Banknoten sind neben dem Münzgeld umlaufende, auf einen runden Betrag lautende, mit währungsgesetzlicher Kraft versehene Zahlungsmittel, die nur von privilegierten Staatsbanken in Verkehr gebracht werden. In der Bundesrepublik Deutschland ist diese bekanntlich die Deutsche Bundesbank in Frankfurt a. M.

Diese Geldscheine zählen nun weltweit zu den Dingen, die zwar täglich von Millionen Menschen in die Hand genommen, betrachtet und ausgegeben, aber während der Zeit ihrer Umlauffähigkeit nur sehr selten von Kunst- und Graphikfreunden oder anderen Sammlern aus dem üblichen Zahlungsverkehr gezogen und dann sorgfältig wie wertvolle Sammelobjekte aufbewahrt werden.

Die 50, 100, 200 oder gar 500 Euro-Scheine werden regelmäßig wieder ausgegeben oder aber auf Bankkonten einbezahlt. Dadurch kommt es, dass Banknotensammler für erst vor einigen Jahren außer Kurs gesetzte Scheine bereits das Vielfache des ursprünglichen Betrages aufwenden müssen. Erstaunlicherweise werden dann aber diese Summen von Liebhabern bereitwillig bezahlt. Dies gilt dann insbesondere für die in der Regel sehr seltenen, noch erhaltenen bankfrischen Banknoten.

Die seltsame Scheu, umlauffähige höhere Werte sofort nach der Ausgabe in ein Sammelalbum zu stecken, hat dazu geführt, dass viele deutsche Banknoten der vergangenen Jahrzehnte – abgesehen von den auch heute immer noch in großen Mengen vorhandenen Massenausgaben der Inflationsjahre 1919/1923 – zu Raritäten geworden sind. So wird für die ersten Banknoten der Bundesrepublik Deutschland vom Handel in der Regel mehr als das Doppelte des einstigen Nennwerts bezahlt.

Die große Seltenheit mancher in- und ausländischer Banknoten erklärt sich außerdem auch damit, dass das systematische Sammeln und Aufbewahren von Geldscheinen erst wesentlich später populär wurde als das Aufheben von Münzen und auch von Briefmarken.

Entwertete Banknoten wurden unter sehr strengen Sicherheitsvorschriften verbrannt oder aber den Papiermühlen übergeben. Besonders hohe Liebhaberpreise erzielen die oft nur noch in wenigen Exemplaren erhalten gebliebenen Taler- und Guldenscheine der altdeutschen Länder von Anhalt, Baden und Bayern bis Sachsen und Württemberg.

Die in der geldgeschichtlichen Forschung gewonnene Erkenntnis, dass sich die Geld- und Währungsgeschichte eines Landes nicht allein an seinen Münzen, sondern nur an der Gesamtheit aller Geldzeichen verfolgen lässt, stellt die Banknoten insgesamt für Wissenschaftler und Sammler völlig gleichberechtigt neben die geprägten oder gegossenen Geldstücke aus edlen oder auch unedlen Metallen.

Für die Banknotensammler gibt es nun zahlreiche Parallelen zum Briefmarkensammeln dazu, wie die Unterschiede im Papier, die Drucktechniken (Hoch-, Tief- und Flachdruck), die Variationen der Farben und vor allem auch Wasserzeichen. Nicht verausgabte amtliche Noten, Fehl- und Probedrucke bieten zusätzliche, interessante Spezialgebiete. Beliebt ist auch das Zusammenstellen der verschiedenen Serienbuchstaben.

Da für manche Sammler seltene Scheine unerreichbar bleiben, liegt der Hauptreiz zum Weitersammeln in der Freude an zwar schönen, aber weniger raren Stücken. Übrigens gilt bei allen Banknoten der wichtige Grundsatz: "Schön können sie sein, sicher müssen sie sein".

Die sog. "Motivsammler" zählen zweifelsohne zu den Ästheten unter den Sammlern. Ihnen wird aber von Sammelkollegen vorgehalten, dass das wissenschaftliche Moment in diesen Motivsammlungen zu kurz kommt.

Die Grenzen für den Aufbau einer solchen Geldscheinsammlung zieht in der Regel nur der eigene Geldbeutel. Die Geschichte der Banknoten reicht zum Beispiel in China über 1300 Jahre zurück. Insgesamt gibt es heute auf der Welt mehrere hunderttausend Ausgaben, die niemand auch nur annähernd zusammentragen kann.

Ein Kölner Sammler brachte es in 30jähriger Tätigkeit auf 180.000 Scheine, wobei die zahlreichen Doubletten nicht berücksichtigt sind. In München zählt die von dem Sammler Albert Pick aufgebaute Geldscheinsammlung der Hypo-Vereinsbank zu den bedeutendsten Sammlungen der Welt. Sie wird heute als Stiftung bei der Münchener Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient aufbewahrt. Interessenten werden von der "HVB Stiftung Geldscheinsammlung" gerne über die Sammlung und die Stiftung informiert (Postanschrift: Prinzregentenstraße 159, 81677 München, Tel. 089 – 4119 – 3467, Fax 089 – 4119 – 3517).. In Ausstellungen werden ausgewählte Exponate aus der Papiergeldgeschichte gezeigt. Gestartet wurde mit einem Geldschein-Zoo, also mit Tiermotiven aus aller Welt. Weitere Bereiche aus den Tresoren sind bereits angekündigt. Der Papst der deutschen Banknotensammler, Albert Pick, hat in seinem Handbuch für Papiergeldsammler und -liebhaber beispielhaft folgenden zehn großen Sammelgruppen genannt: Religiöse Motive, Kunst und Literatur, berühmte Persönlichkeiten, Verkehr, Wissenschaft, Technik, Geschichte, Geographie, Fauna und Flora, Sport. Spannend und sehr abwechslungsreich sind "archäologische Funde und Denkmäler alter Kulturen" auf Banknoten. Hierzu zählt auch die afrikanische Stammeskunst.

Über eine auch im internationalen Vergleich anerkannte Sammlung von alten und neuen Geldscheinen verfügt die Deutsche Bundesbank in Frankfurt a. M. Die Anfänge der heutigen Sammlung reichen zurück bis in die Zeit der Reichsbank in der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Es war eine Universalsammlung ohne zeitliche und räumliche Beschränkung, die in den Kriegswirren des Jahres 1945 fast vollständig verloren ging. Nur ein Bruchteil der aus circa 180.000 Münzen bestehenden ehemaligen Reichsbanksammlung gelangte nach Kriegsende in den Besitz der Bank Deutscher Länder. Die Papiergeldsammlung von circa 140.000 Scheinen ging vollständig verloren. Sie musste völlig neu geschaffen werden und zählt mit heute etwa 260.000 Stück zu den weltweit bedeutendsten ihrer Art. Teile der Bundesbanksammlung werden sowohl dauerhaft als auch wechselnd im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (Anschrift: Wilhelm-Epstein-Straße 14, 60431 Frankfurt a. M., Tel. 069 – 9566 60 24) gezeigt. Diese Bestände sind zu Studienzwecken zugänglich. Einzelheiten regelt die Benutzungsordnung für den Studienraum. Von den Sammlungsobjekten können gegen Bezahlung digitale Fotos bzw. Scans bestellt werden.

Anfängern beim Sammeln von Banknoten wird allgemein empfohlen, ihr Sammelgebiet nicht zu weit zu wählen und möglichst bald eine vernünftige Beschränkung auf ein bestimmtes Land, Zeitperiode oder aber Motiv zu wählen. Nicht nur die Wahl des Motivs, sondern auch der Aufbau der Sammlung können nach eigenem Wissen, Geschmack und auch nach eigenen Ideen erfolgen. Echte Sammler werden trotz der notwendigen Spezialisierung auf historische, geographische und wissenschaftliche Fakten achten.

Reizvoll ist es zum Beispiel, die Darstellungen afrikanischer Stammeskunst auf alten und neuen Banknoten zu sammeln. Hier gibt es u. a. sammelnswerte Ausgaben von Angola, Guinea, Kamerun, Kongo, Mozambique, Nigeria, Westafrika, Zaire und Zentralafrika. Bei den abgebildeten Objekten handelt es sich um Goldstaubgewichte, Masken und Plastiken aus verschiedenen afrikanischen Kulturkreisen. Die Originale sind aus Elfenbein, Gold, Bronze, Holz und Ton. Sie befinden sich in der Regel in staatlichen Museen.

Die alten und neuen afrikanischen Banknoten gibt es in Europa im Fachhandel. Die Preise sind hier vernünftig und reichen von 3,- Euro bis nur gelegentlich über 100,- Euro.

Auch beim Sammeln afrikanischer Banknoten sollte möglichst auf bankfrische oder zumindest nur wenig umgelaufene Exemplare mit frischen Farben und steifem Papier geachtet werden. Stecknadelstiche, Eselsohren, abgeschnittene oder eingerissene Ränder, Klebestellen, Bügelspuren oder lappiges Papier mindern den Wert beträchtlich. Fehldrucke werden vor allem in den USA hoch bezahlt. Zur Aufbewahrung eignen sich alte Briefumschläge, falls sie säurefrei sind. Außerdem gibt es in den einschlägigen Fachgeschäften besondere Steckalben und kartothekartige Ablagen.

Text: Walter Grasser

Vielen Dank an Walter Grasser.

Autor
Walter Grasser
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

AFRIKANISCHE SKULPTUREN AUF GELDSCHEINEN - Nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch interessante Sammelobjekte; Walter Grasser; 2012; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-03-2012/350-afrikanische-skulpturen-auf-geldscheinen-sammelobjekte

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