In Kunst&Kontext Nr.02 war kurz die Rede von einem Stück, das sich in der Sammlung des Städtischen Museums Braunschweig befindet:

"A IV d No 100 Indianischer Kopfschmuck aus Peru Geschenk der Frau Consul Reinecke 1893". Ein Hinweis auf "Rob. Reinecke, Consul" findet sich im Jahresbericht des Braunschweiger "Vereins zur Förderung des Kunstgewerbes" im Jahr 1890, er war Kaufmann und lebte in Peru. Ergänzend ergibt sich aus der Braunschweiger Sammlungsdokumentation, dass Robert Reinecke 1822 in Braunschweig geboren wurde und dort 1891 verstarb, seine Ehefrau Nathalie Dedekind hieß und er in Arequipa am 8. Januar 1872 zum Deutschen Konsul ernannt wurde. (Mitteilung von Evelin Haase, 27. Juli 2011)

Der Ort Arequiba am Vulkan El Misti existierte schon zu Zeiten der Inka und liegt auf ca. 2.000 m Höhe. Eine Stadt des ewigen Frühlings und der Erdbeben. Um 1890 war es mit etwa 35.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt Perus; davon etwa 250 bis 300 Europäer (Zollikofer 1895).

Die Konstruktion des hutartigen Kopfschmuckes ist singulär, d.h. aus dem gesamten amazonischen Tiefland ist kein ähnliches Stück eines anderen Volkes bekannt. Insgesamt kenne ich (bisher) nur fünf Exemplare. Drei in St. Gallen, eines in Braunschweig und eines in Berlin, mit folgenden Sammlungsangaben:

MuseumNummerLandEthnieMaterialSammlerEingang
Braunschweig AIVd100 Peru     Robert Reinecke 1893
Berlin VA08856 Peru Chunchos Papagei Maria Centeno 1888
Sankt Gallen D167 - 169 Peru Chunchos Papagei Oskar Zollikofer 1885-1900

Die Zuordnung des Stückes D169 im St. Galler Ausstellungskataloges "Verwandlung" des Jahres 2006 als "Peru Chuncho (Ashaninka/ Machigenka)" ist für diese Bearbeitung irrelevant. Die damalige Kuratorin Sabine August hat 2005 meine schriftliche Sammlungsbearbeitung zum Federschmuck erhalten und meine damalige Zuordnung übernommen, ohne die Quelle zu nennen. Meine Vermutung beruhte damals auf einer Abbildung bei Charles Wiener (siehe Beitrag "Plagiat II" in dieser Zeitschrift).

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Fotogalerie Kopfschmuck Wachiperi oder Huachipaeri

Kunst und Kontext 2/2012. Seiten 48-54. Fotos: Andreas Schlothauer (Abb. 02-07, 11)

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Abb. 01 a: Arequiba Nachlaß Oskar Zollikofer (HMSG St.Gallen, Am Foto Zollikofer 0100)
Abb. 01 b: Arequiba Nachlaß Oskar Zollikofer (HMSG St.Gallen, Am Foto Zollikofer 0100)
Abb. 02: IVd110, Braunschweig

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 03: VA08856, Berlin

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 04: D167, St. Gallen

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 05: D168, St. Gallen

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 06: D169, St. Gallen

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 07: Konstruktion Unterseite (HMSG St.Gallen, D167)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 08: „Wilde Chunchos aus Cuzco“ (HMSG Am Foto Zollikofer 0019)
Abb. 09: „El Coronel Balthazar Latorre y sus companeros con tres Huachipairis en la pampa de Cosnipata, cuando la expedicion al Madre de Dios el ano 1873“
Abb. 10: Hacienda Cosnipata mit Arbeitern (HMSG, Am Foto Zollikofer 0078+0079)
Abb. 11 a: Kopfschmuck der Wachiperi?, HMSG D170 Sammlung Zollikofer

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 11 b: Kopfschmuck der Wachiperi?, HMSG D170 Sammlung Zollikofer

Foto by Andreas Schlothauer

Beschreibung des Aufbaus

Die Unterseite offenbart die Konstruktion. In das Feld eines Lianenringes von ca. 25 cm Durchmesser ist eine spinnennetzartige Konstruktion aus Pflanzenfasern mit mittigem Zentrum, radialen Strahlen und querlaufenden Verbindungen eingearbeitet. Um letztere werden Palmblattstreifen so umgeknickt, dass beide Enden gleich lang sind. Diese werden mit einem Gemisch aus Baumharz/Bienenwachs verklebt. (Gut sichtbar auf Abb. 06+07.) Etwa drei Zentimeter lange Körperfedern von Ara sp. werden an den Palmblattstreifenenden der Kreisfläche fixiert (Bereich 1), am Rand ist ein Feder-Band mit längeren Federn (5-7 cm) umgebunden, sodass seitlich die Palmblattstreifen verdeckt sind (Bereich 2). Dies ergibt eine kompakte Struktur, im Weiteren als Feder-Hut bezeichnet, die mit einem Band unter dem Kinn befestigt wurde.

Die Farben sind bei jedem Stück unterschiedlich zusammengestellt, folgende Farben kommen vor: blau, gelb, rot, grün; außerdem schwarz, weiß und braun.

FARBE / VOGEL IM BEREICH 1

  • blau / Ara ararauna
  • gelb / Ara ararauna
  • rot / Ara macao
  • gelb-grün / Ara chloroptera

FARBE / VOGEL IM BEREICH 2

  • grün / Amazona amazonica, farinosa, aestiva, Schwanz und Flügel
  • schwarz / unklar (nur GA-D169, weitgehend durch Insektenfraß vernichtet)
  • weiss / Ardea alba?, Oberflügel (GA-D167, D169)
  • schwarz-weiss und braun / Crax rubra?, Schwanz (GA-D169)

Ergebnisse in Kurzform

  1. Die Konstruktion des Feder-Hutes ist einmalig, d.h. im ganzen Amazonasgebiet gibt es keine vergleichbaren Stücke.
  2. Der Feder-Hut ist von den Huachiperi (Mashco), heute Wachiperi genannt; einem Harakmbet sprachigen Volk in Peru, das in der Region um Cosnipata lebte.
  3. Der deutsche Landvermesser Hermann Göhring war wohl der Lieferant des Federschmuckes an Centeno (1873/74), Reinecke (ab 1873) und Zollikofer (ab 1879-93)
  4. In der Zollikofer-Sammlung (St. Gallen) waren um 1900 fünf Stücke, ab 1906 nur noch drei. Es ist denkbar, dass Reinecke ein Stück aus St. Gallen erhielt.
  5. Die Fotos der Latorre-Expedition aus 1873 sind nicht von Hermann Göhring, sondern von dem Fotografen Luis Alvina. Die Expeditionsfotos im Zollikofer-Nachlaß in St. Gallen können sicher Alvina zugeordnet werden, wahrscheinlich sind noch mehr dieser Bilder von Alvina.

Bewertung: Weltkulturerbe der Wachiperi (Peru) in Europa

* Die Kategorie "Ästethik" ist bei dem Berliner Stück wegen der fast komplett fehlenden Federn nicht bewertbar.
 Berlin (VA8856)Braunschweig (IVd110)St. Gallen (D167-169)
Ästethik --- * 2 1
Seltenheit 1 1 1
Erhaltungszustand 4 2 1
Alter vor 1874 vor 1893 vor 1885 - 1900

A. Das Museum der Maria Ana Centeno in Cuzco (ca. 1850-74) - Verkauf nach Berlin

Im Jahr 1874 schrieb der Arzt Adolf Bastian an die Generalverwaltung der Königlichen Museen Berlin: "Durch einen, längere Zeit in Peru ansässigen und mit den dortigen Verhältnissen vertrauten, Deutschen aufmerksam gemacht, erfuhr ich aus der, in Lima erscheinenden Zeitung El Comercio / 10. October 1874, den im Ferrocarril Cuzcos 28 Sept., berichteten Tod der Senora Maria Anna Centeno, der Besitzerin der bedeutendsten und wichtigsten Sammlung peruanischer Alterthümer, die je gemacht ist.

Dieselbe ist ihrem hohen Wert nach bereits seit einem Jahrzehnte bekannt, die Eigenthümerin hatte indeß bis dahin alle Anerbieten zum Verkauf zurückgewiesen, wie mir auch neuerdins von Herrn Th. v. Bunsen früheren Gesandten in Lima, bestätigt wurde.

Gegenwärtig steht wahrscheinlich eine Veräukunst& kontext 2/2012 BESONDERE STÜCK 49 ßerung bevor und ist in dem Falle, dass eine Erwerbung möglich sein sollte, würde damit für die Kenntniß der americanischen Alterthümer ein Schatz gewonnen sein, wie sich kein größerer finden kann, da diese Sammlung auf dem Gebiet Cuzcos, Hauptstadt der grössten, der drei Culturvölker Südamericas gemacht ist. ..." (Akte Berlin 2024/1874 Brief Bastian 1874)

Die Sammlung der Maria Ana Centeno gelangte tatsächlich nach Berlin, doch der Erwerb war alles andere als einfach und war erst 1888 abgeschlossen. An dem erfolgreichen Erwerb waren zwei Personen wesentlich beteiligt: der Braunschweiger Robert Reinecke und der Sankt Galler Oskar Zollikofer, beide damals in Arequipa lebend. In einem Brief aus Lima am 18. Juli 1875 schreibt Bastian nach Berlin: "In Betreff der in Cuzco befindlichen Sammlung die bereits in Europa zu unserer Kenntniß gelangt war, bin ich nicht ohne Besorgniß, dass sich die unvermeidbare Verzögerung der Abreise in nachteiliger Weise fühlbar machen könnte, indem in der Zwischenzeit jene Sammlung bereits sonstige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und wie ich hier in Lima selbst, sowie brieflich aus Arequipa höre, von verschiedenen Seiten Verhandlungen über den Erwerb eingeleitet sind. Die dem Vernehmen nach gestellte Preisforderung ist eine so enorme, dass ich es für besser halte vorher weitere Entwicklungen abzuwarten. ehe ich mich selbst nach Cuzco begebe und habe ich vom Minister, Herrn Dr. Luehrson in Lima, sowie von Herrn Consul Reinecke in Arequipa die Zusage erhalten, dass ich in dem ferneren Verlauf, soweit er bekannt werden mag, in Kenntniß gehalten werden solle. ... Wie Herr Consul Reinecke mir schreibt, spricht man von 40.000 Soles ..." (Akte Berlin 1482/1875 Brief Bastian Lima 18. Juli 1875)

Im Oktober 1875 folgten weitere Briefe Bastians von Lima (1982/1875) und Guayaquil (2053/1875), im Januar 1876 einer aus Bogota (627/1876). Offensichtlich konnte Bastian in dieser Zeit nichts erreichen. Erst mehr als ein Jahrzehnt später war der Erwerb abgeschlossen, wie aus einem Brief der Firma Emmel Hermanos & Co an Bastian vom Juni 1888 hervorgeht:"... unser langjähriger Mitarbeiter Herr Oscar Zollikofer (aus St. Gallen) ... ist, wie wir Ihnen bereits neulich schrieben, noch mit der Verpackung des Museums beschäftigt, hofft aber Anfang Juli damit fertig zu sein, so dass das Museum endlich zwischen dem 15 und 20 Juli im Hafen von Mollendo eintreffen wird."

(713/1888 Brief (Emil) Petersen & (Friedrich und Ferdinand; Ergänzung Autor) Emmel (aus Gelnhausen bei Frankfurt; Ergänzung Autor) aus Arequipa 26. Juni 1888)

Verkäufer waren die beiden Söhne und Erben Centenos, die Brüder Adolfo und Eduardo Romainville. Der Berliner Erwerbsakte sind zwei Zeitungsartikel beigelegt, einer in Lima, der andere in Cuzco veröffentlicht, offensichtlich war damals die dortige kulturinteressierte Öffentlichkeit nicht von dem Verkauf begeistert.

Zeitungsartikel 1

"Una gran sensacion ha producido en los circulos illustrados de esta ciudad, la venta que los senores Romainville han hecho del hermosisimo museo que poseian, a un encargado del Gobierno aleman para ensanchar con aquel el museo de Berlin. ... porque han sido vendidas al extranjero por la miserable sum de dois mil libras." El Comercio, Lima, Sabado 7 de Julio 1888, Numero 16.524

Übersetzung Autor: "Für große Aufruhr sorgt in den gebildeten Zirkeln dieser Stadt der Verkauf des wunderbaren Museums durch die Herren Romainville an einen Beauftragten der deutschen Regierung, mit der das Berliner Museum erweitert wird, für die miserable Summe von 2.000 Libras."

Zeitungsartikel 2

"Vamos a comunicar una triste noticia a nuestros lectores. El museo formado por la respetable matrona cuzquena Donna Maria Ana Centeno viuda de Romainville y perteneciente hoy a sus dos hijos Eduardo y Adolfo, ha sido vendido, segun se nos informa, a Don Oscar Zollikofer, gerente de la sucursal de la casa Petersen y Emmel en esta ciudad, quien a su vez lo vendera al Gobierno de Berlin." La Prensa Cuzco, Junio 12 de 1888

Übersetzung Autor: "Wir müssen leider unseren Lesern eine traurige Mitteilung machen. Das Museum, das durch die sehr geachtete Dame aus Cuzco Maria Ana Centena Witwe von Romainville geschaffen wurde und heute ih- ren beiden Söhnen Eduardo und Adolfo gehört, ist verkauft worden, nach unserer Information an Herrn Oscar Zollikofer, Geschäftsfüh- rer der Niederlassung des Handelshauses Petersen und Emmel, in dieser Stadt ansässig, welcher es seinerseits an die Regierung von Berlin verkaufen wird."

Maria Ana Centeno
Maria Ana Centeno

wurde am 26. Juli 1816 in Cuzco geboren. Im Mai 1842 heiratete sie den Franzosen Pedro Romainville, der im Oktober 1847 verstirbt. Ihre Sammlung Peruanischer Altertümer war bereits um 1850 so berühmt, dass ihr Haus häufig von Wissenschaftlern und Reisenden besucht wurde, darunter Francis de Castelnau und Laurent Saint-Cricq (Paul Marcoy). Ab 1873 litt sie an einer Herzkrankheit, am 22. September 1874 stirbt sie (Matto de Turner 1890, S.194f.).

Adolf Bastian
Philipp Wilhelm Adolf Bastian

wurde am 26. Juni 1826 in Bremen geboren und verstarb am 2. Februar 1905 in Port-of-Spain. Studierte Jura und Medizin, reiste als Schiffsarzt, arbeitete als Ethnologe und war Gründungsdirektor des Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin (heute Ethnologisches Museum).
Mehr: de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Bastian

Oscar Zollikofer
Oscar Zollikofer

wurde am 24. Januar 1857 als Sproß einer alten St. Galler Familie, der Altenklinger, geboren. Als Kaufmann ist er ab 1879 im Auftrag der deutschen Firma Adolf Schultze, in Chochabamba und Arequipa (Peru) tätig. Er tritt im Jahr 1880, zwei Jahre nach Gründung, der "Ostschweizer Geographisch- Commerciellen Gesellschaft" (OSGCG) bei. Aus seinen Briefen geht hervor, dass er sich schon früh als Sammler für das Museum betätigte. Er war häufig in Cuzco, wo er nach "Curiositäten und Antiquitäten" Ausschau hielt, ab 1885 treffen erste Schenkungen in St. Gallen ein. 1889 heiratet Zollikofer in der Schweiz, bleibt aber noch bis 1893 in Peru und kehrt dann endgültig nach St. Gallen zurück.

In den Jahren 1897 und 1898 ist er Konservator der ethnographischen Sammlung. Am 11. Oktober 1938 in St. Gallen verstorben.

Zollikofer selbst schreibt sehr kurz gefasst über den Ankauf und seine Mitwirkung rückblickend im Jahr 1894: "Vor sechs Jahren erwarb ich im Auftrag des königlichen Museums für Völkerkunde in Berlin die berühmte Centeno'sche Sammlung der Gebrüder Romainville in Cuzco und lieferte sie persönlich in Berlin zur grossen Zufriedenheit des Herrn Direktor Dr. Bastians ab." (Zollikofer 1895, S.17)

B. Zur regionalen Herkunft des Federschmucks

Die Sammlungsangaben des Stückes VA08856 im Berliner Inventarbuch sind dem Centeno-Museumskatalog des Jahres 1876 entnommen ("Catalogo del Museo de la Senora Centeno Cuzco. Lima, 1876"). Dort waren in der 9. Abteilung ("Seccion NOVENA") Kleider, Schmuck, Pfeile und sonstige Gegenstände der Wilden ("salvajes") der Täler Paucartambo, Santa Ana, Marcapata und Lares aufgelistet. Nur fünf Stücke mit Federn werden genannt, dreimal Kopfschmuck und zweimal Oberkörperschmuck:

  • 1262: Eine Federkrone oder Kopfschmuck der Chunchos
    "Una corona de plumas o adorno de la cabeza, de los chunchos"
  • 1263: Zweimal Kopfschmuck oder Federkronen der Wilden
    "Dos adornos de cabeza o coronas de plumas de los sal vajes"
  • 1264: Zweimal Schmuck für die Brust aus Federn
    "Dos adornos para el pecho, de plumas"

Die Sammlungsangaben im Berliner Inventarbuch sind weniger genau, aber in der Spalte "Verzeichnis No." des Inventarbuches sind die alten Centeno-Nummern gelistet, sodass dadurch eine Zuordnung von VA08857 als ehemalige Centeno-Nr. 1262 möglich ist. Der Federschmuck der Centeno-Sammlung (fünf Stücke) ist vollständig in Berlin nachweisbar. (Das Fragezeichen hinter der Nummer VA08858, siehe unten, findet sich im Inventarbuch, anscheinend bestanden hier Zweifel, ob das Stück mit der Centeno-Nummer 1264 identisch ist. Aus meiner Sicht spricht nichts gegen die Identität.)

 
Berlin BeschreibungCenteno KörperteilCenteno Nr.Berlin Nr.
"Federkrone" Kopf (cabeza) 1262 VA08856
"Federkrause" Kopf (cabeza) 1263 VA08857 + VA08859
"Federschürze (für die Brust)" Oberkörper (pecho) 1264 VA08860
"Schnur mit gelben Federgehängen für die Brust?" Oberkörper (pecho) 1264 VA08858?

Die Inkas bezeichneten mit dem Wort Chunchos mehrere Völker im Tiefland Amazoniens, die ihnen erfolgreich Widerstand leisteten. Auch später in Peru und Bolivien wurde der Begriff Chunchos nicht für ein bestimmtes Volk verwendet. (Der Eintrag bei Wikipedia ist falsch: www.en.wikipedia.org/wiki/Chunchos)

Im Inventarbuch "D Amerika" des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen, um 1905 neu angelegt, sind fünf Stücke mit Federn verzeichnet (D167, D168, D169, D170, D171), deren Sammlungsangaben jeweils gleich sind: "Kopfschmuck, Häuptling der Chunchos, Peru". Weder ist ein Eingangsjahr genannt, noch darauf hingewiesen, dass die Stücke zu unterschiedlichen Zeitpunkten in das Museum kamen. Weitere Quellen, Briefe und zwei ältere Inventarbücher, belegen, dass wichtige Informationen nicht weitergegeben wurden und dass Zollikofer zwischen 1885 bis 1900 insgesamt sieben Federobjekte dem Museum schenkte, d.h. zwei Stücke sind bereits um 1905 kommentarlos verschwunden.

Im St. Galler Museumsarchiv sind einige Briefe von Zollikofer erhalten, so schrieb er 1880 anlässlich einer Reise nach Cuzco an die Ostschweizerische Geographisch-Commercielle Gesellschaft: "Bei jener Gelegenheit werde ich mich dann auch wegen Curiositäten und Antiquitäten umsehen, um solche für die Sammlungen der Geographisch-Commerciellen Gesellschaft zu gewinnen. Zu gleichem Zwecke eignete ich mir bereits ein paar Bogen u. Pfeile von Chunchos ... an." (Brief 1. Juni 1880, Zollikofer an Scherrer)

In einem weiteren Brief des Jahres 1881 erwähnte Zollikofer erstmals die Region, aus welcher die Stücke kamen: "... ebenso kommen wenig Indier mehr aus den hies.(igen) Thälern von Santa Ana u. Paucartambo, um die Producten u. Erzeugnisse aus den Quellgebieten des Amazonenstromes anzubieten ..." (Brief 14. Januar 1881, Zollikofer an Mettler-Tobler)

Eine erste Übersendung von Stücken datiert auf das Jahr 1885, wie im ältesten Inventarbuch "Katalog der Ethnographischen und Münzsammlung" (im folgenden Inventarbuch01) mit Eingang am 21. August und 23. Oktober, verzeichnet ist. Am 29. Mai 1885 schrieb Zollikofer: "Einige Sets von Bogen u. Pfeilen der Chunchos werde ich Ihnen ... zusenden." (Brief 29. Mai 1885, Zollikofer an OSGCG) Beiliegend in der Akte befindet sich die Eingangsliste, die auf den 21. August 1885 datiert und den Federschmuck betreffend, wie folgt in das Inventarbuch01 übertragen wurde:

"Donator Oskar Zollikofer - Arequipa Peru
1358 2 Turbane aus Papagei-Federn (Kopfputz), Peru
1359 1 Federschmuck eines Indianerhäuptlings der Chunchos, Peru"

Ein weiterer Brief von Zollikofer an Cunz-Zollikofer am 23. Oktober 1885 belegt eine zweite Sendung, diesmal ohne Federschmuck: "5 Bogen, 24 Pfeile u. 4 Hanfsaiten von wilden Indierstämmen (Chunchos) im Innern von Cuzco", die im "Inventarbuch 01" mit den Nummern 1360 bis 1362 gelistet wurden.

Die Einträge im "Inventarbuch 01" enden im Jahr 1889. Warum dann ein neues "Verzeichnis ethnographischer Gegenstände" (hier "Inventarbuch 02") angelegt wurde, das im Jahr 1906 schließt, ist unklar. Es wurden für 1358 und 1359 neue Nummern vergeben, ohne die alten zu erwähnen, und die Sammlungsangaben übernommen.

"2095 2 Turbane aus Papagei-Federn (Kopfputz), Peru
2096 1 Federschmuck eines Indianerhäuptlings der Chunchos, Peru"

Mit Eingangsdatum zwischen Oktober 1887 und November 1888 kam ein weiterer Federschmuck:

"2122 1 Federschmuck eines Indianerhäuptlings der Chunchos,Peru"

Und am 15. November 1900 mit der Sammlung "Peruanischer Alterhümer" drei weitere Stücke:

"2304 Kopffederschmuck eines Häuptlings
2305 Kopffederschmuck einer Häuptlingsfrau
2309 1 Kopf-Federschmuck von den Chunchos, Wilde im Thale von Paucartambo Depart. Cuzco"

(Dieses Lot ist auch in den Mitteilungen der Ostschweizerisch Geographischen Gesellschaft genannt; 1900 II Heft, S.90)

Die Sammlungsangaben bei Centeno und Zollikofer stimmem hinsichtlich der Provenienz Chunchos überein, eine interessante Abweichung ist, dass Zollikofer nur das Tal von Paucartambo erwähnt, während es bei Centeno die Täler von Paucartambo, Lares, Marcapata und Sante Ana sind. Der einzig längere Text zu den Chunchos und dem Tal von Paucartambo ist in dem Aufsatz von Zollikofer, "Arequipa und Cuzco - Notizen über Land und Leute auf Grund eigener Beobachtungen", enthalten: "In vier Tagesreisen gelangt man in die an Brasilien grenzende Wildnis von Paucartambo, ... wo sich wildlebende Stämme, Chunchos genannt, aufhalten. Es sind dies wahrscheinlich Indianer, welche bei Eroberung des Landes durch die Spanier sich dahin zurückgezogen haben, nackt herumgehen und von Pflanzenkost und Jagd leben. Mehrere in früheren Jahren ausgeführte Expeditionen, welche die von den Spaniern angelegten, aber durch die wilden Chunchos zerstörten Plantagen an den Grenzen der Wildnis wiedergewinnen sollten, schlugen fehl. Der Cuzco-Präfekt Latorre, der vor 18 Jahren (im Jahr 1873, Anmerkung Autor) mit bewaffneten Leuten hineinging, wurde von Pfeilen der Chunchos getötet. Nun ist einer meiner Freunde, ein Deutscher, vor einigen Jahren mehrmals in die gleichen Regionen vorgedrungen, um die Wilden auf friedlichem Wege sich zu Freunden zu machen und dann das überaus fruchtbare Land der Kultur zurückzugewinnen, besonders aber den dort massenhaft vorkommenden Kautschuk und Gummi flussabwärts nach Para zu exportieren, ähnllich wie es seit Jahren schon am Benifluss in Bolivien geschieht." (Zollikofer 1895, S. 17f.)

Damit enden die schriftlichen Informationen in St. Gallen und Berlin, ohne dass eine Bestimmung der Herkunft möglich wäre. Glücklicherweise schenkte Zollikofer dem Museum St. Gallen auch ein Archiv von über hundert Fotos. Eines dieser Bilder zeigt drei "wilde Chunchos aus Cuzco", zwei Männer und eine Frau. Der Mann rechts trägt eine Krone aus langen Ara-Federn, in den Mundwinkeln stecken vier einzelne Federn, die Frau hat einen Kopfreif und der Mann links ist mit dem gesuchten Feder-Hut geschmückt. (Abb.08)

Und noch ein Glücksfall: es gibt ein weiteres Foto im Archiv der Stadt Paucartambo (www.rupestreweb.info/hinkiori.html, Abb.09), das einige Teilnehmer der LaTorre-Expedition zeigt, zwischen ihnen drei Indianer, zwei Männer und eine Frau - zufälligerweise die gleichen Personen wie auf dem vorgehenden Bild. Die handkolorierten Markierungen im Kopfbereich der Indianer deuten den Federschmuck an. Der Titel dieses Bildes ist wesentlich genauer: "Der Coronel Balthazar Latorre und seine Begleiter mit drei Huachipairis in der Pampa von Cosnipata, während der Expedition zum Madre de Dios im Jahr 1873" (Übersetzung Autor)

Am 23. Mai 1873 starteten die etwa 70 Teilnehmer der Latorre-Expedition (50 Soldaten und 20 Pioniere) von Cuzco. Am Fluss Madre de Dios endete das Unternehmen mit dem Tod von Balthazar Latorre durch die Pfeile der Sirineyris am 2. August 1873. Der Verlauf der Expedition ist durch Buch und Fotoalbum eines Expeditionsteilnehmers, des deutschen Landvermessers Hermann Göhring, gut dokumentiert. Vermutlich war Göhring der, bei Zollikofer namentlich Nicht-Genannte, "einer meiner Freunde, ein Deutscher", denn im Latorre-Fotoalbum ist das obige Foto der "wilden Chunchos" abgebildet, d.h. es ist also nicht von Oskar Zollikofer, sondern wurde erstmals von Göhring im Jahr 1873 veröffentlicht. Aber auch ihm werden diese Fotos zu Unrecht zugeschrieben. Im Expeditionsbericht wird mehrmals "... el fotografo de la expedicion, Senor Albina, ..." genannt (Göhring 1873), es handelt sich wohl um den peruanischen Fotogafen Luis Alvina. Alle Expeditionsfotos sind daher diesem Fotografen zuzuordnen, wahrscheinlich sind auch weitere Bilder im Zollikofer-Nachlass von Alvina.

Unbedingt sollte hinsichtlich der Beschreibung der Bildmotive vergleichend gearbeitet werden. So wird im digitalisierten Göhring- Fotoalbum (Cornelle University, ID Number RMC2008_0999) das Foto nur knapp und allgemein kommentiert: "Several huts and indigenous Peruvian people, trees and hills in background." Im Zollikofer- Nachlaß sind gleich zwei weitere Fotos (Am Foto Zollikofer 0078+79) mit widersprüchlichen Bildbeschreibungen bei identischen Fotos, welche die Hacienda Cosnipata zeigen.

0078: "Expedicion del Colonel La Torre a la Chunchada de Paucartambo"
Die LaTorre-Expedition bei einem Ort im Paucartambo-Tal (Übersetzung Autor)

0079:"Hacienda de Cosnipata con sus trabajadores en Cascarilla"
(Croton eluteria, ein Baum; Anmerkung Autor) Die Hazienda Cosnipata mit ansässigen Arbeitern in einer Cascarilla- Pflanzung. (Übersetzung Autor)

 

Für die Latorre-Expedition war Cosnipata eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zum Rio Madre de Dios. Auch die Vorgängerexpedition des US-Amerikanischen Schweden Johann Wilhelm Nystrom hatte hier ab 14. Juni 1867 ihre Basis. Im Kapitel "Hacienda Cosnipata" heißt es, dass dort etwa 50 Personen arbeiteten, drei Männer und zwanzig Frauen, überwiegend Quetschua, die von vier Soldaten vor Angriffen der Chunchos geschützt wurden (Nystrom 1867, S.34f.). Bei genauer Betrachtung des vergrößerten Bildes kann davon ausgegangen werden, dass von den drei Bildbeschreibungen die von Bild 0079 die richtige ist.

Die Antwort auf die Frage, ob der Kopfschmuck von den Huachipairis ist, beinhaltet auch die Frage, welche Völker damals im Tal von Paucartambo in der Umgebung von Cosnipata lebten? Bei Nystrom ist nur ein kurzes, friedliches Treffen mit einer Familiengruppe der Chunchos am 17. Juni 1867 erwähnt, wahrscheinlich waren es Matsigenka. In den Monaten Juni bis August 1873 erwähnt Göhring mehrere friedliche Begegnungen mit den Machiganga (Matsigenka), Huachipairis und Sirineyris. Keinen Kontakt hatte die Expedition mit den Amahuaca, Tuyuneri oder Pucapacuri, jedoch werden diese von Göhring als Bewohner der Region erwähnt. Es bleiben nur zwei Ethnien, die Matsigenka und die Huachipairis, mit denen im friedlichen Tausch Objekte erworben werden konnten, von den Sirineyris waren es nur Waffen, allein in der Leiche von Latorre wurden 34 Pfeile gezählt.

Im Expeditionsbericht erwähnt Göhring ein Zusammentreffen mit den Huachipairi bei Cosnipata.

""Huaichi, significa flecha en el idioma quechua; los huachipairis forman una tribu poco numerosa, tienen una vida nómade, aun cuando tienen caseríos en la ribera derecha del Cosñipata y del Pilcopata, extendiéndose hasta las márgenes del Marcapata. Huachipairi es el verdadero tipo del salvaje ... (S.75) Andan completamente desnudos, tanto los hombres como las mujeres
...
Estos capitanes se llaman huairis ; como distintivo usan en ocasiones de importancia , coronas de plumas. Un huari, en trage de gala , está pintado de negro ó colorado , sobre la coronilla de la cabeza , descansa una coronita de plumas largas y paradas. La plena gala , exige además unas hermosas plumas muy largas á ambos lados de la frente, colocadas en forma de alas, y si el huairi cuenta como aparece en el retrato adjunto, con unos agujeros en la cara, que ordinariamente están tapados con paütos, pero que en aquellas ocasiones los adornan con plumas, está asi completo el atavio de un jefe huachipairi." (Göhring 1877, S.76)"

"Huachi heisst in der Quetchuasprache Pfeil; die Huachipairi sind ein wenig zahlreicher Stamm, der nomadisch lebt, auch wenn sie kleine Niederlassungen am rechten Ufer des Cosnipata und Pilcopata haben, so erstrecken sich ihre Wanderungen bis zu den Quellflüssen des Marcapata. Die Huachipairi sind im wahrsten Sinne Wilde
...
Sie gehen vollkommen nackt, Männer wie Frauen,... Die Häuptlinge heissen huairis; als Unterscheidungsmerkmal tragen sie bei wichtigen Anlässen Federkronen. Ein huairi in Festgala ist schwarz oder rot bemalt und trägt auf dem Kopf einen Krone mit langen aufrechtstehenden Federn. Die volle Gala erfordert außerdem einige schöne, sehr lange Federn an beiden Seiten der Stirn, plaziert in Form eines Flügels. Und wenn es sich der huairi erlaubt, wie auf dem beiliegenden Bildnis zu erscheinen, mit einigen Löchern im Gesicht, in die normalerweise kleine Holzstücke gesteckt sind, aber welche sie bei jenen Gelegenheiten mit Federn schmücken, dann ist er komplett, der Putz eines Huachipairi- Chefs." (Göhring, S.75f., Übersetzung Autor)

Göhring schreibt weiterhin, dass sich unter den Fotografien folgende Aufnahme befindet:

"Jefes y una mulher Huachipairis. Estos fueron fotografiado en una de las visitas que hicieron al cuerpo-expedicionario en Cosnipata" (Göhring 1877, S.109)

"Chefs und eine Frau der Huachipairis. Sie wurden bei einem ihrer Besuche des Expeditionsteams in Cosnipata fotografiert." (Übersetzung Autor)

Diese Beschreibung stimmt in den wichtigen Details mit dem Text der Abbildung 09 überein, daher wird davon ausgegangen, dass die drei Indianer auf dem Foto Huachipairis waren und der Feder-Hut diesen zugeordnet werden kann.

 

Huachipairis - Mashco oder Wachiperi

Die Huachiperi, auch als Mashco bezeichnet, werden zur Harakmbet- Sprachgruppe gezählt und nennen sich heute selbst Wachiperi. In der Chronik des Garcilazo de la Vega um 1600 gibt es Hinweise auf einen Handelspunkt im Tal von Cosnipata. Dort sollen die Inkas mit den Chunchos, also wohl den Huachiperi, z.B. Federn gegen Metalläxte, getauscht haben. Gegenüber den eindringenden spanischen Konquistadoren und ihren Nachfolgern waren sie kriegerisch und versperrten dadurch den Landweg Richtung Rio Madre de Dios und damit zum Amazonas. Auch Missionare schafften es bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht sich hier festzusetzen. Göhring schätzte die Huachipairi im Jahr 1873 auf etwa 1.000 Personen. In den 1890iger Jahren wütete in diesem Gebiet der Gummikriminelle Carlos Fermin Fitzcarraldo, u.a. auch im Dienst europäischer Reifennutzer des endenden 19. Jahrhunderts. Um 1902 kamen die Dominikaner und 1908 wurde die Missionsstation San Luis del Manu am Zusammenfluss von Madre de Dios und Manu gegründet, mit der Folge, dass fast zwei Drittel der Wachiperi durch Krankheiten wie Grippe, Masern, etc. starben. Einige verschwanden in den Wäldern, möglicherweise sind isoliert lebende, als Mashco bezeichnete Gruppen (Isolados) in Peru die letzten freien Wachiperi. Eine Gruppe ist auf der Flucht vor illegalem Holzeinschlag, Öl- und Gasprospektion bis nach Brasilien geflohen.

Die bekannteste Wachiperi ist übrigens Q'Orianka Kilcher, eine Schauspielerin, die im Film "The New World" die Rolle der Pocahontas spielte und 1990 in Deutschland geboren wurde. Ihr Vater ist Wachiperi-Quetschua, die Familie der Mutter kommt aus der Schweiz, die Großmutter ist Ende der 1930iger Jahre nach Alaska ausgewandert.

Weitere Stücke der Wachiperi in Berlin und St. Gallen?

Aus dieser Zuordnung des Feder-Hutes kann nicht automatisch auf die gleiche Herkunft des anderen Federschmuckes der Sammlung Centeno oder Zollikofer geschlossen werden. In Berlin ist möglicherweise noch der Kopfschmuck VA08857 und VA08859 von den Wachiperi, in St. Gallen die Feder-Krone D170. Unklar ist, ob auch VA08860, die "Federschürze (für die Brust)", von den Wachiperi sein kann, ein möglicher Beleg könnte die spezielle Textiltechnik des Basis-Bandes sein. Lediglich das Berliner Stück VA08858, die Schnur mit gelben Federgehängen ist durch Vergleichsstücke regional eindeutig bestimmbar. Die Campa (Ashaninka) und die Matsigenka stellten derartige Stücke her.

Von den vier weiteren Berliner Stücken ist also vorläufig nur eines eindeutig zuordenbar.

Machu Picchu

Es ist bekannt, dass das Buch von Göhring eine Landkarte von 1874 enthält, die Machu Picchu 37 Jahre vor der offiziellen Entdeckung durch den US-Amerikaner Hiram Bingham zeigt. Göhring erwähnt außerdem in Bezug auf die Festung "...Ollantaytambo ... cercanas forlalezas de Chuqillusca, Torontoy o Picchu ..." S.106

Bingham war 1911 verwundert, wie wenig Antiquitäten vorhanden waren, nach seiner Meinung war die Inkastadt ausgeplündert worden. Verschiedentlich wird die Frage gestellt, z.B. von Paolo Greer ud Carlos Carcelen, wo die Stücke heute sein könnten. Nimmt man das von mir nachgewiesene Federschmuck-Beziehungsgeflecht um Göhring, dann ist bis 1874 sicher einiges in der Sammlung der Ana Maria Centeno gelandet. Außerdem war wohl Zollikofer selbst Abnehmer, möglicherweise Reinecke, sowie weitere Europäer in Arequipa. Eine genaue Prüfung der Bestände in Berlin, Braunschweig, St. Gallen könnte hier weitere Ergebnisse bringen. Das Museum St. Gallen ist dabei die Zollikofer Sammlung Peruanischer Altertümer aufzuarbeiten. Zollikofer erwähnt außerdem: "In Privathänden befinden sich in Cuzco noch zwei Sammlungen von gleicher Bedeutung, wovon ich Kataloge und Photographien besitze." (Zollikofer 1895, S.17) Diese Unterlagen sind (bisher) nicht im Nachlass gefunden worden.

Fazit

Meine damals gestellten Fragen bzw. Behauptungen können wie folgt beantwortet bzw. korrigiert werden:

  • "Es ist bisher nirgends erwähnt, aber auch die drei St. Galler Stücke sind wohl ehemals in der Sammlung Centeno gewesen."
    Hier war ich vorschnell, dafür gibt es keinen Beleg.
  • "Ist auch das Braunschweiger Stück aus dieser Quelle?"
    Da gibt es keinen Hinweis. Ich gehe aber momentan eher von einem Erwerb von Zollikofer aus.
  • "Was verbindet drei Personen? (Centeno-Zollikofer-Reinecke.)"
    Der Verkauf der Sammlung Centeno nach Berlin.
  • "Und aus welcher Region kommt das Stück?"
    Aus dem Tal von Paucartambo, von den Wachiperi, die damals im Gebiet von Cisnapata lebten.

Vielen Dank an:

  • die Direktoren der Museen Berlin (Viola König) und St. Gallen (Daniel Studer) für die Unterstützung
  • Achim Schäfer, Sammlungsleiter HMSG St. Gallen
  • Andrea Kessler, ehemals Kuratorin HMSG St. Gallen, die einen großen Teil des Zollikofer-Material geordnet hat
  • Evelin Haase, Kuratorin Braunschweig
  • Anja Zenner, Archivarin Ethnologisches Museum Berlin

Text: Andreas Schlothauer
Fotos: Andreas Schlothauer (Abb. 02-07, 11)

Literatur

  • ACTA BETREFFEND DIE ERWERBUNG DER SAMMLUNG CENTENO IN CUZCO ...VOL. 1 VOM 17. DEZEMBER 1874 BIS ENDE MÄRZ 1889. ARCHIV ETHNOLOGISCHES MUSEUM BERLIN
  • AKTEN ZU ZOLLIKOFER. ARCHIV DES HISTORISCHEN MUSEUMS ST. GALLEN.
  • ANDEREGG, SABINA 1985: DIE PERU-SAMMLUG VON KONSUL ZOLLIKOFER IM VKM ST. GALLEN,
  • CENTENO, MARIA ANA: CATALOGO DEL MUSEO DE LA SENORA CENTENO CUZCO. LIMA, 1876
  • GÖHRING, HERMANN: INFORME AL SUPREMO GOBIERNO DEL PERU SOBRE LA EXPEDICION A LOS VALLES DE PAUCARTAMBO EN 1873 AL MANDO DEL CORONEL D. BALTAZAR LA-TORRE, LIMA 1877
  • KESSLER, ANDREA: MUMIE INKA, UNVERÖFFENTLICHTES MANUSKRIPT, 2007?
  • MATTO DE TURNER, CLORINDA: BOCETOS AL LAPIZ DE AMERICANOS CELEBRES. TOMO PRIMERO, 1890
  • NYSTROM, JUAN GUILLERMO: INFORME AL SUPREMO GOBIERNO DEL PERU SOBRE UNA ESOEDICION AL INTERIOR DE LA REBULICA, LIMA, 1868
  • ZOLLIKOFER, OSCAR: AREQUIPA UND CUZCO. NOTIZEN ÜBER LAND UND LEUTE AUF GRUND EIGENER BEOBACHTUNGEN. MITTEILUNGEN DER OSTSCHWEIZERISCHEN GEOGRAPHISCH-COMMERCIELLEN GESELLSCHAFT, 1895

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

EIN KOPFSCHMUCK DER WACHIPERI ODER HUACHIPAERI - Was verbindet Oskar Zollikofer, Robert Reinecke, Hermann Göhring und Maria Centeno?; Dr. Andreas Schlothauer; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-04-2012/507-ein-kopfschmuck-der-wachiperi-oder-huachipaeri

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