Im Februar 1970 wurde mein Mann, Joachim Kahl, von der "Alusuisse" zur Tochtergesellschaft "Alumaco" nach Lagos/Nigeria versetzt.

Als wir Bruce Onobakpeya zum ersten Mal trafen, war er schon ein sehr bekannter und anerkannter Künstler, der bereits in der Commonwealth Exhibition in London ausgestellt hatte wie auch in Moskau, Warschau, Bologna, New York und Washington, DC. Internationale Aufmerksamkeit wurde ihm zuteil, als der Herzog von Edinburgh 1965 zwei seiner Werke erwarb.

Bruce Onobrakpeya hatte im Jahre 1970 eine Vernissage im Goethe Institut in Lagos /Nigeria. Zu dieser Zeit befand sich das Goethe Institut noch in der Broadstreet, die Räumlichkeiten waren nicht besonders groß und kaum für Ausstellungen geeignet. Doch der Andrang war immens, Bruce, wie alle ihn nannten, war schon zu diesem Zeitpunkt ein sehr beliebter Künstler bei der internationalen Community in Lagos und seine Werke sehr gefragt.

Wir waren sehr beeindruckt von seinen Bildern, von der Technik und seinem Können sowie auch von seiner Person. Er strahlte eine Freundlichkeit und - obwohl sehr umworben - eine Bescheidenheit aus, die ihm bis heute geblieben sind. So wurden wir auf Anhieb begeisterte Anhänger und Sammler seiner Werke. Es folgte eine Einladung in sein Atelier im Palmgrove-Estate und wieder waren wir beeindruckt. Wie konnte man auf so kleinem Raum und bei derart schlechten Lichtverhältnissen so Großartiges leisten? Zum Drucken diente ihm eine von Hand getriebene Presse, und da Papier ständig knapp war, durfte Bruce sich keinen Fehler erlauben. Daher druckte er in der Regel 5 "Artist Proofs", 5 "Experimental Pieces" und 15 Blätter in je zwei Farben. Alle Drucke trug er akribisch in ein Buch ein. Aus unserem Urlaub in Europa brachten wir Bruce jeweils Papier oder Farben mit, da beides in Nigeria schwer erhältlich war. Aufgrund der Beziehungen meines Mannes konnte Bruce von 1975 bis 1978 in der Hilzinger Kunstausstellung seine Werke zeigen und verkaufen.

Im Jahr 1976 baute Bruce, dessen Bekannheitsgrad sich national und international merklich ausgeweitet hatte, ein großes Haus mit Atelier, Galerie und Wohnung im Papa Ajao -Estate. Nun hatte er viel Platz, konnte angehende Künstler unterrichten und ausbilden, und endlich konnte er auch eine elektrisch betriebene Presse erwerben, bei deren Beschaffung und Einfuhr mein Mann behilflich war.


Ein sehr beliebtes Werbegeschenk in Nigeria waren Kalender. Deshalb entschied die Geschäftsleitung der "Alumaco", für das Jahr 1982 einen Kalender mit 6 Werken von Bruce Onobrakpeya in der Schweiz herstellen zu lassen. Außerdem sollte Bruce von jedem Blatt Abzüge erhalten. Mein Mann reiste in die Schweiz, um alles entsprechend zu regeln. Ich weiß nicht mehr, wie viele Exemplare gedruckt wurden, aber es war eine stattliche Anzahl - und ein voller Erfolg! Bruce erhielt seine Abzüge und stellte daraus Mappen zusammen mit Erklärungen zu den Bildern, die in seiner Galerie verkauft wurden.

Bruce war auf der ständigen Suche nach neuen Ausdrucksmitteln, er experimentierte viel mit unterschiedlichen Materialien. So entstanden z. B. seine Drucke auf stärkeren Aluminiumfolien, die mein Mann ihm in besonderen Breiten und Stärken von der Tochtergesellschaft der "Alusuisse", der "Aluminium Walzwerke Singen" besorgen konnte.

Wir besuchten Bruce häufig in seinem Atelier und sehr oft hatte er wieder etwas Neues, sehr Schönes geschaffen. So wuchs unsere Sammlung zu einer stattlichen Größe an. Erwähnen möchte ich auch, und das ist typisch Bruce, als der Chairman meines Mannes ein Bild (Plastograph & Drawings) erwarb um es meinem Mann zum fünfzigsten Geburtstag zu schenken, zeichnete Bruce unter die 49 images ein 50.stes "Rejuvenation". Er schrieb dazu "Images (50 special for Joachim Kahl at 50).

Es gäbe noch sehr viel mehr über Bruce zu berichten. Aber abschließend möchte ich noch dieses sagen, was mein Mann sicher auch so empfunden hätte, Bruce Onobrakpeya ist ein ganz besonderer Mensch, den wir sehr schätzen und bewundern, ein hoch talentierter und begnadeter Künstler, einer der besten seiner Nation. Er hinterlässt viele Spuren, allein in Nigeria z. B. seine in Glas geätzten Motive am "Murtala Mohammed International Airport" in Lagos, die Stationen des Kreuzweges in der St. Pauls Kirche in Ebute-Metta / Lagos, diverse Buchillustrationen sowie Wanddekorationen in Universitäten und Kulturzentren.

Ich bin dankbar, dass ich Bruce Onobakpeya kennenlernen durfte. Er hat mein Verständnis für afrikanische Kunst sehr stark beeinflusst und geprägt. Zu seinem achtzigsten Geburtstag gratuliere ich und wünsche ihm von Herzen long life and prosperity.

Text: Hannelore Kahl

Vielen Dank an Hannelore Kahl.

Autor
Hannelore Kahl
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

BEGEGNUNGEN MIT BRUCE ONOBAKPEYA; Hannelore Kahl; 2012; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-03-2012/351-begegnungen-mit-bruce-onobakpeya

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