WIEN - SCHMIED UND ENGELSMAN STARTEN WELTMUSEUM

"Das neue Weltmuseum Wien wird nach seiner Fertigstellung Ende 2016 der zentrale Ort sein, an dem sich die Vielfalt der Kulturen der Welt allen Menschen wissenschaftlich fundiert präsentiert. Das zeitgemäße Museumskonzept vermittelt eindrucksvoll die historisch gewachsene Vernetzung Österreichs mit der ganzen Welt. Durch den räumlichen Ausbau werden wir in Zukunft zahlreiche Schätze der einzigartigen Sammlungen bewundern können, die derzeit noch in den Archiven ruhen. Besonders freue ich mich über die künftige Kooperation des Weltmuseums Wien mit dem ZOOM Kindermuseum, mittels derer Kinder und Jugendliche schon früh fremde Kulturen kennen und wertschätzen lernen."
Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied (Pressemitteilung Weltmuseum Wien vom 17. April 2013)

"Nach einem Jahr intensiver Vorarbeiten widme ich nun meine ganze Kraft der Umsetzung dieses großen Vorhabens und freue mich, dass meine Vision und mein Konzept eines Museums als Treffpunkt für Menschen und Kulturen nun realisiert werden kann."
Steven Engelsman
(Pressemitteilung Weltmuseum Wien vom 17. April 2013)

Die Berufung von Steven Engelsman zum neuen Direktor des Völkerkundemuseums Wien im Mai 2012 war nicht von langer Dauer. Bereits ein Jahr später ist er Direktor des Weltmuseums, ebenfalls Wien. Auf der Pressekonferenz am 17. April 2013 wurden von den Beteiligten nicht nur der Namenswechsel, sondern auch die Pläne zur inhaltlichen Neuausrichtung, Finanzierung und Umsetzung des Konzepts vorgestellt. Das war dringend nötig. Denn seit vielen Jahren ist das Wiener Museum vor allem Baustelle und ohne Dauerausstellung.

Die beiden Bundesministerien für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) und für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) stellen den Etat von 27,5 Millionen Euro für Sanierung und Neuaufstellung der Sammlung. Treibende Kraft war Kulturministerin Claudia Schmied, deren Ministerium den Hauptanteil von 19 Millionen Euro trägt. Sechs Millionen kommen aus den Mitteln des BMWFJ, die übrigen 2,5 Millionen Euro sind Eigenmittel des Museums. Im Herbst 2013 soll der Architektenwettbewerb entschieden sein, spätestens 2014 wird mit den Baumaßnahmen begonnen. Bis Ende des Jahres 2016 sollen in 29 Sälen insgesamt etwa 4.500 m2 Ausstellungsfläche entstehen. Ein wichtiges Ergebnis für den Objekt-interessierten Besucher wird sein, dass für die Schausammlung nach dem Umbau insgesamt 19 Säle verfügbar sein werden. Für Sonderausstellungen sind sieben Säle vorgesehen, für das ZOOM Kindermuseum drei.

Die Neupositionierung des Museums basiert auf den fünf Punkten:

Mehr sehen und mehr hören

Die prächtigen Sammlungen stellen ein Archiv der weltweiten kulturellen Vielfalt dar. Diese kulturelle Vielfalt soll aber auch verstärkt zu Wort kommen. Es soll daher nicht nur das eigene "Museumswissen" angeboten, sondern auch die Vielfalt der Perspektiven gefördert werden. Die maßgeblichen Akteure und Akteurinnen, sowohl diejenigen aus der Wiener Umgebung als auch die aus den Herkunftsländern der Sammlungen, sollen dabei ebenfalls zu Wort kommen.

Stärker teilen

Das Museum ist einzigartig durch den historischen Bezug Österreichs zur ganzen Welt. Die Sammlungen des Hauses sind sowohl Kulturerbe dieses Landes als auch der Herkunftsländer. Auf dieser Basis sollen neue Beziehungen geknüpft und neue Formen der nachhaltigen Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der Sammlungen entwickelt werden. Sie sollen für das Publikum auch verstärkt inszeniert werden.

Den Dialog vertiefen

Das Museum ist ein Kompetenzzentrum für außereuropäische materielle Kultur und Kunst, das sich neben der für Publikumsprojekte vorgesehenen Forschung auch der entsprechenden Grundlagenforschung widmet. Dabei sollen Kooperationen mit Museen und anderen Forschungsinstitutionen gefördert und der interkulturelle Dialog intensiviert und gepflegt werden.

Begeisterung entfachen

Das Museum hat ein großes Potenzial von ungenutzten Räumen in einem einzigartigen Gebäude, die aber kaum als Einheit wahrgenommen werden. Durch beeindruckende und hochwertige Architektur soll ein Haus mit einer guten Atmosphäre geschaffen werden, das einlädt und begeistert und in dem sich die Besucherinnen und Besucher wohl und willkommen fühlen.

Besucherzahlen erhöhen

Das Stammpublikum des Hauses soll zum häufigeren Besuch eingeladen und durch Veranstaltungen sowie Ausstellungen mit starkem Impact auch sukzessive erweitert werden. Für Kulturtouristen und -touristinnen soll das Museum zum "must see" werden, das in den Reiseführern prominent empfohlen wird."
(Pressemitteilung vom 17. April 2013)
www.weltmuseumwien.at

WITTENBERG FENSTERSTURZ - MARTIN LUTHER TREIBT JULIUS RIEMER AUS DEM SCHLOSS

Im Jahr 2017 feiert Luthers Thesenanschlag seinen 500-jährigen Geburtstag mit dem Ergebnis, dass das Natur- und Völkerkundemuseum "Julius Riemer" seit November 2011 geschlossen ist. Das Schloss wird umgebaut und anschließend wird dort das Predigerseminar einziehen. Ersatzweise offerierten die Lutheraner nicht etwa die berühmte Allerheiligenkirche, sondern die Stadt wählte das alte Wittenberger Gesundheitsamt in der Wallstraße, einen dreigeschossigen Altbau, als neuen Depot-Standort. Ausgestellt wird dort nicht. Die Lutherstadt erhielt für die Beräumung des Schlosses einen Fördermittelbescheid vom Bund über 575 000 Euro. Mindestens drei Jahre, also bis 2015, sollen die Sammlungen im Gesundheitsamt verbleiben. Möglicherweise auch länger, da Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) und seine Ratsherren zu beschließen vergaßen, wo die Schätze permanent präsentiert werden können/sollen.

Die naturwissenschaftlichen und ethnologischen Sammlungen wurden im Wesentlichen vom Handschuhfabrikanten Julius Riemer (1880-1958) zusammengetragen, aber auch in der DDR-Zeit von der Stadt vergrößert. In den 1980er-Jahren kamen jährlich etwa 54.000 Besucher. Klaus Glöckner, der letzte Museumsdirektor, bemerkt: "Die Stadt verkauft das Riemer-Museum unter Wert". Ähnliches äußert die Ethnologin Birgit Scheps-Bretschneider, Australien-Kustodin des Grassi-Museums Leipzig: "Die Stadt hat es immer versäumt, sich um das fachliche Renommee der Sammlung zu bemühen". Schlimmstes Versäumnis der politisch Verantwortlichen ist, vor dem Umzug keine Inventur inklusive fotografischer Bestandserfassung durchgeführt zu haben. Wie können zukünftig Diebstahl und/oder Objektschäden festgestellt werden?

Ein Glück, dass sich die örtliche "Bürgerinitiative Julius Riemer" intensiv um die Zukunft der Sammlungen bemüht. Am 16. November 2012 veranstaltete diese – unterstützt durch die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen und weiterer Stadträte – einen Workshop zu den "Perspektiven der Riemer-Sammlungen Wittenberg". Politiker und Vertreter städtischer Institutionen diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmern auswärtiger Museen und Universitäten über deren Wert und mögliche Perspektiven. Im Mittelpunkt standen Organisations- und Finanzierungsmodelle sowie Kooperationsmöglichkeiten mit anderen naturkundlichen und ethnologischen Museen.

Wie es konkret weitergehen soll, ist nach wie vor offen. Realisierbare Konzepte und Beschlüsse der Wittenberger Politiker gibt es nicht. Warum nicht für den 31. Oktober 2017 einen Thesen- Anschlag am Schlosskirchenportal vorbereiten, sollte bis dahin nichts beschlossen sein. Was damals die Welt veränderte, hilft vielleicht auch heute?
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www.riemermuseum.de

BURGDORF - DIE LÖSUNG DER DEPOTFRAGE: DIREKTORINNEN ENTLASSEN

Die Missstände im Depot, Kunst&Kontext berichtete (Nr. 02, S.10- 12 ), wurden erfolgreich von den politisch Verantwortlichen im Jahr 2012 diskutiert. Einige Objekte der ehemaligen Dauerausstellung befinden sich bereits in dem neuen Depot im Lindenfeld. Der Umzug der restlichen Sammlung in diese Zivilschutzanlage wäre zwar möglich, aber es ist kein Geld für den angemessenen Transfer der wertvollen Sammlungen vorhanden. Außerdem ist das neue Depot nur teilweise geeignet, hier sind zunächst Nachrüstungen nötig, z.B. in Sicherheit, Temperatur- und Feuchtigkeitsregeleinrichungen. Was dort bereits lagert, ist also auch wieder gefährdet? Die Mitglieder des "Trägervereins Museum für Völkerkunde Burgdorf" bemühen sich, sind aber ohne entsprechende finanzielle Unterstützung der Burgergemeinde Burgdorf und/oder des Kantons Bern machtlos. Wichtigste Entscheidung war die Entlassung der beiden Ethnologinnen, die sich eine Direktorinnenstelle teilten, zum 28. Februar 2013. Seitdem ist der Vereinsvorstand für sämtliche Museumsarbeiten zuständig.

Wieder ein Jahr ohne positive Ergebnisse. War anderes zu erwarten? Dazugelernt habe ich im Jahr 2012, denn mir wurde von verschiedenen Schweizern berichtet, dass nicht nur außereuropäische Sammlungsgegenstände vor sich hin gammeln, sondern auch in mehreren Museen Schweizer Kulturerbe. Ein Glück – wenigstens politisch korrekt verteilt.
www.kulturschloss.ch

DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR VÖLKERKUNDE (DGV): AG MUSEUM DISKUTIERT SICH SELBST?

Am 29. und 30. November traf sich im Rahmen einer DGV-Tagung in Köln eine AG Museum genannte Arbeitsgruppe zum Thema "Eine alte Institution neu gedacht: Neuaufstellungen ethnologischer Sammlungen in den letzten Jahren". Die im Jahr 2009 wiederbelebte AG wurde in den ersten zwei Jahren von Stefan Eisenhofer und Karin Guggeis (München) geleitet. Seit 2011 heißen die neuen Sprecherinnen: Larissa Förster (Köln) und Barbara Plankensteiner (Wien).

In den letzten zehn Jahren wurden mehrere Museen neu- oder umgebaut: Göteborg 2004, Paris 2006, Leipzig 2005-2009, Köln 2010, Basel 2011. Die Ansätze der Museen sind sehr unterschiedlich. Die AG Museum schrieb daher im Einladungstext, dass die Tagung "die Möglichkeit geben soll, ... mit Kolleginnen und Kollegen sowie Interessierten – durchaus auch kontrovers – am Beispiel von Neuaufstellungen oder Neuplanungen aus jüngerer Zeit zu diskutieren. Wir möchten die AG Museum als eine inspirierende Plattform verstehen, auf der Museums- und UniversitätsethnologInnen, Lehrende und Studierende, Praktiker und Theoretiker des Museumswesens über die Zukunft der Institution ethnologisches Museum debattieren. Aus diesem Grunde freuen wir uns, wenn Sie/Ihr diesen Call auch an interessierte KollegInnen weiterleitet, die bisher noch nicht Mitglied der AG Museum sind."

Von mehreren Personen erhielt ich den Einladungstext, war sehr interessiert und dachte, das könne auch die Leser interessieren, und wollte in Kunst&Kontext über die Tagung der AG Museum berichten. Auf meine Anfrage vom 5. November 2012 an die verantwortlichen Organisatorinnen Larissa Förster und Barbara Plankensteiner erhielt ich am selben Tage folgende nette Antwort: "Besten Dank für Ihr freundliches Interesse! Ich fürchte allerdings, ich muss Sie enttäuschen: Die Tagung der AG ist weniger eine breite öffentliche Konferenz, sondern eher eine kleinere Plattform für den kollegialen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, z. T. interner Natur."

Schade. Betonte doch der Einladungstext gleich mehrmals die Offenheit der Veranstaltung. Z. B. auch: "Daher scheint es sinnvoll, die Diskussion erfolgter oder geplanter Neukonzeptionen nicht etwa den Zeitungsfeuilletons zu überlassen, sondern diese auch im Kollegenkreis breiter und offener zu führen." Auf meine Nachfrage erhielt ich am 20. November 2012 von beiden Sprecherinnen die Antwort: "Die Zwischentagung der AG Museum wird von den Teilnehmenden selbst finanziert und ist nicht durch öffentliche Gelder bezuschusst. Daher obliegen Entscheidungen über Größe, Programm, Ablauf, öffentliche Bewerbung, mediale Verwertung etc. den Veranstalterinnen. Wie bereits erläutert, haben wir davon abgesehen, Vertreter der Medien zu unserer Tagung einzuladen, und sehen auch weiterhin davon ab. Eine Anmeldung als einfache Teilnehmer und nicht zum Zwecke der Berichterstattung steht allen Interessierten offen."

Das letztere Angebot fand ich wiederum unpraktikabel, denn schreiben würde ich auf jeden Fall, also fuhr ich nicht nach Köln. Hätte ich bei Teilnahme eine Schweigeverpflichtung unterschreiben müssen?

Der DGV-Vorstand Matthias Krings antwortete am 20. November 2012 auf meine Mail: "Zu Ihrer Anfrage bzw. Stellungnahme möchten wir dennoch Folgendes zur Kenntnis geben: die DGV unterstützt die Arbeit von Regionalgruppen und thematisch fokussierten Arbeitsgruppen, doch haben diese Arbeitsgruppen, abgesehen von einigen formalen Regeln (einzusehen auf der Homepage der DGV), die Freiheit, ihre Arbeit selbständig zu gestalten. Der Vorstand der DGV übernimmt hier weder eine Aufseher- noch eine Vermittlerrolle, sollte es zu Konflikten zwischen den Arbeitsgruppensprechern und Mitgliedern der AGs oder Teilnehmern an den AG-Tagungen kommen. Wir bitten, diesen Umstand bei Ihrem Bericht über die AG Museum zu berücksichtigen."

Seitdem frage ich mich: Hat die AG Museum, diese eher kleinere Plattform für den kollegialen, z. T. internen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, nicht zukünftig etwas mehr Öffentlichkeit verdient?

Vielleicht beim nächsten Mal?

VERWAISTE WERKE FÜR ALLE?

Ein Hindernis bestand bisher bei Internet-Veröffentlichungen verwaister Werke, also digitalisierter Bücher und anderer Veröffentlichungen, deren Rechtsinhaber entweder nicht festgestellt oder nicht ausfindig gemacht werden können. Die Digitalisierung und öffentliche Zugänglichkeit dieser Werke über das Internet scheiterte bisher daran, dass die erforderliche Zustimmung des Rechtsinhabers nicht eingeholt werden konnte.

Das Bundeskabinett hat Mitte April 2013 den Entwurf eines Gesetzes zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke beschlossen. Mit dem geplanten Gesetz wird die EU-Richtlinie 2012/28 über bestimmte zulässige Formen der Nutzung verwaister Werke umgesetzt.

Der Sprecher des Vorstands des Kompetenznetzwerks der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), Hermann Parzinger, "begrüßte den Gesetzentwurf als einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Herkulesaufgabe der Digitalisierung unseres kulturellen Erbes. Die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen werden dadurch in die Lage versetzt, ihre Digitalisierungsvorhaben weiter voranzutreiben und den Nutzern Werke zugänglich zu machen, deren Urheber nicht mehr auffindbar sind. Davon profitieren auch digitale Kulturschaufenster wie die DDB und ihr europäisches Pendant EUROPEANA".
(Pressemitteilung DDB vom 12. April 2013)