Unter der Rubrik "Das Besondere Stück" wurde in der vorletzten Kunst&Kontext (04/2012, S.24-29) die Haube eines unbekannten Volkes des amazonischen Tieflandes (VAm3412) beschrieben, die sich heute in den Reiss-Engelhorn-Museen (rem) Mannheim befindet. In diesem Zusammenhang gab es Bedenken, ob die Nummer des Stückes und folglich die Sammlungsangaben korrekt sind, also ob dies das Stück aus dem ehemaligen Karlsruher Bestand (A331) sowie aus der Kunstkammer des Leopold von Baden (1790- 1852) mit der ehemaligen Nummer 162 ist. Da (bisher) keine frühe Abbildung oder Beschreibung des Stückes bekannt ist, besteht eine mögliche Beweisführung in der Gesamtbetrachtung des Mannheimer Federschmuck-Sammlungsbestandes, also einer Art Ausschlussverfahren. Ein weiteres Indiz könnte ein kleiner Zettel sein, der an dem Stück mit einer Nadel befestigt und auf welchem die Nummer "162" erkennbar ist. Dieser wurde bisher nicht bemerkt und beschrieben.

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Fotogalerie Amazonischer Federschmuck in den Sammlungen der rem Mannheim

Kunst und Kontext 2/2013 (Ausgabe 06). Seite 54-60. Fotos: Andreas Schlothauer, rem Archiv Abteilung Weltkulturen

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Abb. 1: Tanzkostüm der Mundurucu, um 1850 in der Schädelkult-Ausstellung Mannheim

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 2: Kopf-Reif und Kopf-Binde aus Guayana, um 1750 (VAm1947)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 3: Oberkörper-Bänder der Mundurucu, um 1850 (VAm1959)

rem Archiv Abteilung Weltkulturen

Abb. 4: Brasilien-Vitrine Gabriel Max, um 1892

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 5 a: Kopf-Reif der Macushi (Guayana), um 1885 (VAm1954-5)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 5 b: Kopf-Reif der Macushi (Guayana), um 1885 (VAm1954-56)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 5 c: Kopf-Reif der Macushi (Guayana), um 1885 (VAm1954-56)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 6 a: Kopf-Binde, Inland Guayana, um 1885 (VAm1958)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 6 b: Kopf-Binde, Inland Guayana, um 1885 (VAm1958)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 7: Hals-Binde der Apinaye, um 1900 (VAm3411)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 8: Kopf-Reif der Tucano, um 1908 (VAm2462)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 9: Kopf-Binde der Araona, um 1885 (VAm2452)

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 10 a: Figuren vom Rio Trombetas(?), um 1650

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 10 b: Keule vom Rio Trombetas(?), um 1650

Foto: Andreas Schlothauer

Abb. 10 c: Kalebasse vom Rio Trombetas(?), um 1650

Foto: Andreas Schlothauer

Methodik

Mein erster Besuch in Mannheim datiert auf den 3.11.2003, ein zweiter folgte am 28.9.2007. Ein Teil der Bestände war damals noch verpackt und auf verschiedene Depots verteilt. Bis 2007 hatte ich 25 Stücke fotografiert (VAm1951, 1954-57, 1959, 1960-64, 1970, 2454, 2459, 2460, 2462, 2602, 2615, 3357, 3358, 3359, 3403, 3407, 4189, 5008). Beim dritten Besuch am 28.6.2011 konnte ich weitere zehn Objekte fotografieren (VAm1948, 1949, 1950, 1952, 1953, 1958, 2461, 3411, 3412, 3413) und am 10.9. 2012 eines (1947). Noch nicht fotografiert ist folgender Federschmuck: VAm1974 (Feder-Fächer), 2530 (Kopf-Reif ), 3346, 3360 (Kopf- Band).

Die Stücke und die zugehörigen Karteikarten wurden fotografiert, außerdem das "Inventarbuch Amerika" und die unten gelistete Sammlungsdokumentation. Das Inventarbuch und der Karteikartenbestand wurden systematisch durchgearbeitet, um dort genannte, aber noch nicht fotografierte Stücke zu finden.

Eine schriftliche Auswertung wurde den Museumsmitarbeiterinnen, der Ethnologin Marion Jourdan und der Restauratorin Sylvia Mitschke, im Jahr 2007 übergeben und die noch nicht fotografierten Stücke benannt, sodass eine konkrete Suche möglich war und fast alle gesuchten Objekte erfasst werden konnten. Ab 2010 wurde bei mehreren Besuchen für die Ausstellung "Schädelkult" (2011/12, rem, Mannheim/LWL-Museum für Archäologie, Herne) der Federschmuck der Mundurucu ausgewählt.

  • Die folgende Auswertung basiert auf den Fotos der Objekte und folgender Dokumente:
  • Mannheimer Karteikarten, um 1950/1960 angelegt;
  • Mannheimer Inventarbuch "V Amerika Buch A Inv.-Nr: 1-3542", um 1929 angelegt;
  • "Innenraum-Aufnahmen Zeughausmuseum", fotografische Gesamterfassung der Sammlung, frühestens 1925 und spätestens 1936/37) angelegt;
  • "A-Inventar Karlsruhe, Ethnographische Sammlung", ab 1878 geführt;
  • Collini-Inventar-Verlustliste, 1799 angelegt;
  • Baumann-Inventar, 1882 angelegt;
  • Brasilien-Vitrine Gabriel Max, um 1892 fotografiert;
  • Packbuch der Sammlung Gabriel Max, 1917 von Föhner angelegt;
  • Briefe der Gabriel Max Akte;
  • Alte Objekt-Etiketten von Richard Payer.

Überblick

In der Sammlung befinden sich vierzig Federschmuck-Objekte der folgenden Ethnien: Araona, Apinaye, Cashinahua, Chamacoco, Faruaru-Hixkaryana, Jivaro, Kayapo, Macushi, Mundurucu, Tucano. Sammlungsgeschichtlich besteht die heutige Sammlung aus drei Teilen, die interessantesten Stücke finden sich in den Teilen A und B.

A. Ursprünglich in Mannheim (vor 1935): 22 Stück

B. Tausch mit der Völkerkundlichen Sammlung Karlsruhe (1935/36): 12 Stück

C. nach 1945 erworben: 6 Stück

Besonders wichtig und selten sind die folgenden Stücke:

Besonders wichtig und selten sind die folgenden Stücke
VAm3412 Guayana Haube Kunstkammer Leopold von Baden
VAm1947 Guayana Hut Kurfürstliches Antiquarium
VAm1958 Guayana Kopf-Binde Gabriel Max
VAm1954-56 Macushi Kopf-Reif Richard Payer an Gabriel Max
VAm1948-53, VAm1959-64, 1970 Mundurucu Tanzkostüm Gabriel Max
VAm2454 Araona Kopf-Binde Arthur Speyer
VAm3411 Apinaye Hals-Binde Museum Offenburg

Drei Stücke wurden ohne Nummer aufgefunden und mit Hilfe der Karteikarten zugeordnet (VAm1955, VAm2461, VAm3407).

A. Der ursprünglich vorhandene Mannheimer Bestand vor 1935

Der überwiegende Teil des Federschmuckes (18 Nummern, 20 Stück) ist aus der Sammlung des Künstlers Gabriel Max (1840- 1915), die ab den 1860er-Jahren entstand und im Jahr 1917 in das Mannheimer Museum gelangte. Fünfzehn Stücke sind von den Mundurucu, drei Kopf-Reife von den Macushi (Guayana), eine Feder-Binde aus dem Inland Guayanas, und ein europäisch beeinflusster Feder-Fächer stammt aus Peru. Ein Kopfschmuck aus Guayana ist aus dem frühesten Bestand, dem "Kurfürstlichen Sammlung", und ein Bündel Oberkörper-Bänder der Mundurucu wurde im Jahr 1920 von dem Händler Arthur Speyer erworben.

Nicht zum Federschmuck gezählt ist ein tsantsa (Schrumpfkopf) eines Jivaro-Volkes mit Feder-Ohrschmuck, der in der Sammlung ohne Nummer war, jedoch durch ein Foto auf der zugehörigen Karteikarte eindeutig als VAm2045 identifiziert werden konnte.

Kurfürstliche Sammlung

Im Katalog von Baumann aus dem Jahr 1882 ist der Kopfschmuck genannt (VAm1947): "7. Kopfschmuck aus Guayana: ein 12 cm hoher aus Weiden geflochtener Reif, der mit bunten Federn reich geschmückt ist. (St.) (Abb. 01)". Das Kürzel St. verweist auf den schwedischen Ethnologen Hjalmar Stolpe (1841-1905), dem wohl die regionale Zuordnung zu verdanken ist. Möglicherweise befand sich der Kopfschmuck bereits im 1757 gegründeten Naturalien-Kabinett des Kurfürsten Carl Theodor. Der hutähnliche Kopfschmuck besteht aus zwei Teilen, einem Flechtwerk aus Palmblattstreifen und -rippen sowie aus einem Netz, in welchem Federn befestigt sind. Abgebildet ist das Stück im Fotoalbum "Innenraum-Aufnahmen Zeughausmuseum" um 1930. Ein vergleichbarer Kopfschmuck ist (bisher) nicht bekannt, dennoch vertrete ich die These, dass Flechtwerk und Feder-Binde ursprünglich nicht zusammengehörten. Beide Stücke sind mit Sicherheit alt, der wahrscheinliche Herstellungszeitraum liegt zwischen 1750 und 1850. Ein Detail des Flechtwerks zeigt eine Technik, die z. B. auch bei den Wayana im Inland Guayanas vorkommt.

Erwerb von Arthur Speyer

Im Jahr 1920 wurde von dem Berliner Händler Arthur Speyer ein Federschmuck der Mundurucu erworben, der aus fünf Strängen besteht, nämlich drei roten, einem gelben und einem schwarzen, die schräg über den Oberkörper gebunden wurden (Abb. 2). Der Erwerb von Speyer ist nicht ganz sicher, denn ursprünglich war um 1930 im Inventarbuch eingetragen "Ältere Beschriftung fehlt", später wurde dies gestrichen und handschriftlich ergänzt durch "Speyer München 1920".

Sammlung Gabriel Max

Die Sammlungsangaben im Inventarbuch und auf den Karteikarten- Originalen sind ungenau. Bei keiner der 18 Nummern (20 Stück) findet sich ein Hinweis auf Gabriel Max als Voreigentümer, meist heißt es "Ältere Beschriftung fehlt" oder "unbekannt".

Der Fächer VAm1974 und ein Kopf-Reif VAm1955 waren in der Sammlung ohne Nummer, konnten aber mit dem Foto der Brasilien- Vitrine von Gabriel Max und der jeweiligen Karteikarte eindeutig identifiziert werden. Bereits im Fotoalbum "Innenraum- Aufnahmen Zeughausmuseum", also um 1930, sind diese Stücke ohne Nummer abgebildet.

Auf der Abbildung "Abb. 4: Brasilien-Vitrine Gabriel Max, um 1892" ist unterhalb der beiden Schädel ein Foto mit zwei Mundurucu Kopftrophäen und einem tsantsa erkennbar, gemäß dem Text auf demselben ehemals in der "Christy Collection". Hat Gabriel Max die rechte Kopftrophäe gekauft? Da diese im Zusammenhang mit dem Erwerb der Maxschen Sammlung im Jahr 1917 an das Grassi-Museum Leipzig ging (Althaus 2010), kann dies nur dort geprüft werden.

Bei sechzehn Stücken sind die regionalen Angaben mit "Südamerika" bzw. "Brasilien" (80%) sehr allgemein, nur bei vier Stücken sind diese genau (20%): Die drei Kopf-Reife VAm1954-56 (Abb. 4a-c) mit dem Vermerk "Macushi Oberlauf Rio Urariquera" und ein Fächer aus der "Provinz Loreto Peru". Diese vier Stücke hat Gabriel Max im Jahr 1888 von dem österreichischen Forscher Richard Payer erworben, der zwischen 1881 und 1888 in Brasilien reiste. Zwar sind die Zettel mit handschriftlichen Vermerken Payers ausgerechnet zum Federschmuck (bisher) nicht vorhanden, jedoch stimmen Sammlungsgebiet und Ortsangaben überein.

Richard Payer (1836-1912?)

Der österreichische Forschungsreisende lieferte dem Sammler Gabriel Max im Jahr 1888 über fünfzig Objekte mit den Herkunftsangaben: Macushi, Porocoto, Rio Urariquera, Rio Negro und Rio Ucayali. Die Stücke sind nicht in numerischer Reihenfolge in der Sammlung gelistet, sondern verteilt; ein größerer Block findet sich unter VAm01896-1945. Ein wichtiger Teil von Payers Sammlungen befand sich im "Museu Amazonense" in Manaos, das etwa um 1900 aufgelöst wurde. "Wohl bestand auch in Manaos ein hübsches Museum, das eine Zeitlang unter der trefflichen Leitung des bekannten brasilianischen Botanikers Joao Barboza Rodrigues und des Deutschen Dr. Pfaff stand; aber es hat sich längst in Wohlgefallen aufgelöst, und die Sammlungen sind in alle Winde zerstreut. Es befanden sich prächtige Stücke darunter, so die interessanten Ethnographica, die Barboza bei den sogenannten Krischana des Yauapery-Flusses erworben, und die grosse Sammlung, die der Österreichische Reisende Richard Payer vom oberen Rio Negro und Uaupes mitgebracht hatte." (Koch-Grünberg 1909, S. 10)

Ein Teil des schriftlichen Nachlasses von Payer und ein weiterer Teil seiner Sammlung befinden sich im Museum für Naturgeschichte bzw. im Völkerkundemuseum in Wien.

Trotz der wenigen Angaben ist eine eindeutige Zuordnung fast aller Objekte zum Sammler Gabriel Max durch das Foto der Maxschen Brasilien-Vitrine möglich sowie durch die Texte der Föhnerschen Packliste von 1917. Nur die Oberkörper-Bänder der Mundurucu (VAm1957) sind auf dem Foto nicht sichtbar. Aus diesen Unterlagen ist auch ersichtlich, dass einige Stücke fehlen. Es handelt sich um zwei weiße? Flügelteile (Reiher?) und zwei weiße? Balgteile aus dem Nackenbereich, welche die Reiher nur in der Brunftzeit tragen. Möglicherweise befinden sich diese in der naturkundlichen Sammlung des rem.

Die Tabelle zeigt die regionalen Zuordnungen, die vermutete Tragweise (Typ), die Herkunft sowie das vermutete Sammlungsjahr. Alle dunkelgrau markierten und in Klammern gesetzten Daten gehen auf die Bearbeitung des Autors zurück. Hellgrau markiert sind die Museumsangaben, die richtig sind.

Nr.Ethnie / RegionTypHerkunftJahr
VAm1948 (Mundurucu) (Handgelenk) (G.Max) (1850)
VAm1949 (Mundurucu) (Handgelenk) (G.Max) (1850)
VAm1950(a+b) (Mundurucu) (Knie) (G.Max) (1850)
VAm1951 (Mundurucu) (Knie) (G.Max) (1850)
VAm1952 (Mundurucu) (Oberarm) (G.Max) (1850)
VAm1953 (Mundurucu) (Oberarm) (G.Max) (1850)
VAm1954 Macushi Kopf (Richard Payer an G.Max) (1888)
VAm1955 Macushi Kopf (Richard Payer an G.Max) (1888)
VAm1956 Macushi Kopf (Richard Payer an G.Max) (1888)
VAm1957
(Heutige Nummer VAm2455-2458)
(Mundurucu) (Oberkörper) (G.Max) (1850)
VAm1958 (Taruma? / Guayana) (Kopf) (Richard Payer ? an G.Max) (1888?)
VAm1960 Mundurucu Kopf (G.Max) (1850)
VAm1961 (Mundurucu) (Hüfte) (G.Max) (1850)
VAm1962 (Mundurucu) (Oberarm) (G.Max) (1850)
VAm1963 (Mundurucu) (Oberarm) (G.Max) (1850)
VAm1964(a+b) (Mundurucu) (Fußknöchel) (G.Max) (1850)
VAm1970 Mundurucu Zepter (G.Max) (1850)
VAm1974 Provinz Loreto Peru Fächer (G.Max) (1888?)

Kreative Sammlungsdokumentation:
Auf einigen Karteikarten (z.B. VAm1948-1950, 1959, 1960, 1970) finden sich handschriftliche Ergänzungen, bei denen weder der Autor noch das Datum erwähnt sind. Der Vermerk "Mundurukú" auf den Karteikarten der Haube (VAm1960) und des Zepters (VAm1970) ist jeweils mit Literaturangabe und stammt wohl aus der Zeit zwischen 1971 und 1990. In allen anderen Fällen sind die handschriftlichen Ergänzungen erst in den letzten Jahren erfolgt, Grundlage waren offensichtlich meine mündlichen Mitteilungen und schriftlichen Ausarbeitungen. Dokumentation dieser Art findet sich in sehr vielen Völkerkundemuseen. Streichungen und Ergänzungen auf Karteikarten sind fast immer ohne Nennung von Autor und Datum. Häufig wurden auch alte Etiketten entfernt, ohne dass durch Fotos Objekt und Etikett dokumentiert wurden. Die Sammlungsgeschichte ist dann verloren.

Die ethnische Zuordnung der Stücke (Mundurucu) (Abb. 1) ist durch Vergleichsstücke in anderen Sammlungen möglich, deren Herkunft gesichert ist. Schwieriger ist die Zuordnung zu Körperteilen (Typ). Eindeutig ist diese bei VAm1961 (Hüfte), VAm1960 (Kopf) und VAm1957 (Oberkörper), sicher wohl auch bei VAm1952+1953 bzw. 1962+1963 (Oberarm). Schwieriger hingegen ist es bei VAm1948+1949 (Handgelenk), VAm1950a+b (Knie) und VAm1964a+b (Fuß). Es sind jeweils Paare, die sich in technischen Details unterscheiden, aber von der Länge her jeweils um die Knie- , Hand- und Fußgelenke gebunden werden könnten. Meine Zuordnung werde ich an anderer Stelle begründen, hier nur ein Vergleich mit der Anordnung auf dem Maxschen Vitrinen-Foto.

KörperteilTechnikMaxsches Vitrinen-FotoSchlothauer
Kopf Haube VAm1960 VAm1960
Kopf Binde VAm1961 unklar
Oberarm Binde VAm1962+63 VAm1962+63
VAm1952+53
Handgelenk Binde VAm1950(a+b) VAm1948+49
Hüfte Gürtel VAm1961 VAm1961
Hand Zepter VAm1970 VAm1970
Knie Binde VAm1952+53 VAm1950a+b
Fußgelenk Binde VAm1948+49 VAm1964
Oberkörper Bänder Nicht zugeordnet auf Gabriel Max Foto VAm1957
Fuß Bänder Nicht zugeordnet auf Gabriel Max Foto VAm1964

Die Anordnung auf dem Foto zeigt (Abb. 4), dass entweder Gabriel Max genauere Angaben zu den Stücken vorgelegen haben oder ein kompetenter Besucher diese vorgenommen hat. Interessant ist das Tanzkostüm auch deswegen, weil es möglicherweise ursprünglich zusammenhängend von einem Mundurucu erworben wurde. In der Schädelkult-Ausstellung (2011/12) waren die Objekte mit meiner Zuordnung ausgestellt. (Abb. 1)

Die Vorderseite von VAm1958 (Abb. 6a) gleicht den Feder-Binden der Inland-Völker Guayanas, z. B. der Macushi, Taulipang, Arecuna, Waiwai. Diese wurden auf einen geflochtenen Reif gebunden und auf dem Kopf getragen. Die Rückseite zeigt eine seltene Technik (Abb. 6b). Während sonst meist Feder-Bänder auf gewebte textile Träger aufgenäht sind, sind hier längs laufende Baumwoll-Fäden etwa alle zwei Zentimeter durch quer liegende Fäden miteinander verknotet, eine sehr einfache textile Technik. Regionale Angaben gibt es zu dem Stück nicht.

B. Die Karlsruher Bestände bis 1935

Durch Tausch gelangten im Jahr 1935 zwölf Stücke der Völkerkundlichen Sammlung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe nach Mannheim. Acht Objekte hatten die Karlsruher bei Arthur Speyer erworben, sieben am 26. November 1929 und eines am 19. Mai 1928 (VAm2454). Der Federschmuck VAm3411 ist mit der Herkunft "Offenburg Museum" im Jahr 1928 eingegangen, zwei Objekte wurden am 25. Mai 1928 vom Linden-Museum Stuttgart erworben (VAm2602, 2462), und ein Stück stammt aus der ehemaligen Kunstkammer Leopolds von Baden (VAm3412).

Erwerb vom "Museum Offenburg" (Museum im Ritterhaus?)

Die Sammlungsangaben "Bolivien, Kopfschmuck" im Inventarbuch Karlsruhe und Mannheim sind falsch. Das Stück ist von den Apinaye, einem Gesprachigen Volk Brasiliens am Rio Tocantins (Abb. 7). Es wurde um den Hals getragen, sodass die Federn im Nackenbereich nach außen standen. Vergleichsstücke des deutsch-brasilianischen Forschers Curt Nimuendaju, Museumseingang 1931, befinden sich z.B. im Världskulturmuseet Göteborg (1931.40.321, 1931.40.331). Federschmuck der Apinaye ist sehr selten und nur in wenigen Museen (z. B. Bern, Dresden, Göteborg, Sao Paulo, Zürich) zu finden. Unklar bleibt (vorläufig) der Sammler des Stückes.

Erwerb vom Linden-Museum Stuttgart

Vom Linden-Museum wurden zwei Stücke erworben, deren ehemalige Nummern nicht genannt sind. Durch Sichtung des Stuttgarter Inventarbuches konnten diese identifiziert werden (hellgrau markiert und in Klammern):´

TypMannheimKarlsruheStuttgart
Feder-Band VAm2602 A12214 (79900)
Kopf-Reif VAm2462 A12213 (80036)

Bei beiden Nummern findet sich mit roter Schrift der Austrag: "Verk. n. Karlsruhe, Bad. Landesmuseum, Mai 1928". Die Stücke waren Bestandteil einer größeren Sammlung und sind im Inventarbuch beschrieben: "L.No.1180, Sammlung des Herrn Emil Zarges (1912; Geschenk?), Zettelkatalog Hermann Schmidt". Diese etwas rätselhaften Angaben sind wie folgt zu lesen: Einlieferer war Emil Zarges (1876? -1935), ein Kaufmann, der etwa von 1897 bis 1914 in Brasilien lebte und mehrere Jahre deutscher Konsul in Manaus war. Die Sammlung erreichte das Museum im Jahr 1912. Sammler war Hermann Schmidt, gebürtig aus Wittstock, der um 1900 in Brasilien als Kolonist einwanderte. Er arbeitete unter anderem für das damalige "Museu Amazonense" in Manaus und bereiste im Jahr 1907, gemeinsam mit Louis Weiss, den Rio Caiary-Uaupés in Nordwest- Brasilien, kurz nach der Expedition des bekannten Südamerikaforschers Theodor Koch-Grünberg. Ein Teil dieser Sammlungen befindet sich im American Museum of Natural History (New York). Schmidt war dann von 1911 bis 1913 Koch-Grünbergs Reisebegleiter bei der Expedition zum Rio Branco und Orinoco. (Sammlungsdokumentation Stuttgart; Koch-Grünberg 1935, S.104)

Erwerb von Arthur Speyer II.

Ein sehr wichtiges Stück (VAm02454) wurde 1928 von dem Berliner Händler Arthur Speyer erworben. Im Mannheimer Inventarbuch steht "Federn-Tanzschmuck, Zentralbrasilien Mundurucu". In der Spalte Bemerkungen ist mit "K" auf die Karlsruher Herkunft verwiesen, aber keine Nummer genannt. Das Durcharbeiten des Inventarbuches ergab einen Treffer unter der Nummer 12267, die Beschreibung und die Längenangaben stimmen überein. "Federmosaik entweder als Kopfschmuck oder Leibgurt getragen. Ausgrabung. Rechteckiges Stoffstück mit einzelnen eingeknüpften Federn. Oberer Streifen breit mit roten Federn, Mittelstreifen schmal mit schwarzen, unterer Streifen breit mit gelben Federn. Auf beiden Seiten Fransen. Peru oder Mundurucu. Länge 50 cm, Breite 21,5 cm. von Arthur Speyer, Berlin". Falsch ist die regionale Zuordnung. Die Feder-Binde war Bestandteil eines Kopfschmuckes des damals im ostbolivianischen Tiefland lebenden Volkes der Araona (Tacana-Sprachgruppe) und wurde zuckuinave genannt. Dieser Federschmuck ist sehr selten. Folgende acht Vergleichsstücke sind (bisher) bekannt:

Berlin 4 VA1550, VA7741, VA7742, VB1977b
Dresden 2 28337, 34240
Lübeck 1 10492 (EX Berlin VB1977a oder c?)
Paris 1 71.1909.19.141

Die Herkunftsangaben sind bei sieben Objekten "Peru" (VA1550, 71.1909.19.141) oder "Cochabamba-Aymara" (VB1977) oder "Mojos Ost-Bolivien" (28337, 34240), nur zweimal wird "Araona" (VA7741, 7742) genannt. Die Zeitspanne des Museumseinganges liegt zwischen den Jahren 1878 (B-VA1550) und 1917 (D-34240). Eine Prüfung des Berliner Inventarbuches ergab, dass es dort ursprünglich sechs dieser Stücke gab und die Stücke VB1977a, VB1977c ohne Austrag fehlen. Als Einlieferer im Jahr 1886 wird "Nehring" genannt (Eingangsakte 235/1885), der dem Museum fast ausschließlich Ausgrabungsfunde wie Steinäxte, Pfeilspitzen etc. schenkte. Die regionale Angabe "Cochabamba" wurde später handschriftlich durch "Aymara" ergänzt. Sowohl Speyer als auch die Völkerkundliche Sammlung der Stadt Lübeck haben in den 1920er- Jahren Objekte vom Berliner Museum erworben, könnten also jeweils eine der Feder-Binden erstanden haben.

Das Volk der Araona wurde in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, den Zeiten des Kautschuk-Booms, dahingerafft, nur wenige überlebten, die Kultur verschwand. Die Arbeiten dieser Federkünstler sind bislang überwiegend unerkannt in den Museumsdepots, da falsch oder gar nicht zugeordnet.

Häufiger in Sammlungen zu finden sind Stücke wie die weiteren sieben. Von den Chamacoco sind vier Feder-Stäbe (VAm2459-61, VAm3407), die in die Haare gesteckt wurden, und ein zopfartiger Kopfschmuck (VAm3413). Zwei Stäbe waren ohne Nummer in der Sammlung und konnten als VAm2461 bzw. VAm3407 identifiziert werden. An einem der Stäbe ist noch ein altes Etikett "45" vorhanden, welches die Zuordnung zu einem Sammler oder Museum möglich machen könnte. Weiterhin erhielt Karlsruhe von Speyer einen Kopf-Reif der Kayapo (VAm3403) und ein Paar Ohr-Anhänger (VAm2615), die einem der Jivaro-Völker zugeordnet werden können.

Informationsverlust durch Objekttransfer zwischen Museen

VAm2601

  • Mannheim: "Federschmuck Südamerika, K12214"
  • Karlsruhe: "Federkrone, kreisförmig. Strohgeflecht mit roten u. gelben Tukanfedern und im Nacken hängenden Einzelfedern. Südamerika. Urwald. Slg. Konsul Zarges. Gesamtlänge 68 cm. Durchmesser der Krone 24 cm".
  • Stuttgart: "Federkrone, in Strohreif mit Tierschwanz als Anhänger, Rückenschmuck, NW-Brasilien, Rio Caiary-Uaupés, Konsul Emil Zarges, Verk. n. Karlsruhe, Bad. Landesmuseum, Mai 1928".

VAm2462

  • Mannheim: "Federkopfband Urwald Indianer, K21213"
  • Karlsruhe: "Kopfband aus roten, gelben u. weißen Vogelfedern (Tukan) an Bastschnur, Südamerika Urwald, Slg. Konsul Zarges, Länge des Federstreifens ca. 37 cm"
  • Stuttgart: "Kopfschmuck, aus Tukanfederchen, die auf eine Schnur gebunden sind; zum Gebrauch wird er in einen Strohreif eingeklemmt, NW-Brasilien, Rio Caiary-Uaupés", Konsul Emil Zarges, Verk. n. Karlsruhe, Bad. Landesmuseum, Mai 1928".

Der Schwund der Sammlungsangaben ist auffällig. Im Mannheimer Inventarbuch fehlen fast alle Daten, immerhin wurde die alte Karlsruher Nummer notiert, was die Rekonstruktion vereinfachte. In Karlsruhe sind die regionale Angabe und die Stuttgarter Nummer nicht mehr vorhanden. Bereits in Stuttgart wurden von den verschiedenen Sammlungslisten die Sammler (H. Schmidt, L. Weiss) und der Sammlungszeitraum (1907) nicht übertragen. Dieses Beispiel ist keineswegs ein Sonderfall und gilt nicht nur für Mannheim, Karlsruhe oder Stuttgart. Es ist lediglich ein prägnantes Beispiel von sehr vielen, das zeigt, wie viele Informationen bei der Weitergabe zwischen Museen verloren gingen; aber auch ein Beispiel dafür, dass bei einer systematischen wissenschaftlichen Bearbeitung vieler Museumssammlungen eine Rekonstruktion der Querverbindungen einfach und schnell (in etwa dreißig Minuten) möglich ist. Die Südamerika-Inventarbücher des Linden-Museums Stuttgart und des rem (Mannheim und Karlsruhe) konnte ich bereits vor vielen Jahren vollständig fotografieren. Ich danke Doris Kurella und Wilfried Rosendahl für das Vertrauen.

Statistik

Die Sammlungsangaben im Mannheimer Inventarbuch und auf den Karteikarten sind sehr ungenau. Nur bei zwei Stücken stimmt mit "Chamacoco" die ethnische Herkunftsbezeichnung (16,67 %), bei den restlichen zehn Stücken (83,33%) ist diese entweder "Südamerika", "Brasilien" oder ganz falsch. Die Tragweise bzw. der Körperteil, an welchem das Stück getragen wurde, ist nur in einem Fall richtig genannt. Hinweise auf den Voreigentümer oder Sammler gibt es bei keinem der Stücke, verwiesen wird lediglich auf Karlsruhe.

Im Karlsruher Inventarbuch sind fünf ethnische Angaben, "Chamacoco" bzw. "Kayapo", richtig (41,67%), sieben falsch (58,33%). Alle richtigen Informationen sind von dem Händler Arthur Speyer, immerhin sind somit fünf seiner acht Angaben korrekt (62,5 %). Die Angaben bei VAm2454 könnten als richtig gewertet werden, da Speyer hier die falschen Daten des Museums weitergegeben hat. Dann wären sogar 75 % seiner Weitergaben richtig. Dies als nur eines von vielen Beispielen dafür, dass bei dem Erwerb von Museums-Objekten durch Händler auf ethnografische Informationen (Ethnie/Region, Tragweise/Verwendung) großen Wert gelegt wurde. Lediglich die Weitergabe des Voreigentümers wird von Speyer vermieden. Die Übernahme von Informationen beim Tausch zwischen Museen ist in diesem Fall (wie bei vielen weiteren) unvollständiger und ungenauer als zwischen Speyer und dem Karlsruher Museum.

Behauptungen in der ethnologischen Literatur, wie z. B. erst kürzlich wieder die von Beatrix Hoffmann geäußerte, entbehren einer empirischen Basis durch Prüfung an den einzelnen Objekten, wie oben beispielhaft ausgeführt. Obwohl als Wahrheiten formuliert, handelt es sich noch nicht einmal um wissenschaftliche Thesen, denn eine empirische Beweisführung ist nicht erkennbar: "Die ... vorgenommenen Veräußerungen von Sammlungsgegenständen an Händler bedeuteten nicht nur den Verlust für die Sammlungen des Berliner Museums, sondern auch für die wissenschaftliche Forschung, da sie einen immensen Informationsverlust zur Folge hatten. Dieser resultierte nicht nur aus dem Transfer der Gegenstände an sich, der immer zu einem Datenverlust führt (Feest 1998: 262), sondern auch aus Perspektive der Händler auf die Stücke, die sie als kontextlose Kunstwerke sehen und verkaufen wollten. Zudem hatten die Händler kein Interesse an der Offenlegung ihrer Bezugsquellen gegenüber ihren Kunden." (Hoffmann 2012, S.52)

In der Tabelle sind bei "Ethnie/Region" und "Typ" die Karlsruher Inventarbuch-Angaben weiss. Die Neuzuordnungen des Autors sind hellgrau. Bei "Sammler", "Jahr", "MA Nr." und "K Nr." verweisen die hellgrauen Markierungen auf neue Informationen oder darauf, dass ein bisher nummernloses Stück identifiziert werden konnte.

MA Nr.Ethnie/RegionTypSammlerJahrA Nr.
VAm2454 Mundurucu (Araona) (Kopf) Arthur Speyer (MfV Berlin, Nehring?) (1886) (12267)
VAm2459 Chamacoco Stab (Kopf) Arthur Speyer 1929 12303
VAm2460 Chamacoco Stab (Kopf) Arthur Speyer 1929 12303
VAm2461 (Chamacoco) Stab (Kopf) (Arthur Speyer) (1929) (12303)
VAm2462 Südamerika (Tucano) Band (Kopf) LM Stuttgart Zarges (H. Schmidt) (1907) 12213
VAm2602 Südamerika (Tucano) Reif (Kopf) LM Stuttgart Zarges (H. Schmidt) (1907) 12214
VAm2615 Brasilien (Jivaro?) Anhänger (Ohr) Arthur Speyer 1929 12341
VAm3403 Kayapo (Ira-amraire) Kopf-Reif Arthur Speyer 1929 12342
VAm3407 Chamacoco Stab (Kopf) (Arthur Speyer) (1929) 12303
VAm3411 Bolivien (Apinaye) Kopf (Hals) Museum Offenburg 1928 12024
VAm3412 Brasilien Schürze (Kopf) Leopold von Baden 1876 331
VAm3413 Chamacoco (Kopf)Anhänger Arthur Speyer 1929 12311

Fehlende Objekte der Karlsruher Sammlung

Die folgenden 22 Stücke (21 Nummern) der Karlsruher Sammlung wurden in Mannheim nicht inventarisiert und sind daher wohl auch nie dorthin gelangt. Es sind drei Stücke der Tucano aus der Sammlung Zarges (bzw. von den Sammlern Hermann Schmidt und Louis Weiss), erworben vom Linden-Museum Stuttgart im Jahr 1928, und 19 Objekte, die von Arthur Speyer II. im Jahr 1929 gekauft wurden.

Erwerb vom Linden-Museum Stuttgart: 3 Stücke
  • 12215: Federkrone wie 12214 mit lang herab fallenden Federschürzen im Nacken, Slg. Konsul Zarges, Gesamtlänge 100 cm, Durchmesser der Krone 22 cm
  • 12216: Armschmuck. Federn an geflochtener Schlinge aus Hanf, Slg. Konsul Zarges, Gesamtlänge 40 cm
  • 12217: Federkamm. Kamm Schildpatt mit Rohr. Seitlich je ein Federbüschel eingesteckt, Slg. Konsul Zarges Gesamtlänge ca. 70 cm
Erwerb von Arthur Speyer II.: 19 Stücke
  • 12303: Sechs Tanzstäbe mit Federn verziert, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929. (AS: Gefunden bisher vier.)
  • 12304: Schurz aus Papageienbalg, Xingu-Quellgebiet, Arthur Speyer, 1929
  • 12305: Halskragen aus Papageienfedern, Kayapo, Arthur Speyer, 1929
  • 12306: Haarnetz mit Federbesatz, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12307: Armschmuck, netzgeknüpft mit Federbesatz, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12308: Haarschmuck aus Federn, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12309: Anhängeschmuck aus Federn, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12311: Anhängeschmuck aus Federn, walzenförmig, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12331 und 12332: Poncho, hellgraues, weissgestreiftes Baumwollgewebe mit Federbehang, Chamacoco, Arthur Speyer, 1929
  • 12339: Runde Mütze aus Federn, netzförmig geknüpft, Arthur Speyer, 1929
  • 12340: Nackenschmuck aus bunten Vogelbälgen, Arthur Speyer, 1929
  • 12343-48: Sechs Ketten aus braunen Früchten mit Federn, Ucayali- Gebiet, Arthur Speyer, 1929

C. Erwerbungen nach 1945

Kurz erwähnt seien hier noch sechs weitere Stücke: Ein Ohr-Anhänger (VAm5008) der Faruaru-Hixkaryana mit der Sammlerangabe "Pater Gercken" aus dem Jahr 1950. Von einem Sammler Bausenhart wurden im Jahr 1973 vier Stücke erworben, davon sind drei Kopf-Reife von den Cashinahua vom oberen Rio Purus und ein Kopf-Reif von den Shapra-Candoshi, einer Jivaro-Gruppe. Die Stücke wurden in den 1950er- bis 1960er-Jahren gesammelt; außerdem von dem Sammler Horst Antes ein typischer Kopf-Reif eines Jivaro-Volkes (VAm4189), hergestellt in den 1960er- bis 1970er-Jahren.

Ergebnis zur Frage: Ist K331 identisch mit MA-VAm3412?

Alle Stücke des ursprünglichen Mannheimer Bestandes sind vorhanden und können mit Hilfe von Fotos bzw. Beschreibungen eindeutig zugeordnet werden. Dies trifft auch für den "Karlsruher Bestand" zu. Beide Inventarbücher wurden auf fehlende Stücke geprüft, kein vergleichbares Stück fehlt. Der eingangs erwähnte Zettel mit der Nummer "162", die auf meinem Foto nicht eindeutig lesbar war, konnte durch Prüfung am Stück genau bestimmt werden. Es ist diese Nummer. Schreibweise und Papier verweisen eindeutig auf das Naturalienkabinett von Carl Theodor. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die ehemalige Karlsruher Nummer 331 die heutige Mannheimer Haube VAm3412 ist.

Ausblick – Holzfiguren vom Rio Trombetas?

Zu den weltweit bedeutendsten Stücken des rem zählen drei Holzfiguren aus dem Amazonas-Gebiet, die bereits im Bestand des Baumann-Inventares ("Altertumsverein") vor 1882 genannt sind. Die heutigen bzw. alten Nummern sind: VAm1894 (A.V. Fe21), VAm1987 (A.V. Fe20) und VAm1988 (A.V. Fe19). Der Münchner Südamerikanist Otto Zerries hat die Stücke in einem kurzen Aufsatz vorgestellt und diese dem "Gebiet des unteren Amazonas bzw. Brasilianisch-Guayanas" zugeordnet sowie eine Entstehungszeit "im 17. oder 18. Jahrhundert" vermutet (Zerries 1965). Die Figur VAm1987 ist bei Leuzinger abgebildet (Abb. 385b).

Nicht genannt sind bei Zerries eine Keule (VAm1984) und eine Kalebasse (VAm1886), die aus dem gleichen Sammlungszusammenhang bzw. den gleichen Herstellern sein könnten. Dazu in einer der nächsten Ausgaben mehr.

Literatur

  • Althaus, Karin/Friedel, Helmut (HRSG.) Gabriel von Max. Malerstar, Darwinist, Spiritist. München, 2010
  • Hoffmann, Beatrix: Das Museumsobjekt als Tausch- und Handelsgegenstand. Zum Bedeutungswandel musealer Objekte im Kontext der Veräußerungen aus dem Sammlungsbestand des Museums für Völkerkunde Berlin. Berlin, 2012
  • Koch-Grünberg, Theodor: Zwei Jahre unter den Indianern. Reisen in Nordwest-Brasilien 1903-1905. Berlin, 1909
  • Leuzinger, Elsy: Kunst der Naturvölker. Frankfurt am Main, 1978, S.276
  • Zerries, Otto: Drei unbekannte Holzschnitzarbeiten aus Brasilianisch-Guayana im Museum für Völkerkunde zu Mannheim. In Tribus Veröffentlichungen des Linden-Museums Nr. 14, August 1965, S.185-193

Text: Andreas Schlothauer
Fotos: Andreas Schlothauer (Abb. 1, 2, 4-10)
rem Archiv Abteilung Weltkulturen (Abb. 3)

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer und Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim / Museum Weltkulturen D5.

Autoren
Dr. Andreas Schlothauer
https://www.about-africa.de/images/aabilder/kontakt/Andreas-Schlothauer_2011.png
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim / Museum Weltkulturen D5

http://www.rem-mannheim.de

Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Amazonischer Federschmuck in den Sammlungen der rem Mannheim-Eine systematische Sammlungsbearbeitung 2003 bis 2012; Dr. Andreas Schlothauer, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim / Museum Weltkulturen D5; 2016; https://www.about-africa.de/kunst-und-kontext/ausgabe-06-2013/775-amazonischer-federschmuck-in-den-sammlungen-der-rem-mannheim

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