Indigene Gesellschaften, die den Chaco bewohnen, lebten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehend vom Jagen, Fischen, Sammeln und besaßen autonome Formen der sozialen und politischen Organisation.2 Die ihnen eigenen Ausdrucks- und Gestaltungsformen standen in enger Beziehung zu den verschiedenen Funktionen der einzelnen Objekte in der Ökonomie, bei rituellen Anlässen und im Hinblick auf soziale und individuelle Differenzierung (Escobar [1982]2007:40-43; Susnik [1986]:1998:22).

Taschen wurden früher beispielsweise in verschiedenen Formen für den Transport von gesammelten Früchten, gejagtem Wild und Honig sowie des Hausrats hergestellt.

Wolldecken wurden als ponchos (Umhänge) gebraucht. Besonders schöne Stücke galten bei den Nivacle als Wertgegenstände, die gegen ein Pferd oder ein Gewehr getauscht werden konnten; sie stellten Statussymbole der Häuptlinge dar. Ornamentierte Kalebassen wurden zur Aufbewahrung von kleinen Gegenständen wie Federn oder Nadeln verwendet, geschnitzte Miniaturen von Tieren und Masken in Tierform als Glücksbringer für die Jagd, anthropomorphe Figuren aus Ton als Spielzeug, mit dem Mädchen sozialisiert wurden.

Kontinuität und Wandel der Ausdrucks- und Gestaltungsformen

Die Kolonisierung des Chaco im Laufe des 20. Jahrhunderts führte bei den indigenen Gesellschaften zu großen ökonomischen, politischen und sozialen Transformationsprozessen.

Ihre gewaltsame Inkorporation in die Nationalstaaten Paraguay, Argentinien und Bolivien zu Beginn des 20. Jahrhunderts resultierte in der Enteignung und Vertreibung aus ihren Territorien durch Armeen, Siedler und Unternehmen und bedeutete den Verlust der politischen Autonomie. Heute sind ihre Mitglieder mehrheitlich von der Lohnarbeit bei nicht-indigenen Patrones abhängig sowie vom Markt, für den sie als Kleinbauern landwirtschaftliche Nischenprodukte anbauen. Ihre Lebensbedingungen sind prekär, und ihr Alltag wird von Gewalt, Diskriminierung und Exklusion geprägt.3

Indigene im Chaco sind einem großen Anpassungsdruck ausgesetzt, der sie zur Aufgabe ihrer eigenen Kosmologien und Lebensweisen bzw. zu den Werten und Vorstellungen der kolonisierenden Gesellschaft drängt. Dieser Anpassungsdruck wird insbesondere durch die Evangelisierung seitens verschiedener Missionsgesellschaften ausgeübt, die indigene Kosmologien, Praktiken und Ausdrucksformen als "heidnisch" klassifizieren sowie als "Teufelswerk" und "Sünde" verurteilen.4

Trotz der mehrheitlichen Konversion der indigenen Bevölkerung zum Christentum (in katholischer oder evangelikaler Form) haben Missionare die eigenständigen Formen der Imagination, Figuration und Repräsentation nicht auslöschen können. Indigene Künstler/ innen entfalten ihre Kreativität bis heute in lebendiger Weise und überraschend unabhängig von der kolonialen Ikonographie. Sie berufen sich in ihrem Schaffen einerseits auf die überlieferten Formen der Imagination, andererseits haben sie eigene Stile entwickelt, betreten sie neue Wege.

Spezifische Gestaltungsformen aus dem Chaco, die kulturelle Kontinuität und Kreativität zum Ausdruck bringen, zeigen beispielsweise die Textilien (aus Bromelienfaser und aus Wolle), die in einer Vielfalt von traditionellen Techniken hergestellt werden5, die Miniaturen (aus Holz und Ton), die Zeichnungen und der Federschmuck.6 Die Formen ihrer Figuration und Repräsentation variieren innerhalb der verschiedenen Sprachgruppen.7 Größere Unterschiede beispielsweise hinsichtlich der Designs der Textilien aus Bromelienfaser sind vor allem zwischen dem westlichen und dem östlichen Chaco zu beobachten.

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Fotogalerie Formen der Imagination und Darstellung im Chaco

Kunst und Kontext 2/2012. Seiten 55-57. Fotos: Ursula Regehr. Fotos: Derek Li Wan Po. 2011 © Museum der Kulturen Basel (Abb. 01, 02). Fotos: Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción (Abb. 03-13).

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Abb. 01: Chamacoco Bolivien,Tasche 65x60 cm, Bromelienfaser, Emil Hassler, 1885-87 (BS-IVc956)

Foto by Derek Li Wan Po. 2011 © Museum der Kulturen Basel

Abb. 02: Chamacoco Paraguay,Tasche 60 x 50 cm, Emil Hassler, 1885-87 (BS-IVc971)

Foto by Derek Li Wan Po. 2011 © Museum der Kulturen Basel

Abb. 03: Kaktusfeige, Gladys Ijinai, Campo Alegre

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 04: Kaktusfeige, She’e’e, Campo Alegre

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 05: Jaguarspur, Siovsa Felicia Segundo de Valeriano, Campo Alegre

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 06: Jaguarspur, Catalina Peralta, Laguna Verde

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 07: Rücken des Rehkitz, Nujna Chiqueñoro, Ebetogue

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 08: Rücken des Rehkitz, Erengue, Ebetogue

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 09: Clanzeichen, Arore Picanere, Chaidi

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 10: Clanzeichen, Cojna Posiñoro, Ebetogue

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb.11: Zeichnung, Esteban Klassen, Yiclôcat

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb.12: Zeichnung, Clemente Julio, Campo Alegre

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Abb. 13: Gewebte Decke aus Wolle mit figürlichem Muster, Evelina Luciano, Campo Alegre

Foto by Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción

Figuration und Motive

Die Werke zeigen eine große Kontinuität hinsichtlich der Techniken, der Formensprache sowie der Motive und Muster.

Der ihnen eigene Stil zeichnet sich durch graphische Elemente und streng formalisierte, geometrische Darstellungen aus. Die Umrisslinien der Motive – in den Textilien sowie in den Zeichnungen – sind sehr klar und ergeben meist "flache" Bilder (zweidimensionaler Stil, ohne und mit Hintergrund). Durch die dynamische und rhythmische Anordnung der Elemente erzeugen sie einen lebendigen und bewegten Eindruck.

Die Designs der Textilien lassen sich einerseits in abstrakte geometrische Muster und andererseits in figürliche Darstellungen von Tieren und Pflanzen unterteilen. Als Quelle der Inspiration für die Motive und Muster dient vor allem die unmittelbare Umwelt.

Die – abstrakt erscheinenden - Muster der Textilien aus Bromelienfaser (in der Form von Taschen) repräsentieren in der Vorstellung der Nivacle- und Ayoreodefrauen besonders prägnante und ästhetische Muster von Tierhäuten, Fellen und Schuppen: Beispielsweise von verschiedenen Schlangenarten wie der Klapperschlange (ôclônilh; achinguiane) und der Anakonda (yiclatanilh) etc., von Raubkatzen wie dem Jaguar (yiyôôj t'ojeche) und der Wildkatze (shclocjanilh), des Rückens vom Rehkitz (eamoonie), von Fischen (shinvo'tô'taiche und so'qu'iquivai) und vielen anderen Tierarten. Auch Pflanzenstrukturen, beispielsweise das Innere der Kaktusfeige der Königin der Nacht (sôtônilh), inspirieren zur Darstellung als Muster.

In die Textilien aus Wolle (in der Form von ponchos, Umhängen, Decken) werden ebenfalls abstrakte zoomorphe Muster gewebt: Beispielsweise "die Spur des Jaguars" (yiyôôj lhaishivo), das Muster des Schildkrötenpanzers (chat'avai) oder anderer Tierarten; oder auch Strukturen von Samen (tôsjeychec'oya), beispielsweise des Algarrobo-Baumes (faaytôsjenilh) oder des Chañar (cumaclutôsjenilh).

Rein geometrische Darstellungen auf den Decken aus Wolle spielen mit graphischen Elementen,8 ihrer symmetrischen bzw. asymmetrischen Anordnung, ihrer Spiegelung und der Wiedergabe in positiv/ negativ und dem Kontrast hell/dunkel (vor allem in schwarz- oder braun-weißen sowie rot-schwarz-weißen Farbkombinationen).

Figürliche Repräsentationen auf den Textilien aus Wolle der Nivacle - insbesondere Darstellungen von Pferden, Hirschen, Lamas und Tieren - scheinen hingegen jüngeren Datums zu sein und lassen sich eventuell auf den Kontakt und Austausch mit Gruppen aus dem andinen Raum in den argentinischen Zuckerfabriken im 19. Jahrhundert zurückführen (Escobar [1982] 2007:96-97).

Weitere Repräsentationen von Tieren - beispielsweise als aus Holz geschnitzte Miniaturen, als Masken und in Zeichnungen - charakterisieren sich durch einen großen Abstraktionsgrad und eine Stilisierung, die auf die großen Formlinien reduziert ist. Zugleich bleibt sie jedoch sehr konkret und typisch: Die Charakterzüge des einzelnen Tieres sind scharf beobachtet, unmittelbar und unverkennbar in der Darstellung.

Die Technik des Zeichnens ist nicht neu im Chaco. Sie spielte ehemals als Körperbemalung und -tätowierung, zur Verzierung von Leder, das als Kleidung und Bestandteil der Zelte verarbeitet wurde, sowie zur Dekoration von Kalebassen mit Ritzzeichnungen und bei der Bemalung von Keramik eine bedeutende Rolle. Heute wird auf neuen Materialien wie beispielsweise Papier, Holz und Leinwand gezeichnet und gemalt. An die Stelle von vorwiegend geometrischen Mustern sind als Motive Szenen aus dem kollektiven Leben sowie anthropomorphe Darstellungen getreten, die von der Vergangenheit und der Gegenwart, von der Lohnarbeit und Freizeit, vom Jagen und Sammeln, aus dem Alltag und von Festen erzählen, sowie Repräsentationen aus Mythen, von Tieren und von der Chaco-Landschaft.

Die bildnerischen Repräsentationen stehen in enger Beziehung zu anderen Ausdrucksformen, beispielsweise dem Erzählen von Mythen, Geschichten und Erinnerungen, sowie Gesängen, Tänzen und Ritualen (vgl. Escobar [1982]2007:45).

Eine "animierte" Welt als Quelle der Inspiration

Die Tiere - zentrales Motiv der bildnerischen Gestaltung im Chaco - lassen sich in der Ökonomie des Jagens und Sammelns verorten, wie ihre Bezeichnung als "yaquisites" (Jagdwild- oder beute) in der Nivaclesprache oder die Assoziation der Masken mit der Jagd und dem Jagdglück bei den westlichen Guaraní belegen. Darüber hinaus verweisen die Repräsentationen von Tieren jedoch auch auf ihre Faszination und Bedeutung in der Imagination und in der Mythologie indigener Gruppen im Chaco, deren Grundlage sogenannte "animistische" Ontologien bilden. Diese beruhen Descola (2011[2005]:197) zufolge auf der Annahme, "dass Menschen einigen Nichtmenschen eine mit der ihrigen identische Interiorität zuerkennen. Diese Disposition vermenschlicht die Pflanzen und vor allem die Tiere, da die Seele, mit der sie versehen sind, ihnen nicht nur erlaubt, sich gemäß den sozialen Normen und ethischen Vorschriften zu verhalten, sondern auch mit letzteren sowie untereinander Kommunikationsbeziehungen herzustellen. […]

Allerdings ist die Vermenschlichung nicht vollständig, denn in den animistischen Systemen unterscheidet sich diese Art verkleideter Menschen, wie sie die Pflanzen und Tiere darstellen, von den Menschen durch ihr Gewand aus Federn, Fell, Schuppen oder Rinde, anders gesagt: durch ihre Physikalität. Wie Viveiros de Castro es für Amazonien anmerkt, unterscheiden sich Menschen und Nichtmenschen nicht durch ihre Seele voneinander, sondern durch ihren Körper."

In den Darstellungen von Tieren in Bildern und Mythen im Chaco kommt entsprechend die Einheit des Seienden und die Ähnlichkeit bzw. die identische Interiorität mit den Menschen zum Ausdruck; sie erinnern an die gefühlte Sympathie, Verbundenheit und Verwandtschaft zwischen Menschen und Tieren.

Zugleich bilden Akte der Verwandlung und die Diskontinuität der Körper ein zentrales Thema: Viele Mythen und Geschichten erzählen aus einer Zeit, in der die Tiere Menschen waren, sowie von Episoden, in denen diese sich verwandeln und ihre definitive Form bzw. den Körper einer bestimmten Tierart annehmen.9 Beispielsweise wird eine nicht geschätzte Schwägerin von ihrem Schwager durch die Vermischung des Honigs mit Schlangeneiern in die Anakonda verwandelt, oder ein durstiger Bruder verwandelt sich in den Storch, weil seine Schwester ihm während der Honigsuche nicht zu trinken geben wollte, oder ein unersättlicher Ehemann wird in das Wildschwein transformiert, etc.

Diese Fähigkeit zur Metamorphose wird nicht nur in den Mythen par excellence dargestellt, sondern sie kommt auch in schamanischen Vorstellungen und Praktiken zum Ausdruck.

Die Diskontinuität der Körper und die Abweichungen des Äußeren spielen auch hinsichtlich der sozialen Differenzierung – der Abgrenzung und Unterscheidung benachbarter Gruppen – eine zentrale Rolle. Sie kommt insbesondere durch das Tragen von charakteristischem Schmuck, der aus Federn, Zähnen, Bälgen, Klauen, Haarbüscheln oder Muscheln gefertigt ist, sowie durch die Körperbemalung zum Ausdruck. Die ästhetische Praxis der Körperbemalung wurde im Chaco bereits durch die Übernahme westlicher Kleidung ersetzt. Auch Federschmuck wird kaum noch getragen und auch nur noch von wenigen Spezialisten der Ayoreode hergestellt, da er nicht nur als Statussymbol von Führern und Schamanen galt, sondern auch tiefe rituelle und zeremonielle Bedeutungen verkörperte und mit der Macht zum Töten assoziiert wurde.

Den Künstlerinnen und Künstlern aus dem Chaco, die ihre Werke heute mehrheitlich nicht mehr für den eigenen Gebrauch, sondern für den Markt produzieren, gelingt es trotzdem, sowohl die Autonomie ihrer kreativen Praxis als auch eine eigene Ästhetik zu bewahren. Ihre Darstellungs- und Gestaltungsformen zeigen, wie sie die Umwelt wahrnehmen, sehen, bewohnen und die Beziehungen zu ihr konzeptualisieren.

(ENDNOTES)

1
URSULA REGEHR IST DOKTORANDIN AM INSTITUT FÜR SOZIALANTHROPOLOGIE DER UNIVERSITÄT BERN. SIE UNTERSUCHT PROZESSE DER KOLONISIERUNG UND NATIONALSTAATENBILDUNG SOWIE INTERDEPENDENTE DIMENSIONEN SOZIALER UNGLEICHHEIT UND SOZIALE BEWEGUNGEN IN LATEINAMERIKA. IM RAHMEN DER 200-JAHR-FEIER DES PARAGUAYISCHEN NATIONALSTAATES KURATIERTE SIE 2011 GEMEINSAM MIT VERENA REGEHR UND INDIGENEN KÜNSTLER/INNEN DIE IN ASUNCIÓN UND IM CHACO REALISIERTE AUSSTELLUNG "SIMETRÍA/ ASIMETRÍA: IMAGINACIÓN Y ARTE EN EL CHACO."

2
DER CHACO LIEGT IM INNEREN SÜDAMERIKAS UND WIRD ALS GEOGRAPHISCHE REGION DURCH EINE SEMI-ARIDE TIEFEBENE GEBILDET, DIE CA. 1.000.000 KM2 UMFASST

3
LAUT DEM NATIONALEN ZENSUS 2002 LIEGT DER ANTEIL DER INDIGENEN BEVÖLKERUNG BEI 1.7% (BZW. 89.169 PERSONEN) DER GESAMTBEVÖLKERUNG PARAGUAYS UND IM CHACO BEI 22-23% DER BEVÖLKERUNG. INOFFIZIELLEN ZÄHLUNGEN VON NGO'S ZUFOLGE LIEGT DER ANTEIL DER INDIGENEN BEVÖLKERUNG IM INNEREN DES CHACO JEDOCH BEI ÜBER 50%.

4
MARCOS MORENO (IN: VERENA REGEHR 1987: CRIARSE EN UNA COMUNIDAD NIVACLE. SUPLEMENTO ANTROPOLÓGICO, VOL. XXII, Nº1:180; ÜBERSETZUNG URSULA REGEHR): "UNSEREN ELTERN, DIE ZUM ERSTEN MAL DAS WORT GOTTES HÖRTEN, ERLAUBTEN SIE [DIE MISSIONARE] WEDER, WIE GEWOHNT ZU PFLANZEN, NOCH WILDE FRÜCHTE ZU SUCHEN ODER ZU ESSEN ODER WILDE TIERE ZU JAGEN, AUCH NICHT DECKEN UND TASCHEN HERZUSTELLEN [...], DAMIT SIE WÜRDEN WIE DIE SAMTO (WEISSEN). SIE SAGTEN UNS, DASS WIR NICHT MEHR AN FRÜHER DENKEN SOLLTEN UND DASS ES EINE SÜNDE SEI, DINGE UNSERES VERGANGENEN LEBENS ZU SUCHEN. WIR SOLLTEN NUR NOCH ARBEITEN, UM UNSER ESSEN ZU VERDIENEN. ALS CHRIST MÜSSE MAN EIN NEUES LEBEN BEGINNEN. WIR MÜSSTEN DIE KLEIDER WECHSELN UND NICHT SCHLECHT GEKLEIDET GEHEN. DER CHRIST MÜSSE ZEIGEN, DASS ER SICH GUT ZU KLEIDEN WEISS."

5
AUSSERHALB DER ANDINEN REGIONEN GILT DER CHACO IN SÜDAMERIKA ALS GEBIET MIT DER REICHSTEN TRADITION IN DER HERSTELLUNG VON MASCHENSTOFFEN. DIESE UMFASST EINE VIELZAHL VON TECHNIKEN WIE BEISPIELSWEISE DAS EINHÄNGEN, VERSCHLINGEN, VERKNOTEN, STRICKEN, ZWIRNBINDEN, HALBWEBEN UND WEBEN SOWIE EINE REIHE VON KOMPLEXEN RANDABSCHLÜSSEN. SIEHE ANNEMARIE SEILER-BALDINGER 1991: SYSTEMATIK DER TEXTILEN TECHNIKEN. BASLER BEITRÄGE ZUR ETHNOLOGIE, BAND 32. ETHNOLOGISCHES SEMINAR DER UNIVERSITÄT UND MUSEUM FÜR VÖLKERKUNDE: BASEL.

6
DIE ABGEBILDETEN OBJEKTE BEFINDEN SICH IN DER SAMMLUNG DER ETHNOLOGIN VERENA REGEHR, DIE SEIT 1966 IM CHACO LEBT UND MIT INDIGENEN GEMEINSCHAFTEN ZUR LANDSICHERUNG SOWIE ZUR VERMARKTUNG VON KUNSTHANDWERK ZUSAMMENARBEITET.

7
DIE INDIGENE BEVÖLKERUNG DES CHACO WIRD IN FÜNF SPRACHFAMILIEN KLASSIFIZIERT, DIE HEUTE VERSCHIEDENE ETHNISCHE GRUPPEN UMFASSEN: DIE MATACO-MATAGUAYO (MAKÁ, NIVACLE, LUMNANA), DIE MASKOY (ENLHET NORTE, ENXET SUR, ANGAITÉ, SANAPANÁ, TOBA MASKOY), DIE GUAICURÚ (TOBA QOM), DIE ZAMUCO (AYOREODE, YSHIR) UND DIE WESTLICHEN GUARANÍ.

8
NIVACLE-WEBERINNEN BEZEICHNEN DIESE BEISPIELSWEISE ALS VANIS'CH'E (STREIFEN), VANIS'CH'E VANIS'CH'E (GESTREIFT), CHAMA (KREIS), VÔMJIC'OYA (LEERE MITTE), CUSA (GEFALTET, GEDREHT), CUSA'COYA (GEKRÜMMT, GESCHWUNGEN), COI'COI'CH'E (GESCHLÄNGELT), T'APECLESHÔC'JI (LINIEN, DIE KOMMEN UND GEHEN), T'AIYVANE (ZUSAMMEN, ZUSAMMENFÜHREN), T'ACOI'VA'NE (GEGENÜBER, RÜCKSEITIG ANGELEHNT), NAVANY (HAKENFÖRMIG), UND NI NATCUYCHE C'OYA (STILLSTEHEND, BEWEGUNGSLOS) ETC.

9
EIN KLASSISCHER ZUG ANIMISTISCHER ONTOLOGIEN IST LAUT DESCOLA (2011[2005]:206) "DIE FÄHIGKEIT ZUR METAMORPHOSE, DIE DEN EINE IDENTISCHE INTERIORITÄT BESITZENDEN WESEN ZUERKANNT WIRD: EIN MENSCH KANN SICH IN EINEM TIER ODER EINER PFLANZE VERKÖRPERN, EIN TIER DIE FORM EINES ANDEREN TIERS ANNEHMEN, EINE PFLANZE ODER EIN TIER IHR GEWAND ABLEGEN, UM IHRE IN EINEM MENSCHENKÖRPER OBJEKTIVIERTE SEELE ZU ENTBLÖSSEN."

LITERATUR

  • DESCOLA, PHILIPPE 2011[2005]: JENSEITS VON NATUR UND KULTUR. AUS DEM FRANZÖSISCHEN VON EVA MOLDENHAUER. MIT EINEM NACHWORT VON MICHAEL KAUPPERT. BERLIN: SURKAMP VERLAG.
  • ESCOBAR, TICIO 2007 [1982]: UNA INTERPRETACIÓN DE LAS ARTES VISUALES DEL PARAGUAY. ASUNCIÓN: SERVILIBRO EDITORIAL.
  • REGEHR, VERENA Y REGEHR URSULA (COMP.) 2011: SIMETRÍA/ASIMETRÍA: IMAGINACIÓN Y ARTE EN EL CHACO. CON FOTOGRAFÍAS DE FERNANDO ALLEN. EXPOSICIÓN DE ARTE Y CATÁLOGO APOYADOS POR LA SECRETARÍA NACIONAL DE CULTURA, POR LA AGENCIA SUIZA PARA EL DESARROLLO Y LA COOPERACIÓN (COSUDE) MEDIANTE LA EMBAJADA DE SUIZA EN ASUNCIÓN Y POR BANCO ITAÚ. ASUNCIÓN: AGR SERVICIOS GRÁFICOS S.A.
  • SUSNIK, BRANISLAVA 1998 [1986]: ARTESANÍA INDÍGENA - ENSAYO ANALÍTICO. ASOCIACIÓN INDIGENISTA DEL PARAGUAY. ASUNCIÓN.

Text und Fotos: Ursula Regehr:
Fotos: Derek Li Wan Po. 2011 © Museum der Kulturen Basel (Abb. 01, 02)
Fotos: Fernando Allen. 2011 © FotoSíntesis Asunción (Abb. 03-13)1

Vielen Dank an Ursula Regehr.

Autor
Ursula Regehr
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

FORMEN DER IMAGINATION UND DARSTELLUNG IM CHACO; Ursula Regehr; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-04-2012/508-formen-der-imagination-und-darstellung-im-chaco

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