Seit 1956 zerstört die Erdölförderung im Nigerdelta des westafrikanischen Nigeria die Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung. Diese Katastrophe für Mensch und Umwelt wird international kaum thematisiert. In München ist das jetzt anders.

In der Ausstellung sind Werke von 20 international renommierten Fotografen zu sehen. Der documenta XII-Künstler George Osodi ist ebenso vertreten wie Akinbode Akinbiyi, Akintunde Akinleye, Sunday Alamba, Crew Sandy Cioffi, Pamela Dore, Pius Utomi Ekpei, George Esiri, Jane Hahn, Tim Hetherington, Chris Hondros, Uche James Iroha, Michael Kamber, Ed Kashi, Kadir van Lohuizen, Sunday Ohwo, Emeka Okereke, Jacob Silberberg, Sven Torfinn und Timipre Willis-Amah. Traditionelle und zeitgenössische Kunstwerke aus der Nigerdelta-Region bilden einen Spannungsbogen zu den Fotografien. Die Objekte stammen aus der Afrika-Sammlung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München und dienen als mahnende Zeichen aus einer Welt, die rücksichtslos wirtschaftlichen Interessen geopfert wurde. Zur Ausstellung gibt es einen reich bebilderten Katalog mit zahlreichen Beiträgen (14.80 €).

GEORGE OSODI
Ein junger Mann hat sich während einer Protestkundgebung am Isaac- Adaka-Boro-Gedenktag »HELP DELTA BOY« auf seinen Körper geschrieben.

Major Boro führte in den 60er Jahren einen zwölftägigen bewaffneten Aufstand gegen die nigerianische Regierung an, um gegen die soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung der indigenen Ijo Völker durch die Ölkonzerne zu protestieren. Er starb 1968.
( Kaiama, Bayelsa State, 2005. © George Osodi)


AKINTUNDE AKINLEYE
Ein Bewohner des dicht besiedelten Bezirkes Abule- Egba, eines Vororts von Lagos, wäscht sich nach dem Löschen eines Feuers den Ruß vom Gesicht. Eine Pipeline wurde in der Nacht davor von einer bewaffneten Bande angezapft und geriet in Brand, als die Anrainer den ausgelaufenen Treibstoff aufsammelten. Das Rote Kreuz gab an, dass das Feuer mindestens 269 Personen getötet und Dutzende verletzt hat. Der Brand dauerte vier Stunden.
Lagos, 26. Dezember 2006 © Akintunde Akinleye

MICHAEL KAMBER
Ein Boot mit maskierten MEND-Rebellen, die zur ethnischen Gruppe der Ijo gehören. Weiß und Rot zeigen die Zugehörigkeit der Kämpfer zum Kult des Kriegsgottes Egbesu an und sollen unter anderem vor feindlichen Kugeln schützen.
24. Februar 2006 © Michael Kamber

AUFSATZMASKE IN SÄGEFISCHFORM
Anonymus, Mitte 20. Jh. Ijo-Region, Holz Staatliches Museum für Völkerkunde München Eine herausragende Rolle als Verkörperungen mächtiger Wassergeister spielten im Nigerdelta bestimmte Sägefischarten. Häufig fungierten diese Tiere als Hüter von Gewässern, die bestimmten Geistern gehören und deren Ansprüche von den Menschen sorgfältig geachtet werden mussten.
© Staatliches Museum für Völkerkunde München, Marianne Franke

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LETZTE ÖLUNG NIGERDELTA - Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien; Kunst&Kontext; 2012; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-03-2012/344-letzte-oelung-nigerdelta-drama-erdoelfoerderung-zeitgenoessische-fotografien

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