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DAS NEUE MUSEUM DER VÖLKER IN SCHWAZ – WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE

Ausstellungsraum im Museum der Völker Schwaz

Das Haus der Völker in Schwaz bei Innsbruck, gelegen an den Urlaubsstraßen von Deutschland nach Italien, hat das ethnologische Verständnis mancher Besucher nachhaltig geprägt. 1995 von dem Fotografen, Journalisten, Autor und Weltenreisenden Gert Chesi als Privatmuseum gegründet, war es anders als die staatlichen Völkerkundemuseen. Es zeigte nicht – wie so häufig – nur frühe Stücke, begleitet von dem Bedauern, dass die alten Kulturen in moderner Zeit verschwunden seien. Sondern: Das Haus der Völker bewies, dass das Vergangene im Heute weiterlebt – häufig transformiert, aber nach wie vor mit einer beeindruckenden Ursprünglichkeit. Ein Paradebeispiel hierfür bildet das ‚Narrenschiff' mit Figuren des togoischen Schnitzers Agbagli Kossi, der für den Voodoo-Kult arbeitete. Popart-ähnliche, mit Lackfarbe bemalte Figuren, völlig verschieden von den feinpatinierten Werken der klassischen afrikanischen Kunst, die in Brüssel und Paris angeboten werden.

In diesem geradezu bewusstseinserweiternden Museum, realisiert mithilfe des Landes Tirol und der Stadt Schwaz, wurde nicht nur die Sammlung von Gert Chesi gezeigt – über tausend ethnografische Objekte vor allem aus Afrika und Asien. Sondern es waren immer wieder auch Sonderausstellungen zu sehen – bis 2012 fünfzig an der Zahl. Jedoch wurde die Arbeit für Gert Chesi und sein kleines Team zunehmend durch äußere Umstände erschwert. So bestand eine Abhängigkeit von der Landes- und Kommunalpolitik und damit stets die Frage, wie weit die Finanzierung noch aufrechterhalten werden könne. Unter anderem deshalb verkaufte Gert Chesi große Teile seiner Sammlung, begann aber, eine neue Sammlung aufzubauen.

Als mindestens ebenso existenzbedrohend lastete wie ein Damoklesschwert über dem Museum die Frage, wie lange es noch in seinen angestammten Räumlichkeiten werde bleiben können. Es war angesiedelt in einem Landesgebäude, das in der Zuständigkeit des Sozialamts lag und nicht in der des Kulturamtes.

Und tatsächlich wurde im Jahr 2010 der Mietvertrag gekündigt, worauf die kurzfristige und ersatzlose Schließung des Hauses folgen sollte. Doch es kam anders: Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Medien wurde beschlossen, Räume abzugeben, die bisherige Größe aber durch einen modernen Anbau zu erhalten.

Am 12. April 2013 wurde das Museum, finanziert durch das Land Tirol, wiedereröffnet – unter neuem Namen: Museum der Völker (MDV). Träger ist der "Museum der Völker-Kulturverein", gefördert vom Land Tirol und der Stadt Schwaz.

Die Einweihung belegte, wie sehr das Museum und der stets unbequeme Querdenker Gert Chesi mittlerweile in der Gesellschaft angekommen sind und wie sehr sie sich etabliert haben: Ca. 500 Gäste besuchten die morgendliche offizielle Eröffnung und die abendliche Vernissage – Freunde des Museums, Sammler, aber auch Politiker wie der Schwazer Bürgermeister Hans Lintner. Das Museum als herausragendes Beispiel für Privatinitiative!

Im persönlichen Gespräch zeigte sich Gert Chesi äußerst entspannt. Das Museum steht finanziell und räumlich mit gesicherter Zukunft da. Und: Im Gegensatz zu früher können diverse Interessensgruppen keinen Druck mehr ausüben. Chesi selbst wird auch künftig dem Betrieb weiterhin zur Verfügung stehen, der operative Teil soll vom Ethno-Kreis übernommen werden, dem "Museum der Völker- Kulturverein".

Wie das Museum geworden ist? Äußerst professionell! Ein moderner, imposanter, fast futuristischer Bau, im Inneren reich bestückt mit faszinierenden, gut beleuchteten, nach Gebieten geordneten Objekten – auch wenn ein Tick weniger Stücke vielleicht noch etwas mehr gewesen wäre. Die Mehrheit der Objekte kommt aus Afrika und Asien – ergänzt u.a. durch einen neuen Indonesien-Raum und durch ozeanische Kunst aus der Sammlung Lindner. Für Sonderausstellungen gibt es zwei Räume. Bis zum 10. Juni 2013 sind darin Fotografien traditioneller Heiler Südafrikas von Peter Frank und bis zum 20. Oktober 2013 die anlässlich des Phi Ta Khon Festivals getragenen Geistermasken aus Thailand zu sehen.

Fotogalerie DAS NEUE MUSEUM DER VÖLKER IN SCHWAZ – WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE

Kunst und Kontext 1/2013 (Ausgabe 05). Seite 52-53. Fotos: © Museum der Völker

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Abb. 1: Aussenansicht des MDV

Foto: © Museum der Völker

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Abb. 2: Das Museum der Völker

Foto: © Museum der Völker

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Abb. 3: Das Museum der Völker

Foto: © Museum der Völker

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Abb. 4: Bettelmönch

Foto: © Museum der Völker

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Was für den langjährigen Besucher des Museums vielleicht das Schönste ist: Als Leihgabe der Hanns Schell Collection ist neben anderen Objekten auch die Ikone des Museums wieder an ihren Platz zurückgekehrt: der Bettelmönch aus Burma.

Autor: Ingo Barlovic
Fotos: © Museum der Völker

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