In diesem Artikel sind sieben Burgdorfer Stücke abgebildet, von denen drei auf dem Titelbild von Kunst&Kontext 03 zu sehen waren. Nur bei zweien sind die ursprünglichen Sammlungsangaben nicht verloren gegangen, siehe die Sammlungsangaben bei den Abbildungen. In der nächsten Ausgabe mehr Informationen zur Rekonstruktion der Sammlungsgeschichte dieser besonderen Stücke und (hoffentlich) bessere Fotos.

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Fotogalerie BURGDORF LEBT!

Kunst und Kontext 2/2012 (Ausgabe 04). Seiten 80-81. Fotos: Andreas Schlothauer

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Abb. 01: Neu-Irland, uli-Figur, 1923 (12033)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 02: Neu-Irland, uli-Figur, 1923 (12033)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 03: Papua-Golf, Holz-Schild, Henri Schiffmann, 1904 (97)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 04: Elfenbeinküste, Hermann Frikart aus Dabou, 1921 (1432)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 05: Schale (12072)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 06: Salomonen, Holz-Figur (12198)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 07: Holz-Maske (84/12)

Foto by Andreas Schlothauer

Abb. 08: Holz-Figur (84/9 und 158)

Foto by Andreas Schlothauer

Es freut mich, dass wir in dieser Kunst&Kontext-Ausgabe die Stellungnahme des Trägervereins des Völkerkundemuseums Burgdorf zum Artikel "Burgdorf - Weltkurerbe mit Schwundsucht" (Kunst&Kontext 02/2011) veröffentlichen können.

Der Artikel wäre sicher ohne jede Wirkung geblieben, hätte nicht die Schweizer Tageszeitung "Der Bund" meine Recherche durch eigene Berichterstattung im Oktober 2011 bestätigt. (Ich hatte die damalige Kunst&Kontext-Ausgabe den drei Schweizer Zeitungen "Der Bund", "Berner Zeitung" und "D'Region" zugeschickt)

Der Trägerverein sah sich "an den Pranger gestellt", obwohl er mit keinem Wort dorthin positioniert worden war. Auf der Suche nach Schuldigen versuchte man es mit den beiden Direktorinnen und übersah dabei, dass genau diese seit Jahren immer wieder auf die Missstände im Depot hingewiesen, ja einmal sogar deswegen ihren Rücktritt angekündigt hatten. In meinem Beitrag habe ich bewusst Schuldzuweisungen vermieden und außerdem ein konkretes Modell zur Lösung vorgeschlagen. Das wurde übrigens mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn diskutiert. Noch immer bin ich der Meinung, dass die Verlagerung der Depot-Bestände von Burgdorf nach St. Gallen oder in ein zu etablierendes, zentrales Schweizer Depot als Dauerleihgabe die ökonomischste und angemessenste Lösung wäre.

Wie ungenau doch derjenige liest, den möglicherweise ein schlechtes Gewissen drückt! Zwar habe ich den Trägerverein und die Bürgergemeinde Burgdorf als die Verantwortlichen benannt, sie jedoch in keiner Weise als die Schuldigen herausgestellt. Denn zu kritisieren ist das öffentliche Desinteresse von Bürgern, Politikern und Medien. Die Kritik gilt vor allem dem Bürger, einzeln und als Masse, der seine Volksvertreter (Politiker) nicht zu verpflichten weiß. Gerade das aus deutscher Sicht basisdemokratische Land Schweiz mit den vielen Möglichkeiten des Engagements bietet den Bürgern direkten Einfluss darauf, dass die Finanzen in Fragen des Weltkulturerbe-Erhaltes kein Problem sein sollten. Ich kann es nur immer wieder schreiben, mit Gemälden z.B. von Picasso, Matisse, Nolde, Hodler, Gertsch wird nicht so umgegangen. Mit außereuropäischer Kunst schon? Auch Missachtung und Gleichgültigkeit können als Rassismus gedeutet werden. Es geht um das Weltkulturerbe dritter Länder, d.h. nicht der Schweiz, und deshalb handelt es sich bei den Museen sozusagen um Treuhänder, die sehr vielen Völkern und Ländern für den sachgemäßen Erhalt verantwortlich sind. Der Besitz verpflichtet in diesem Fall auf eine besondere Art.

Als Zeitschrift geht es uns darum, die Öffentlichkeit zu informieren und Interesse zu wecken. Wir arbeiten also an der öffentlichen Aufmerksamkeit für das, "was das Museum hinter den Kulissen zu leisten hat" und "leider kaum jemanden interessiert." Dass es immer etwas zu verbessern gibt, ist normal. Über Missstände und Fehlentwicklungen zu berichten ist Aufgabe einer Zeitschrift. Aber es mag durchaus als ungewöhnlich erscheinen, dass sich neuerdings Medien mit Museumsdepots und deren Erhalt befassen, eine neue Erfahrung für die Verantwortlichen.

Eine Einladung des Trägervereins zum Gespräch in Burgdorf am Donnerstag, dem 29. März 2012, nahm ich gern an. Wir waren uns darin einig, dass es ohne den Trägerverein die Sammlung längst nicht mehr in dieser Form in Burgdorf gäbe. Auch darüber, dass diese Art des Depots nicht gerade als angemessen betrachtet werden kann, herrschte Einigkeit, dass sich etwas verändern müsse, etc. Unterschiedliche Meinungen bestanden darüber, ob und wie die Missstände zu publizieren seien.

"Stellungnahme des Museums für Völkerkunde Burgdorf
Der in der Ausgabe Nr. 2/2011 von Kunst&Kontext erschienene Artikel von Herrn Schlothauer zum Zustand im Depot des Museums für Völkerkunde Burgdorf entspricht nicht den Tatsachen. Der Vorwurf, dass die Sammlung verdreckt und verwahrlost ist, ist schlicht falsch und eine Beleidigung für frühere und jetzige KuratorInnen. Die anklagenden Worte blenden insbesondere die Möglichkeiten, die dem ehrenamtlich geführten Verein zur Verfügung stehen, aus. Nur dank der Initiative des damaligen Grossrats Dr. Heinrich Barth konnte das Museum für Völkerkunde vor gut zehn Jahren mit der Gründung eines Trägervereins erhalten werden. Schon damals war den Verantwortlichen klar, dass die Aufbewahrung der Museumsstücke nicht optimal ist. Doch ohne die Initiative gäbe es heute kein Museum und keine Sammlung mehr in Burgdorf!

Nachdem sich die politisch Verantwortlichen für Themen fremder Ethnien bis vor einigen Jahren überhaupt nicht interessierten, hat sich das in den letzten Jahren geändert. Heute haben wir mit Elisabeth Zäch eine Stadtpräsidentin, die für unsere Anliegen ein offenes Ohr hat. Obschon die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten sehr beschränkt sind, gelang es in den letzten zwei Jahren – also schon bevor der Artikel von Andreas Schlothauer Staub aufwirbelte – einen neuen Depotstandort im ehemaligen Spital der Zivilschutzanlage Burgdorf zu finden. Der neue Standort entspricht weitestgehend den Vorgaben und internationalen Standards für die Aufbewahrung von Kulturgütern. Nun gilt es, den Umzug der 5'000 Objekte in Angriff zu nehmen!

Anlässlich eines Treffens am ‚Runden Tisch' mit Experten aus der Ethnologie und der Schweizer Museumsszene konnten wir im August 2012 in einem offenen Gespräch die anstehenden Probleme benennen und das konkrete weitere Vorgehen skizzieren."

Burgdorf, 15. September 2012
Trägerverein Museum für Völkerkunde Burgdorf

In liebenswerter Schweizer Höflichkeit diskutierten wir dann ab 09.39 Uhr auch über die möglicherweise aus der Berichterstattung resultierende Bestätigung und Verstärkung von typischen Vorurteilen gegenüber Deutschen. Mir ist es auch, ehrlich gesagt, äußerst peinlich, dass sich ausgerechnet ein deutscher Europäer öffentlich für die Wertschätzung von Weltkulturerbe in einem Schweizer Museumsdepot einsetzt. Wie gern wäre ich in dieser Sache selbst Schweizer im eigenen Lande!

Die Bezeichnung "verdreckt und verwahrlost" habe ich in meinem Artikel nicht verwendet, obwohl die im Juni 2011 von mir vorgefundenen sechs Kartons durchaus diese Worte verdient hätten. Die geschätzten einhundert, teilweise seltenen und wertvollen Objekte befinden sich auch heute noch in denselben Kartons, nunmehr allerdings gesichert in einer Glasvitrine. Weder wurde erfasst, welche Stücke es sind, noch wurde mit einer restauratorischen Sicherung begonnen. Sollte ich "Staub aufgewirbelt" haben, dann nur, weil welcher vorhanden war. Der weitere Verlauf wird unsere Leser interessieren, deshalb habe ich kürzlich nachgefragt, wer die Teilnehmer des "Runden Tisches" vom August 2012 waren, welche Probleme benannt und welches konkrete weitere Vorgehen skizziert wurde. Wir werden weiter berichten.

Ich denke, dass der Trägerverein auf meinen Beitrag auch anders hätte reagieren können. So zum Beispiel:

"Der dargestellte Zustand im Depot des Museums für Völkerkunde Burgdorf ist leider wahr. Seit Jahren weisen die beiden zuständigen Direktorinnen auf die nicht angemessene Lagerung der Sammlung hin. Wir haben als Trägerverein mehrmals in Sitzungen das Thema diskutiert und den politisch Verantwortlichen die dramatische Situation mitgeteilt. Dass es die Sammlung überhaupt noch in dieser Form gibt, ist allein den Aktiven des Trägervereins zu verdanken. Dieser Teil der Stadtgeschichte wäre sonst schon vor Jahrzehnten verloren gewesen. Aber wir können ohne den politischen Willen und das notwendige Budget den Erhalt der Sammlung nicht mehr gewährleisten. Die Bürger der Stadt Burgdorf, des Kantons Bern sowie der Schweiz mögen sich entscheiden, ob ihnen der Erhalt dieses außereuropäischen Weltkulturerbes und Teil der Schweizer Geschichte gleichgültig sein darf. Die benötigten Summen sind vergleichsweise gering und können rasch gemeinsam mit Experten ermittelt werden. Wir plädieren für das Verbringen der Burgdorfer Sammlung in ein zentrales Schweizer Depot, das alle außereuropäischen Sammlungen der kleinen und mittleren Museen aufnehmen sollte, deren Erhalt nach Prüfung durch die ICOM-Schweiz nicht sichergestellt ist."

Mit einer solchen Erklärung hätte sich der Trägerverein an die Spitze einer Schweizer Bewegung gesetzt, die sich derzeit noch still formiert. Denn der angemessene Erhalt von Sammlungsgegenständen ist nicht nur ein Burgdorfer und nicht nur ein Schweizer Problem.

Text und Fotos: Andreas Schlothauer

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

BURGDORF LEBT!; Dr. Andreas Schlothauer; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-04-2012/522-burgdorf-lebt

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