Die Ärztin und Kunstbegeisterte I.Richter im Gespräch mit A.Schlotheur
Herr Doktor Schlothauer und Frau Doktor Richter beim Sammlergespräch während der Frühjahrstagung der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur e.V. in München, 2008

Audiomitschnitt des Sammlergesprächs

Vorwort

Andreas Schlothauer: Unser Kreis ist mit über 160 Mitgliedern so groß, dass es schwer ist alle zu kennen. Die Sammlergespräche sind eine Gelegenheit des öffentlichen Vorstellens und Kennenlernens..

Seit etwa zehn Jahren bin ich Mitglied des Vereins und hatte immer den Eindruck, dass nur Männer sammeln. Erst vor kurzem habe ich festgestellt, dass es auch Sammlerinnen gibt, die meist sehr viel zurückhaltender sind als Sammler. Daher möchte ich auf dieser Tagung in drei Sammlergesprächen drei Sammlerinnen zu Wort kommen lassen.

Meine erste Gesprächspartnerin ist Dr. Ingrid Richter, sie ist Ärztin.

Seit wann sammelst Du und wie kam es dazu?

Ingrid Richter: Ich komme aus einem Architektenhaushalt und mein Vater reiste in den 1960iger und 1970iger Jahren mit Rucksack durch Afrika, brachte immer einzelne Stücke mit und die waren in unserem Haushalt. Schon als Kind war ich sehr begeistert, gegen den Willen meiner Mutter, die keinen Zugang zu Afrika und zu diesen Objekten hatte. Meinen Vater faszinierten die Schönheiten des Landes, die der Frauen und der Kopfbehandlung mit der Betonung des Hinterkopfes und die Architektur.

Ich war sehr fasziniert von diesen Dingen, begann sehr früh mich zu interessieren und sammelte ab dem 18. Lebensjahr aktiv mit. Die Preisgestaltung blieb immer im Geheimen, wer was zahlte, das war mein Vater, dem ich vorschlug die Dinge zu finanzieren, die meine Mutter eigentlich ablehnte und die waren dann so wie meine Objekte.

Dann hab ich in München studiert, konnte in München kaufen, habe in Köln gekauft, auf Auktionen gekauft bei Lempertz später in Düsseldorf bei Vömel oder bei Kegel-Konietzko oder auch in Afrika selber, aber sehr dezent weil in Afrika als ich dahin kam gab es wenig gute Stücke, die meisten waren eben bei uns in Europa oder Amerika.

Gibt es ein bestimmtes Sammelgebiet oder eine Region, einen ästhetischen Typ den Du bevorzugst?

Ingrid Richter: Eigentlich querdurch. Ich habe sehr lieblich angefangen und bin dann ganz streng geendet. Jetzt liebe ich Objekte die sehr abstrahiert sind, sehr streng sind. Ich habe versucht mich zu verbessern und Stücke qualitativ auszusortieren, die ich am Anfang gekauft habe, und bin jetzt bei ganz strengen Sachen die mich faszinieren.

Warum sammelst Du immer noch?

Ingrid Richter: Dezenter, aber immer noch. Wenn mich eine Figur oder eine Maske begeistert, dann bin ich so entflammt, dass ich gar nicht anders kann.

Andreas Schlothauer: So geht es den Sammlerinnen nicht anders als den Sammlern!

Ingrid Richter: Gestern bei Herrn Gerd Stoll, habe ich ein ibedji-Paar gesehen, da war ich wieder entflammt, aber es ist unverkäuflich.

Andreas Schlothauer: Ein Glück, sonst wäre die Kasse wieder leer.

Erinnerst Du Dich noch an das erste erworbene Stück oder irgendein Lieblingsstück?

Ingrid Richter: Ja, das war eben nicht nur meine Stücke, durch meinen Vater und mich waren das ‚Mischteile'. Mein erstes, in den 1980-er Jahren aktiv selbst gekauftes Stück war ein Stab der Yoruba und ein ibedji-Paar der Yoruba.

Und wo hast Du die Stücke erworben?

Ingrid Richter: Begonnen habe ich in Köln, in Düsseldorf, auf Messen, in München, in Frankreich ganz tolle Sachen, und von einem belgischen Händler, immer mal wo ich grad war.

Warst Du schon in Afrika?

Ingrid Richter: Ja, in Westafrika, in Mali. Aber da konnte ich nichts kaufen. Mein Vater hatte da länger gelebt, und ich habe von ihm Informationen bekommen, dass alle Dinge die da zu kaufen waren, neueren Datums sind.

Und was sagt Dein Mann zu Deiner Sammelleidenschaft?

Ingrid Richter: Ich habe einen Sechser im Lotto, der akzeptiert das. Unser Haus ist so afrikanisch, voll dekoriert, dass ich ihm zuliebe das Wohnzimmer entzerrt habe, aber alle anderen Räume die sind über und über voll. Der akzeptiert das, hat aber keine Ahnung weder von Preisen noch von Herkünften. Der ist auch Mediziner und Hobby-Fotograf, und ich versuche ihm einen Lebensraum zu ermöglichen, dass nicht nur meine afrikanische Welt dominiert.

Vortrag MU-2008FT-04 Frühjahrstagung 2008 der Vereinigung der Freunde Afrikanischer Kultur in München (Staatliches Museum für Völkerkunde), 30. Mai bis 1. Juni 2008 - Ulrike und Hans Himmelheber - Leben und Schaffen

Vielen Dank an Dr.med. Ingrid Richter.

Autor
Dr.med. Ingrid Richter
Verpflichtende Zitierweise zum Artikel

Was, seit wann, warum ... sammeln Sie? Eine Sammlerin im Gespräch; Dr.med. Ingrid Richter; 2008; https://www.about-africa.de/vdfak-tagungen/2008-fruehjahrstagung-muenchen/85-warum-sammeln-sie-sammlerin-gespraech

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