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PAPAGEIEN UND SITTICHE - Federschmuck in Braunschweig

Das naturhistorische Museum Braunschweig zeigte 2011 eine sehenswerte Sonderausstellung zum Thema "Papageien und Sittiche" . In einer Vitrine waren auch acht ethnografische Stücke des Städtischen Museums Braunschweig zu sehen, fünf davon möchte ich näher kommentieren.

Die Angaben in der Vitrine lauteten wie folgt:

01 Orakelschale mit Papagei, Westafrika (Togo) vor 1900

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Ein typisches Reiseandenken, Port-Art der zweiten Häfl te des 19. Jahrhunderts. Stücke dieser Art sind in vielen deutschen Museumsdepots vorhanden, häufig mit der Herkunftsangabe "Dahomey". Im Stil einer Orakelschale der Yoruba hergestellt.

02 Tragtasche aus Baumwolle mit Papageienfedern, Tukanschnäbeln und Samenperlen, Shipibo Südamerika (Peru, Guadalupe)

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Ein schönes altes Stück aus der Sammlung Götting in den 1880iger Jahren gesammelt. Die Angaben sind richtig. Schade, daß hier kein Alter genannt ist, denn mit diesem Erhaltungszustand gibt es nur sehr wenig gleichwertige Stücke in Museumssammlungen

03 Kopfschmuck, Guajajara Südamerika (Brasilien, Maranhao), um 1890

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Derartige Stücke fertigten die Guajajara vor allem in der Zeit zwischen 1970-90 für den Verkauf. Keinesfalls ist dieser Kopfschmuck 100 Jahre alt, die Angabe 1890 ist falsch.

04 Brustschmuck, Südamerika (Brasilien)

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Dies ist kein Brustschmuck, sondern Teil eines Kopfschmuckes, der auf einen Reif aufgebunden wurde. Hergestellt und getragen z.B. von den Kamayura, Waura, etc., also Völkern des Xingu-Gebietes. Allerdings sind die verwendeten Federn atypisch und verweisen eindeutig auf die Herstellung zum Verkauf. Auch dieses Stück wurde wohl in der Zeit zwischen 1970-1990 hergestellt. Meine Nachfrage bei der Kuratorin Evelin Haase im Städtischen Museum ergab, daß hier das Wissen deutlich grösser ist.

"03 u. 04 Federarbeiten Brasilien: Diese haben wir mit einigen anderen Federarbeiten 2000 von Herrn M. aus G. erhalten. Er war von November 1991 bis Oktober 1992 an der Botschaft in Brasilien. Wegen Umzug hat er die Objekte dem Museum geschenkt."

Es spricht nichts gegen kurze Texte in Ausstellungen, aber sie sollten stimmen. Da ich per Mail im Vorfeld zur Ausstellung bereits von einigen Stücken abgeraten hatte, da diese nicht von Ara sp. oder Amazona sp., sondern vom Tukan (Ramphastos sp.) waren, wäre es leicht gewesen, die kurzen Text korrekt wiederzugeben.

 

Das interessanteste Stück liegt mit den folgenden Angaben in der Vitrine:

05 Federmütze, Südamerika (Peru), 1893

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An dem Stück hängt gut sichtbar eine alte Etikette mit dem Text "A IV d No 100 Indianischer Kopfschmuck aus Peru Geschenk der Frau Consul Reinecke 1893"

Ein Hinweis auf "Rob. Reinecke, Consul" findet sich im Jahresbericht des Braunschweiger "Vereins zur Förderung des Kunstgewerbes" im Jahr 1890, er war Kaufmann und lebte in Peru. Evelin Haase hat mir unabhängig von meiner Suche folgendes mitgeteilt: "Kaufmann Robert Reinecke (geb. 1822 in Braunschweig - gest. 1891 in Braunschweig). In Arequipa, wurde am 08. Januar 1872 zum Deutschen Konsul ernannt. Ehefrau Nathalie Dedekind."

Von diesem Stück, ein Kopfschmuck, aber keine Mütze, sind mir bisher nur vier weitere bekannt, drei in St. Gallen (Sammlung Oskar Zollikofer) und eines in Berlin (Sammlung Centeno). Es ist bisher nirgends erwähnt, aber auch die drei St. Galler Stücke sind wohl ehemals in der Sammlung Centeno gewesen.

  • Ist auch das Braunschweiger Stück urspründlich aus dieser Quelle?
  • Was verbindet diese drei Personen? (Centeno - Zollikofer - Reinecke.)
  • Und aus welcher Region kommt das Stück?

Fortsetzung folgt ...

Verfasser: Andreas Schlothauer

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  • Quellen-Nennung: PAPAGEIEN UND SITTICHE - Federschmuck in Braunschweig; Dr. Andreas Schlothauer; 2011; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-02-2011/547-papageien-sittiche-federschmuck-braunschweig
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