkundemuseum bei der Bestimmung und Katalogisierung birmanischer Sammlungsstücke mitwirkte.

Derzeit ist Ni Ni Yin-Pleyer als Dolmetscherin und Übersetzerin (vor allem für Kunstausstellungen) sowie als Sprachdozentin für Birmanisch tätig.