In Gesprächen mit Sammlern und Händlern bin ich häufig der Meinung begegnet, dass das Sammeln von Africana gleichzeitig eine gute Kapitalanlage darstelle. Dies ist ein Irrtum.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei afrikanischer Kunst um ein Teilgebiet des Bereichs der Antiquitäten handelt. Dies bedeutet, dass man im Regelfall seine Stücke bei einem Händler oder aber auf einer Auktion erwirbt. Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis ist aber bei allen Antiquitäten erheblich. Der Händler muss, schon im Hinblick auf die durchschnittlich sehr geringe Umschlaggeschwindigkeit der in seinem Bestand befindlichen Objekte, im Minimum eine Marge von 100 % haben. Das heißt, der Sammler erleidet im Augenblick des Erwerbs einen Wertverlust von mindestens 50 %. Wenig besser sieht es bei Auktionen aus, wo der Veräußerer und der Erwerber von dem Zuschlagpreis – grob vereinfacht – jeweils 20 % für Provision und Steuern in Abzug bringen bzw. als Aufschlag zahlen müssen. Am Beispiel: Vom Zuschlagpreis von 1.000 EUR gehen für den Veräußerer 200 EUR in Abzug, und der Erwerber muss zusätzlich 200 EUR auf den Tisch legen. Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis beträgt 400 EUR. Mithin tritt beim Erwerber ein Wertverlust von einem Drittel ein.

Auch wenn man es nicht glauben mag: Der Erwerb eines Objektes von einem Sammler zum Marktpreis hat ebenfalls einen Wertverlust zur Folge. Da die Weiterveräußerung an einen anderen Sammler eine wenig realistische, zumindest aber seltene Variante ist, verbleibt die Verauktionierung als praktikable Lösung mit der Konsequenz eines Wertverlusts von 20 %.

Hier wird einem nun zwangsläufig mit alten und neuen Auktionskatalogen entgegengewedelt, anhand derer – über Jahre und Jahrzehnte betrachtet – sich beeindruckende Wertsteigerungen nachweisen lassen. Dieser Nachweis ist zutreffend und gleichzeitig belanglos. Er betrifft im Wesentlichen hochpreisige und seltene Objekte der obersten Qualitätsstufe mit prominenter Provenienz. Bei den Africana mittlerer Qualität, die das Gros aller Sammlungen ausmachen, war in den letzten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts die Wertsteigerung so geringfügig, dass sie fast vernachlässigt werden kann. Von diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen. So haben sich zum Beispiel die Preise für Ibedjis und für Miniaturmasken der Dan in den letzten zwei Jahrzehnten praktisch verdreifacht und vervierfacht.

Auch nach den allgemeinen Kriterien der Beurteilung einer Kapitalanlage schneiden Investitionen in afrikanische Kunst schlecht ab. Mit den allgemeinen Kriterien meine ich Know-how-Aufwand, Liquidität, Rentabilität und Sekurität.

Kein Sammler wird bestreiten, dass der Erwerb von Know-how über Stil, Qualität, Authentizität und Marktpreis afrikanischer Objekte schwierig und langwierig ist. Der Zeitaufwand dürfte vergleichbar dem sein, den man benötigt, um sich von einem Laien zu einem professionellen Vermögensanlageberater zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist auch auf das Lehrgeld hinzuweisen, das jeder Sammler in den Anfangsjahren zahlt, sofern ihm nicht das Glück seriöser professioneller Beratung zuteil wird.

Die Liquidität ist vergleichbar der von Immobilien. Es kann schon ein Jahr oder länger dauern, bis man ein Objekt zu einem vernünftigen Preis veräußert hat.

Die Rentabilität ist gleich null. Es gibt keine Verzinsung.

Die Sekurität ist im Prinzip gegeben, wenn man den Wertverlust beim Erwerb und die mageren Wertsteigerungen bei Objekten mittlerer Kategorie einkalkuliert. Bleibt man über Jahrzehnte in afrikanischer Kunst engagiert, besteht bei Auflösung der Sammlung eine gute Chance, zumindest das eingesetzte Kapital komplett zurückzuerhalten.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Sammeln afrikanischer Kunst unter dem Hauptgesichtspunkt einer Kapitalanlage keine gute Idee ist. Auch der gegebene Hinweis auf die in der Vergangenheit nachweisbare Wertsteigerung hochkarätiger Stücke hat seine Tücke. Folgt man diesem Prinzip, wird man bald feststellen, dass diese teuren Objekte wegen ihrer künstlerischen Individualität nur sehr schwer zusammen aufzustellen und zu hängen sind. Sie vertragen sich nicht oder nur schlecht und bilden in ihrer Gesamtheit eher ein Konvolut als eine Sammlung.

Diese Ausführungen sollen selbstverständlich nicht vom Sammeln afrikanischer Kunst abhalten. Wie auch sonst im Leben ist für Lebensqualität nicht der materielle, sondern der immaterielle Gewinn entscheidend.

Gedanken und Erinnerungen eines Sammlers

Das Buch mit diesem Untertitel und dem Haupttitel "Afrikanische Miniaturen" ist bei books on demand (bod) veröffentlicht worden und kann zum Preis von Euro 72 beim örtlichen Buchhandel bezogen werden. in dem Bildband stellt der Verfasser Hans Rielau 90 Exemplare seiner Miniaturensammlung vor. In den nach Stichworten sortierten Texten befaßt er sich mit seinen Erfahrungen als Sammler und der Erläuterung von für ihn wichtigen Begriffen und Theorien.

Text: Hans Rielau
Fotos: Maciej Rusinek

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Fotogalerie Kapitalanlage Africana - Irrtum!

Kunst und Kontext 2/2012 (Ausgabe 04). Seiten 82-83. Fotos: Maciej Rusinek

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Abb. 01: Ada, Figur mit Dreieckskopf

Foto by Maciej Rusinek

Abb. 02: Lega, Figur aus Elfenbein

Foto by Maciej Rusinek

Abb. 03: Ibibio, Maske mit Klappkiefer

Foto by Maciej Rusinek

Abb.04: Songye, kifwebe-Maske

Foto by Maciej Rusinek

Vielen Dank an Hans Rielau und Maciej Rusinek.

Autoren
Hans Rielau
Maciej Rusinek
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

KAPITALANLAGE Africana - Irrtum!; Hans Rielau, Maciej Rusinek; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-04-2012/523-kapitalanlage-africana

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