Miniaturmasken sind bei folgenden Ethnien in Liberia, Guinea und der Elfenbeinküste bekannt:

  • Loma in Liberia bzw. Toma in Guinea
  • Gola
  • Bassa
  • Krahn in Liberia bzw. We in der Elfenbeinküste
  • Dan (Gio in Liberia und Yakuba in der Elfenbeinküste)
  • Mano
  • Grebo

Bei den Ethnien Liberias wurden die Ahnen in die rituellen Handlungen einbezogen sowie die Geister und Dämonen, die nach dem Glauben vieler Afrikaner überall tätig sind. Viele Masken und Figuren wurden beopfert, um die magischen Kräfte zu verstärken.

Die Übermittler der Mythologie sind die zo, welche als Heiler, Wahrsager und auch als Ausbilder der Kinder und Jugendlichen fungieren, oft sind sie auch Vorsteher der zahlreichen Geheimbünde. Der poro-Bund der Männer ist in Liberia weit verbreitet. Die sande-Gesellschaft der Frauen ist für die Erziehung und Einbindung der jungen Mädchen in die Stammestradition zuständig. Die weiblichen zo des sande-Bundes vermitteln soziales Verhalten in der Gemeinschaft; Gesang und Tanz sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung, aber auch handwerkliche Verrichtungen wie das Anfertigen von Reusen, das Flechten von Matten und Körben oder das Töpfern von Krügen.

Die Miniaturmasken haben häufig in einer Hand Platz und dienten unterschiedlichen Zwecken. So berichtete George W. Harley, dass Miniaturmasken für Jungen und Mädchen angefertigt wurden, die von Wahrsagern ausgewählt worden waren, um als zo ausgebildet zu werden. Bei den Dan hatte jeder Mann, der eine wichtige Funktion im Klan ausübte, eine solche Maske. Bei jedem Vollmond musste ihr ein Huhn geopfert werden.1 Die Miniaturmasken sollten auch vor Krankheit schützen, Hexerei abwenden und den Besitzer auf Reisen begleiten, um ihn vor Unheil zu bewahren. In einer kleinen Zeremonie wurden sie mit Palmöl oder zerkauten Kolanüssen beopfert. Auch die Wahrsager und Heiler verwendeten Miniaturmasken oder beauftragten Schnitzer mit der Herstellung dieser kleinen Masken für Frauen und Männer, die mit einem Anliegen oder einer Krankheit Hilfe suchten. Nach Hans Himmelheber und Eberhard Fischer2, die viele Jahre in Liberia die Dörfer der Dan und Krahn besuchten, wurde auch bei den Beschneidungen der Jungen eine Miniaturmaske benutzt. Der zo strich mit seinem Messer über sie, um ein gutes Gelingen herbeizuführen; Infektionen führten nämlich oft zum Tod eines der Knaben.

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Fotogalerie MINIATURMASKEN AUS WESTAFRIKA

Kunst und Kontext 2/2013 (Ausgabe 06). Seite 42-45. Fotos: Siegfried Wolfram

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Abb. 1: Bassa - Holz, 7,5 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 2: Bassa - Holz, 7,5 cm

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Abb. 3: Bassa- Holz, 7 cm

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Abb. 4: Bassa - Holz, 7 cm

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Abb. 5: Bassa - Holz, 7 cm

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Abb. 6: Bassa - Holz, 7 cm

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Abb. 7: Auftritt einer Bassa-Maske am Farmington River

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Landkarte (unbeschriftet)

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 8: Dan Gio Yakuba - Holz, 9 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 9: Dan Gio Yakuba - Holz, 15,5 cm (Mittelformatmaske)

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Abb. 10: Dan Gio Yakuba - Holz, 12 cm

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Abb. 11: Dan Gio Yakuba - Emblem eines zo, Horn, Affenhaare, Holz, 13 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb.12: Dan Gio Yakuba - Holz, 12 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 13: Dan Gio Yakuba - Holz, 8 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 14: Loma - Holz, 18 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 15: Loma - Holz, 18 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 16: Loma - Holz, 18 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 17 : Krahn - Holz, 12 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 18: Krahn - Holz, 7 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 19: Krahn - Holz, 6 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 20: Mano - Holz, 15,5 cm (Mittelformatmaske)

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 21: Mano - Holz, 13,5 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Abb. 22: Mano - Holz, 6 cm

Foto: Siegfried Wolfram

Die Miniaturmasken sind Kopien von wichtigen großen Masken, die eine große Rolle im liberianischen Alltagsleben spielten. Da die Maskenträger und Schnitzer anonym bleiben mussten und da die Masken durch rituelle Handlungen der zo unter Anrufung der Ahnen zu göttlichen Wesen erhoben wurden, glaubten die Menschen, dass diese Kraft von übersinnlichen Mächten, die im Urwald herrschten, auch von den Miniaturmasken übernommen wird. Wenn der Besitzer einer Miniaturmaske verstarb, wurde sie entweder in das Grab gelegt oder als Erbstück einem Sohn übergeben. Im Bürgerkrieg in Liberia (1989 bis 2003) wurden die kleinen Masken von den zo mit magischen Ritualen aktiviert und von den Kindersoldaten getragen, um diese unsichtbar zu machen. Unter Drogen gesetzt, wurden diese Kinder zu hemmungslosen Killern. Ihre bösen Taten führten sie auf die dunklen Mächte zurück, die sich hinter den Masken verbargen und sie so aller Verantwortung für die Gräueltaten enthoben.

In Liberia sind im Gegensatz zu den Miniaturmasken auch Mittelformatmasken (sog. "family masks", die zwischen 11-18 cm groß sind) bekannt, die sowohl von den Geheimbünden und den zo benutzt werden konnten, wie auch von einzelnen Personen, waren diese Masken im Besitz der Klans. Die Masken haben keine Bohrungen für die Befestigung der Kopftücher, da sie ja nicht für Maskenauftritte vorgesehen waren. Auf kleinen Hausaltären aufgestellt, wurden sie bei Todesfällen oder Geburten beopfert.

Literatur

  • Fischer, Eberhard und Himmelheber, Hans: Die Kunst der Dan. Zürich, 1976
  • Harley, George W.: Masks as Agents of Social Control in Northeast Liberia. Peabody Museum Cambridge Mass.1950
  • Schwab, Georg: Tribes of the Liberian Hinterland. Peabody Museum Cambridge Mass.Vol. 31, 1947

Anmerkungen/Fußnoten

  • 1 Schwab, Georg: Tribes of the Liberian Hinterland. Peabody Museum Cambridge Mass.Vol. 31, 1947, S.4
  • 2 Fischer, Eberhard und Himmelheber, Hans: Die Kunst der Dan. Zürich, 1976, S.4

Text und Fotos: Siegfried Wolfram

Vielen Dank an Siegfried Wolfram.

Autor
Siegfried Wolfram
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

MINIATURMASKEN AUS WESTAFRIKA; Siegfried Wolfram; 2016; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-06-2013/768-miniaturmasken-aus-westafrika

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