"Bekanntester Fälscher … ist … Tyohepte Palé aus Bakpulona … Er hat sich der Nachfrage angepaßt und fertigt vor allem Figuren mit originellem Charakter an … Die Lobi erkennen seine Figuren sofort als Profanobjekte, da sie in der Regel Elemente aufweisen, die kein thil für seine Statuen verlangen würde wie etwa eine künstliche Patina oder Blutreste von Opfertieren."

Diese Feststellungen traf Klaus Schneider, der sich in den Jahren 1984 und 1985 zu Studienzwecken in der Region Gaoua aufgehalten hatte, in seiner Publikation "Handwerk und materialisierte Kultur der Lobi in Burkina Faso", die zugleich die Massenfabrikation durch Tyohepthé fotodokumentarisch belegt (Tafel 20).

Auch nahezu jeder Lobi-Sammler erkennt an der "Machart" bestimmter Stücke sofort, dass sie entweder von dem im Jahre 2002 verstorbenen Tyohepthé selbst oder aber von jemandem aus seinem unmittelbaren Umfeld rühren und mithin frühestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sein können.

Nicht so die Galerie Olivier Larroque, die zum zweiten Mal nacheinander – ahnungslos – mit demselben Foto einer typischen "Tyohepthé-Figur" für den nächsten "parcours des mondes" in Paris (vom 10. bis zum 15. September 2013) wirbt – unter Hinweis darauf, dass diese dem 19. Jahrhundert entstamme. (Abb.01) Das mutet ein wenig peinlich an.

Weniger peinlich als vielmehr furchterregend sind die in zunehmendem Maße im (Internet-)Handel angebotenen (scheinbar) altersmorschen Werke, mit denen Sammler rare Preziosen in angesehenen Publikationen assoziieren (sollen).

Eine der vielen Spuren führt zurück in Tyohepthés Heimatdorf Bakpulona, wenige Kilometer von Gaoua entfernt.

Hier konnte dessen jüngerer Bruder Tchiadouonné, selbst inzwischen ein betagter Mann, beobachtet werden, wie er aus Altholz (beispielsweise Sukula-Stützpfeilern) Figuren schnitzte und dabei marode Holzenden, die viele Jahre lang im Erdreich gesteckt hatten, variantenreich in Fußteile umfunktionierte. (Abb. 02-06)

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Fotogalerie LOBI-FALSIFIKATE

Kunst und Kontext 1/2013 (Ausgabe 05). Seite 40-43. Fotos: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

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Abb. 1: Anzeige der Galerie Larroque. Statue Lobi, Burkina Faso XIXe siècle H.: 49 cm Ancienne collection Bernard Kagane Photo © Paul Louis

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 2: Tchiadouonné bei der Bearbeitung von Altholz

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 3: Halbfertige Statue aus Altholz

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 4: Detail

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 5: Alter Holzstamm auf dem Weg zur Statue

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Abb. 6: Basis-Erhalt

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Abb. 7: Scheinbeopferung mit Blut imitierendem Borkensud

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Abb. 8: Fußteil eines Internet-Angebotes

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Abb. 9: Fußteil eines Internet-Angebotes

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Abb. 10: Figuren-Paar aus dem Internet

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Abb. 11: Der Bildhauer Gninthôté mit seinem Medikamentenhorn

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 12: Statue im typischen Bolaré-Stil

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Abb. 13: Von Termiten zerfressene Altarfiguren

Foto: Petra Schütz, www.schuetz-linse.de

Hätte es sich um Statuen für den Kult gehandelt, so wäre allein schon die Verwendung alten, gebrauchten Holzes einem Sakrileg gleichgekommen. Denn die thila (Götter) verlangen stets Skulpturen aus frischem Gehölz, das nach einem festgelegten Ritual von einem initiierten (geweihten) Schnitzer geschlagen werden muss:

Der Bildhauer begibt sich im Falle seiner Beauftragung durch einen thildaar (Schreinbesitzer) oder durch einen buor (Wahrsager) des Abends ganz alleine zu dem Baum, dessen Äste er verwenden möchte, ritzt mit einem Kuhhorn ein kleines Kreuz in den Stamm und bringt sodann ein "Medikamentengemisch" aus Wurzelasche, Mehl und Karité-Butter, das sich in dem Kuhhorn befindet, in das Kreuz ein. (Abb.11)

Am nächsten Morgen schaut er nach, ob das "Medikament" noch in den Ritzen steckt. Ist es verschwunden, dann weiß er, dass in dem Baum Geister wohnen, die es an sich genommen haben. Damit ist das Holz für den Bildhauer tabu. Befindet sich die Paste aber noch an ihrem Platz, so darf er die benötigten Äste schneiden. Tchiadouonné brauchte sich an diese vom Kult vorgeschriebenen Regeln nicht zu halten, weil er seine Statuen im Auftrage eines Haussa-Händlers aus der Stadt für den Markt fertigte.

Wie sein Bruder Tyohepthé, der sich stets darüber mokiert hatte, dass Ausländer alte, schmutzige Figuren bevorzugen, schnitzte Tchiadouonné in der redlichen Absicht, den Kunden das Gewünschte zu liefern und hierdurch ein paar Cent zu verdienen. Nur während Tyohepthé – zumindest anfangs noch – junges Holz "auf gebraucht" getrimmt hatte, griff Tchiadouonné von vornherein zu Altholz. Dass Tyohephté später ebenfalls betagtes Gehölz verarbeitete, indiziert ausgerechnet ein von Julien Bosc publiziertes Foto (Magie Lobi, Paris 2004, Seite 13).

Das auch anderorts (etwa von Antiquaires in Ouagadougou oder Bobo Dioulasso) praktizierte System, in das durchwegs arglose Schnitzer eingebunden sind, funktioniert nach dem Motto: "unten morsch, alles gut".

Denn Statuen, die "obenrum" wohlfeil und an vertraute Werke erinnernd geschnitzt sind, stoßen gerade auch bei erfahrenen Sammlern oft auf den erhofften Anklang, wenn sie "untenrum" verwitterte oder abgebrochene (Bein-)Stümpfe aufweisen. (Abb. 8-10)

Der Experte dreht die Figur auf den Kopf und raunzt ein überzeugtes "uralt", wenn ihm der bröckelige Unterbau zumal eines schweren Stückes Holz entgegenschaut. Dann gibt er selbst manieristischen Fantasiegebilden eine Chance.

Dass es hiesige Händler gibt, die Abbildungen allgemein geschätzter Skulpturen nach Afrika bringen und den Auftrag zum "Nachschnitzen" erteilen, ist nichts Neues. Bislang konnten die Fälschungen aber zumeist relativ einfach schon dadurch entlarvt werden, dass sie nur frontseitig mit der Vorlage übereinstimmten, weil dem Schnitzer lediglich ein Foto der Vorderansicht zur Verfügung gestanden hatte.

Dies hat zu einer Verfeinerung der Methoden à la Beltracchi geführt: Das bloße Kopieren wohlbekannter Statuen ist inzwischen dem "Nachempfinden" beliebter Stilarten gewichen. Bekanntestes Beispiel sind die in jüngster Zeit im Internet-Handel aufgetauchten "Brillen", die mit zunehmender Übung immer "authentischer" daherkommen.

Theoretisch ist ohnehin nichts einfacher, als eine Lobi-Altarstatue zu falsifizieren. Denn einerseits ist aufgrund des fortbestehenden Kultes allgemein bekannt, wie eine Holzskulptur geschnitzt, beopfert und aufbewahrt werden muss, um das Aussehen eines alten Ritualobjektes zu erlangen, und andererseits sind alle hierfür erforderlichen Ressourcen, nämlich gute Schnitzer, Holz, Kaolin, Kola-Nuss, Hühner, etc. in großen Mengen vorhanden. Vor Ort, unter heimischen Lebens- und Klima-Bedingungen hergestellt sowie "herangereift", kann gar die "perfekte Fälschung" entstehen. Holzskulpturen erlangen – abhängig von der Art des Gehölzes und ihrer Nutzung – häufig schon innerhalb weniger Jahre ein sehr altes Aussehen. Verwendet der Bildhauer zum Schnitzen von vornherein Altholz, dann muss er der Statue nur noch Beopferungsspuren und Staub/Schmutz aus der Umgebung beibringen.

Da der Preis für Hühner sehr hoch ist – er entspricht, je nach Region, dem zwei- bis vierfachen Tagessalär eines städtischen Angestellten – gelangt für Scheinbeopferungen anstelle von Blut häufig Pflanzensaft zum Einsatz. Tchiadouonnés Nachbar, der jugendliche Bildhauer Kondiré, übergoss für den Handel geschnitzte Statuen mit einem Blut imitierenden Sud aus der Borke des Mahagoni- Baumes Khaya senegalensis und vergrub sie dann für zwei Wochen im Boden; der buor des Kunden habe dies so angeordnet! (Abb. 07)

Kürzlich beschrieb ein hiesiger Internet-Vertreiber in seinem Blog ungeniert die Tätigkeit eines sich selbst als "Restaurator" bezeichnenden Fälschers, der im Hinterhof eines – namentlich genannten – renommierten Antiquaire in Bobo Dioulasso unter anderem diverse Häuflein afrikanischen Mutterbodens vorhalte, um den "Kunst"-Werken – je nach regionaler Zuordnung – durch die Behandlung mit "Heimaterde" den letzten authentischen Feinschliff zu verleihen.

Ein Touristenführer aus Gaoua erzählte amüsiert, wie ein deutscher Händler von einem Haussa-Antiquaire über den Tisch gezogen worden sei: Der Haussa habe "Fakes" im Schrein eines Wahrsagers deponiert, sie dort fotografiert und anschließend – mit dem Bildnachweis – als "Altarfiguren" an den Deutschen verkauft. Allerdings sei dieser ihm nach einiger Zeit auf die Schliche gekommen.

Es herrscht die Hochblüte des Lobi-Plagiates, dessen Geschichte allerdings weit ins 20. Jahrhundert zurückreicht.

Sie beginnt spätestens mit dem bei den Kolonialherren hoch angesehenen, in der Lobi-Metropole Gaoua ansässigen Bildhauer Sikiré, der nicht nur gemeinsam mit den Franzosen – zur Einschüchterung der Bevölkerung – hoch zu Ross durchs Gelände ritt, sondern von diesen auch so viele Schnitzaufträge erhielt, dass er den Bedarf an Skulpturen bald nicht mehr alleine decken konnte und Gehilfen einstellen musste.

Parallel dazu etablierten Dioula- und Haussa-Händler in und um Gaoua (desgleichen in Kampti und Loropeni) Schnitzerkolonien, auch "Workshops", "Schulen" oder "Ateliers" genannt, um dort von herausragenden Schnitzern Statuen für den europäischen Markt – nach westlichem Geschmack – anfertigen zu lassen.

Die 1981 erschienene Publikation Piet Meyers unter dem Titel "Kunst und Religion der Lobi" führte die Bildhauer – von Sikiré über Tyohepthé (s.o.) bis Kilithé – aus der Anonymität hinaus und machte sie mit einem Schlag bekannt.

Die überdies von Meyer erteilte Botschaft, dass diese Künstler zusätzlich für den allmählich erlöschenden Kult, "verdrängt durch die westliche Zivilisation und Medizin", schnitzten, löste einen Schub aus:

Die Jagd auf Altar- und Divinations-Figuren dieser berühmten "letzten" Bildhauer des "untergehenden" Lobi-Landes setzte ein und hält bis heute an; erst kürzlich tauchte eine bislang unbekannte "Sikiré"-Statue im Internet auf – in aktueller Machart: "obenrum" wohlfeil, "untenrum" morsch.

Es gibt jedoch nicht nur keinen Anhalt dafür, dass Sikiré, Lunkéna, Tyohepthé und all die anderen "modernen" Schnitzer seit Beginn ihrer Tätigkeit für den profanen Handel auch weiterhin (parallel dazu) für den Kult tätig waren, sondern die Fakten sprechen sogar diametral dagegen.


1.

Im Lobi-Land ist alles ritualisiert. Von der Begrüßung selbst langjähriger Freunde über die Konsultation eines Wahrsagers bis hin zur Beerdigung unterliegt jede Handlung strikten – kultischen – Regeln. Und so auch die Anfertigung von Altar- und Divinations-Statuen, bei denen es sich fast immer um Figurenpaare handelt: Man kauft sie nicht einfach, sondern es bedarf zuvor eines Vertrages mit einem thetel (initiiertem Schnitzer), der nach dem weiter oben beschriebenen Ritual frisches (!) Holz schlagen und die Statuen sodann genau nach Anweisung des buor schnitzen muss.

Kein Lobi würde jemals bei einem für den Handel tätigen oder gar mit Kolonialisten kooperierenden Bildhauer eine Figur für den Kult erwerben – so die übereinstimmende Auskunft aller im Laufe der Jahre in Burkina Faso und Côte d'Ivoire befragten Lobi.

2.

Der Kult ist sogar noch 35 Jahre nach Meyers Recherchen völlig intakt, und im Pays lobi sind außer Wahrsagern überall thildara (Schreinbesitzer) und deshalb auch – flächendeckend! – thetel anzutreffen. Zum einen bedeutet dies, dass die Bevölkerung auf die "modernen" (und auch teureren) Schnitzer noch nie angewiesen war, und zum anderen, dass aus dem bloßen Umstand, dass beispielsweise Lunkéna oder Tyohepthé eigene Schutzaltäre besaßen, nicht automatisch auf deren Tätigkeit für den Kult geschlossen werden darf.

Es ist für einen Lobi "normal", einen Schrein zu besitzen. Auch Yul Bolaré, ein im Jahre 2004 verstorbener Bildhauer, hatte mehrere Außen- und Innenaltäre, die er – allein schon aus Kostengründen – mit selbst gefertigten Statuen bestückte.

Gleichwohl schnitzte er – nach den übereinstimmenden Aussagen seiner Hinterbliebenen – gemeinsam mit seinen Söhnen Yul Matoiné und Palenfo Nata sowie dem Nachbarn Da Sié Kouakou Zeit seines Lebens ausschließlich – im typischen Bolaré- Stil (Abb. 12) – für Haussa-Händler.

Dies wurde von Kouakou, der die Tradition unvermindert fortsetzt, noch einmal ausdrücklich bestätigt. Kouakou hatte bereits fünf Jahre vor Bolarés Tod auf dessen Wunsch eine Grab-Statue für ihn gefertigt. Sie schmückt heute dessen Begräbnisstätte im Hof des Familienanwesens und wird – wie alles, was Kouakou schnitzt – als Werk Bolarés ausgegeben!

3.

Die Statuen "moderner" Bildhauer erinnern nur selten an die individuell gefertigten – oft "schrägen" oder "ungelenken" – Holzskulpturen(-Paare), auf die man in Lobi-Dörfern trifft. Denn während der thetel auf dem Lande, stets neben der Feldarbeit und oft noch zusätzlich unter Zeitdruck, nur im Falle eines konkreten Auftrages – nach genauer Anweisung durch den buor – ein Schnitzwerk erstellt, orientieren sich die für den Handel tätigen Bildhauer am westlichen Geschmack und perfektionieren ihr Handwerk – auf Kosten der Vielfalt – durch die geradezu schablonenmäßige Anfertigung "gut gehender" Modelle.

Als Beispiel seien die teils Sikiré, teils Lunkéna zugeschriebenen Lérousique-Skulpturen genannt. Zwar beruft sich Piet Meyer (S. 132) auf eine mündliche Mitteilung J. Suyeux' in Paris im Jahre 1981, ausweislich derer "auf zahlreichen Schreinen in Gaoua und Umgebung" solche Lérousique-Statuen zu sehen gewesen sein sollen, und verweist hierzu unter anderem auf die Abbildung 102 in seinem Buch. Zu sehen ist dort der eigene Altarraum Lunkénas mit einer großen Lérousique-Figur im Vordergrund. Diese Statue (wie auch die dahinter platzierte) kann jedoch keinesfalls im Schrein "herangereift" sein, denn sie ist dunkel eingefärbt und weist eine hochglänzende Patina auf.

Vermutlich hat Lunkéna sie im Anschluss an ihre Erstellung und "verkaufsfördernde" Bearbeitung mit Wachs zwecks zusätzlicher Akquise in den Schrein gestellt. Vielleicht war es aber auch nur die Idee eines cleveren europäischen Galeristen, der eine Foto-Dokumentation für seine angeblich "direkt vom Altar" erworbene Lérousique-Statue vortäuschen wollte.

Die beliebte Ausrede, den Glanz auf Statuen hätten in der Regel französische Händler zu verantworten, die Holzskulpturen aus Afrika gerne mal "nachpolierten", greift hier jedenfalls nicht. Auch die 69 Zentimeter hohe Lérousique-Statue (Kat.-Nr. 182), die Sikiré zugeordnet wird, weist eine Patina auf, die nicht in einem Schrein entstanden sein kann.


Der riesige Bedarf an Falsifikaten wird verursacht durch die enorme Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage.

Kultgegenstände, vom thil blo (Sakralgefäß) über den buor lokar (Ziegenledersack, in dem die Divinationsgegenstände aufbewahrt werden) bis hin zu den Metall- und Holzskulpturen, und selbst die Werkzeuge für deren Herstellung bedürfen vor ihrer Veräußerung der Entwidmung mittels eines rituellen Aktes. Hat eine Statue nach Auffassung ihres Besitzers kein Glück gebracht, so wird er diesen Entwidmungsakt gerne vollziehen, um sie anschließend zu verkaufen. Im Normalfall scheinen die bateba (Holzfiguren) jedoch "gute Arbeit" zu leisten, denn in der Regel werden sie sogar vererbt. Altäre gehen immer vom Vater an den ältesten Sohn und von der Mutter an die älteste Tochter. Besaß der Erbe zuvor schon einen eigenen Schrein, so legt er den ererbten mit diesem zusammen. Anderenfalls belässt er den Erbaltar im Hause des Verstorbenen, bis die thila (Geister) ihm die Anweisung geben, ihn mittels rirituellen Aktes in Besitz zu nehmen und für sich "arbeiten" zu lassen. Da dies lange dauern kann, befinden sich in vielen Lobi- Gehöften verwaiste Schreine verstorbener Angehöriger. Im Gegensatz zu anders lautenden Darstellungen werden diese grundsätzlich nicht veräußert – zu groß ist die Furcht vor der Rache der thila! Sogar eine vor langer Zeit zum Christentum konvertierte alte Frau hob ihre einstigen Altarfiguren weiterhin mit der Begründung auf, dass ihr wathil (persönlicher Gott) sie eines Tages anweisen könnte, die Statuen wieder "in Betrieb" zu nehmen.

Es ist mithin für ortsansässige Antiquaires, bei denen es sich zudem ausnahmslos um (kultferne) Muslime handelt, äußerst schwierig, an "authentische" Altarstatuen zu gelangen, die noch nicht altersschwach auseinandergefallen oder von Termiten zerfressen sind. Und selbst diese bateba fristen ihr Dasein oftmals weiterhin im Schrein. (Abb. 13)

Zur Deckung der großen Nachfrage für – vor allem – größere Statuen, die in situ wegen ihres (von den thila durchaus berücksichtigten) höheren Preises nicht so häufig anzutreffen sind, bietet sich deshalb neben Diebstählen, über die im gesamten Lobi-Land bitter geklagt wird, vor allem die bedarfsgerechte Falsifikation durch "moderne" Schnitzer an.

Jedenfalls scheinen die ungezählten Statuen, die von Sikiré, Tyohepthé oder Dihunté sowie all ihren Schülern und Gehilfen für den Markt gefertigt wurden, durchwegs als "Altar-Figuren" ihren Platz in europäischen Sammlungen gefunden zu haben. Oder wo soll man sie sonst vermuten?

Text und Fotos: Petra Schütz www.schuetz-linse.de

Vielen Dank an Petra Schütz.

Autor
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LOBI-FALSIFIKATE; Petra Schütz; 2015; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-05-2013/612-lobi-falsifikate

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