In der Kunst&Kontext 03/2012 hatte ich zwei große Figuren aus Holz vorgestellt, die von den im Nordosten Ghanas und im Norden Togos lebenden Mamprusi stammen sollen. Das Problem: Dieses Volk ist bislang nicht als Schnitzer von Skulpturen in Erscheinung getreten, wenngleich andere Formen ihrer materiellen Kultur dokumentiert sind, wie beispielsweise eine Kopfbedeckung, an der sich Gris-Gris befinden (Abb. 01).

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Fotogalerie Neues über Figuren der Mamprusi

Kunst und Kontext 2/2012. Seiten 58-59. Fotos:
Abb. 01 und Abb.08: Ingo Barlovic
Abb. 02 und Abb. 03: Thomas Keller
Abb. 04: Moba, H.135 cm, collected by Christian Duponcheel before 1970; 19/20th C; publiziert Met NY 2000 LaGamma p.63.no.39 sowie “The Power of Form 2002”, p.76 no.22., Sammlung Wally und Udo Horstmann
Abb. 05, Abb. 06, Abb. 07: Klaus-Jochen Krüger
Abb. 09: Sammlung Wally und Udo Horstmann, publiziert in „5000 Jahre – Afrika Ägypten – Afrika“, S. 60

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Abb. 01: Kopfbedeckung Mamprusi

Foto by Ingo Barlovic

Abb. 02: „Mamprusi“ H 180cm

Foto by Thomas Keller

Abb. 03: „Mamprusi“ Detail

Foto by Thomas Keller

Abb. 04: Moba, H 135cm; collected by Christian Duponcheel before 1970; 19/20th C

Foto by: publiziert Met NY 2000 LaGamma p.63.no.39 sowie "The Power of Form 2002", p.76 no.22., Sammlung Wally und Udo Horstmann

Abb. 05: Wahrsagerfigur der Mamprusi

Foto by Klaus-Jochen Krüger

Abb. 06: Wahrsagerfiguren der Mamprusi

Foto by Klaus-Jochen Krüger

Abb. 07: Wahrsagerfiguren der Mamprusi

Foto by Klaus-Jochen Krüger

Abb. 08: Moba, H 110cm

Foto by Ingo Barlovic

Abb. 09: Tchamba, H 125cm

Foto: Sammlung Wally und Udo Horstmann, publiziert in "5000 Jahre – Afrika Ägypten – Afrika", S. 60

Jetzt hat mir Thomas Keller Fotos einer ebenfalls den Mamprusi zugeschriebenen, 180 cm großen Skulptur zugeschickt (Abb. 02, Abb. 03), zu der er in einer E-Mail vom 1. Juli 2012 anmerkt: "Ich habe … etwas nachgeforscht - u.a. bin ich auch auf den Beitrag von Herrn Schlottner gestoßen. Dieser zeigt auf, wie auch andere Quellen, dass diese Gebiete betreffend Besiedlung äußerst inhomogen sind und eine spezifische Zuordnung von Objekten deshalb - nach meiner Ansicht - nicht möglich ist. Zudem weiß man nie, wo etwas genau herkommt. Die Objekte werden ja von sog. ''Rabatteuren'' gesammelt, die die Beziehungen zu den Dörfern haben. Es versteht sich von selbst, dass sie kein Interesse haben zu sagen, wo genau sie die Objekte herhaben und damit ihre Quellen offenlegen … Ich würde deshalb nie ein Objekt einem Volk zuordnen, sondern nur der Region, in der es gesammelt wurde – bei den gezeigten Objekten also nicht ''Mamprusi'', sondern ''gesammelt im Mamprusi-Gebiet''.

Die Zuordnung zu den Mamprusi wird durch einen weiteren Aspekt erschwert: In dem Beitrag in der letzten Kunst&Kontext gab es ein Bild einer Figur aus dem Buch Togo-Erinnerungen aus dem Jahre 1939 mit dem Untertitel "Fetischgerät in Kpatua-Mamprusi". Thomas Keller und Udo Horstmann haben mich nun darauf hingewiesen, dass dieses Foto einer Moba-ähnlichen Skulptur mit Gesicht wohl kein früher Beleg für eine Skulptur der Mamprusi sei: Zum einen spreche die originale Bildunterschrift des bereits 1911 veröffentlichten Fotos von einer Figur der Bimoba. Und zum anderen gebe es durchaus auch Moba-Skulpturen mit Gesicht. Als Beispiel sandte mir Udo Horstmann das Foto aus seiner Sammlung (Abb. 04). Außerdem ist Klaus-Jochen Krüger im Besitz kleinerer Figuren, die einem Wahrsager der Mamprusi gehörten (Abb. 05, Abb. 06, Abb. 07), sich aber deutlich von den großen Figuren unterscheiden. Wurden sie eventuell von Schnitzern anderer Völker angefertigt und übernommen?

Damit bleibt ein Fragezeichen: Nach wie vor gibt es keinen aus der Zeit vor 2010 stammenden Hinweis auf die Existenz großer Holzskulpturen der Mamprusi. Andererseits erscheint dieser Schnitzstil sehr eigenständig, deutlich ‚anders' als der der Moba (als Beispiel eine im Kunsthandel neu erworbene 110 cm große Figur der Moba, Abb. 08) oder der von Nachbarvölkern wie den Tchamba, von denen die eindrucksvolle Skulptur aus der Sammlung von Horstmann stammt (Abb. 09).

Wer hat also die den Mamprusi zugeschriebenen großen Skulpturen tatsächlich hergestellt und/oder verwendet? Wurden sie vielleicht doch von Künstlern dieses Volkes geschnitzt?

Text: Ingo Barlovic

Vielen Dank an Udo Horstmann, Prof. Thomas Keller und Dr. Klaus- Jochen Krüger für ihr Feedback!

Fotos

  • Abb. 01 und Abb.08: Ingo Barlovic
  • Abb. 02 und Abb. 03: Thomas Keller
  • Abb. 04: Moba, H.135 cm, collected by Christian Duponcheel before 1970; 19/20th C; publiziert Met NY 2000 LaGamma p.63.no.39 sowie "The Power of Form 2002", p.76 no.22., Sammlung Wally und Udo Horstmann
  • Abb. 05, Abb. 06, Abb. 07: Klaus-Jochen Krüger
  • Abb. 09: Sammlung Wally und Udo Horstmann, publiziert in "5000 Jahre – Afrika Ägypten – Afrika", S. 60

Vielen Dank an Ingo Barlovic.

Autor
Ingo Barlovic
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

NEUES ÜBER FIGUREN DER MAMPRUSI; Ingo Barlovic; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-04-2012/509-neues-ueber-figuren-der-mamprusi

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