Als das letzte Los auf der Bonhams "Africa Now"-Auktion am 22. Mai 2013 in London zugeschlagen wurde, war klar, dass die zeitgenössische afrikanische Kunst endlich ihren verdienten Platz auf der internationalen Kunstbühne gefunden hat. Die 120 Lose machten eine Gesamtsumme von £ 1,3 Millionen (ca. 1,6 Millionen Euro), Weltrekorde gab es für zwanzig Künstler, u.a. Emokpae, Uche Okeke, Uzo Egonu und Tshibumba Kanda Matulu. Der Höhepunkt des Tages war der Verkauf sieben großer Holzskulpturen von Ben Enwonwu (1917-1994) für £ 361 250 (ca. 435 000 Euro). Giles Peppiatt, Leiter von African Art bei Bonhams, kommentierte: "Zeitgenössische afrikanische Kunst hat heute mit Weltrekordpreisen einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Das Engagement für afrikanische Kunst durch Bonhams, die Tate Gallery und andere hat Wirkung gezeigt und das Interesse an afrikanischen Künstlern deutlich gesteigert. Ich bin sehr erfreut zu sehen, dass sie die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Als einziges Auktionshaus, das Spezialauktionen allein der zeitgenössischen afrikanischen Kunst während der letzten fünf Jahre gewidmet hat, befriedigt mich das heutige Resultat außerordentlich."

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Fotogalerie ZEITGENÖSSISCHE AFRIKANISCHE KUNST

Kunst und Kontext 2/2013 (Ausgabe 06). 52-53. Fotos: Eric Makin

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Abb. 1: El Anatsuis ‚Tsiatsia‘ bedeckt die gesamte Fassade (26 x 15 Meter) von TSIATSIA - Burlington House bei der Royal Academy in London

Foto: Eric Makin

Abb. 2: El Anatsui bei der „October Gallery“ in London, Mai 2013

Foto: Eric Makin

Abb. 3: Zwei der sieben Holzskulpturen von Ben Enwonwu - in Bonhams „Africa Now“ Auktion Mai 2013.

Foto: Eric Makin

Abb. 4: El Anatsui, Sculpture 2 (Helicopter), 1997, Holz, verkauft im Jahr 2009 bei Bonhams in London für £ 30,000

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Abb. 5: El Anatsui, Sculpture 1, 1997, Kameldornbaum und Stahl, verkauft im Jahr 2010 bei Bonhams in New York für $ 27,450

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Abb. 6: Direkt hinter der Royal Academy, die Gallery of African Art öffnet ihre Türen zum ersten Mal im Mai 2013

Foto: Eric Makin

Es war nicht immer so. Der Anfang gestaltete sich schwierig, und es wurden Fehler gemacht. Die erste Auktion zeitgenössischer afrikanischer Kunst fand am 24. Juni 1999 bei Sotheby's statt, versteigert wurde die Jean Pigozzi-Sammlung. Das Interesse war begrenzt und das Ergebnis enttäuschend, kein angebotenes Kunstwerk erreichte £ 10 000. Das Auktionshaus Gaïa in Paris stieg nach enttäuschenden Ergebnissen aus, und der Galerist Phillips de Pury hatte mit "Africa" (Mai 2010) und die Galerie Artcurial mit "Africa scenes 1" (Oktober 2010) nicht viel mehr Erfolg.

2010 entschied sich Bonhams, es auf dem amerikanischen Markt zu versuchen, in der Hoffnung, dass die Afroamerikaner sich für zeitgenössische afrikanische Kunst interessierten. New Yorks erste Kunstauktion dieser Art fand am 10. März in Bonhams exzellenter Galerie an der Madison Avenue statt. Die Nachrichtenagentur CNN war dabei und hoffte, den Anfang einer neuen Ära dokumentieren zu können. Leider aber war die Realität anders und Bonhams enttäuscht. Es zeigte sich, dass die Afroamerikaner mehr Interesse an afroamerikanischer Kunst hatten als an afrikanischer Kunst. Obwohl für Ben Enwonwus (Nigeria, 1917-1994) Bild 'Dancing Boys' ein Betrag von $ 91 500 erreicht und für eine Mischtechnik mit dem Titel 'Environmental Regeneration' von Bruce Onobrakpeya (Nigeria, 1932 geboren) $ 42 700 erzielt wurde, war die Gesamtauktion enttäuschend. Von 139 angebotenen Losen waren nur 58 verkauft. Seitdem führte Bonhams keine Auktion für zeitgenössische afrikanische Kunst mehr in New York durch.

Die Auktion des Jahres 2011 war solide, aber nicht spektakulär. 66 Kunstwerke von 115 Losen wurden verkauft. Der Durchbruch kam im Jahr 2012 mit der "Africa Now"-Auktion und dem Verkauf des Kunstwerkes des ghanaischen Künstlers El Anatsui für £ 541 250 (inkl. Aufschlag), ein neuer Weltrekord. Das beeindruckende große Kunstwerk in Form eines metallischen Wandteppichs aus Kronkorken, verflochten mit Kupferdrähten und einer Größe von 350 x 500 Zentimetern, weckte das Interesse der Liebhaber afrikanischer Kunst. Ähnliche Kunstwerke kann man an renommierten Orten der Welt u.a. in der Sainsbury African Gallery im British Museum (London), im Metropolitan Museum of Art (New York), im Centre Pompidou (Paris) und in der Smithsonian Institution (Washington DC) besichtigen.

Das Interesse an zeitgenössischer afrikanischer Kunst zeigt seitdem einen dramatischen Anstieg. Die Bonhams "Africa Now"- Auktion in London 2013 war mit der Versteigerung von 90 % aller Lose mehr als beeindruckend. Für Oktober 2013 ist der Beginn der ersten "African Art Fair 1:54" im Somerset House und eine weitere Auktion, "THE AFRICAN ART AUCTION: Contemporary and Modern Art from Africa and its Diaspora", geplant. Ed Cross wird der Kurator für den Veranstalter "The Auction Room", Londons neuestes Online-Auktionshaus, sein. Die Online-Auktion beruht auf einer Idee von George Bailey, der viele Jahre einer der Geschäftsführer von Sotheby's war. Die Auktionen finden online statt. Potentielle Käufer können im Voraus bieten. Ed Cross hofft auf ein regelmäßiges und wichtiges Event im Kunstkalender. Die "African Art Fair 1:54", von David Adjaye, bietet eine Plattform für Galerien, Künstler, Kuratoren, Kunstzentren und Museen, die mit dem Ziel in afrikanische Kunst involviert sind, neue und etablierte Künstler für ein internationales Publikum zu fördern.

Wie sieht die Zukunft aus? Der Auction Room bewegt sich in ein neues Gebiet mit reinen Online-Auktionen. Geplant ist, dass die Kunden den Großteil der Werke zwei Tage vor einer Auktion sehen können. Obwohl der Online-Kauf von Kunst gewisse Risiken birgt, ist in den letzten Monaten eine steigende Expansion zu verzeichnen. Die Zeitschrift "Internet World" meint: "Die Prognosen für die nächsten Jahre stützen den Run auf Online-Kunstportale. So soll der Online-Umsatz für Kunst von weltweit 870 Millionen US-Dollar (671 Mio. Euro) im Jahr 2012 auf 2,1 Milliarden Dollar (gut 1,6 Mrd. Euro) bis Ende 2017 steigen." (10. Juni 2013, S.12 f.).

In Deutschland ist der Markt für zeitgenössische afrikanische Kunst noch immer klein, trotz großen Potenzials, doch die Zukunft sieht rosig aus, wenn man das steigende Interesse beobachtet. Ich denke, dass man mit Blick auf die kommenden Jahre optimistisch sein kann.

Text und Fotos: Eric Makin

Vielen Dank an Eric Makin.

Autor
Eric Makin
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

ZEITGENÖSSISCHE AFRIKANISCHE KUNST-ein “rising Star” auf der internationalen Kunstbühne; Eric Makin; 2016; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-06-2013/771-zeitgenoessische-afrikanische-kunst

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