Viel zu wenigen Museen ist bewusst, welchen Federschmuck-Schatz sie bewahren, da erst der Vergleich mit den anderen Sammlungen die Seltenheit eines Stückes beweist.

Der Federschmuck Amazoniens ist in geringer Zahl in Museumssammlungen vertreten, alter Federschmuck ist selten gut erhalten, daher sind alte, gut erhaltene Einzelstücke besonders schützenswert und benötigen die volle Aufmerksamkeit des jeweiligen Museums !

Im Gegensatz z. B. zu den Figuren und Masken Afrikas und Ozeaniens ist Federschmuck fast nie Thema von Sonder-Ausstellungen. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass die Zahl der Spezialisten weltweit verschwindend gering war und ist. Der Kunstmarkt hat schon vor vielen Jahren die Skulpturen Afrikas und Ozeaniens zu Anlageobjekten erwählt. Federschmuck war dies nie, ist es nicht und wird es nicht sein, da es in privaten Sammlungen nur sehr wenige Stücke gibt, und der Handel mit diesen in den meisten Ländern verboten ist (Artenschutz).

Da es keine finanziellen Interessen gibt, ist auch die Forschung zum Federschmuck Amazoniens weltweit kaum vorhanden. Wer also sollte qualifizierte Ausstellungen machen?

Die heutige Soziologie- und Gender-verseuchte Ethnologie in Deutschland kann der materiellen Kultur schon lange nichts mehr abgewinnen: den ordentlichen ProfessorInnen fehlt das Interesse und die Bereitschaft sich, entweder bei den indigenen Herstellern oder in den Magazinen der Museen, mit handwerklichen Techniken und Material zu befassen. Daher ist das, vor allem zwischen 1884-1933, in diesem Bereich erworbene Wissen der deutschen ethnologischen Südamerika-Forschung nur noch in den Büchern konserviert und kein lebendiges Wissen der universitären Lehrstühle.

Die Stücke in den Magazinen sind wie Pfeile, die jeweils eine vergangene Zeit markieren, übrig gebliebener Teil des Lebens des jeweiligen Herstellers bzw. des Sammlers. Wenn wir den Verstorbenen unsere Stimme geben wollen, sollten wir den Stücken ganz genau zuhören. Um den Stücken zu begegnen, muss man reisen, viel sehen und anfassen. Dann vereinen sich systematische Suche und zufälliges Auffinden in Ergebnissen, die so nicht geplant und vorhersehbar waren.

"Sorgsam verpackt, weggesperrt, gegen Ungeziefer immunisiert, sterben Objekte in den Magazinen einen langsamen Tod, sie werden ihres aktiven Lebens beraubt." (Die Ethnologin Antje von ELSBERGEN in Stephane VOELL (Hrsg.), "Ohne Museum geht es nicht" – die völkerkundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg", S.77)

Ist es wirklich so?

  • Je nach Material verändern sich die Werke mehr oder weniger, und sind daher gegen Insektenbefall, sowie andere, sie verändernde Einflüsse zu schützen; sie müssen also "sorgsam verpackt und weggesperrt werden".
  • Die Werke können nicht sterben, da sie nie gelebt haben und: sie überdauern die Hersteller, die Sammler, Generationen von Museumsmitarbeitern und Ausstellungsbesuchern.
  • Jede Generation – die Nachkommen der Hersteller eingeschlossen - hat ihre Chance diese Werke für sich zu entdecken und in unterschiedlichsten Zusammenhängen in das eigene Leben einzuschließen.
  • Diese Werke geben uns heute etwas anderes, als sie ihren Herstellern bedeuteten, doch mit dem Respekt für Werk und Hersteller können sie unser Ausgangspunkt für eine interessante Suche mit vielen Begegnungen sein.

Epilog

Mark Münzel, Professor (emerit.), Institut für vergleichende Kulturforschung: Religionswissenschaft und Völkerkunde, Philipps-Universität Marburg, in Voell, Stephane (Hrsg.), „ohne Museum geht es nicht“ – die völkerkundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Marburg, 2001, S.23-30

„Denn Jahre später verschlug es mich zu eben jenen Indianern, aus deren Kultur die alte Sammlung stammte. Und nun auf einmal erkannte ich bestimmte Objekte wieder, jetzt im lebendigen Zusammenhang, erinnerte mich an bestimmte haptische Impressionen, an das Gefühl, wenn man mit der Hand über eine Art Strohgeflecht streicht, an einen bestimmten Materialgeruch. ... Ich konnte mit den Indianern über die Objekte mit einer Intensität und Kenntnis reden, die ich ohne ‚Museumspraktikum’ nicht erreicht hätte. ... Das ‚Museumspraktikum’, das ich während meines Studiums absolvieren musste, wurde an meinem damaligen Studienort wenig später abgeschafft. Man ersetzte es durch Theoriestudium. Generationen von Studierenden wurden ohne jede Beziehung zum Museum ausgebildet, Gegenstände waren langweilig und nicht theoretisch. ... Die sichtbarste Folge dieser Vernachlässigung, nicht nur in jener einen Stadt sondern an vielen deutschen Universitäten, ist heute der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs für die Völkerkundemuseen. Schwerer noch aber wiegt, dass Studierende, die seit Beginn ihres Studiums systematisch vom Interesse an Konkretem weggeführt wurden, später große Schwierigkeiten haben, in anderen als der eigenen akademischen Kultur Fuß zu fassen. Sie sprechen oft nicht mehr so gern ... mit indianischen Fischern, sondern mit indianischen Politikern, die ihre westliche Sprache reden und weder zu Angelhaken noch zu Masken irgendeinen Bezug haben.“

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.