Sogar noch nach 40 Jahren scheint Josef Gottscheber (Abb. 1) darüber erstaunt, wie er den Einstieg als Karikaturist geschafft hat. Nach dem Studium der Fotografie und Grafik in Graz lebte er vier Jahre lang in München, ohne genau zu wissen, was das Leben mit ihm noch vorhatte. 1972 schickte er dann einen Cartoon an die Süddeutsche Zeitung. Dieser wurde prompt auf der damals wichtigen letzten Seite abgedruckt. Seither hat der 1946 in Schadendorfberg bei Graz geborene ‚Pepsch', wie er seine Blätter signiert, an die 5000 Karikaturen angefertigt und in Medien wie der ZEIT, dem Vorwärts, der Wiener Presse und vor allem der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht, für die er bis heute als freier Karikaturist arbeitet.

Pepsch Gottscheber lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festnageln. Stetig weiterentwickeln möchte er sich, offen sein, sich nicht festlegen – weder stilistisch noch inhaltlich noch gar ideologisch. Er tut sich etwas schwer damit, seine Art des Sehens und des Zeichnens zu beschreiben. "Ich zeichne ohne viel Schnörkel, wenn es der Sache dient, durchaus illustrativ, bevorzuge den wortlosen Witz, der sich aus der Szene ergibt. Wortwitze in unendlich langen Sprechblasen mag ich nicht in der politischen Karikatur, mich interessieren die Texte der Leitartikler. Natürlich ist es ohne Worte schwieriger, eine schnell erfassbare Karikatur zu fertigen, es macht mir Spaß, auch scheinbar Nebensächliches mit einfließen zu lassen, was vom Betrachter ein bisschen Geduld erfordert." Allerdings gibt er zu, dass es Zeichner in einer vor allem durch das Internet geprägten Zeit der Bilder- und Informationsflut und des Aktualitätsdrucks mittlerweile schwer haben: "Die Zeichner haben immer weniger Lobby. Und oft glauben Redakteure, die Leute könnten kein Bild mehr lesen."

Hat Pepsch eine Botschaft? Gottscheber sieht sich nicht als allwissenden Welterklärer, sondern ‚nur' als gut informierten Zeitungsleser – auf Augenhöhe mit seinen Lesern. "Ich möchte für den Leser verständlich sein. Der Intellektuelle darf nicht der Einzige sein, der es verstanden hat", lautet sein Credo.

Dementsprechend sind seine Zeichnungen zwar manchmal symbolisch, stets jedoch nachvollziehbar. Sie hinterlassen weder Fragezeichen wie die Karikaturen mancher in beinahe hermetische Welten abtauchender Kollegen, noch das schale Gefühl, einfach nur einen gezeichneten Witz zu sehen.

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Fotogalerie Pepsch und die Apartheid

Kunst und Kontext 2/2013 (Ausgabe 06). Seite 22-25. Abbildungen: Ingo Barlovic, Josef Gottscheber

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Abb. 1: Josef „Pepsch“ Gottscheber

Foto: ingo Barlovic

Abb. 2: SÜD AFRIKA

© josef gottscheber

im Besitz des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Dresden (Quelle : MHM/Ingrid Meier)

Abb. 3: EINZIGER AUSWEG

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 4: WELTÖFFENTLICHKEIT AUSGESCHLOSSEN

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 5: BAYRISCHER ENTWICKLUNGSHELFER

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 6: DEM STRAUSS NICHTS VORMACHEN

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 7: UNVERBLÜMTE ANTWORT

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 8: MAKE UP FÜR DIE APARTHEID

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 9: HAPPY END

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 10: ZURÜCK IN DIE WAGENBURG

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 11: HOFFEN AM KAP

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 12: DURCH NICHTS VOM WEG ABZUBRINGEN

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Abb. 13: EIN SIEG FÜR AFRIKA

© josef gottscheber. In der Sammlung von Ingo Barlovic.

Für seine Arbeit wurde Pepsch 1978 der deutsch-amerikanische Thomas-Nast- Preis verliehen, und 2007 belegte er den 2. Platz beim Deutschen Preis für die politische Karikatur.

Gottscheber ist aber, selbst wenn er es kaum zugibt, auch ein Moralist. Jemand, der versucht, das unter der Oberfläche Liegende sichtbar zu machen und auf Missstände hinzuweisen. Vielleicht ist dies, abgesehen von der Tagesaktualität, der Grund, warum er sich immer wieder des Themas Afrika angenommen hat. Dabei weist er fast entschuldigend darauf hin, dass sein Blick auf Afrika der eines Außenstehenden ist – selbst wenn er einmal für das Goetheinstitut Burkina Faso besucht hat.

Die politischen Karikaturen, die Josef Gottscheber in den 1980er und -90er Jahren zur Apartheid gezeichnet hat, sind gelebte Zeitgeschichte und eine Chronik der Ereignisse in Südafrika.

In einem frühen Blatt (Abb. 2) bildet er äußerst eindringlich Südafrika als eine Janusfigur ab: Die weiße Hälfte hält der untrennbar mit ihr verbundenen, versklavten schwarzen Hälfte die Pistole an den Kopf. Aufgrund zunehmender Unruhen versuchte der damalige Staatspräsident Botha vorsichtig, Reformen durchzuführen - ohne sich und das Apartheid-System grundsätzlich in Frage zu stellen. Symbol hierfür war seine berüchtigte und misslungene Rubikon-Rede vom 15.8.1985 (Abb.3), in deren Folge sich die wirtschaftliche und soziale Situation des Landes weiter verschlechterte.

Die Weltöffentlichkeit wurde durch Pressezensur außen vor gelassen (Abb.4) bzw. durch Freundesbesuche wie dem von Franz Josef Strauß manipuliert. Pepsch ist zu diesem Thema ein schönes Bild gelungen: Vorne gehen die Menschen und hinten der ehemalige bayrische Ministerpräsident, der Rechte (Abb. 5), der ein Meister darin war, nichts zu sehen (Abb. 6). Der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm durfte sich bei einem privaten Besuch im Juni 1989 zwar kritisch äußern, nicht aber mit dem inhaftierten Nelson Mandela reden. (Abb. 7)

Bothas Nachfolger de Klerk bemerkte rasch, dass halbherzige Reformen nicht ausreichten (Abb. 8), sondern das gesamte Apartheid-System krankte. Er holte sich im März 1993 durch ein Referendum die Unterstützung der weißen Bevölkerung für seinen Reformkurs (Abb. 9). Das führte – trotz zum Teil heftiger Widerstände (Abb. 10) – zu den ersten freien Wahlen, zu denen alle Volksgruppen das Wahlrecht erhielten. (Abb. 11). Seine und Nelson Mandelas Anstrengungen (Abb. 12) mündeten Ende April 1994 in einen ‚Sieg für Afrika' (Abb. 13): Eine Übergangsverfassung trat in Kraft, mit der auch das Verfassungsgericht der Republik Südafrika entstand. Die aus diesem Anlass entstandene Zeichnung ist in ihrer klaren Symbolik die vielleicht stärkste Südafrika-Karikatur von Pepsch und eine Art positives Spiegelbild zu der Janusfigur (Abb. 2). Full Circle.

Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.

Abbildungen

  • 1: foto und © ingo Barlovic
  • 2-13: © josef gottscheber
  • Die Originalzeichnung zu Abb . 2 ist im Besitz des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr , Dresden (Quelle : MHM/Ingrid Meier ). Die übrigen Originalzeichnungen befinden sich in der Sammlung des Autors .

Text: Ingo Barlovic

Vielen Dank an Ingo Barlovic und Josef "Pepsch" Gottscheber.

Autoren
Ingo Barlovic
Josef "Pepsch" Gottscheber
https://www.about-africa.de/images/KunstKontext/062013/kk06-2013_01_copy.jpg

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Gottscheber

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Pepsch und die Apartheid-Die Südafrika-Karikaturen von Josef Pepsch Gottscheber; Ingo Barlovic, Josef "Pepsch" Gottscheber; 2016; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-06-2013/743-pepsch-und-die-apartheid

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