Daß der unten abgebildete Bronze-Kopf aus Benin, der sich heute in der Ethnologischen Sammlung der Georg-August Universität Göttingen befindet (Af932), ursprünglich aus dem Museum für Völkerkunde Berlin (IIIC8184) kommt, konnte ich bereits nachweisen (www.about-africa.de und Kunst&Kontext 01, S.5-9). Der Kopf war 2008 in der Göttinger Daueraustellung zu sehen, beschrieben als: "Frauenkopf aus Bronze, Kauf Speyer". Auf der Karteikarte standen weitere Informationen: "Nach Speyers Angaben soll das Stück aus der Berliner Beninsammlung stammen." Ein Eingangsjahr in Göttingen war nicht vermerkt und konnte (bisher) nicht festgestellt werden, die Nummerierung lässt vor 1935 vermuten. Der Benin- Kopf wurde damals in Göttingen als wenig wertvoller Nachguss der 1930iger Jahre betrachtet. Wie berichtet, hat Felix Luschan den Kopf in seinem Benin-Werk abgebildet (Luschan 1919 Band 3 Tafel 62) und detailliert beschrieben (Luschan 1919, S.352). Außerdem war durch die Rekonstruktion von Resten der Sammlungsnummer die eindeutige Zuordnung auch auf diesem Weg möglich. Das Objekt kam im Jahr 1898 durch Consul Schmidt nach Berlin. Kein Experte hat (bisher) meine Beweisführung bezweifelt.

Einmal aufmerksam geworden, habe ich zweierlei gemacht. Zum einen einen Abgleich zwischen der Bestandserfassung bei Felix Luschan aus 1919 und dem heutigen Bestand des Ethnologischen Museums Berlin. Verwendet wurde ein Beitrag des dortigen Afrika- Kurators Peter Junge aus 2007 (siehe Literatur), das Berliner Inventarbuch und die Tauschakten. Zum anderen habe ich bei Besuchen anderer Museumsdepots an den dort vorhandenen Stücken nach Hinweisen gesucht. Denn z.B. der Händler Arthur Speyer II. hat zwar Nummern unkenntlich gemacht, aber anscheinend nie ganz beseitigt. Im Folgenden kann ich daher zwei weitere ehemalige Berliner Benin-Köpfe in den Museen St. Gallen und Paris als gefunden vermelden.

Bronze-Köpfe bei Luschan

Felix Luschan nannte in seinem Standardwerk von 1919 einen Gesamtbestand von 117 Köpfen und unterschied sechs verschiedene Grundtypen (19 bis 24). In einer Übersicht (Luschan 1919, S.12) sind diese gelistet und im Text (Luschan 1919, S.342-366) beschrieben. Dadurch sind für das Berliner Museum alle damals vorhandenen Stücke mit Nummern bekannt. Übersicht und Text sind nicht identisch. So gibt es Abweichungen bei den Grundtypen 21, 22 und 23. Bei Typ 21 heißt es: "Die schematische Übersicht auf S.12 weist nur 13 Köpfe dieser Art auf; seit Drucklegung des Bogens sind noch 7 weitere zu meiner Kenntnis gelangt." (Luschan 1919, S.353) Außerdem gruppierte Luschan noch einmal neu, was zu Verschiebungen bei den Grundtypen 22 und 23 führte: "In der schematischen Übersicht auf S.12 sind unter Nr. 22 ‚Andere große Köpfe ohne Plinthe' und unter Nr. 23 ‚Porträtartige Köpfe' zusammengefaßt. Jetzt erscheint es mir richtiger, die beiden Gruppen untereinander etwas anders abzugrenzen und im Kap. 22 weibliche, in Kap. 23 männliche Köpfe zu besprechen - ..." (Luschan 1919, S.355)

"19. Große Köpfe aus Erz, mit federförmigem Schmuck" (Luschan 1919, S.342f.)
In Berlin: IIIC8193, IIIC8194, IIIC8196, IIIC8198, IIIC8199, IIIC8200 (Taf.59), IIIC8201, IIIC8202, IIIC8203, IIIC8204, IIIC10467 und H.Bey 159

"20. Große weibliche Köpfe mit spitzer Kopfbedeckung" (Luschan 1919, S.350f.)
In Berlin: IIIC7660, IIIC7661, IIIC8183, IIIC8184, IIIC8185, IIIC8186, IIIC8187, IIIC8188, IIIC8189, IIIC8190, IIIC8191, IIIC8490

" 21. Andere große Köpfe mit Plinthe" (Luschan 1919, S.353f.)
In Berlin: IIIC7659, IIIC8173, IIIC8174, IIIC8175, IIIC8176 (Tafel 61A,B,D) IIIC10485 (Tafel 63B)

"22. Weibliche Köpfe, meist ohne Plinthe" (Luschan 1919, S.355f.)
Luschan nennt fünf Typen.
Typ A in Berlin: IIIC8171, IIIC8172 (Taf. 54 A-D)
Typ B in Berllin: IIIC8177 (Taf. 61C), IIIC8178
Typ C in Berlin: IIIC12507 (Taf.51A+B, Taf.52B), IIIC17110 (Taf.52C)
Typ D in Berlin: IIIC8169, IIIC9961 (Taf.53+56 B+D)
Typ E in Berlin: IIIC7651, IIIC8234 (Taf.57+58)

"23. Männliche Köpfe, porträtartig" (Luschan 1919, S.359f.)
Berlin IIIC7658 (Taf.56A+B), IIIC8170 (Taf.53A+B), IIIC8527

"24. Vereinzelte Köpfe" (Luschan 1919, S.361f.)
Berlin IIIC10878 (Taf.64)
Berlin IIIC12513 (Taf.65B+D)
Berlin IIIC12514 (Taf.65A+C), beschrieben Luschan 1919, S.363
Berlin IIIC8060 (Taf.107A+539)

Der heutige Berliner Bestand

In der Publikation von Peter Junge sind 35 Stücke genannt und abgebildet. Die Gesamtzahl in den Abbildungen 2 bis 6 ist nicht gleich, mal sind es 33, dann 34, dann 35 Objekte. Zur Kontrolle habe ich die Tabelle unten angelegt. Aus dieser ist ersichtlich, dass der Kopf IIIC8490 in den Abbildungen 4, 5, 6 fehlt und der Kopf IIIC12513 in den Abbildungen 3, 4. Ein Grund ist nicht erkennbar und wird auch nicht genannt. Die Gesamtzahl von 35 vorhandenen Stücken ist jedoch zuverlässig. Ergänzend habe ich Quelle und Eingangsjahr der Stücke im Inventarbuch berücksichtigt.

Von Interesse ist weiterhin die Aufstellung bei Junge, welche die Typenbildung von Dark berücksichtigt und fünf Köpfe nennt, die bei Dark (1982) nicht berücksichtigt sind.

Was fehlt in Berlin?

Luschan zählte 1919 zum Berliner Bestand insgesamt 47 Bronze- Köpfe, bei Junge sind mindestens 35 Nummern genannt, die sich auch bei Luschan finden lassen. Vorhanden sind auch die beiden Nummern IIIC8060 (Abb. 02) und IIIC12514 (Abb. 03). Diese sind in der Bearbeitung von Peter Junge nicht enthalten, da "es sich nicht um Gedenkköpfe, sondern um eine Oduduwa-Maske und um das Fragment des Kopfes eines sog. Hofzwerges handelt." (Mail von Peter Junge 30. April 2012) Diese Bestandsaufnahme ergibt, dass insgesamt zehn Köpfe ab den 1920iger Jahren abgegeben wurden. Je fünf aus der Gruppe 19 und 21. Die unten stehende Tabelle ist teilweise der Übersicht bei Luschan (S.12) entnommen, ergänzt um den Bestand bei Junge.

Fehlerkorrektur: In meiner Tabelle "Was fehlt in Berlin" (K&K 03, S. 78) muss es bezüglich der Summe "37" statt "35" heißen. Im Text ist die richtige Zahl (37) genannt.

Im Berliner Inventarbuch ausgetragen sind allerdings nur sieben Stücke. Vier gingen an "Speyer", d.h. den Berliner Ethnografica- Händler Arthur Speyer II. (IIIC8193, IIIC8194, IIIC8199, IIIC8184) und drei an "Glenk" (IIIC8183, IIIC8188, IIIC8204). Dies war Ludwig Glenk, der z.B. im Jahr 1924 "acht Wandgemälde der Turfan-Sammlung" vom Berliner Museum erwarb (Schindlbeck 2012, S.53). In den 1920iger Jahren ist er durch Werbeanzeigen in Berlin nachweisbar (z.B. in "Baedekers Berlin und Umgebung" 1921, S.14). Die Angaben hinter dem Namen bezeichnen jeweils die "Erwerbsakte", z.B. "1304/23". An den letzten beiden Ziffern ist das Abgabejahr erkennbar, d.h. in diesem Fall entspricht "23" dem Jahr 1923. Den Kopf, den Luschan als "H.Bey159" bezeichnet, konnte ich nicht im Berliner Inventarbuch finden. Wann und an wen die zwei Objekte IIIC7661 und IIIC8190 abgegeben wurden, ist (bisher) unklar, im Inventarbuch findet sich kein Austrag.

Ein mögliches Erkennungsmerkmal der fehlenden Stücke des Typus "20. Große weibliche Köpfe mit spitzer Kopfbedeckung" ist bei Luschan genannt: "Sechs von den Berliner Köpfen dieser Gruppe sind verhältnismäßig gut gegossen und sorgfältig ziseliert; vier von diesen haben jederseits vier statt der sonst üblichen drei Reliefnarben über jedem Auge; die sechs anderen Berliner Köpfe aber, die technisch ganz besonders minderwertig sind, haben immer nur je drei Paare von solchen Narben." (Luschan 1919, S.352) Eine Überprüfung des heutigen Berliner Bestandes könnte zeigen, wie viele Köpfe mit vier bzw. drei Narben-Paaren in der Sammlung sind. Verwirrend war für mich die Nennung der beiden Nummern IIIC7651 und IIIC8234 bei Luschan für den Typus "22.Weibliche Köpfe, meist ohne Plinthe". Denn im Berliner Inventarbuch ist IIIC7651 beschrieben als "Bronzeplatte mit einem Krieger" und IIIC8234 als "Jagdfetisch eines Wute-Mannes...". Glücklicherweise sind beide Stücke abgebildet (Tafel 57 und 58). Tatsächlich handelt es sich um die beiden Stücke IIIC12508 und IIIC12509, im Inventarbuch bezeichnet als "Kinderkopf Nr.114 der Liste Curiositas Nov.1899". Es scheint also, dass die Nummern bei Luschan falsch sind.

Zu erwähnen ist noch, dass Luschan nicht zwingend als Abgang nennt, was vor 1919 vom Berliner Museum getauscht oder verkauft wurde. So sind z.B. die Nummern IIIC8195 und IIIC8197 im Inventarbuch ausgetragen (an Prof. H. Meyer, 532/1900), aber bei Luschan ist dies nicht erwähnt.

Benin-Kopf in St. Gallen aus der Sammlung Han Coray

Im Historischen Museum Sankt Gallen (HMSG) gibt es einen Benin- Kopf mit der Nummer C3172, der seit vielen Jahren in der Ausstellung zu sehen ist. Im Zuge der Auflösung der Sammlung Han Coray, welche die damalige Afrika-Kuratorin des Rietberg-Museums Elsy Leuzinger im Auftrag in den Jahren 1939/40 betreute, kam das Stück in das Museum. Han Coray hatte die Sammlung zwischen 1919 und 1928 aufgebaut, sich bei einer Bank verschuldet und mußte, nach dem Selbstmord seiner (vermögenden) Frau die Sammlung verkaufen.

An der Rückseite des Kopfes ist deutlich die Berliner Sammlungsnummer IIIC8188 erkennbar. Im Berliner Inventarbuch steht unter IIIC8188: "Bronzekopf mit Zipfelmütze, Consul Schmidt, 1898". Weiterhin der Vermerk: "Laut 648/22 an Glenk verkauft", d.h. das Stück wurde im Jahr 1922 an Glenk abgegeben. Die zweite Nummer auf dem Stück "BK02" ist die Sammlungsnummer von Han Coray. Bei Philipp Dark (1982) wird der Kopf wie folgt erwähnt: "G4/8 Head, Type 8 (Br) M d Stadt StGallen: BK02. Unklar ist, wo Han Coray den Kopf (C3172) erworben hat. Ein Hinweis findet sich möglicherweise auf der Benin-Platte, die ebenfalls in der St. Galler Ausstellung zu sehen ist. (Zu diesem Stück in der nächsten Ausgabe mehr.) Auf der Rückseite trägt die Platte eine Marke des französischen Zolls "Douanes Françaises - Recette de Paris Chapelle". Ein Erwerb des Kopfes im Pariser Handel ist daher zumindest möglich.

Ob die Abbildung unten den Kopf C3172 zeigt (ganz rechts), konnte ich leider wegen der schlechten Bildqualität nicht feststellen. (Für Hilfe bei der Suche nach einem besseren Bild danke ich schon jetzt.)

Interessanterweise ist bei Dark ein weiterer Kopf genannt, der sich in St. Gallen befinden soll: "P1/23 Head, human (Br) Md Stadt St. Gallen: BK03 (Coray)". Der Sammlungsleiter des HMSG, Achim Schäfer, teilte mit, "daß dieser auf einer Liste des Züricher Völkerkundemuseums (von Elsy Leuzinger) zum Kauf angeboten wurde: 3 Bronzekopf Benin 300,-." (Mail 23.4.2012) Zunächst war unklar, welches Stück es sein kann, da im Eingangsbuch kein weiterer Bronze-Kopf aus Benin zu entdecken war. Dann fand Achim Schäfer folgende Erklärung: "Die im Anhang abgebildete Maske ist das einzige Objekt, das im Eingangsbuch mit einem Kaufpreis von 300 CHF notiert ist. Da auch in der Liste von Elsy Leuzinger nur der Bronze-Kopf mit 300 CHF aufgeführt ist, wird es sich um das gleiche Stück handeln. Es ist aus der Sammlung Han Coray und hat heute die St. Galler Nummer C3171. Die Herkunftsangabe ‚Benin' im Eingangsbuch wurde später durch ‚Togo' ersetzt bzw. ergänzt. Im Inventarbuch wurde ‚Maske' eingetragen". (Mail 25.4.2012)

Die Bronze-Maske ist in der Ausstellung zu sehen und wird im Begleittext dem Bronzegiesser Ali Amonikoyi zugeordnet, "ein aus dem Ort Ilorin (West-Nigeria) nach Kete Krachi im heutigen Togo zugewanderten Yoruba. Er goss dort zwischen 1907 bis 1909 lebensgroße Porträtmasken ...". (Togo ist falsch, der Ort Kete Krachi liegt in Ghana.)

Diese Ausführungen deswegen so ausführlich, weil das Beispiel zeigt, dass die sehr umfangreiche Bestandsaufnahme von Philipp Dark im Detail der Überprüfung bedarf.

Benin-Kopf in Paris aus der Sammlung Barbier-Mueller

Im Pariser Musée du Quai Branly ist ein Bronze-Kopf mit der Nummer 73.1997.4.3 ausgestellt, der im Jahr 1997 vom Museum Barbier- Mueller erworben wurde. Weitere Angaben zum Voreigentümer gibt es nicht. Auch bei diesem Kopf sind auf der Rückseite Reste einer Nummer erkennbar: "IIIC819?". Infrage kommen drei Stücke IIIC8193, IIIC8194, IIIC8199, die alle an Arthur Speyer II. abgegeben wurden: IIIC8193 und IIIC8199 im Jahr 1923 sowie IIIC8194 im Jahr 1929. Im Berliner Inventarbuch sind die Köpfe wie folgt beschrieben: "Bronzekopf mit Flügelmütze, Consul Schmidt, 1898". Leider lassen meine Objektfotos keine Entscheidung zu, ob die letzte Ziffer eine 3 oder 4 oder 9 ist. Ich habe daher im Musee du quai Branly angefragt, ob eine Untersuchung des Stückes möglich ist. Übrigens ist ein ähnlicher Kopf abgebildet in einer Anzeige der Zeitschrift "Kunst-Spiegel". Dort heisst es im Text: "Ausstellung ‚Exoten und Kakteen' bei Neumann&Nierendorf ... Kopf aus Bronze Benin." (Foto bei Schindlbeck 2012, S.141). Zwar findet sich bei Schindlbeck kein Jahr, jedoch geht aus den Unterlagen der Galerie Nierendorf der Ausstellungszeitraum April-Mai 1926 hervor (Walter-Ris 2000).

Text: Andreas Schlothauer

LITERATUR:

  • INVENTARBUCH ETHNOLOGISCHES MUSEUM BERLIN
  • DARK, J.C. PHILIPP: AN ILLUSTRATED CATALOGUE OF BENIN ART. BOSTON, 1982
  • JUNGE, PETER: DIE DATIERUNG VON GEDENKKÖPFEN. DAS BEISPIEL DER BERLINER SAMMLUNG. IN: BENIN KÖNIGE UND RITUALE. HÖFISCHE KUNST AUS NIGERIA. WIEN, 2007
  • LUSCHAN, FELIX: ALTERTHÜMER VON BENIN. BERLIN, 1919
  • MIKLOS, SZALAY: AFRIKANISCHE KUNST AUS DER SAMMLUNG HAN CORAY 1916-1928. MÜNCHEN, 1995.
  • SCHINDLBECK, MARKUS: GEFUNDEN UND VERLOREN. BERLIN, 2012
  • WALTER-RIS, ANJA: DIE GESCHICHTE DER GALERIE NIERENDORF. DISSERTATION BERLIN 2000

NETZ:

http://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-01-2011/226-05-museum-kunstkontext-12011

http://www.about-africa.de/sammeln-bewahren-forschen-vermitteln/151-benin-frauen-kopf-bronze-goettinger-sammlung

Nachtrag:
Wären die drei Köpfe in Privatbesitz, hätten glückliche, dankbare Gesichter gestrahlt. Denn mit der Schließung der zeitlichen Lücke zwischen 1897 und dem jeweiligen Museumseingang in den 1930iger bzw. 1940iger Jahren ist nicht nur der wissenschaftliche, sondern auch der finanzielle Wert des jeweiligen Stückes deutlich gestiegen. Da Museumsmitarbeiter zwar nicht an Wertsteigerung interessiert sein dürften, wohl aber an wissenschaftlicher Erkenntnis, wäre die Übernahme in die Sammlungsdokumentation des Museums (Inventarbuch, Karteikarte etc.) angezeigt. Deshalb haben wir Kunst&Kontext Nr. 03 den DirektorInnen- und (Afrika-) KuratorInnen der vier betroffenen Museen in Göttingen, Sankt Gallen, Paris, Berlin geschickt und in einem Begleitbrief auf den Artikel hingewiesen.

Die Reaktionen:

Historisches Museum Sankt Gallen
Daniel Studer (Direktor) und Achim Schäfer (Sammlungsleiter) äußerten sich erfreut. In der Datenbank wurde der gescannte K&K-Artikel mit dem Stück verknüpft.

Ethnologische Sammlung der Georg-August Universität Göttingen
Der Göttinger Sammlungskustos Gundolf Krüger hat das Ergebnis, das ihm seit Herbst 2008 bekannt war, in die Datenbank übernommen bzw. in die Karteikarte eingetragen.

Musée du Quai Branly Paris
Besonders spannend war es in Paris. Wie würde eine große Bürokratie die Informationen umsetzen? Nach mehreren Mails an Sarah Frioux-Salgas (Responsable des archives et de la documentation des collections, Médiathèque) im Mai und Juni kam nach einem Telefonat am 13. Juni deren Antwort, dass sie an die verantwortlichen Kuratoren weiterleiten werde. Des Weiteren könne sie darüber informieren, dass Joseph Müller den Kopf vor 1939 von Louis Carré erworben habe, und der Kopf sei in einem Ausstellungskatalog des Jahres 1935 unter "7. Porträt of a King" abgebildet (Mail Sarah Frioux-Salgas vom 13. Juni 2012). Als Anhang schickte sie die Seite des Ausstellungskataloges The Art of the Kingdom of Benin, die Louis Carré im November und Dezember 1935 mit den "Galeries Knoedler and Company" organisiert hatte. Im Text werden Veröffentlichungen und Ausstellungen genannt:
"REPRODUCED: Léon, Deshairs, L'Art des Origines à nos jours, v. II, p.422. - Lavachery, Les Arts de l'Afrique Noire, pl.41, Bruxelles 1930 - Beaux-Arts, Mars 1930.

EXHIBITED: Les Arts anciens de l'Afrique Noire, Palais des Beaux-Arts, Bruxelles 1930, no 617. - Musée du Trocadéro, Paris, 1932, no 62."

Die Prüfung erbrachte gleich mehrere Fehler:
* Bei Lavachery ist ein Benin-Kopf abgebildet. Doch leider ist es nicht der Kopf des MQB (ehemals Berlin IIIC8194), sondern des Musée Picasso (ehemals Dresden 16150).
* Im Knoedler-Katalog des Jahres 1935 ("7. Porträt of a King") ist nicht der MQB-Kopf, sondern der des Musée Picasso abgebildet.
* Immerhin die Abbildung in der Zeitschrift Beaux-Arts vom 20. März 1930 zeigt den MQB-Kopf.
* Deshairs war leider bisher nicht zu bekommen, da konnte ich nicht prüfen.
* Im Archiv von Louis Carré konnte ich kein Foto des MQB-Kopfes finden, jedoch mehrere des Picasso-Kopfes.

Dass der MQB-Kopf Bestandteil der Carré-Sammlung war, ist mit dem Material also nicht sicher belegbar. Möglicherweise hat der Verkäufer (Barbier-Müller) noch Nachweise? Wir werden anfragen.
Interessanterweise wird in dem Knoedler-Ausstellungskatalog auf zwei weitere Köpfe in Frankreich verwiesen, "with fringe ... but without wings". Der eine im Musée des Antiquités Nationales Saint-Germain-en-Laye (Catalogue, v.II, 1921, p.55), der andere in der Sammlung von Robert Rothschild, Paris. Möglicherweise kommen auch diese beiden Köpfe aus deutschen Museumsbeständen.
Am 28. August meldete sich Gaelle Beaujean-Baltzer (Responsable de Collections d'Afrique), dass die Mail eingetroffen sei, und am 3. September reagierte Aurélien Gaborit (Responsable de Collections d'Afrique). Am 4. September bedankte sich Hélène Joubert (Conservatrice en Chef): "Merci beaucoup pour les précieuses informations".
Sie bestätigte, dass kurzfristig am 10. September der Kopf aus der Ausstellungsvitrine genommen werden könne.
Mit neuen Fotos war dann die Berliner Nummer eindeutig zu identifizieren: Es ist IIIC8194 (Mailwechsel/Kontakt Paris: Audrey Peraldi).
Unser Vorschlag zur Ergänzung der MQB-Datenbank ist daher:
vor 1898 Consul Eduard Schmidt
ab 1898 Museum für Völkerkunde Berlin, ehemalige Nummer IIIC8194
1929 Arthur Speyer II.
20. März 1930 abgebildet in Beaux-Arts und ausgestellt in der Galerie Pigalle
Bei Lavachery/Maes 1930 ist der Kopf nicht abgebildet, ebenso nicht bei Knoedler 1935.

Ethnologisches Museum Berlin

Der Berliner Afrika-Kurator Peter Junge wollte sich später äußern, da er kurzfristig hierfür leider keine Zeit habe. Eine Diskussion kam durch den Artikel nicht in Gang.

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

GEFUNDEN - DREI BENINKÖPFE EHEMALS BERLIN; Dr. Andreas Schlothauer; 2012; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-03-2012/359-gefunden-drei-beninkoepfe-ehemals-berlin

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