27. und 28. Mai 2006 in Bremen im Überseemuseum

Wegen eines Besuches hatte bereits unser damaliger Vorstand Doktor Schwarz in den Jahren 2004/2005 im Bremer Überseemuseum angefragt. Dieser Termin kam damals wegen der Umgestaltung des Museums nicht zustande.

Der Umbau hat sich gelohnt, die Aussstellungsräume selbst sind einen Besuch wert und verglichen mit anderen deutschen Völkerkundemuseeen einzigartig. Auch die Lage des Museums unmittelbar am Bahnhofsplatz in einem architektonisch dominierenden Bau ist für ein deutsches Museum ungewöhnlich. Und so kann das Museum und seine Ausstellungen von den Bewohnern der Stadt und von auswärtigen Gästen angenommen werden und wird entsprechend gut besucht.

Etwa 40 Mitglieder kamen an diesem Wochenende nach Bremen, viele aus der nördlichen Hälfte, aber auch etliche aus dem Süden und der Mitte Deutschlands.

Die Tagung wurde von der Direktorin des Museums -Frau Doktor Wiebcke Arndt- eröffnet und wir erhielten einen Ausblick auf die Entwicklungen der nächsten Jahre.

Da bei der Wahl in Ladenburg (DE) der neue Vorstand nicht vollständig anwesend gewesen war, stellten sich alle Mitglieder noch einmal kurz vor. Anschließend nutzten wir als neuer Vorstand die Gelegenheit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden Doktor Schwarz für seine geleistete Arbeit zu danken und überreichten ein kleines Präsent. Frau Mielke und Herr Linnhoff konnten leider aus persönlichen Gründen nicht an der Tagung teilnehmen. So hoffen wir, dass wir den beiden bei der nächsten Tagung in Berg en Dahl (NL) noch einmal persönlich für ihr Engagement im Namen des ganzen Vereins danken können.

Es waren drei neue Mitglieder gekommen, auch diese erhielten die Gelegenheit, sich den Anwesenden vorzustellen.

Erster Programmpunkt der Tagung war ein Vortrag der Afrika-Kuratorin des Museums -Frau Silke Seybold- mit dem Thema "Herero - (Un)sichtbare Spuren eines Krieges im Museum". Im Mittelpunkt dieses Vortrages standen die Herero und die Sammlungen des Museums zu dieser Ethnie, gleichzeitig vermittelte Frau Seybold an weiteren Beispielen einen ersten Einblick hinsichtlich der Afrika-Sammlungen und der Geschichte des Museums. Ein kompakter, sehr interessanter Rückblick auf die Sammlungsgeschichte dieser Zeit in dieser Region und ein Blick auf ein mörderisches Kapitel der Kolonialgeschichte Deutschlands.

Noch im Vortragsraum bildeten sich, der regionalen Gliederung der Ausstellung folgend, acht Gruppen mit drei bis sieben Teilnehmern inklusive jeweils einer Person, welche die Koordination übernahm und von der die Arbeitsgruppenteilnehmer eine besondere Kompetenz für diese Region erwarteten. Danach begaben sich alle Anwesenden für drei Stunden (inklusive individueller Cafepause) in die Ausstellung des Museums, um in Gruppenarbeit mit Hilfe von Fragebögen die einzelnen Objekte nach vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Mit Schreibunterlagen und Sitzgelegenheiten hatte uns das Museum versorgt.
Nach den ersten 1 1/2 Stunden in diesen Arbeitsgruppen, konnten die Mitglieder je nach Interessenlage sich der einen oder anderen Gruppe anschließen oder allein durch die Ausstellung wandern. Im Zuge dieser "Arbeit" an den Objekten ergaben sich teils anregende, teils auch heftige Diskussionen über die Qualität und das Alter einzelner Stücke. Insgesamt wurde diese Art der Gruppenarbeit als interessant und anregend empfunden, zumindest waren die Äußerungen einzelner Mitglieder durchweg positiv.

Der Abend endete mit einem vorzüglichen Abendessen im Restaurant des Museums. An dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an die Museumsleitung und die Küche für diesen schönen Abend.

Der nächste Tag begann wie gesagt im Schau-Magazin. Dort konnten fast die gesamten Bestände des Museums in den zahlreichen Glasvitrinen besichtigt werden. Dieses Schaumagazin ist eine einmalige Einrichtung in deutschen Museen, in Europa ist mir lediglich im Kopenhagener Museum für Völkerkunde (DK) Vergleichbares bekannt (dort 'Schatzkammer' genannt). In den USA sind derartige Magazine angeblich häufiger. Für uns als Sammler ist ein derartiger Zugang zu Museumssammlungen ein erstrebenswerter Zustand, daher sollten wir auch wissen, wem wir diese Arbeit verdanken: Professor Viola König und Doktor Peter Junge früher am Überseemuseum und heute im Berliner Museum für Völkerkunde (DE) als Direktorin und Afrika-Kurator tätig.
Wie am Tag vorher wurden Fragebögen verteilt, und jeder konnte seine persönlichen Favoriten aussuchen und bewerten.
Glücklicherweise waren auch einige Weltklasse-Stücke, die immer wieder für Ausstellungen im Ausland angefordert werden (daher selten im Hause sind) und bereits in dem Buch von Fuhrmann 1922 abgebildet sind, zu sehen.
Etwa 50 Objekte waren bereits am Freitag aus den Vitrinen geholt worden und wurden auf Tischen den Mitgliedern präsentiert. Zwar durften die Stücke aus versicherungstechnischen Gründen nicht von uns selbst in die Hand genommen werden, aber eine Praktikantin hatte dankenswerter diese Aufgabe übernommen, so dass die Stücke von allen Seiten betrachtet werden konnten.

Der Tag endete mit einem Vortrag von David Zemanek über "Das Maskenwesen der ethnischen Gruppe der Makonde in Tansania". Zwar konnten die mit viel Arbeit vorbereiteten Folien mangels Projektor nicht gezeigt werden, mit einem technischen Trick war per Beamer ein Zeigen der Bilder dann doch möglich. Vielen Dank David für die detaillierte Materialsammlung, die vielen Bilder und Dein von Mal zu Mal besser werdender Vortragsstil. Für mich ein konkreter, interessanter Vortrag.

Die schriftlichen Ergebnisse der Arbeit dieser Tagung werden bei der nächsten Tagung zusammengefasst vorgestellt und noch in diesem Jahr dem Museum übergeben. Vielleicht wird das Eine oder Andere nicht ausgestellte Stück hierdurch mehr Beachtung finden, sowie das Eine oder Andere ausgestellte Stück unter einem neuen Blickwinkel betrachtet.

An dieser Stelle sei noch einmal der Afrika-Kuratorin Silke Seybold (Halbtages-Stelle!!) besonders für ihr Engagement - überwiegend außerhalb ihrer Arbeitszeit - gedankt (ein Trauerspiel für eine reiche Stadt wie Bremen, dass sich ein derart großes Museum mit so guten Besucherzahlen keine Ganztages-Stelle leisten kann).

Wie in der Vergangenheit in anderen Museum werden wir auch dem Bremer Überseemuseum eine Spende zur freien Verwendung an das Museum von 2.000 € hinterlassen können. Den Verwendungszweck werde ich bei einer der nächsten Tagungen mitteilen können.

Vielen Dank an Dr. Andreas Schlothauer.

Autor
Dr. Andreas Schlothauer
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Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Bericht zur Frühjahrstagung 2006 Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V.; Dr. Andreas Schlothauer; 2006; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2006-fruehjahrstagung-bremen/220-bericht-fruehjahrstagung-2006-vdfak

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