Eric Makin im Gespräch mit Heinz Jockers

Der Anruf kam um 10:15 am Samstag, den 18. Juni. Heinz Jockers, seit vielen Jahren ein Freund Twins Seven Sevens informierte mich, dass einer der bekanntesten Söhne Afrikas im Alter von 67 Jahren im University College Krankenhaus (UCH) in Ibadan, Nigeria gestorben sei. Heinz fügte hinzu: "Irgendwie war Twins immer ein Teil meines Lebens, er war immer präsent. Er war ein guter Freund, aber nicht immer ein einfacher Freund. Über die Jahre hatte ich viele wundervolle und interessante Zeiten mit ihm in Nigeria und in Deutschland. Sein Leben nahm über die Jahre viele überraschende Wendungen von wundervollen Höhen zu schrecklichen Tiefen. Zum Beispiel konnte er nicht immer seine Enttäuschung verbergen, dass seine Arbeit nur geringe Akzeptanz in seinem eigenen Land erfuhr, aber dies scheint vielen Künstlern in aller Welt so zu gehen. Ich werde ihn vermissen aber ihn stets als einen lieben Freund, mit dem ich wundervolle Erlebnisse hatte, in Erinnerung behalten." Eric Makin Juni 2011

Hunter

Heinz Jockers erinnert sich

Meine erste Begegnung mit Twins, wie ihn seine Freunde nennen, fand 1984 in Nigeria statt. Die Stadt Hamburg wollte einen Monat der afrikanischen Kultur widmen, wozu u. a. auch eine Ausstellung von Twins Werken gehören sollte. Da ich gerade für einige Jahre nach Nigeria ging, bat man mich, mit Twins Verbindung aufzunehmen und ihn für Hamburg zu engagieren. Ich ging in Lagos zum Goethe – Institut und fragte, wo ich ihn auftreiben könnte. Dort erzählte man mir, daß er vor Kurzem einen schweren Autounfall gehabt hatte, er nicht mehr male, seine Musikgruppe (er sah sich als Konkurrent zu Fela Anikulapo Kuti) sich aufgelöst hatte und seine Frauen ihn verlassen hätten, weil er seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Man riet mir ab, aber ich gab nicht auf und traf ihn in Ibadan. Er war sofort Feuer und Flamme für Hamburg und fing sofort wieder mit der Malerei an. Auch lancierte er einen Artikel in die nigerianischen Zeitungen über seine Einladung nach Hamburg.

In Hamburg war er ein grosser Erfolg und die Presse stürzte sich auf ihn. Seine beiden Frauen, alt oder neu, waren ein unerschöpfliches Thema. Betreut wurde er von meinem Freund und späterem Kollegen Wulf Lohse vom Völkerkundemuseum. Seit dieser Zeit war Twins ständiger Besucher in Hamburg und wir versuchten immer, ihn finanziell zu unterstützen, obwohl wir manchmal schon befürchteten, daß es eine neue Frau bedeutete und mehr Verpflichtungen auf ihn zukamen. Twins war aber eben ein echter Yoruba Patriarch.

Da sehr viele Deutsche in Nigeria arbeiteten und das Goethe – Institut sich sehr um nigerianische Künstler kümmerte, gibt es in Deutschland viele Sammlungen zu Twins und seinen Künstlerkollegen aus der Oshogbo Schule.

Village Life with Palmwine (Detail). ohne Titel (Detail).

Ich erinnere mich an einen Besuch von Twins, bei dem er mit zwei Taxis vor meinem Haus ankam. Ich wohne in unmittelbarer Nähe der Universität und bei gutem Wetter trinken viele Studenten ihren Kaffee draussen. Twins erschien im Outfit eines Chiefs mit entsprechendem Gefolge, was einen Auflauf zur Folge hatte. Twins genoss diese Situationen sichtlich.

Er nannte mich gern ‚My Saviour', was mich auch verpflichtete. Eines Tages schickte er mir einen Brief mit 19 weiblichen Namen mit der Bitte, für die ein Empfehlungsschreiben an die deutsche Botschaft in Lagos zwecks Visaerteilung zu schicken. Es sei seine Tanzgruppe, mit der er auf Tournee gehen wollte, behauptete er. Das war mir zu suspekt und ich unterliess es. Eines Tage bekamen Wulf Lohse und ich einen Brief von einem Hotel in Hamburg mit der Aufforderung, die Renovierung seines Zimmers zu bezahlen. Twins hatte dort gewohnt und auch dort gekocht.

Eines Tages rief er mich um 4 Uhr morgens an, nur um mal "Hallo" zu sagen, als wäre er im Lande ‚since I'm just around'. Wo bist du? fragte ich ihn. In Philadelphia bei meinen Leuten war seine Antwort. Einer seine Söhne lebte dort.

Wenn ich in Oshogbo war, wohnte ich üblicherweise im Gästehaus von Nike, einer ehemaligen Ehefrau von Twins und jetzt sehr bekannten Batikkünstlerin. Man konnte zum Frühstücken im Garten sitzen, und Gazellen hüpften um einen herum. Twins war immer enttäuscht, dass ich nicht in seinem Gästehaus übernachtete, aber irgendwie war das immer eine Baustelle.

Wenn wir essen gingen, nahm ich immer einen kleinen Block mit. Twins zeichnete immer fantastische Sachen, während wir aßen, tranken und klug daher redeten.

Dank der Unterstützung von Sylvia Ferdinand, einer Hamburger Galeristin, gab es eine Anzahl von Ausstellungen mit Twins Arbeiten. Ich wurde häufig gebeten, auf der Vernissage zu reden. Manchmal war auch Twins dabei – im standesgemässen Outfit, war er doch gerade mit einem der höchsten traditionellen Titel in Ibadan ausgezeichnet worden.

Ich weiß, ich war eine Enttäuschung für ihn, obwohl er es nie richtig glaubte. "Twins, ich habe wirklich nur einmal geheiratet!"! Er war sicher, dass ich mehrere Freundinnen hatte, letztlich war ich doch lange genug in Nigeria gewesen.

Twins war sehr enttäuscht über die geringe Unterstützung, die er von seiner eigenen Regierung bekam. Stolz war er über die Auszeichnung der UNESCO zum ‚Artist of Peace'.

Allen, die Dich getroffen haben, wirst Du unvergeßlich sein. Ich werde dich vermissen, Twins, und hoffe, dass die Orishas auf dich acht geben!

Vielen Dank an Heinz Jockers.

Autor
Heinz Jockers
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

TWINS SEVEN SEVEN (1944-2011†); Heinz Jockers; 2011; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-02-2011/310-twins-seven-seven-1944-2011

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