Der Erhalt der ethnologischen Museumssammlungen wird in Deutschland durch den Steuerzahler finanziert, ohne dass dieser hierfür eine gleichwertige Leistung erhält. Während in den Bibliotheken seit Jahrzehnten die Bestände digitalisiert werden und der jeweilige Stand im Internet veröffentlicht ist, haben erst wenige ethnologische Museen in Deutschland mit der Digitalisierung begonnen. Nur das Ethnologische Museum Berlin veröffentlicht den jeweils aktuellen Arbeitsstand im Internet. In vielen europäischen Ländern ist die Sammlungsdigitalisierung entweder beendet oder sehr weit fortgeschritten. Deutschland ist Schlusslicht und dieser Rückstand könnte sich in wenigen Jahren nachteilig auf das Ansehen Deutschlands in der Welt auswirken. Ethnologische Sammlungen enthalten die materielle Geschichte hunderter, wenn nicht tausender Völker dieser Welt. Die heute lebenden Nachfahren wollen wissen, wo sich ihr kulturelles Erbe befindet. Daher muss Weltkulturerbe weltweit öffentlich sein. Denn wichtiger als die Frage von Besitz und Rückgabe ist die Diskussion der gemeinsamen Nutzung.

Inventur und Veröffentlichung der Fehlbestände

In keinem deutschen Museum gibt es eine regelmäßige Inventur. Die Erfahrungen in den Niederlanden und Frankreich zeigen, dass der Fehlbestand der Erstinventur zwischen fünf und zwanzig Prozent lag. Von den fehlenden Stücken gibt es nur selten Fotos, bestenfalls kurze Beschreibungen.

Wir fordern:

  • Die Vorlage einer Inventur durch jedes Museum, die Veröffentlichung des Fehlbestandes und eine fotografische Bestandsdokumentation jedes einzelnen Stückes in den nächsten fünf Jahren.
  • Die digitalisierten Museumssammlungen sind vollständig im Internet zu verönffentlichen (virtuelles Museum).

A. Copyright-Beschluss jedes Museums

Weltweit wird die Freigabe von Bildern im Internet praktiziert. Teilweise ist in jedes Bild eine Art Wasserzeichen mit der Museumsadresse programmiert.

Wir fordern:

  • Den sofortigen Beschluss der jeweiligen Verantwortlichen in den Museen, dass Fotos von Museumsobjekten im Internet veröffentlicht werden.

B. Digitales Fotografieren der einzelnen Sammlungsgegenstände

Es sind folgende Qualitätsstandards einzuhalten:

  • gerasterter Hintergrund als Größenmaßstab mit aufgedruckter Farbkarte,
  • dreidimensionale Objekte mindestens sechs Fotos (90 Grad Drehung, oben und unten),
  • zweidimensionale Objekte mindestens zwei Fotos (Vorder- und Rückseite).

Das fotografierende Personal ist entsprechend technisch zu schulen. In den Foto-Dateinamen ist mindestens die Objektnummer einzutragen.

Wr fordern:

  • In den nächsten fünf Jahren müssen alle Museumssammlungen fotografiert sein.

C. Scannen der Sammlungsdokumentation

Inventarbücher, Karteikarten, Briefe, Eingangslisten, Feldfotos, etc., d.h. alles zur Sammlung gehörige Material ist einzuscannen und mit den zugehörigen Objekten in der Datenbank zu verknüpfen.

Wr fordern:

  • In den nächsten fünf Jahren muss die Sammlungsdokumentation digitalisiert sein.

D. Auswahl einer Datenbank und Internetpräsenz

Geeignete Datenbanksysteme gibt es, viele Museen nutzen diese bereits. Die Kosten sind gering. Einzugeben sind pro Objekt mindestens die Sammlungsangaben des Inventarbuches und/oder der Karteikarten.

Wir fordern:

  • Entscheidung für ein Datenbanksystem und Erwerb einer Lizenz innerhalb der nächsten zwei Jahre (wenn noch nicht geschehen).
  • Schrittweise Veröffentlichung der Objektfotos mit dem Ziel, den vollständigen Bestand innerhalb der nächsten fünf Jahre im Internet zu präsentieren.
  • Die gescannte Sammlungsdokumentation ist in die Datenbank einzubinden und weitest möglich (Datenschutz) im Internet zu veröffentlichen.

E. Vereinheitlichung des Thesaurus und der Objektnummern

Entscheidend für die Nutzung ist das Anlegen eines Thesaurus (Suchwortverzeichnis) sowie die Korrektur und Vereinheitlichung der Sammlungsangaben. Dies nicht nur für die Sammlungen im jeweiligen Museum, sondern zwischen allen Museen. Derzeit hat jedes Museum ein eigenes Objektnummernsystem.

Wir fordern:

  • Öffentliche schrittweise Entwicklung des Thesaurus mit dem Ziel einer Vereinheitlichung zwischen den deutschen Museen.
  • Angleichung der Objektnummern im Internet und Definition eines europäischen Standards.

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

An die politisch Verantwortlichen der Ethnologischen Museumssammlungen in Deutschland; Dr. Andreas Schlothauer; 2013; https://www.about-africa.de/sammeln-bewahren-forschen-vermitteln/376-an-die-politisch-verantwortlichen-der-ethnologischen-museumssammlungen-in-deutschland

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