Die Kunst aus Ostafrika ist in Deutschland bekannt durch Sammlungen in Museen wie in Berlin, Leipzig, Dresden oder Stuttgart, aber auch durch Ausstellungen, beispielsweise die von Jens Jahn, Walter Bareiss, Jo Späth und Ralf Schulte-Bahrenberg. Dagegen ist diese Kunst in den Vereinigten Staaten eine Art Terra Incognita. Spannend ist deshalb die Tatsache, dass es nun aktuell eine Ausstellung in der zur City University of New York gehörenden QCC Art Gallery gibt, die sich mit der Kunst aus Tansania befasst: Shangaa – Art of Tanzania.

Grund genug für Kunst&Kontext, auf diese Ausstellung intensiver einzugehen – mit einem exklusiven Interview mit dem Kurator der Ausstellung Gary van Wyk und dem Hinweis auf eine Website, auf der mehr oder weniger alle gezeigten Objekte zu betrachten sind:

www.qcc.cuny.edu

Ideal ist es natürlich, sich die Ausstellung vor Ort anzusehen!

INTERVIEW

Ingo Barlovic: Gary, Sie sind der Kurator von Shangaa, einer Ausstellung über die Kunst aus Tansania. Diese Ausstellung findet in der QCC Art Gallery in Bayside, NY, statt. Meine erste Frage muss natürlich lauten: Warum Tansania? Und warum solch eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten?

Gary van Wyk: In meiner Laufbahn als Kunsthistoriker, spezialisiert auf afrikanische Kunst, habe ich mich auf Gebiete, Themen und Materialien konzentriert, die ignoriert oder gar ausgeschlossen wurden, wie zum Beispiel Südafrika, Wandmalereien, Perlenarbeiten von Frauen. Südafrika und Ostafrika lagen außerhalb des frankofonen Einflusses, der die Stereotypen der afrikanischen Kunst erschaffen und die falsche Auffassung verbreitet hat, es gäbe in diesen Gebieten keine Kunst. In Deutschland und in Teilen des früheren Österreich-Ungarns war Kunst aus Tansania jedoch bekannt. Jens Jahn hat 1994 in Deutschland mit einer Ausstellung und einem Buch einen umfassenden Überblick über die Kunst Tansanias gegeben, aber das Buch hat die englischsprachige Welt kaum erreicht, weil es auf Deutsch und Suaheli war.

In den 20 Jahren, die seit der Veröffentlichung vergangen sind, haben professionelle Kunsthistoriker, die sich mit Afrika befassen, das Studium der Kunst aus Tansania vorangebracht. Ich möchte diese frischen Blickwinkel präsentieren - in englischer Sprache - und ich möchte die Geschichte dieser Kunst bis hin zu den Figuren und Masken, die auch heute noch hergestellt und getanzt werden, fortschreiben. Ich möchte zeigen, dass es sich um eine lebendige Kunst und Kultur handelt, die sich mit einer sich verändernden Gegenwart beschäftigt.

IB: Was interessiert Sie persönlich an dieser Kunst?

GvW: Ich bin nicht nur Kunsthistoriker, sondern auch ausgebildeter Künstler, und ich war immer schon für den Expressionismus empfänglich - deshalb spricht mich die kühne Expressivität einiger Skulpturen aus Tansania sehr an. Der Titel der Ausstellung, Shangaa, ist auf Suaheli der Wortstamm für Dinge, die einen dramatischen ästhetischen Eindruck hinterlassen: eine bestürzende, verblüffende, überwältigende Qualität. Zusätzlich hat mich die Herausforderung gereizt, Unbekanntes zu entdecken und falsche Vorstellungen über die Kunst aus Tansania zu beseitigen.

IB: Kunst aus Tansania ist in Deutschland auch deshalb so populär, gerade weil sie solch einen expressiven Charakter hat. In Frankreich oder Belgien steht man ja eher auf eine elegantere, ästhetischere Kunst. Wie reagieren denn die Besucher in den Vereinigten Staaten auf die Kunst aus Tansania?

GvW: In den Vereinigten Staaten wurde der Geschmack für afrikanische Kunst durch Frankreich und Belgien geprägt. Deshalb haben die Amerikaner eine ähnlich vorgefasste Meinung von dem, was afrikanische Kunst ausmacht. Amerika hatte kein koloniales Abenteurertum wie Frankreich oder Belgien. Allerdings stand der Sultan von Sansibar – lange bevor er offizielle Beziehungen zu Frankreich oder Deutschland aufnahm – in Vertragsverhandlungen mit Amerika. Und der Handel mit Stoffen, Gewürzen und Elfenbein – nicht zu vergessen Sklaven – verband diese zwei Länder miteinander. Tansania ist, ähnlich wie die USA, ein kultureller Schmelztiegel, in dem mehr als 120 Sprachen gesprochen werden. Die Bevölkerung lebt aber in Frieden miteinander. Das Blut der versklavten Menschen aus Ostafrika fließt heute in den Adern von Amerikanern. Und: Tansania ist wirklich der Geburtsort der Menschheit. Wir alle lassen uns auf Tansania zurückführen.

IB: Und wie groß ist das Interesse in der Öffentlichkeit an der Ausstellung, zum Beispiel in der Presse?

GvW: Es gab bereits ein beträchtliches Medienecho in der Presse und bei Fernsehsendern, und wir glauben, es wird noch mehr geben. Allerdings ist es das Buch, das die Ausstellung überleben wird – und uns alle.

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Fotogalerie AUSSTELLUNG SHANGAA-ART OF TANZANIA

Kunst und Kontext 1/2013 (Ausgabe 05). Seite 64-67. Fotos: QCC Art Gallery, www.qcc.cuny.edu / BERND CRAMER / JENS TÜMMLER / MICHAEL CICHON

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Abb. 1: (Ohne Beschriftung)

Foto: QCC ART GALLERY, www.qcc.cuny.edu

Abb. 2: BOTSCHAFTER TUVAKO N. MANONGI, VERTRETER DER VEREINIGTEN REPUBLIK VON TANSANIA BEI DEN VEREINTEN NATIONEN, KURATOR DR. GARY VAN WYK UND SEIN SOHN ALEXANDER MANYALA BRITTAN-VAN WYK

Foto: QCC ART GALLERY, www.qcc.cuny.edu

Abb. 3: WEIBLICHE FIGUR (NUNGU), CHAGA, SPÄTES 19. JAHRHUNDERT, TON, BANANENBLÄTTER, FARBE, HÖHE: 24 CM SAMMLUNG DES ETHNOGRAFISCHEN MUSEUMS, BUDAPEST, INVENTARNUMMER 53697

Foto: QCC ART GALLERY, www.qcc.cuny.edu

Abb. 4: FIGUREN EINER ‚CHAIN GANG‘ BONDEI, UM 1902, HOLZ, STRICK, PIGMENTE, LÄNGE: 52 CM SAMMLUNG DES GRASSI MUSEUMS ZU VÖLKERKUNDE LEIPZIG, STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN, INVENTARNUMMER MAF 8633

FOTO: BERND CRAMER

Abb. 5: MASKE MAKONDE, SPÄTES 19. JAHRHUNDERT, HOLZ, HÖHE 17,5 CM GRASSI MUSEUM ZU VÖLKERKUNDE LEIPZIG, STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN, INVENTARNUMMER 16 567

FOTO: BERND CRAMER

Abb. 6: WEIBLICHE FIGUR NYAMWEZI, FRÜHES 20. JAHRHUNDERR, HOLZ, HÖHE: 40 CM VÖLKERKUNDEMUSEUM HERRNHUT, STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN, INVENTARNUMMER 66 574

FOTO: JENS TÜMMLER

Abb. 7: TANZFIGUREN (MABINDA) SUKUMA

20.Jh., HOLZ, METALL, LEDER, TIERZÄHNE, FARBE, H: A:135CM B:135CM C:134CM D: 133CM, (B,C) SAMMLG. QCC ART GALLERY, THE CITY UNIVERSITY OF NEW YORK, GESCHENK VON FRANK U. LIZ BREUER, INVENTARN. 12.28.21 & 12.28.06, (A,D) SAMMLUNG FRANK U. LIZ BREUER

FOTO: MICHAEL CICHON

Abb. 8: WÄCHTERFIGUREN SUKUMA, 20. JAHRHUNDERT, HOLZ, METALL, HÖHE: 208 CM; 188 CM SAMMLUNG FRANK UND LIZ BREUER

FOTO: MICHAEL CICHON

Abb. 9: HELMMASKE (LIPICO) MAKONDE, 20. JAHRHUNDERT, HOLZ, FARBE, PIGMENTE, HÖHE: 30,5 CM SAMMLUNG DER QCC ART GALLERY, THE CITY UNIVERSITY OF NEW YORK, GESCHENK VON STEWART J. WARKOW, INVENTARNUMMER 13.02.02

Foto: QCC ART GALLERY, www.qcc.cuny.edu

Abb. 10: HELMMASKE (LIPICO) MAKONDE; KÜNSTLER: MARTINS MANJIBULA JACKSON, CA. 2000, HOLZ, TIERFELL, TIERHAUT, STOFF, PIGMENTE LÄNGE 34CM SAMMLUNG DER QCC ART GALLERY, THE CITY UNIVERSITY OF NEW YORK, GESCHENK VON STEWART J. WARKOW, INVNr 13.02.06

Foto: QCC ART GALLERY, www.qcc.cuny.edu

Abb. 11: WEIBLICHE FIGUR NYAMWEZI (?), SPÄTES 19. – FRÜHES 20. JAHRHUNDERT, HOLZ, GLASPERLEN, HÖHE: 67 CM SAMMLUNG DER UNIVERSITY OF IOWA MUSEUM OF ART, THE STANLEY COLLECTION, INVENTARNUMMER XX1990.718

FOTO: QCC ART GALLERY

Abb. 12: (Ohne Beschriftung)

FOTO: QCC ART GALLERY

IB: Wie würden Sie das hinter der Ausstellung liegende Konzept beschreiben? Welche Story möchten Sie erzählen?

GvW: Das Konzept der Ausstellung beziehungsweise meine Intension als Kurator ist komplexer, als es vielleicht zu sein scheint. Als Einstieg für das Publikum habe ich die Idee des "shangaa" genutzt – "Ehrfurcht" hervorzurufen. Meine eigentliche Absicht liegt aber eher darin, gewisse Stereotypen und Fehlurteile über afrikanische Kunst ins Wanken zu bringen. Ich habe zum Beispiel Tiermasken aus dem 19. Jahrhundert, heutzutage deutsche Nationalschätze, kombiniert mit Tiermasken, die in den 1990er-Jahren von bekannten Künstlern hergestellt wurden (Abb. 10). Und ich zeige in der Ausstellung Filme zu diesen neueren Masken, wie sie im Kult gebraucht werden, um zu belegen, dass Masken bis heute erschaffen werden und bei aktuellen Ereignissen ‚sprechen'.

Wir haben es hier NICHT mit einer toten Kultur zu tun, die durch den Kontakt und die Kontaminierung durch die Europäer beschädigt oder zerstört wurde. Die Formen der afrikanischen Kunst entwickelten sich schon immer in komplexen Umgebungen, die auch interkulturelle Kontakte beinhalteten – häufig lange, bevor die Europäer in Afrika landeten. Und bis heute wird Kunst in Tansania erschaffen.

Ich kombiniere das ‚Hohe' mit dem ‚Niederen'. Ich zeige alltägliche Gebrauchsgegenstände und königliche Insignien, aber die Insignien sind oft sehr einfach, während die Alltagsobjekte sehr kostbar sein können.

Fundikiria IV, König der Nyamwezi und religiöses Oberhaupt von mehr als einer Million Menschen, ist in der Ausstellung in einem Film zu sehen. Er zeigt die Objekte seiner Ahnen, die er in jährlich stattfindenden Fruchtbarkeitsfeiern verwendet und mit denen man Regen machen kann. Es sind sehr einfache Gegenstände: Flaschenkürbisse, niedrige Stühle, Speere. Eine Scheibe mit einem Spiralmuster und einem Loch in der Mitte war für die Menschen dort eines der heiligsten und symbolträchtigsten Objekte. Geschnitten aus dem Ende einer Konusmuschel, wurden diese Scheiben dazu verwendet, Häuptlingstümer zu erschaffen, und sie versinnbildlichten den Weg vom irdischen Leben in die spirituelle Welt. Aus westlicher Sicht ist diese Scheibe wertlos.

Ich demontiere falsche Vorstellungen von dem, was als ‚Meisterwerke' tansanischer Kunst gilt. Ich zeige zum Beispiel, dass der sogenannte Nyamwezi ‚Thron' des Berliner Ethnologischen Museums – ein Stuhl mit einer hohen Rückenlehne und einer Figur auf der Rückseite – in einer kleinen Kimbu Siedlung gesammelt wurde, keiner wichtigen Person gehörte und mit dem europäischen Karawanenhandel verbunden war.

Andererseits zeige und veröffentliche ich nahezu unbekannte alte Objekte, die meines Erachtens die Anerkennung als Meisterwerk verdienen – wie die Chaga nungu Figur aus Ton, die ich beim Néprajzi Múzeum in Budapest entliehen habe (Abb. 03), oder auch eine tolle Figur, die bei den Nyamwezi gesammelt wurde (Abb. 06). Sie befindet sich seit ca. 1900 im Herrnhuter Museum. Zusätzlich werden viele neuere Arbeiten von außergewöhnlicher ästhetischer Qualität gezeigt, um unsere Idee von tansanischer Kunst anschaulich zu machen.

Ich lade das Publikum dazu ein zu entdecken, dass Kunst aus Tansania häufig mehr zu tun hat mit dem, was wir Performance nennen, mehr ist als bloße Skulpturen. Ich zeige, inwieweit die geologische Landschaft und die Geräuschkulisse – Musikinstrumente, Klatschen, Singen und Stille – vitale Aspekte der tansanischen Kunst sind. Dies wird auch durch die Filme in der Ausstellung vermittelt. Und natürlich beinhaltet all dies auch das Spirituelle und die – oft als magisch geltende – Medizin.

Die meisten Figuren aus dem 20. Jahrhundert werden in Tanzwettbewerben der Sukuma eingesetzt und oft zusammen mit lebenden Schlangen und anderen wilden Tieren getanzt. Sie werden mittels magischer Medizin verstärkt, um die Stimmen der Zuschauer zu gewinnen und die Konkurrenten zu frustrieren.

IB: In Deutschland gab es ja die berühmte Tansania Ausstellung von Jens Jahn. Wie unterscheidet sich Ihre Ausstellung von jener?

GvW: Wie zuvor schon Jens Jahn habe ich mich aus einigen deutschen und belgischen Sammlungen bedient und zum Teil sogar dieselben Stücke ausgewählt. Außerdem bin ich aber auch hinter den früheren Eisernen Vorhang gegangen, und noch zusätzlich habe ich mir Objekte aus amerikanischen Sammlungen ausgesucht. Jens Jahn hat mich voller Begeisterung und sehr hilfreich bei meinem Projekt unterstützt, und letzten Endes sind unsere Ziele die gleichen: die Anerkennung dieses übersehenen Teiles afrikanischer Kunst zu fördern.

Ich glaube aber, dass mein Ansatz etwas historischer ist: Ich analysiere kritisch frühere Erklärungen, integriere aktuelle Forschungen und will die Fortentwicklung bis heute ins Bild setzen. Dafür sind die verschiedenen Filme in der Ausstellung äußerst wichtig.

Ich habe die Sammlung von Museumsobjekten in den Kontext von Sklaverei und Widerstand gebracht. Ich zeige auch Zeichnungen, die 1906 von den Mitarbeitern Karl Weules gefertigt wurden – einem der Gründer der deutschen Ethnologie, dem früheren Direktor des Leipziger Museums, der viele der von uns ausgestellten Schätze gesammelt hat. Diese Zeichnungen illustrieren, wie Weules Expedition begleitet wurde von brutaler Gewalt, Repressalien und Unterdrückung. Schließlich ist eines meiner Anliegen, die ständig neuen Strömungen mitsamt ihren interkulturellen Wechselwirkungen herauszuarbeiten.

Eine Auswahl an Skulpturen, die ‚Fremde' darstellen, unterstreicht, dass die Tansanier schon immer von anderen Kulturen beeinflusst waren – unterschiedlichen Kulturen sowohl innerhalb des eigenen Landes als auch ferner Erdteile.

IB: Früher gab eine Ausstellung zur afrikanischen Kunst häufig sehr viele Informationen über den ethnologischen Hintergrund. Heutzutage steht dagegen oft der Kunstaspekt im Mittelpunkt. Wie ist dies in Ihrer Ausstellung?

GvW: Ich stelle sowohl die Ästhetik als auch den Kontext in den Mittelpunkt, aber ich zeige nur Stücke, die ich selbst wunderschön oder beeindruckend finde: Objekte, die für mich den shangaa Effekt haben. Ich habe mehrere Hundert Objekte als potenzielle Ausstellungsstücke ausgesucht. Diese habe ich durch den Input, den mir Kunsthistoriker-Kollegen gaben, weiter verdichtet, bis wir schließlich eine endgültige Gruppe von 160 superben und faszinierenden Objekten hatten.

IB: Welche Objekte sind ausgestellt?

GvW: Ich habe unter anderem versucht, den großen Bevölkerungsgruppen in Tansania Gewicht zu geben. Dementsprechend machen Objekte der Sukuma die größte Gruppe aus. Das Spektrum reicht von kleinen Nasensteckern, die die Yao, Makua und andere an der Suaheli-Küste tragen, bis hin zu überlebensgroßen Figuren der Sukuma (Abb. 08). Wir zeigen auch vielfältige Materialien: von Gold über Papier, Baumwolle, Ton, Glas bis hin zu Eisen. Die Künstler reichen vom König von Kiziba im frühen 19. Jahrhundert bis hin zu noch lebenden namhaften Meistern.

IB: Woher stammen die Stücke aus Ihrer Ausstellung? Ich habe gehört, vieles komme aus Deutschland.

GvW: Leihgaben aus deutschen Museen stammen aus dem Staatlichen Museum für Völkerkunde München; dem Ethnologischen Museum, Berlin; dem GRASSI Museum zu Völkerkunde Leipzig und dem Museum für Völkerkunde in Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Einige ausgeliehene oder abgebildete Objekte kommen aus amerikanischen Museen. Dazu gehören das Virginia Museum of Fine Arts, das University of Iowa Museum of Art, das Art Institute of Chicago und das Indianapolis Museum of Art. Ich habe des Weiteren Werke aus dem Canada's Royal Ontario Museum und dem Museum für Völkerkunde, Wien, mit ins Buch genommen. Zusätzlich habe ich mich aus privaten Sammlungen in Deutschland, Österreich, Belgien, Tansania und den USA bedient.

IB: Sind die Stücke in Ihrer Ausstellung, die nicht aus den Museen oder der QCC Art Gallery stammen, alle von privaten Sammlern, oder gibt es auch welche von Händlern?

GvW: Die meisten stammen von privaten Sammlern. Ich habe aber einige Händler einbezogen, die auch Sammler sind und grundlegende Forschung betrieben haben, wie zum Beispiel Marc Felix, der ja eine Schlüsselrolle bei der Tansania-Ausstellung von Jens Jahn und bei dem dazugehörigen Buch gespielt hat.

IB: Haben Sie Lieblinge? Gab es Stücke, die Sie wirklich überrascht haben? Haben Stücke "Wow"-Gefühle ausgelöst?

GvW: Einer meiner Lieblinge ist eine Makonde Maske eines Massai Moran (Krieger) (Abb. 09). Dessen Exotik wird durch den Einsatz einer türkisfarbenen Bemalung unterstrichen. Ich war sehr erfreut, dass nach meiner Auswahl der Besitzer, Stewart J. Warkow, das Stück zusammen mit anderen der QCC Art Gallery gespendet hat. Ein Stück, das mich überrascht hat, war eine Figur aus dem Iowa Museum of Art (Abb. 11), die viel kleiner war, als ich sie mir vorgestellt hatte – sie stammt ursprünglich wohl nicht von den Nyamwezi, denen sie lange Zeit zugeordnet wurde. Damit besitzt dieses Stück den shangaa-Effekt in einem anderen Sinn des Wortes: Es ‚verblüfft'. Ausstellungen erlauben uns, Objekte wirklich zu erfahren. Sich nur Bilder davon anzuschauen, hat dagegen etwas Abstraktes, das ihre Monumentalität verfälschen kann. Die großen Sukuma Figuren haben sicherlich diesen Wow-Faktor (Abb. 07). Sie bringen auch eine mächtige sexuelle Dynamik ins Spiel: Sie sprechen von unserem gemeinsamen Menschsein und davon, was den Lebenszyklus nach vorne treibt. Dazu gehören auch unsere Leidenschaften: Begehren, Eifersucht, Konkurrieren.

IB: Die Ausstellung wird an verschiedenen Orten gezeigt. Wo und wann? Und wird sie auch nach Deutschland kommen?

GvW: Die Ausstellung wird zum Portland Museum of Art in Maine reisen und dort vom 8. Juni bis zum 25. August zu sehen sein. Andere Ausstellungsorte, zum Beispiel in Deutschland, stehen noch nicht fest.

IB: Was können Sie mir über den Ausstellungskatalog sagen?

GvW: Das begleitende Buch soll kein Katalog sein, auch wenn es bis auf eines alle Objekte der Ausstellung zeigt. Es beinhaltet viele Objekte, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind. Es hat 342 durchwegs farbige Seiten und beinhaltet eine umfassende Biografie und einen Index. Als Herausgeber habe ich selbst einige Abschnitte verfasst, viele der Feldfotos beigesteuert und Karten der Völker und der Handelswege erstellt. In dem Buch sind Aufsätze von Wissenschaftlern aus Tansania, Südafrika, den Vereinigten Staaten und Deutschland. Die meisten haben über afrikanische Kunst promoviert, und jeder von ihnen ist auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert. Zu den Autoren gehören Aimée Bessire, Giselher Blesse, Alexander Bortolot, Silvia Dolz, Mohamed Jaffer, Sandra Klopper, Fadhili Mshana, Rehema Nchimbi, Allen Roberts und Barbara Thompson.

IB: Kunst aus Tansania erreicht am Markt nicht die hohen Preise wie die Kunst aus anderen afrikanischen Gebieten. Was glauben Sie: Woran liegt das? Und wird diese Ausstellung daran etwas ändern?

GvW: Ich bin mir sicher, dass die Ausstellung und das Buch dazu beitragen werden, über tansanische Kunst zu informieren. Und ich hoffe, dass dies zu einer Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung afrikanischer Kunst führen wird – an dieser Veränderung bin ich am stärksten interessiert. Marktpreise spiegeln die Nachfrage wieder, und was Leute nicht kennen, fragen sie auch nicht nach. Wenn mehr Menschen etwas über die Kunst aus Tansania lernen, könnte das Teile des Marktes ankurbeln.

Allerdings sind die Stereotypen und Vorurteile über afrikanische Kunst stark verwurzelt. Heutzutage werden die Märkte für afrikanische Kunst, zeitgenössische Kunst und andere Sammelgebiete von denselben finanziellen Kräften und Motiven gesteuert – und manipuliert. Gleichzeitig gibt es immer weniger leidenschaftliche Sammler, die sich für ein Thema wirklich interessieren – und nicht nur dafür, welchen Wert etwas hat.

Text und Übersetzung: Ingo Barlovic

Vielen Dank an Ingo Barlovic und Gary van Wyk.

Autoren
Ingo Barlovic
Gary van Wyk
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

AUSSTELLUNG: SHANGAA - ART OF TANZANIA; Ingo Barlovic, Gary van Wyk; 2016; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-05-2013/651-ausstellung-shangaa-art-of-tanzania

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